Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz stellt sich finanziellen Realitäten und hält zugleich am Ziel einer offenen, vielfältigen und zukunftsfähigen Kirche fest

Speyer (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat ihre viertägige Tagung in Speyer abgeschlossen. Die Tagung stand im Spannungsfeld von deutlich enger werdenden finanziellen Spielräumen und dem Willen, Kirche nicht nur kleiner, sondern auch beweglicher, präsenter und zukunftsfähiger zu gestalten.

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst hatte in ihrem Bericht zum Auftakt dazu aufgerufen, nicht nur vom Mangel her zu denken. Eine Kirche, die nur noch über fehlende Ressourcen spreche, verliere den Blick für ihre Aufgabe und ihre Kraft. Diese Linie zog sich durch die gesamte Tagung: Die Synode sprach über Rücklagen, Einsparungen und Strukturfragen. Zugleich aber auch über Segensangebote, Mitgliederkommunikation, Vielfalt, Bildung, Diakonie und neue Formen kirchlicher Präsenz.

Besonders deutlich wurde die finanzielle Lage bei der Beratung der mittelfristigen Finanzplanung für die Jahre 2027 bis 2032. Finanzdezernentin Juliane Danz sprach von einer „ungeschminkten Wahrheit“ und machte deutlich: Ein „Weiter so“ sei finanziell unmöglich. Die Synode passte einzelne vorgesehene Maßnahmen und Projekte an und reduzierte damit den zusätzlichen Finanzbedarf für die kommenden Haushaltsjahre. Zugleich blieb die Grundbotschaft unverändert: Die Landeskirche muss ihren Zukunftsprozess konsequent weiterführen, wenn sie handlungsfähig bleiben will.

Dabei zeigte sich: Sparen und Gestalten gehören zusammen. Die Synode beriet nicht nur über finanzielle Begrenzungen, sondern auch über die Frage, wofür Kirche künftig stehen will. Mit der Fortführung von Philippus als systematischer Mitgliederkommunikation und von Blessed.Pfalz als Segensbüro stärkte sie Angebote, die Menschen an biografischen Übergängen, in Lebensfragen und mit niedrigschwelligen Formen kirchlicher Begleitung erreichen sollen.

Auch das Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“ griff eine Zukunftsfrage auf: Wie kann Kirche ein Ort sein, an dem Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Prägungen, Lebensformen und Bedürfnissen selbstverständlich vorkommen? Die Synode nahm dabei nicht nur Migration, sondern die Breite gesellschaftlicher Vielfalt in den Blick und verband theologische Grundfragen mit praktischen Beispielen aus Gemeinden, Diakonie, Bildung und Seelsorge.

Einen weiteren Schwerpunkt bildete der Transformationsprozess #kirche.mutig.machen. Die Arbeitsgruppen zeigten, dass der Prozess zunehmend von der Grundsatzdebatte in die konkrete Ausarbeitung übergeht. Deutlich wurde, dass neue Strukturen nur dann tragen, wenn auch eine neue Kultur der Zusammenarbeit, Beteiligung und Ermöglichung entsteht.

Auch die Berichte der übergemeindlichen Dienste machten sichtbar, dass Kirche mehr ist als Ortsgemeinde allein. Bildung, Jugend, Akademiearbeit, Diakonie, Frieden und Umwelt, Ökumene sowie Aus- und Fortbildung schaffen Kontaktflächen zu Menschen, die in klassischen Gemeindestrukturen oft nicht oder nur lose vorkommen. In der Transformation wird es darum gehen, diese Fachlichkeit und gesellschaftliche Präsenz nicht zu verlieren, sondern neu zu ordnen.

Die Beratungen zur Zukunft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler machten exemplarisch deutlich, wie schmerzhaft Priorisierungen werden können. Zugleich stand auch hier die Suche nach der bestmöglichen Lösung für alle Beteiligten im Mittelpunkt: für Schüler*innen und Familien, Beschäftigte, den Schulstandort und die Landeskirche.

Zum Abschluss blieb das Bild einer Synode, die sich der finanziellen Realität stellt, ohne sich von ihr lähmen zu lassen. Die kommenden Monate werden weitere Entscheidungen bringen: zur Kirchenbezirksreform, zur gemeinsamen Verwaltung, zum gemeinsamen Kita-Träger und zur neuen Verfassung. Die Richtung der Tagung war dennoch erkennbar: Die Evangelische Kirche der Pfalz will sich verändern, um ihrem Auftrag auch unter veränderten Bedingungen treu zu bleiben – mit weniger Ressourcen, aber mit klarem Blick auf das, was Menschen von Kirche brauchen.

Hintergrund: Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz

Die Landessynode ist das oberste kirchenleitende Organ der Evangelischen Kirche der Pfalz. Sie berät und entscheidet über Grundfragen des kirchlichen Lebens, beschließt Kirchengesetze und den Haushalt der Landeskirche und stellt die Weichen für die zukünftige Entwicklung der Landeskirche. Die nächste Tagung findet vom 16. bis 28. November in Speyer statt.

Gruppe MEnschen in einem Saal sitzt in Reihen an Tischen.

Die Synode beriet nicht nur über finanzielle Begrenzungen, sondern auch über die Frage, wofür Kirche künftig stehen will. Alle Fotos: lk/Krümpelmann