Evangelische Kirche der Pfalz: Artikelschau https://www.evkirchepfalz.de/ de-de Evangelische Kirche der Pfalz Mon, 15 Jun 2026 15:14:46 +0200 Mon, 15 Jun 2026 15:14:46 +0200 TYPO3 EXT:news news-4334 Sat, 13 Jun 2026 11:33:54 +0200 Zwischen Zumutung und Zuversicht /zwischen-zumutung-und-zuversicht Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz stellt sich finanziellen Realitäten und hält zugleich am Ziel einer offenen, vielfältigen und zukunftsfähigen Kirche fest Speyer (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat ihre viertägige Tagung in Speyer abgeschlossen. Die Tagung stand im Spannungsfeld von deutlich enger werdenden finanziellen Spielräumen und dem Willen, Kirche nicht nur kleiner, sondern auch beweglicher, präsenter und zukunftsfähiger zu gestalten.

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst hatte in ihrem Bericht zum Auftakt dazu aufgerufen, nicht nur vom Mangel her zu denken. Eine Kirche, die nur noch über fehlende Ressourcen spreche, verliere den Blick für ihre Aufgabe und ihre Kraft. Diese Linie zog sich durch die gesamte Tagung: Die Synode sprach über Rücklagen, Einsparungen und Strukturfragen. Zugleich aber auch über Segensangebote, Mitgliederkommunikation, Vielfalt, Bildung, Diakonie und neue Formen kirchlicher Präsenz.

Besonders deutlich wurde die finanzielle Lage bei der Beratung der mittelfristigen Finanzplanung für die Jahre 2027 bis 2032. Finanzdezernentin Juliane Danz sprach von einer „ungeschminkten Wahrheit“ und machte deutlich: Ein „Weiter so“ sei finanziell unmöglich. Die Synode passte einzelne vorgesehene Maßnahmen und Projekte an und reduzierte damit den zusätzlichen Finanzbedarf für die kommenden Haushaltsjahre. Zugleich blieb die Grundbotschaft unverändert: Die Landeskirche muss ihren Zukunftsprozess konsequent weiterführen, wenn sie handlungsfähig bleiben will.

Dabei zeigte sich: Sparen und Gestalten gehören zusammen. Die Synode beriet nicht nur über finanzielle Begrenzungen, sondern auch über die Frage, wofür Kirche künftig stehen will. Mit der Fortführung von Philippus als systematischer Mitgliederkommunikation und von Blessed.Pfalz als Segensbüro stärkte sie Angebote, die Menschen an biografischen Übergängen, in Lebensfragen und mit niedrigschwelligen Formen kirchlicher Begleitung erreichen sollen.

Auch das Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“ griff eine Zukunftsfrage auf: Wie kann Kirche ein Ort sein, an dem Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Prägungen, Lebensformen und Bedürfnissen selbstverständlich vorkommen? Die Synode nahm dabei nicht nur Migration, sondern die Breite gesellschaftlicher Vielfalt in den Blick und verband theologische Grundfragen mit praktischen Beispielen aus Gemeinden, Diakonie, Bildung und Seelsorge.

Einen weiteren Schwerpunkt bildete der Transformationsprozess #kirche.mutig.machen. Die Arbeitsgruppen zeigten, dass der Prozess zunehmend von der Grundsatzdebatte in die konkrete Ausarbeitung übergeht. Deutlich wurde, dass neue Strukturen nur dann tragen, wenn auch eine neue Kultur der Zusammenarbeit, Beteiligung und Ermöglichung entsteht.

Auch die Berichte der übergemeindlichen Dienste machten sichtbar, dass Kirche mehr ist als Ortsgemeinde allein. Bildung, Jugend, Akademiearbeit, Diakonie, Frieden und Umwelt, Ökumene sowie Aus- und Fortbildung schaffen Kontaktflächen zu Menschen, die in klassischen Gemeindestrukturen oft nicht oder nur lose vorkommen. In der Transformation wird es darum gehen, diese Fachlichkeit und gesellschaftliche Präsenz nicht zu verlieren, sondern neu zu ordnen.

Die Beratungen zur Zukunft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler machten exemplarisch deutlich, wie schmerzhaft Priorisierungen werden können. Zugleich stand auch hier die Suche nach der bestmöglichen Lösung für alle Beteiligten im Mittelpunkt: für Schüler*innen und Familien, Beschäftigte, den Schulstandort und die Landeskirche.

Zum Abschluss blieb das Bild einer Synode, die sich der finanziellen Realität stellt, ohne sich von ihr lähmen zu lassen. Die kommenden Monate werden weitere Entscheidungen bringen: zur Kirchenbezirksreform, zur gemeinsamen Verwaltung, zum gemeinsamen Kita-Träger und zur neuen Verfassung. Die Richtung der Tagung war dennoch erkennbar: Die Evangelische Kirche der Pfalz will sich verändern, um ihrem Auftrag auch unter veränderten Bedingungen treu zu bleiben – mit weniger Ressourcen, aber mit klarem Blick auf das, was Menschen von Kirche brauchen.

Hintergrund: Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz

Die Landessynode ist das oberste kirchenleitende Organ der Evangelischen Kirche der Pfalz. Sie berät und entscheidet über Grundfragen des kirchlichen Lebens, beschließt Kirchengesetze und den Haushalt der Landeskirche und stellt die Weichen für die zukünftige Entwicklung der Landeskirche. Die nächste Tagung findet vom 16. bis 28. November in Speyer statt.

]]>
news-4333 Sat, 13 Jun 2026 11:29:26 +0200 „Ein Weiter so ist finanziell unmöglich“ /ein-weiter-so-ist-finanziell-unmoeglich Landessynode befasst sich mit mittelfristiger Finanzplanung 2027 bis 2032 – Finanzdezernentin Danz wirbt für radikale Transparenz und konsequente Transformation Speyer (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat sich am Samstag mit der mittelfristigen Finanzplanung für die Haushaltsjahre 2027 bis 2032 befasst. In ihrer ersten Einbringung als neue Finanzdezernentin machte Oberkirchenrätin Juliane Danz deutlich, dass die Landeskirche vor erheblichen finanziellen Herausforderungen steht. Die vorgelegten Zahlen zeigten, dass der Transformationsprozess #kirche.mutig.machen kein freiwilliges Reformprojekt sei, sondern zwingend notwendig, um die finanzielle Handlungsfähigkeit der Landeskirche zu sichern.

„Als Ihre neue Finanzdezernentin ist es meine Pflicht, Ihnen heute die ungeschminkte Wahrheit zu präsentieren“,

sagte Danz vor der Synode. Die Landeskirche müsse sich „radikal ehrlich machen“: „Ein Weiter so ist finanziell unmöglich.“

Rücklagen geraten früher unter Druck

Die mittelfristige Finanzplanung zeigt, dass die laufenden Einnahmen und Ausgaben der Landeskirche in den kommenden Jahren nur unter erheblichem Rückgriff auf Rücklagen ausgeglichen werden können. Bereits für das Haushaltsjahr 2026 wird damit gerechnet, dass der Haushalt nur durch eine Entnahme aus der Sammelrücklage ausgeglichen werden kann. Nach der Planung wird die erforderliche Mindesthöhe der Betriebsmittel- und Ausgleichsrücklage bereits 2026 unterschritten. In früheren Planungen war dies erst für 2030 erwartet worden.

Danz sprach von einer „dramatischen Vorschau“. Die Zahlen seien keine Überraschung, sondern die logische Fortschreibung der Entwicklungen der vergangenen Jahre. Gerade deshalb brauche die Synode das vollständige Bild. „Nur wenn wir die Krise in ihrer Gesamtheit begreifen, gewinnen wir die Handlungsfreiheit, sie aktiv zu gestalten“, sagte die Finanzdezernentin.

Kirchensteuer reicht nicht mehr aus

Die Kirchensteuer bleibt die wichtigste Einnahmequelle der Landeskirche. Die Finanzplanung geht jedoch davon aus, dass das Kirchensteueraufkommen 2026 unter dem Ergebnis des Jahres 2025 liegen wird. Hinzu kommen Schwankungen und Rückzahlungsverpflichtungen im Rahmen des Clearingverfahrens, dem solidarischen Finanzausgleich zwischen den deutschen Landeskirchen. Für 2026 wird eine Rückzahlung von voraussichtlich rund 6,04 Millionen Euro erwartet.

Die Planung macht zugleich deutlich, dass die Einnahmeentwicklung nicht mit den Kostensteigerungen Schritt hält. In der Vorlage wird die Entwicklung des Kirchensteueraufkommens auch dem Verbraucherpreisindex gegenübergestellt. Danach liegt die reale Finanzkraft deutlich unter dem, was die nominalen Kirchensteuerzahlen auf den ersten Blick vermuten lassen.

Gesamtbedarf bleibt hoch

Unter Berücksichtigung laufender Bedarfe, Rückstellungen und Pflichtzuführungen zu Rücklagen weist die Finanzplanung für die kommenden Jahre erhebliche Defizite aus. Ohne weitere Veränderungen belaufen sich diese bis 2032 jährlich auf Beträge zwischen rund 8,6 und 13,1 Millionen Euro. Rechnet man zusätzliche Maßnahmen und Projekte hinzu, steigt der Gesamtbedarf in einzelnen Jahren deutlich an – etwa auf rund 19,7 Millionen Euro im Jahr 2027 und rund 15,5 Millionen Euro im Jahr 2028.

Zu diesen Maßnahmen gehören unter anderem Mittel für Blessed.Pfalz, Philippus, das Protestationsjubiläum 1529–2029, die Einführung des neuen Gesangbuchs, die digitale Trauagende, die Förderung klimaneutraler Heizungen, die Migrationsarbeit, die Kooperation der Predigerseminare, Arbeitsschutz und Gesundheitsmanagement sowie steigende IT-Kosten. Die Umstellungskosten für den Transformationsprozess #kirche.mutig.machen sind in der Übersicht noch nicht beziffert. 

In den Beratungen hat die Synode einzelne in der Finanzplanung vorgesehene Maßnahmen und Projekte nicht oder nicht in voller Höhe übernommen beziehungsweise modifiziert. Betroffen waren unter anderem Ansätze zum Protestationsjubiläum, zur Einführung des neuen Gesangbuchs, zur Fertigstellung der digitalen Trauagende, zur Förderung klimaneutraler Heizungen sowie zum Projekt „Kita als Zukunftsort von Kirche“. Die genaue Fortschreibung der Einzelansätze erfolgt im weiteren Haushaltsverfahren.

An der grundsätzlichen finanzpolitischen Bewertung ändert dies jedoch nichts. Auch nach den Anpassungen bleibt der Konsolidierungsdruck hoch. Die mittelfristige Finanzplanung macht deutlich, dass die Landeskirche ihre finanzielle Handlungsfähigkeit nur durch wirtschaftliche Haushaltsführung und die konsequente Umsetzung des Zukunftsprozesses #kirche.mutig.machen sichern kann.

Sparen und Gestalten gehören zusammen

Danz betonte, die mittelfristige Finanzplanung sei kein Grund zur Resignation. Sie sei vielmehr „der lauteste Weckruf, den wir je hatten“. Die Zahlen belegten, warum die Landeskirche den Transformationsweg eingeschlagen habe. „Unser Reformkurs ist der einzig gangbare Weg in die Zukunft“, sagte die Finanzdezernentin.

Damit schlug die Finanzplanung den Bogen zu den weiteren Themen der Synodentagung. In den vergangenen Tagen hatte die Synode unter anderem über die Zukunft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler, die Fortführung von Philippus und Blessed.Pfalz, das Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“, übergemeindliche Dienste sowie die Arbeitsstände im Zukunftsprozess beraten. Viele dieser Themen stehen für den Versuch, kirchliches Handeln unter enger werdenden finanziellen Bedingungen neu auszurichten: weniger „Weiter so“, mehr Konzentration, Kooperation und Innovation.

Die mittelfristige Finanzplanung zeigt dabei die Spannung, in der die Landeskirche steht: Einerseits sind schmerzhafte Einsparungen und Priorisierungen unvermeidlich. Andererseits soll Kirche auch künftig sichtbar, ansprechbar und wirksam bleiben – in Gemeinden und Regionen, in Bildung und Diakonie, in Seelsorge und Verkündigung, in gesellschaftlicher Verantwortung und neuen Formen kirchlicher Präsenz.

#kirche.mutig.machen bleibt Schlüsselprozess

Die Finanzplanung verweist ausdrücklich auf den Zukunftsprozess #kirche.mutig.machen. Bis 2035 soll die Finanzsituation der Landeskirche durch Einsparungen oder zusätzliche Einnahmen um rund 60 Millionen Euro verbessert werden. Welche konkreten Effekte einzelne Reformbeschlüsse künftig auf Haushalte und Finanzplanungen haben werden, lässt sich nach der Vorlage derzeit noch nicht abschließend beziffern.

Die zentrale Schlussfolgerung der Finanzplanung lautet: Nur bei wirtschaftlicher Haushaltsführung sowie umgehender und konsequenter Umsetzung der Einsparziele aus #kirche.mutig.machen kann erreicht werden, dass laufende Einnahmen und laufende Ausgaben wieder annähernd in Deckung kommen und die Landeskirche ihre finanzielle Handlungsfähigkeit behält.

Die Tagung der Landessynode wird am Samstag fortgesetzt. Auf der Tagesordnung stehen außerdem Berichte aus den Bezirkssynoden, Anträge und eine Fragestunde.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

]]>
news-4332 Fri, 12 Jun 2026 17:01:15 +0200 Kirche über die Ortsgemeinde hinaus /kirche-ueber-die-ortsgemeinde-hinaus Landessynode befasst sich mit Berichten der übergemeindlichen Dienste Speyer (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat sich am Freitag mit den Berichten der übergemeindlichen Dienste befasst. Dabei wurde deutlich: Die Dienste sind für die Landeskirche wichtige Kontaktflächen in die Gesellschaft. Sie erreichen Menschen in Lebensbereichen, die über die klassische Ortsgemeinde hinausgehen – in Bildung und Familie, Jugend und Arbeitswelt, Diakonie und Beratung, Friedens- und Umweltarbeit, Ökumene, Akademiearbeit sowie Aus- und Fortbildung.

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst führte in den Tagesordnungspunkt ein. In den vergangenen Monaten habe die Landeskirche intensiv über künftige Strukturen von Ortsgemeinden, Regionen und Kirchenbezirken beraten. Dieser Bezugsrahmen sei das „Rückgrat von Kirche“, sagte Wüst. Kirche erschöpfe sich aber nicht darin. Sie brauche auch künftig eine gesamtkirchliche Dimension theologischen, pädagogischen, diakonischen und gesellschaftlichen Wirkens.

Kontaktflächen in die Gesellschaft

Die Berichte zeigen einen gemeinsamen roten Faden: Die übergemeindlichen Dienste bringen Kirche dorthin, wo Menschen leben, lernen, arbeiten, sich engagieren, beraten lassen, nach Orientierung suchen oder Verantwortung übernehmen. Sie unterstützen Gemeinden und Kirchenbezirke, schaffen zugleich aber eigene Zugänge zu Menschen, die in klassischen Gemeindestrukturen oft nicht oder nur lose vorkommen.

Die Evangelische Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft beschreibt ihre Arbeit mit dem Leitmotiv, für Menschen „an den Hecken und Zäunen“ da zu sein. Sie erreicht Familien, Frauen, Männer, Arbeitnehmervertretungen, Menschen in Belastungssituationen am Arbeitsplatz und Menschen in digitalen Bildungsformaten. Die Arbeitsstelle Frieden und Umwelt verbindet Friedensethik, Schöpfungsverantwortung und konkrete gesellschaftliche Fragen – etwa mit dem Projekt „DeineEntscheidung.info“, das junge Menschen vor der Frage von Wehrdienst oder Kriegsdienstverweigerung begleitet, oder mit der „Käferkarawane“, durch die Kirchengemeinden und Einrichtungen ihre Außenflächen ökologisch aufgewertet haben.

Auch das Diakonische Werk Pfalz beschreibt seine Arbeit als kirchliche Präsenz mitten in gesellschaftlichen Krisen. Als größtes gesamtkirchliches Werk der Landeskirche mit rund 70 Beratungsstellen, knapp 300 Mitarbeitenden, 14 Häusern der Diakonie und mehr als 50 angeschlossenen Trägern verbindet es konkrete Hilfe, anwaltschaftliches Handeln und sozialpolitische Verantwortung. Künftig sollen Beratung, Gemeinwesendiakonie und sozialräumliche Arbeit stärker mit kirchlichen Strukturen vor Ort verzahnt werden.

Orientierung in komplexen Zeiten

Mehrere Dienste beschreiben eine ähnliche Gegenwartswahrnehmung: Menschen suchen Orientierung, Schutzräume, verlässliche Gemeinschaft und Gesprächsorte in einer komplexer, konfliktreicher und unsicherer werdenden Welt. Die Evangelische Akademie der Pfalz greift gesellschaftliche Streitfragen auf – etwa demokratische Kultur, Friedensethik, Medienverantwortung, Migration, Religion im öffentlichen Raum und ethische Fragen von Wirtschaft und Gesellschaft. Sie schafft Räume für differenzierte Debatten und arbeitet zugleich an einer Zusammenführung mit der Evangelischen Akademie Frankfurt.

Das Landesjugendpfarramt stellt die Frage Jesu „Was sucht ihr?“ in den Mittelpunkt seiner Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Entscheidend seien frühe Kontaktflächen, gelingende Übergänge von der Konfi-Zeit in die Jugendarbeit, Räume für ehrenamtliches Engagement und die Begleitung junger Menschen in Krisen. Zugleich macht der Bericht deutlich, dass Jugendarbeit auf verlässliche Strukturen, fachliche Begleitung und Fördermittel angewiesen bleibt.

Der Missionarisch-Ökumenische Dienst bündelt Volksmission und Weltmission. Schwerpunkte liegen unter anderem in der Ausbildung von Lektorinnen und Prädikantinnen, in der Stärkung der Sprachfähigkeit in Glaubensfragen, in internationalen Partnerschaften und im ökumenischen Lernen. Für die Zukunft beschreibt der Dienst eine missionale Haltung nicht als Überstülpen fertiger Antworten, sondern als gemeinsames Suchen, Dialogfähigkeit und Rechenschaft über den eigenen Glauben.

Transformation braucht Fachlichkeit

Ein weiterer gemeinsamer Befund der Berichte lautet: Transformation gelingt nicht allein durch neue Strukturen. Sie braucht Fachlichkeit, Begleitung, Qualifizierung und sorgfältige Übergänge. Das Institut für kirchliche Fortbildung beschreibt die veränderte Personalsituation der Landeskirche als eine der zentralen Herausforderungen: demografische Verluste, neue Berufsrollen, Nachwuchsfragen, verändertes Ehrenamt und die Notwendigkeit, Zusammenarbeit, Teamfähigkeit, Konfliktkompetenz, Resilienz und Selbststeuerung stärker einzuüben.

Das Protestantische Predigerseminar Landau steht ebenfalls vor strukturellen Veränderungen. Bei kleiner werdenden Kursen arbeitet es an einer Kooperation mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Geplant ist ein gemeinsames Theologisches Seminar in Frankfurt. Zugleich sollen pfälzische Besonderheiten, Mentor*innenbegleitung und Ausbildungselemente in der Landeskirche erhalten bleiben.

Dienste sollen neu geordnet werden

Die Berichte stehen im Zusammenhang mit dem Zukunftsprozess #kirche.mutig.machen. Mit dem Eckpunktepapier von 2025 hatte die Landessynode zugestimmt, auch die gesamtkirchliche Arbeit neu aufzustellen. Anfang 2028 soll ein neues gesamtkirchliches Team startbereit sein. In der entsprechenden Themengruppe wird derzeit daran gearbeitet, welche Themen, Aufgaben und Kompetenzen künftig in diesem Team gebündelt werden sollen.

Deutlich wurde in den Berichten auch, dass die Dienste ihre Arbeit unter veränderten finanziellen und personellen Bedingungen neu priorisieren müssen. Zugleich warnen mehrere Berichte davor, gewachsene Kontakte, Netzwerke, Kooperationen und Vertrauen vorschnell abbrechen zu lassen. Was einmal verloren gehe, könne oft nur mit hohem Aufwand wieder aufgebaut werden.

„Ob es um Jugendarbeit oder Erwachsenenbildung geht, um Akademiearbeit oder Familienkirche, um die Ausbildung unseres theologischen Nachwuchses oder die Fort- und Weiterbildung des pastoralen Berufsstandes, um die Qualifizierung von Lektor*innen und Prädikant*innen oder den Weltgebetstag der Frauen, um Weltmission und Ökumene oder um Frieden und Umwelt, um Akademie oder Diakonie – das alles steht im Dienst qualitätvoller Arbeit in unseren Gemeinden, im Dienst an den Themen der Welt und im Dienst des Auftrags, den Gott uns gibt“, sagte Kirchenpräsidentin Wüst.

Im Anschluss an die Einbringung hatten die Synodalen Gelegenheit zu Rückfragen. Außerdem fand eine Gesprächsrunde mit Vertreter*innen der Dienste statt, moderiert von Kirchenrat Wolfgang Schumacher. 

Fortsetzung der Synodentagung

Die Tagung der Landessynode wird am Samstag, 13. Juni, um 8.30 Uhr mit einer Andacht fortgesetzt. Ab 9 Uhr stehen unter anderem die Aussprache zum Bericht der Kirchenpräsidentin, die mittelfristige Finanzplanung für die Jahre 2027 bis 2032, Berichte aus den Bezirkssynoden, Anträge und eine Fragestunde auf der Tagesordnung.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

]]>
news-4331 Fri, 12 Jun 2026 14:54:54 +0200 Zukunftsprozess kommt in die konkrete Ausarbeitung /zukunftsprozess-kommt-in-die-konkrete-ausarbeitung Arbeitsgruppen stellen Zwischenstände zu #kirche.mutig.machen vor – Synode gibt Resonanz für die nächsten Schritte Speyer (lk). Der Zukunftsprozess #kirche.mutig.machen der Evangelischen Kirche der Pfalz ist in eine neue Arbeitsphase eingetreten. Bei der Landessynode in Speyer stellten die Themen- und Koordinierungsgruppen am Freitag ihre Zwischenstände  vor. Dabei wurde deutlich: Nach den grundsätzlichen Eckpunkten geht es nun um die konkrete Ausgestaltung künftiger Strukturen, Zuständigkeiten und Arbeitsweisen.

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst beschrieb die aktuelle Phase als eine Art „Interim“. Die Eckpunkte des Reformprozesses seien beschlossen, der Entwurf einer neuen Kirchenverfassung sowie weitere Gesetzesentwürfe befänden sich derzeit im Stellungnahmeverfahren bei Bezirkssynoden und Presbyterien. Im November werde sich die Landessynode unter anderem mit der Kirchenbezirksreform, dem gemeinsamen Kita-Träger und der gemeinsamen Kirchenverwaltung befassen. Im Frühjahr 2027 soll die neue Verfassung beraten werden.

Zugleich habe die Landeskirche einen zweiten großen Prozessabschnitt begonnen. In Themen- und Koordinierungsgruppen wird derzeit daran gearbeitet, wie die beschlossenen Eckpunkte umgesetzt werden können. Dabei gehe es ausdrücklich noch nicht um fertige Entscheidungsvorlagen, sondern um Zwischenberichte, offene Fragen und mögliche Lösungswege. Die Synode solle Resonanz geben, damit die Gruppen bis zur Herbstsynode und zur Frühjahrssynode weiterarbeiten können.

Drei Ebenen im Blick

Das Prozessdesign orientiert sich an drei Ebenen kirchlichen Handelns. Auf der ersten Ebene geht es um Gemeinde und Region , also um Ortskirchengemeinden, Regioteams und neue Gemeindeformen jenseits klassischer Ortszuschnitte. Auf der zweiten Ebene stehen die künftigen Kirchenbezirke und die Frage, wie diakonisches Handeln dort eingebunden werden kann. Auf der dritten Ebene geht es um gesamtkirchliche Organisation: gemeinsame Kirchenverwaltung, gemeinsamer Kita-Träger, gesamtkirchliche Dienste und alternative Finanzierungsmodelle.

Die Themengruppen arbeiten eigenständig an ihren Fragestellungen, vernetzen sich aber nach Bedarf. Gerade diese Schnittstellen sind nach den bisherigen Berichten entscheidend: Die künftige Struktur kann nur gelingen, wenn Kommunikationswege, Entscheidungswege und Zuständigkeiten zwischen Ortskirchengemeinden, Regionen, Kirchenbezirken, Verwaltung, Kita-Träger und gesamtkirchlicher Arbeit tragfähig geklärt werden.

Vom Ob zum Wie

In den Präsentationen zeigte sich ein gemeinsamer roter Faden: Der Prozess bewegt sich zunehmend vom Ob der Veränderung zum Wie der Umsetzung. Die Gruppen ringen mit sehr ähnlichen Fragen: Was muss zentral geregelt werden, was soll offen bleiben? Wie bleiben Ehrenamtliche beteiligt, ohne überfordert zu werden? Wie werden Hauptamtliche in Teams arbeitsfähig? Wie kann Verwaltung entlasten statt belasten? Und wie entsteht aus neuen Strukturen tatsächlich eine neue Kultur der Zusammenarbeit und Ermöglichung?

Die Themengruppe Ortskirchengemeinde arbeitet an Modellen, wie kirchliche Arbeit vor Ort künftig organisiert werden kann. Im Mittelpunkt stehen Gemeindeleben, lokale Präsenz, Ehrenamt, Verkündigung, Gemeinschaft, Seelsorge und die Rolle der Kirche im Gemeinwesen. Entwickelt wurden verschiedene Modelle: vom starken Kernteam über einen kleinen Rat mit Verantwortungsgruppen bis zum vernetzten Verantwortungsraum. Die Grundidee: Gemeinden sollen nicht alle gleich aussehen müssen, sondern je nach Ausgangslage passende Profile und Arbeitsformen entwickeln können. Die Themengruppe Regioteam beschreibt die Region als Ermöglichungsraum. Multiprofessionelle Teams aus unterschiedlichen Berufsgruppen sollen gemeinsam mit Ehrenamtlichen kirchliche Arbeit regional planen und vor Ort sichtbar gestalten. Dazu braucht es klare Rahmenbedingungen: Teamentwicklung, Supervision und Beratung, Vertretungsregelungen, verlässliche Erreichbarkeit, Teamkoordination und regelmäßigen Austausch mit den Vorsitzenden der Presbyterien.

Mehr Vielfalt von Gemeinde

Die Themengruppe nichtparochiale Gemeindeformen nimmt neue Formen von Gemeinde in den Blick, die nicht an klassische Ortszuschnitte gebunden sind. Möglich werden sollen Gemeinden für Menschen, die bisher in Ortsgemeinden keine Heimat gefunden haben. Zugleich stellen sich Grundfragen: Wie wird Zugehörigkeit sichtbar, wenn sie nicht über das Meldewesen erfasst wird? Wann wird aus einer Gruppe, einem Kreis oder einer Gottesdienstgemeinschaft eine eigene Gemeindeform? Wie viel Ordnung braucht Vielfalt und wie viel Offenheit muss bleiben?

Auch auf Ebene der Kirchenbezirke werden Rollen und Zuständigkeiten neu beschrieben. Der künftige Kirchenbezirk soll Rahmen und Ressourcen bereitstellen, damit Kirche in Ortskirchengemeinden und Regionen wirksam sein kann. Dekaninnen und Stellvertretungen werden stärker als Impulsgeber, Koordinatorinnen, Mediatorinnen, Repräsentantinnen und Strateg*innen beschrieben mit klaren Zuständigkeiten, Personalverantwortung, Aufsicht, Konfliktmanagement und Verantwortung für die öffentliche Vertretung des Kirchenbezirks.

Verwaltung, Kita und gesamtkirchliche Arbeit

Die Themengruppe gemeinsame Kirchenverwaltung arbeitet daran, bisherige Verwaltungseinheiten auf unterschiedlichen Ebenen der Landeskirche in einer gemeinsamen Kirchenverwaltung mit vier Regionalstellen zu bündeln. Eine zentrale Erkenntnis lautet: Viele Verwaltungseinheiten arbeiten bislang nebeneinander an ähnlichen Aufgaben; zugleich ist das Wissen voneinander begrenzt. Für die Zukunft braucht es deshalb mehr Standardisierung in Prozessen und Technik, klare Schnittstellen und die Klärung, was zentralisiert werden kann und was vor Ort bleiben muss.

Beim gemeinsamen Kita-Träger geht es um die Bündelung der Kräfte, um den finanziellen Aufwand zu reduzieren, möglichst viele Einrichtungen in protestantischer Trägerschaft zu erhalten, Qualität zu sichern und attraktive Arbeitsbedingungen für Mitarbeitende in Pädagogik und Verwaltung zu schaffen. Die Gruppe hat Strukturen anderer Kita-Träger gesichtet, Aufgaben und Vollzeitstellen erhoben und arbeitet an einer Prozesslandkarte sowie einem Aufgabenportfolio.

Die Themengruppe gesamtkirchliche Arbeit entwickelt ein Modell für ein künftig agil arbeitendes Team, das Themen und Arbeitsfelder verantwortet, die nicht unmittelbar im Landeskirchenrat verortet sind. Die neue Struktur soll 2028 starten und bis 2030 umgesetzt werden. Entscheidend seien gute Schnittstellen zum Landeskirchenrat und zu den anderen Ebenen der Landeskirche sowie eine Haltung der Mitarbeitenden, die neue Formen, Inhalte und Methoden ermöglicht.

Neue Finanzierungsideen

Eine weitere Themengruppe beschäftigt sich mit alternativen Finanzierungsmodellen. Sie prüft bestehende und neue Möglichkeiten, Einnahmen zu erzielen oder zu erhöhen, damit der kirchliche Auftrag auch unter veränderten finanziellen Bedingungen erfüllt werden kann. Die Gruppe unterscheidet künftig zwischen Maßnahmen, die rechtliche Änderungen erfordern, und solchen, die ohne rechtliche Änderungen umgesetzt werden können. Zugleich stellt sich die Frage, wie hoch die Risikobereitschaft bei Investitionen und beim Aufbau neuer Geschäftsfelder sein soll.

Landeskirchenrat ebenfalls im Umbau

Wüst machte in ihrer Einbringung zudem deutlich, dass auch der Landeskirchenrat selbst vom Spar- und Transformationsauftrag nicht ausgenommen ist. Von Anfang an sei gesagt worden, dass in diesem Bereich rund sechs Millionen Euro eingespart werden müssten. Eine erste konkrete Veränderung ergebe sich durch den vorgezogenen Ruhestand von Oberkirchenrätin Marianne Wagner im Frühjahr 2027. Im Einvernehmen mit der Kirchenregierung solle diese Stelle nicht wieder ausgeschrieben werden. Das Kollegium werde damit von sechs auf fünf Personen reduziert, perspektivisch auf vier. Wie die damit verbundenen Aufgaben künftig organisiert werden, soll bis zur Herbstsynode weiter geklärt werden.

Kirche als vernetztes System

Insgesamt zeichnen die Zwischenberichte das Bild einer Landeskirche, die sich künftig stärker als vernetztes System versteht: mit lokaler Präsenz in den Ortskirchengemeinden, multiprofessionellen Regioteams, größeren Kirchenbezirken als Rahmen- und Ressourcenebene, gemeinsamen Verwaltungsstrukturen, einem gemeinsamen Kita-Träger, neuen Gemeindeformen und einer neu geordneten gesamtkirchlichen Arbeit.

Der Prozess bleibt dabei bewusst offen für Resonanz. Die Synodalen konnten Rückfragen stellen und an Stellwänden Hinweise, Kritik und Anregungen zu den einzelnen Arbeitsständen geben. Diese Rückmeldungen sollen in die weitere Arbeit der Themen- und Koordinierungsgruppen einfließen.

]]>
news-4330 Fri, 12 Jun 2026 09:18:42 +0200 Transformation ist mehr als Einsparen /transformation-ist-mehr-als-einsparen Plädoyer für eine "Kultur der Ermöglichung" Speyer (lk). Der Zukunftsprozess der Evangelischen Kirche der Pfalz ist nach Einschätzung von Pfarrer Dr. Steffen Bauer Teil einer Entwicklung, die alle evangelischen Landeskirchen betrifft. In seinem Impulsvortrag „Alle sind unterwegs – Landeskirche der Pfalz im Vergleich“ vor der Landessynode in Speyer machte Bauer am Freitag deutlich: Überall wachse der Druck durch knapper werdende Ressourcen. Zugleich gehe es bei kirchlicher Transformation nicht allein um Einsparungen, sondern immer auch um die Frage, wie Kirche sich geistlich, strukturell und kulturell weiterentwickelt.

Bauer war Gemeindepfarrer in Mannheim und Heidelberg, sieben Jahre Dekan in Heidelberg, von 2008 bis 2013 am Institut für Personalberatung, Organisationsentwicklung und Supervision (IPOS) der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau tätig und leitete von 2013 bis zu seinem Ruhestand 2024 die Ehrenamtsakademie der EKHN. Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst bezeichnete ihn bei der Einführung als einen „Chronisten von Transformation, Wandel und Veränderung“, der die Prozesse in den 20 Landeskirchen der EKD seit vielen Jahren beobachte und einordne.

Entscheidungen werden schwieriger

Bauer beschrieb, dass zentrale kirchliche Entscheidungen künftig häufiger mit knapperen Mehrheiten getroffen würden. Die Vorstellung eines möglichst breiten Konsenses oder gar von Einstimmigkeit werde angesichts schmerzlicher und komplexer Veränderungen immer weniger erreichbar. Umso wichtiger sei es, überhaupt Entscheidungen zu treffen. Emotionen in Transformationsdebatten wertete Bauer dabei nicht nur als Belastung, sondern auch als Zeichen dafür, dass Menschen die Zukunft ihrer Kirche nicht gleichgültig sei.

Pfalz nicht allein unter Druck

Mit Blick auf andere Landeskirchen sagte Bauer, der Ressourcendruck werde überall stärker. Die Pfalz sei mit ihren Annahmen über künftige Einsparnotwendigkeiten nicht Sonderfall, sondern liege mit ihrer Einschätzung zunehmend näher an Entwicklungen, die sich auch in anderen Landeskirchen zeigten. Mehrere Landeskirchen müssten ihre bisherigen Einsparziele inzwischen nachschärfen. Die Pfalz habe sich nach Bauers Einschätzung früh und vergleichsweise umfassend mit den notwendigen Veränderungen auseinandergesetzt.

Zugleich warnte Bauer davor, Transformation auf reine Ressourcensteuerung zu reduzieren. „Transformation ist mehr als Einsparen“, lautete eine seiner zentralen Thesen. Strukturfragen könnten viel Energie binden, die entscheidende Frage bleibe aber: Wozu verändert sich Kirche? Deshalb gehöre zur Transformation immer auch Kirchenentwicklung, also die Frage, wie Kirche für die Menschen da sein wolle.

Kultur der Ermöglichung

Einen Schwerpunkt legte Bauer auf die Strukturfragen rund um Kirchengemeinden, Regionen, Dekanate und den Körperschaftsstatus. Alle Landeskirchen beschäftigten sich derzeit mit neuen Formen von Zusammenarbeit, regionalen Räumen und der Zukunft kirchlicher Leitungs- und Verwaltungsebenen. Die Modelle seien unterschiedlich: von verbindlichen landessynodalen Entscheidungen über regionale Gestaltungsspielräume bis hin zu Initiativen, die von Gemeinden selbst ausgehen.

Entscheidend sei jedoch nicht allein, welche Struktur am Ende gewählt werde. Eine reine Strukturveränderung sei noch keine Transformation. Ob Veränderung gelinge, entscheide sich vor allem an Kultur und Haltung. Bauer warb für eine „Kultur der Ermöglichung“: Verwaltung, Leitung, Hauptamtliche und Ehrenamtliche müssten so zusammenwirken, dass kirchliches Leben vor Ort und digital unterstützt werde.

Teamarbeit und Ehrenamt stärken

Auch Teamarbeit sei inzwischen in allen Landeskirchen ein zentrales Thema, sagte Bauer. Regionale Teams, neue Leitungsformen und eine veränderte Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen seien notwendig, müssten aber aktiv begleitet, qualifiziert und unterstützt werden. Dabei gehe es nicht darum, Ehrenamtliche als Lückenbüßer für weniger Hauptamtliche zu verstehen, sondern als verantwortlich Gestaltende einer Kirche der Menschen.

Bauer verwies zugleich auf Erwartungen jüngerer Theologiestudierender an den Pfarrberuf. Sinnhaftes Arbeiten, eigene Akzente, Vielfalt der Tätigkeit, Teamarbeit und die Möglichkeit, Kirche mitzugestalten, seien wichtige Faktoren. Zugleich gebe es Sorgen vor mangelnder Veränderungsbereitschaft, Überforderung, unklaren Strukturen und immer größeren Zuständigkeitsbereichen.

„Bleiben Sie mutig“

Zum Abschluss seines Vortrags wagte Bauer einen Blick ins Jahr 2040. Er zeichnete das Bild einer pfälzischen Kirche, die ihre Strukturentscheidungen genutzt hat, um kirchliches Leben vor Ort und digital zu ermöglichen, Ehrenamtliche zu stärken und Gemeinwesenorientierung weiterzuentwickeln. Die Pfalz könne mit ihrem Zukunftsprozess einen Weg einschlagen, der nicht nur auf Einsparungen reagiere, sondern neue Formen kirchlicher Präsenz ermögliche. Sein Appell an die Synode lautete: „Bleiben Sie mutig.“

Der Vortrag war Teil des Tagesordnungspunktes zum Transformationsprozess #kirche.mutig.machen.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

Hintergrund: Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz

Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) ist als kirchliche Volksvertretung das oberste beschlussfassende Gremium der Landeskirche. Sie trifft wesentliche Entscheidungen in geistlichen, rechtlichen und finanziellen Belangen. Ihr gehören 57 Mitglieder an. Die aktuelle Tagung ist die 11. Tagung der 13. Landessynode, die von 2021 bis 2026 gewählt ist.  Sie findet vom 10. bis 13. Juni 2026 in Speyer statt.

]]>
news-4329 Thu, 11 Jun 2026 16:59:40 +0200 Vielfalt als Zukunftsfrage der Kirche /vielfalt-als-zukunftsfrage-der-kirche Synode diskutiert Teilhabe, Vielfalt und Zugehörigkeit in der Kirche – Praxisbeispiele beim World Café Speyer (lk). Wie kann Kirche ein Ort sein, an dem Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Lebensformen und kulturellen Prägungen selbstverständlich vorkommen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz heute in Speyer. Unter dem Titel „Vielfältig Kirche sein“ setzt die Synode einen Schwerpunkt auf Vielfalt als Zukunftsfrage kirchlichen Handelns.

Von Migration zur Vielfaltsperspektive

Ausgangspunkt des Schwerpunktthemas war ein früherer Synodenantrag zur Situation von Christ*innen mit Migrationsgeschichte. Im Vorfeld der Synode wurden dazu Gespräche mit Betroffenen geführt. Die Rückmeldungen führten zu einer Erweiterung der ursprünglichen Fragestellung. Menschen hätten berichtet, dass es sie schmerze, sich in der Kirche nicht selbstverständlich wiederzufinden, sagte Oberkirchenrat Markus Jäckle bei der Einbringung des Themas. Einige hätten auch von Erfahrungen des Alltagsrassismus gesprochen;  „von kleinen und großen Momenten, in denen sie gespürt haben: Du gehörst nicht wirklich dazu“.

Zugleich sei deutlich geworden, dass Menschen mit Migrationsgeschichte nicht auf diese Perspektive reduziert werden wollten. Der Wunsch sei vielmehr eine Kirche, in der unterschiedliche Menschen selbstverständlich vorkommen. „Was wir in unserer Kirche brauchen, ist eine Haltung der Offenheit für Verschiedenheit und Vielfalt: in Gottesdiensten, in der Gemeinschaft, in den kirchlichen Strukturen“, zitierte Jäckle eine zentrale Rückmeldung aus den Vorgesprächen.

Vielfalt als Realität der Kirche

Das Schwerpunktthema nimmt deshalb nicht nur Migration in den Blick, sondern die gesamte Breite gesellschaftlicher Vielfalt: Menschen mit Behinderungen, Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, mit verschiedenen Lebensentwürfen, kulturellen Prägungen, religiösen Erfahrungen und spirituellen Bedürfnissen. „Diese Erweiterung ist kein Ausweichen, sondern eine notwendige Vertiefung. Denn Vielfalt ist kein Randthema, sie ist Realität unserer Gesellschaft und damit auch unserer Kirche“, sagte Jäckle.

Zugleich erinnerte Jäckle an die theologischen Grundlagen des Themas. Kirche sei von Anfang an eine vielfältige Gemeinschaft unterschiedlicher Menschen gewesen. Verschiedenheit sei daher kein Problem, das gelöst werden müsse, sondern ein Wesensmerkmal von Kirche. Entscheidend sei nicht die Frage, ob Kirche vielfältig sei, sondern wie sie sensibler für Vielfalt werde und mit ihr umgehe.

Impulse aus der interkulturellen Kirchenentwicklung

Zum Einstieg in das Schwerpunktthema geben Pastorin Nadia El Karsheh und Mpho Busisiwe Hlongwa von der Arbeitsstelle Interkulturelle Kirchenentwicklung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers einen Impuls. Sie berichten aus ihrer Arbeit zur Förderung von Teilhabe und interkultureller Öffnung von Kirche und stellen Erfahrungen aus der Praxis interkultureller Kirchenentwicklung vor.

World Café macht Praxisbeispiele sichtbar

Am Abend wird das Schwerpunktthema mit einem World Café fortgesetzt. An verschiedenen Thementischen stellen Mitarbeitende, Ehrenamtliche und Initiativen aus der Landeskirche Beispiele vielfaltssensibler Praxis vor. Vertreten sind unter anderem die Arbeitsfelder Migration, Inklusion, Queerness, internationale Gemeinden, Arbeitswelt, Kita-Arbeit und Gemeindearbeit. Die Tische verstehen sich als Lernorte: Dort soll sichtbar werden, wie Vielfalt bereits heute in der Kirche gelebt wird, wo Entwicklung nötig ist und welche Chancen und Herausforderungen damit verbunden sind.

Vielfalt als Chance zur Erneuerung

„Vielfalt ist nicht nur bunt und schön und interessant“, sagte Jäckle. Sie könne auch Unsicherheiten auslösen, Konflikte sichtbar machen und gewohnte Selbstverständlichkeiten infrage stellen. Vor allem sei Vielfalt aber eine Chance: „Eine Chance zur Erneuerung unserer Gemeinden. Eine Chance, Kirche so zu gestalten, dass Menschen sich zugehörig fühlen – in ihrer Unterschiedlichkeit, mit ihren eigenen Erfahrungen und Perspektiven.“

Mit dem Schwerpunktthema greift die Landessynode eine zentrale Frage für die zukünftige Gestalt der Kirche auf. Es geht darum, wie Kirche Menschen mit unterschiedlichen biographischen, sozialen und spirituellen Erfahrungen besser erreichen, beteiligen und sichtbar machen kann in Gottesdiensten, Gemeinden, kirchlichen Strukturen und öffentlichen Räumen.

Fortsetzung der Synodentagung

Die Tagung der Landessynode wird am Freitag, 12. Juni, um 8.30 Uhr mit einer Andacht fortgesetzt. Ab 9 Uhr stehen unter anderem der Transformationsprozess #kirche.mutig.machen sowie Berichte der übergemeindlichen Dienste auf der Tagesordnung.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

]]>
news-4328 Thu, 11 Jun 2026 15:05:50 +0200 Segen sichtbar machen /segen-sichtbar-machen Landessynode beschließt Fortführung von Blessed.Pfalz für weitere zwei Jahre Speyer (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat am Donnerstag beschlossen, das landeskirchliche Segensbüro Blessed.Pfalz für weitere zwei Jahre fortzuführen. Das Segensbüro soll in den Jahren 2027 und 2028 Segensangebote und Kasualbeziehungen in der Landeskirche weiter fördern, koordinieren und sichtbar machen.

Für die Fortführung stellt die Landessynode im Haushaltsjahr 2027 insgesamt 368.800 Euro und im Haushaltsjahr 2028 insgesamt 376.520 Euro bereit. Verlängert werden zudem eine volle Pfarrstelle zur Dienstleistung sowie eine volle Stelle unter anderem für Social Media, Öffentlichkeitsarbeit und Büromanagement. Rechtzeitig vor Ablauf der Befristung soll die Arbeit evaluiert und der Landessynode erneut berichtet werden.

Blessed.Pfalz unterstützt Gemeinden, Regionen und Kirchenbezirke dabei, Segensangebote niedrigschwellig und lebensnah zu gestalten. In der bisherigen Projektphase wurden verschiedene Formate erprobt, darunter ein Trauevent auf dem Bad Dürkheimer Wurstmarkt, das Angebot „Warmes für die Seele“ am Ewigkeitssonntag in Kaiserslautern, persönliche Segensangebote auf Festen und Märkten sowie zielgruppenspezifische Formate wie der Feriensegen für Schüler*innen, Lehre*rinnen und Angehörige in Ludwigshafen.

Pfarrerin Diemut Meyer machte in ihrem Bericht deutlich, dass Segen ein grundlegender Ausdruck christlichen Glaubens sei. Segen sei mehr als ein guter Wunsch: Er spreche Menschen Gottes Nähe und Begleitung zu und eröffne Räume für persönliche, seelsorgliche und geistliche Begegnung. Gerade an Übergängen im Leben seien viele Menschen offen für solche Angebote.

Ein zentrales Merkmal von Blessed.Pfalz ist die Zusammenarbeit mit Gemeinden und Regionen. Das Segensbüro übernimmt dabei eine koordinierende und unterstützende Funktion, bündelt Erfahrungen, stellt Materialien bereit und entwickelt neue Formate gemeinsam mit lokalen Partnern weiter. Für die kommenden Jahre sollen bestehende Segensangebote stärker vernetzt, regionale Initiativen unterstützt und digitale Zugänge weiterentwickelt werden. Dazu gehören etwa digitale Anmeldetools zu Kasualien oder zentrale Kontaktmöglichkeiten in Zusammenarbeit mit Dekanaten und dem Projekt Philippus.

Die Tagung der Landessynode wird am Freitag, 12. Juni, um 8.30 Uhr mit einer Andacht fortgesetzt. Ab 9 Uhr stehen unter anderem der Transformationsprozess #kirche.mutig.machen sowie Berichte der übergemeindlichen Dienste auf der Tagesordnung.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

]]>
news-4327 Thu, 11 Jun 2026 12:49:08 +0200 Evangelisches Trifels-Gymnasium: Synode beschließt Übergabe-Verhandlungen /evangelisches-trifels-gymnasium-synode-beschliesst-uebergabe-verhandlungen Landeskirchenrat soll mit Land und Kommunen die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten verhandeln Speyer/Annweiler (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat am Donnerstag den Landeskirchenrat beauftragt, Verhandlungen über eine Übergabe des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler (ETGA) in staatliche Trägerschaft aufzunehmen beziehungsweise fortzuführen. Ziel ist es, mit Land und Kommunen unter den gegebenen Rahmenbedingungen die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu finden: für Schüler*innen und Familien, für die Beschäftigten, für den Schulstandort Annweiler und für die Landeskirche.

Der Entscheidung war eine engagierte und teilweise emotional geführte Debatte in der Landessynode vorausgegangen. Dabei wurden sowohl die besondere Bedeutung des ETGA für die Region und das evangelische Bildungsprofil der Landeskirche als auch die langfristigen finanziellen Belastungen für die Kirche intensiv diskutiert.

Verhandlungsauftrag statt Schließungsbeschluss

Der Beschluss ist kein Schließungsbeschluss. Er ist ein Verhandlungsauftrag. In den nun anstehenden Gesprächen sollen insbesondere die künftige Trägerschaft, die Übernahme des Personals, die Regelung des laufenden Sachaufwands, die Zukunft der Schulgebäude, die weitere Nutzung der zum Gesamtkomplex gehörenden Liegenschaften sowie mögliche Folgekosten und bleibende Verpflichtungen geklärt werden.

Zielperspektive ist ein möglicher Betriebsübergang zum Schuljahr 2027/28. Bis dahin sollen die notwendigen Gespräche mit den zuständigen staatlichen und kommunalen Stellen geführt und die Bedingungen eines geordneten Übergangs geklärt werden. Sollte dies nicht gelingen, ist die Schule zu schließen.

Keine kostenneutrale Weiterführung erreicht

Die Synode stellte fest, dass eine kostenneutrale Weiterführung des ETGA in kirchlicher Trägerschaft nach den intensiven Prüfungen und Verhandlungen der vergangenen Monate nicht erreicht wird. Dem Beschluss vorausgegangen war ein Auftrag der Landessynode aus dem Jahr 2025. Damals hatte die Synode beschlossen, weitere Prüfungen und Verhandlungen mit staatlichen Stellen und möglichen Partnern zur Reduzierung des landeskirchlichen Zuschusses aufzunehmen mit dem Ziel einer kostenneutralen Lösung. Sollte bis 2026 keine tragfähige Lösung gefunden werden, sollte das ETGA zeitnah in staatliche Trägerschaft übergeben werden.

Der Landeskirchenrat hatte daraufhin Gespräche mit dem Land Rheinland-Pfalz, den Landkreisen Südliche Weinstraße und Südwestpfalz, dem Kirchenbezirk, anderen kirchlichen und freien Schulträgern sowie diakonischen Trägern geführt. Außerdem wurde eine Taskforce mit zentralen Beteiligten der Schulgemeinschaft eingerichtet. Dazu gehörten unter anderem Schulleitung, Verwaltungsleitung, Mitarbeitendenvertretung, Schulelternbeirat, Freundeskreis, Schülerinnen, Dekanat und Vertreterinnen der Landessynode.

Erhebliche Entlastungen, aber weiter hoher Zuschussbedarf

Durch die bisherigen Bemühungen konnten erhebliche Entlastungen erreicht werden. Dazu zählen unter anderem eine höhere öffentliche Refinanzierung sowie zusätzliche Zuschüsse. Gleichwohl bleibt nach den vorliegenden Berechnungen bei einer Fortführung in kirchlicher Trägerschaft ein dauerhafter jährlicher Zuschussbedarf in erheblicher Höhe.

Der Zuschussbedarf lag 2024 bei rund 2,3 Millionen Euro und 2025 bei rund 2,1 Millionen Euro. Auch nach den erreichten Entlastungen wäre bei kirchlicher Weiterführung nach jetzigem Stand mit einem jährlichen Zuschussbedarf von mindestens rund einer Million Euro, je nach Annahmen bis zu 1,5 Millionen Euro, zu rechnen.

Verantwortung für Schule, Menschen und Landeskirche

„Diese Entscheidung ist schmerzlich. Sie ist aber nach den vorliegenden Ergebnissen der verantwortbare nächste Schritt“, sagte Oberkirchenrat Dr. Claus Müller. „Jetzt geht es darum, mit Land und Kommunen die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu verhandeln: für die Schüler*innen und Familien, für die Beschäftigten, für den Schulstandort Annweiler und für die Landeskirche, die ihre Verantwortung unter schwierigen Rahmenbedingungen wahrnehmen muss.“

Das ETGA habe über Jahrzehnte hinweg vielen jungen Menschen Bildung, Orientierung und Gemeinschaft gegeben. Die Synode würdige ausdrücklich die pädagogische und evangelische Arbeit der Schule. Zugleich müsse die Landeskirche entscheiden, ob sie dauerhaft erhebliche Mittel für den laufenden Schulbetrieb an einem einzelnen Standort einsetzen könne und wolle.

Schulbetrieb läuft weiter

Für den laufenden Schulbetrieb ändert sich durch den Beschluss zunächst nichts unmittelbar. Unterricht, Prüfungen und schulische Abläufe laufen weiter. Die Landeskirche und die Schulleitung werden die Schulgemeinschaft über die nächsten Schritte informieren.

Viele Detailfragen, etwa zur künftigen Trägerschaft, zum Personal, zu Gebäuden und zur konkreten Ausgestaltung eines möglichen Übergangs, sind Gegenstand der nun anstehenden Verhandlungen. Die Landeskirche will dabei auf geordnete Verfahren, transparente Informationen und feste Ansprechpartner achten.

„Wir wissen, dass diese Entscheidung für die Schulgemeinschaft, für Familien und für Mitarbeitende mit großen Fragen verbunden ist“, sagte Müller. „Deshalb ist jetzt größtmögliche Klarheit wichtig. Die Betroffenen werden mit diesen Fragen nicht allein gelassen. Unser Ziel ist es, in den Verhandlungen die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu erreichen.“

Evangelisches Trifels-Gymnasium Annweiler

Am Evangelischen Trifels-Gymnasium Annweiler lernen derzeit rund 670 Schüler*innen. Dort unterrichten 60 Lehrkräfte; 22 Personen arbeiten im nichtpädagogischen Bereich. Das ETGA wurde 1958 als evangelische Internatsschule gegründet. Das Internat wurde bereits vor zehn Jahren geschlossen, die Schule selbst wurde weitergeführt.

Fortsetzung der Synodentagung

Die Tagung der Landessynode wird am Nachmittag mit dem Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“ fortgesetzt. Am Freitag stehen unter anderem der Transformationsprozess #kirche.mutig.machen sowie Berichte der übergemeindlichen Dienste auf der Tagesordnung.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

Hintergrund: Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz

Die Landessynode ist das oberste kirchenleitende Organ der Evangelischen Kirche der Pfalz. Sie berät und entscheidet über Grundfragen des kirchlichen Lebens, beschließt Kirchengesetze und den Haushalt der Landeskirche und stellt die Weichen für die zukünftige Entwicklung der Landeskirche. Die aktuelle Tagung ist die 11. Tagung der 13. Landessynode. Sie findet vom 10. bis 13. Juni 2026 in Speyer statt.

]]>
news-4326 Wed, 10 Jun 2026 15:57:35 +0200 Kirche im richtigen Moment /kirche-im-richtigen-moment Landessynode beschließt Fortführung von Philippus als systematische Mitgliederkommunikation Speyer (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat am Mittwoch beschlossen, das Projekt Philippus als systematische und zunehmend digitalisierte Mitgliederkommunikation für weitere zwei Jahre fortzuführen. Philippus soll Menschen künftig noch gezielter an biografisch wichtigen Punkten ihres Lebens erreichen, etwa bei Geburt und Taufe, Konfirmation, Umzug, Geburtstag, Schulabschluss, Wehrdienstfrage oder in der Advents- und Weihnachtszeit.

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst, Felix Kirschbacher (Leitung Kommunikation der Evangelischen Kirche der Pfalz) und Lena Vach (Pfarrerin für Mitgliederkommuikation) führten in den Tagesordnungspunkt ein. Philippus stehe für einen Perspektivwechsel in der Kommunikation der Kirche: Kirche warte nicht nur darauf, dass Menschen zu ihr kommen, sondern suche selbst den Kontakt – persönlich, anlassbezogen, analog und digital. In ihrem Bericht vor der Synode hatte Wüst Philippus als ein Projekt beschrieben, das „frohe Botschaft auf dem Weg vermittelt, genau zur rechten Zeit – an einen Menschen, der genau in diesem Moment etwas braucht“.

Philippus nutzt vorhandene Mitgliederdaten, um Menschen in passenden Lebenssituationen anzusprechen. Dazu gehören unter anderem Geburtstagsgrüße, Begrüßungen nach einem Umzug, Glückwünsche zur standesamtlichen Trauung, Kontaktpunkte rund um Taufe und Geburt, Konfirmation, Schule, Wehrdienst und Weihnachten. Ziel ist es, Kirche als zugewandt, erreichbar und lebensnah erfahrbar zu machen.

Zahlen aus der Mitgliedschaftsuntersuchung der EKD (KMU) zeigen den Handlungsbedarf, machte Kirschbacher deutlich: „Nur 15 Prozent unserer Mitglieder beteiligen sich am kirchlichen Leben. Das heißt: Unsere Gemeinden und Einrichtungen, so engagiert sie arbeiten, erreichen mit ihren Angeboten eine Minderheit. Mehr als 50 Prozent unserer Mitglieder erinnern sich an keinen Kontakt zu einer kirchlichen Einrichtung in den letzten zwölf Monaten. Kein Gottesdienst, keine Veranstaltung, kein Gemeindehaus, keine Erinnerung oder Wahrnehmung des Gemeindebriefs als Kontakt. Wenn ein Kontakt erinnert wird, beurteilt ihn die Hälfte unserer Mitglieder für ihren Lebensalltag als unwichtig und 69 Prozent als für ihren Glauben unwichtig.“

Wenn im Jahr 2012 75 Prozent der Evangelischen einen Kirchenaustritt für sich ausschlossen, waren es 2022 nur noch 35 Prozent Die KMU nenne diese „Austrittsneigung" einen Frühwarnindikator mit der klaren Interpretation: Je schneller wir handeln, desto eher haben wir eine Chance, diese Neigung zu beeinflussen.

Kirschbacher betonte aber auch: „Wir führen diese Zahlen ausdrücklich nicht als Anklage gegen unsere Gemeinden und Einrichtungen an. Diese Zahlen beschreiben keine schlechte Arbeit. Sie beschreiben eine Lücke — eine Lücke zwischen uns und denen, die uns nicht oder nicht mehr von sich aus aufsuchen. Und Philippus ist der Versuch, genau diese Lücke zu schließen.

Ein Beispiel für die Weiterentwicklung von Philippus ist die Aktion „Prüfungssegen für dich!“, die die Evangelische Kirche der Pfalz gemeinsam mit dem Bistum Speyer für Abiturient*innen angeboten hat. An zentralen Prüfungstagen konnten Teilnehmende über WhatsApp eine Kerze für sich anzünden lassen und erhielten am Morgen der Prüfung ein persönliches Segensvideo. Die Aktion verband digitale Kommunikation, seelsorgliche Begleitung und einen konkreten biografischen Anlass. Sie zeigte zugleich, welches Potenzial in direkten digitalen Kontaktpunkten für junge Menschen liegt.

Der Bericht verweist auch auf Studien aus anderen Landeskirchen, die eine positive Wirkung biografischer Mitgliederkommunikation nahelegen. Danach werden solche Kontakte von Mitgliedern wahrgenommen und positiv bewertet; sie können Vertrauen, Verbundenheit und Gesprächsanlässe stärken. Philippus setze genau an solchen Momenten an, in denen Kirche nicht abstrakt, sondern konkret im Alltag von Menschen vorkomme.

Für die kommenden Jahre formuliert Philippus ehrgeizige Ziele: Bis 2028 sollen mehr als 90 Prozent der Gemeinden Teil von Philippus sein. Außerdem sollen bis Ende 2028 rund 50.000 digitale Kontaktdaten vorliegen. Für junge Menschen zwischen 16 und 24 Jahren soll eine eigene „member journey“ aufgebaut werden, die unterschiedliche Lebensphasen wie Wehrdienstberatung, Abschlussprüfungen, Ausbildung, Studium und Berufseinstieg aufgreift. Ziel ist es, bis Ende 2028 mit mehr als 8.000 Menschen dieser Altersgruppe mehr als einmal in Kontakt gekommen zu sein.

„Philippus zeigt, wie Kirche Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten kann – nicht zufällig, sondern aufmerksam, im richtigen Moment – und ohne Erwartungshaltung“, sagte Felix Kirschbacher „Es geht darum, Kontaktpunkte zu schaffen, an denen Menschen spüren: Meine Kirche sieht mich, interessiert sich für mich und ist ansprechbar, wenn ich sie brauche.“

Die Tagung der Landessynode wird am Donnerstag, 11. Juni, um 8.30 Uhr mit einer Andacht fortgesetzt. Am Vormittag beraten die Synodalen über die Zukunft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler. Nachmittags geht es unter anderem um Bericht und Fortführung des Segensbüros Blessed.Pfalz. Am Abend beginnt das Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“ mit Impulsen zur interkulturellen Kirchenentwicklung.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

Hintergrund: Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz

Die Landessynode ist das oberste kirchenleitende Organ der Evangelischen Kirche der Pfalz. Sie berät und entscheidet über Grundfragen des kirchlichen Lebens, beschließt Kirchengesetze und den Haushalt der Landeskirche und stellt die Weichen für die zukünftige Entwicklung der Landeskirche. Die aktuelle Tagung ist die 11. Tagung der 13. Landessynode. Sie findet vom 10. bis 13. Juni 2026 in Speyer statt.

]]>
news-4324 Wed, 10 Jun 2026 11:41:06 +0200 „Kirche darf nicht nur vom Mangel erzählen“ /kirche-darf-nicht-nur-vom-mangel-erzaehlen ​​​​​​​Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst ruft Landessynode zu Mut und geistlicher Orientierung auf Speyer (lk). Mit einem Bericht über offene Türen, kleine Kraft und die Verantwortung der Kirche in einer verletzlichen Welt hat Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst am Mittwoch die Frühjahrstagung der Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer geprägt. Vor den Synodalen in der Eventhalle „Hangar 10“ des Technik Museums sagte Wüst, sinkende Mitgliederzahlen, knapper werdende Ressourcen und offene Strukturfragen gehörten zur Realität der Kirche – seien aber nicht die ganze Wahrheit.

„Eine Kirche, die nur noch über den Mangel redet, schnürt sich selbst die Luft ab“, sagte Wüst. Entscheidend sei nicht zuerst die Frage, was Kirche verliere, sondern was sie aus dem mache, was sie habe: „Wir haben eine kleine Kraft. Machen wir etwas daraus. Gott öffnet Türen. Vertrauen wir darauf.“

Wüst stellte ihren Bericht unter ein Bibelwort aus der Offenbarung: „Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, und niemand kann sie zuschließen.“ Kirche lebe nicht aus eigener Stärke, sondern aus der Kraft des Evangeliums. Deshalb dürfe sie sich nicht in „Nabelschau und Niedergang“ verlieren, sondern müsse Menschen Horizonte eröffnen.

In ihrem Bericht setzte Wüst mehrere Schwerpunkte. Mit Blick auf Israel und Palästina warb sie für eine friedensethische Haltung, die Antisemitismus klar widerspreche, das Existenzrecht Israels achte und zugleich das Leiden palästinensischer Menschen nicht relativiere. Zur Demokratie sagte Wüst, Kirche dürfe sich nicht in eine Nische drängen lassen. Wenn es um Menschenwürde und Freiheitsrechte gehe, könne Kirche „nicht anders“, als deutlich Stellung zu beziehen und zugleich Räume der Verständigung offenzuhalten.

Als kirchlichen „Lackmustest“ bezeichnete Wüst den Umgang mit sexualisierter Gewalt. Aufarbeitung, Anerkennung und Schutz gehörten in die Mitte kirchlichen Handelns. Im Blick auf den Transformationsprozess #kirche.mutig.machen betonte sie, es gehe nicht allein um Strukturen und Finanzen, sondern auch um eine geistliche Transformation. Die entscheidende Frage laute nicht, wie möglichst alles bleiben könne, wie es sei, sondern: „Wie kann es sein, dass es gut ist?“

Zum Abschluss ihres Berichts hob Wüst Aufbrüche in der Landeskirche hervor. Sie verwies unter anderem auf vier „Türöffner-Initiativen“, die in diesem Jahr mit einem Förderpreis für Innovation ausgezeichnet wurden: das Projekt „Flexibilisierung RU“, die Familienkathedrale Annweiler, den Pfälzer Kirchentag und das Projekt „Abschiede am Rhein“. Einen Sonderpreis erhielt das Projekt „Himmel & Hund“. Weitere Beispiele seien Blessed.Pfalz, Philippus, digitale Formate, die Abi-Kerzen-Aktion, Gottesdienste an anderen Orten, Tauffeste, offene Kirchen, Vesperkirchen, Stadtteilprojekte und viele Initiativen von Ehren- und Hauptamtlichen. All diese Beispiele erzählten keine Mangelgeschichten, sondern „Mut-Geschichten“.

Die Tagung hatte am Morgen mit einem Gottesdienst mit Abendmahl begonnen. Auf der Tagesordnung des ersten Beratungstages standen neben dem Bericht der Kirchenpräsidentin mehrere Gesetzesvorhaben sowie Bericht und Fortführung des Projekts Philippus.

Am Donnerstag, 11. Juni, wird die Tagung um 8.30 Uhr mit einer Andacht fortgesetzt. Ab 9 Uhr stehen Grußworte auf der Tagesordnung, anschließend beraten die Synodalen über die Zukunft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler. Nachmittags geht es unter anderem um Bericht und Fortführung des Segensbüros Blessed.Pfalz . Am Abend beginnt das Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“ mit Impulsen zur interkulturellen Kirchenentwicklung.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

Hintergrund: Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz

Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) ist als kirchliche Volksvertretung das oberste beschlussfassende Gremium der Landeskirche. Sie trifft wesentliche Entscheidungen in geistlichen, rechtlichen und finanziellen Belangen. Ihr gehören 57 Mitglieder an. Die aktuelle Tagung ist die 11. Tagung der 13. Landessynode, die von 2021 bis 2026 gewählt ist.  Sie findet vom 10. bis 13. Juni 2026 in Speyer statt.

]]>
news-4323 Wed, 03 Jun 2026 16:00:00 +0200 Landessynode trifft sich zur Frühjahrstagung /landessynode-trifft-sich-zur-fruehjahrstagung Die 13. Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz kommt von Mittwoch bis Samstag, 10. bis 13. Juni, zu ihrer Frühjahrstagung in der Eventhalle „Hangar 10“ des Technik-Museums Speyer zusammen. Speyer (lk). m Mittelpunkt der Beratungen stehen unter anderem die Entscheidung zur Zukunft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler, der Zukunftsprozess #kirche.mutig.machen, das Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“ sowie die mittelfristige Finanzplanung der Landeskirche für die Jahre 2027 bis 2032.

Die Tagung beginnt am Mittwoch, 10. Juni, um 9 Uhr mit einem Gottesdienst mit Abendmahl in der Eventhalle „Hangar 10“. Die 1. Plenarsitzung wird um 10 Uhr durch Synodalpräsident Hermann Lorenz eröffnet. Für 11.45 Uhr ist der Bericht der Kirchenpräsidentin vorgesehen.

Entscheidung zur Zukunft des Trifels-Gymnasiums

Ein zentrales Thema der Tagung ist am Donnerstag, 11. Juni, die Entscheidung zur Zukunft der Trägerschaft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler (ETGA).

#kirche.mutig.machen und „Vielfältig Kirche sein“

Am Freitag, 12. Juni, steht der Transformationsprozess #kirche.mutig.machen erneut auf der Tagesordnung. Dr. Steffen Bauer, ehemaliger Leiter der Ehrenamtsakademie der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, hält dazu den Impulsvortrag „Alle sind unterwegs – Die Landeskirche der Pfalz im Vergleich. Wahrnehmungen und Anregungen“. Im Anschluss berichten die Themengruppen aus ihrer Arbeit.

Bereits am Donnerstagabend widmet sich die Synode dem Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“. Oberkirchenrat Markus Jäckle führt in das Thema ein. Pastorin Nadia El Karsheh und Mpho Busisiwe Hlonga von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers geben Impulse zur interkulturellen Kirchenentwicklung. Danach ist ein Worldcafé zum Schwerpunktthema vorgesehen.

Gesetzesvorhaben, Projekte und Finanzen

Auf der Tagesordnung stehen außerdem mehrere Gesetzesvorhaben. Beraten wird zudem über die Fortführung der Projekte Philippus und Blessed Pfalz – Segensbüro. Am Freitag stehen außerdem die Berichte der übergemeindlichen Dienste auf der Tagesordnung. Am Samstag, 13. Juni, befasst sich die Synode mit der mittelfristigen Finanzplanung der Evangelischen Kirche der Pfalz für die Haushaltsjahre 2027 bis 2032. Die Tagung endet voraussichtlich am Samstagnachmittag mit Berichten, Anträgen und Fragestunde.

Die Tagung der Landessynode ist öffentlich und wird auch live übertragen: www.youtube.com/@evkirchepfalz

Hintergrund

Synode: Es ist die elfte Tagung der 13. Landessynode, die von 2021 bis 2026 gewählt ist. Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) ist die kirchliche Volksvertretung. Damit hat sie die Kirchengewalt inne. Sie trifft wesentliche Entscheidungen in geistlichen, rechtlichen und finanziellen Belangen der Landeskirche. Die Amtszeit einer Synode beträgt sechs Jahre.

]]>
news-4320 Mon, 01 Jun 2026 09:59:02 +0200 „Ich will richtig anpacken“ /ich-will-richtig-anpacken Christine Müller-Kattwinkel kandidiert bei der Kirchenwahl als Presbyterin. Die Suppenküche des Kirchenbezirks Ludwigshafen liegt der Deutsch-Französin besonders am Herzen. Von Florian Riesterer

LUDWIGSHAFEN. Wo wie hier gelebter Glaube sichtbar werde, habe die Kirche eine Zukunft. Süße Teilchen, Brot und Brötchen schneiden und anrichten, Suppe in den großen Saal fahren und ausschenken. Benutzte Teller, Kaffeetassen und Besteck in die Küche bringen und in die Spülmaschine packen. In der Suppenküche des Kirchenbezirks Ludwigshafen an der Apostelkirche ist täglich gut zu tun.

Mittendrin ist Christine Müller-Kattwinkel. Die 65-jährige Presbyterin aus Ludwigshafen-Süd bringt sich hier seit mehr als 20 Jahren ein.

Geboren ist Müller-Kattwinkel im französischen Dijon. Seit mehr als 40 Jahren lebt sie in Deutschland, wo sie studiert hat. Evangelisch war sie schon immer. In ihrer Heimat gehörte sie damit zu einer Minderheit. „Und als ich nach Deutschland gekommen bin, hatte ich das Bedürfnis anzudocken, in die Kirche zu gehen, Leute zu treffen, die ich mag, aber die auch meinen Glauben teilen.“ Sie habe „tolle Leute“ kennengelernt, die sie 2008 dazu bewegen Presbyterin zu werden.

Hinter dieser Entscheidung stehen zwei Gründe, sagt sie: Menschliche und persönliche. Persönlich gesehen steht ihr Glaube im Mittelpunkt, aus den Aussagen der Bibel heraus zu handeln. Menschlich geht es ihr um Wertschätzung und Respekt: „Bei uns in der Versöhnungs­kirche hängt eine Flagge, auf der steht: Es gibt keine Menschen zweiter Klasse.“

Genau deshalb musste sie auch gar nicht lange überlegen, als sie gefragt wurde, ob sie in der Suppenküche mithelfen wolle. Dorthin kämen Menschen, „die oft übersehen werden“, so Müller-Kattwinkel. „Das ist für mich sehr wichtig, ihnen eine warme Mahlzeit zu reichen, ihnen zu zeigen, dass sie nicht ignoriert werden, dass sie nicht vergessen werden. Da ist Kirche genau richtig am Platz. Das ist Anerkennung, das ist Nächstenliebe.“

Die Deutsch-Französin betont, dass sie nicht nur Presbyterin ist, um in Gremien mitzuwirken, Entscheidungen bei Sitzungen mit zu treffen. Sie wolle richtig anpacken. „Und gerade in der Suppenküche machen wir das. Wir tragen Verantwortung dafür, dass der Glaube nicht abstrakt bleibt, sondern konkret wird.“

Rund 80 Menschen besuchen täglich die Suppenküche im Stadtteil Hemshof. Ein Grund ist die Armut. „Am Ende des Monats kommen deutlich mehr“, sagt Müller-Kattwinkel. Aber die Besucher kämen auch, um der Einsamkeit zu entfliehen.

Die evangelische Kirche, so schwärmt sie, öffne jedem die Chance, sich einzubringen, mit dem, was er könne, worauf er Lust habe. Seniorenkaffee, Jugendarbeit, Geburtstagsbesuche, neue Gottesdienstformate, Musik: All das seien kleine Bausteine, die aber viele Menschen betreffen.

„Für mich ist es wichtig, dass die Kirche nicht nur im Gottesdienst sichtbar ist“, sagt Müller-Kattwinkel. Genau darin sieht sie die Zukunft der Kirche: „Ein bisschen näher bei den Menschen zu sein.“ Gottesdienste, Liturgie sei ein entscheidender Teil. „Aber nur die Leute, die in die Kirche gehen, spüren das, und die anderen bleiben draußen.“

Die Kirche müsse sich verändern, sagt sie. Grund seien immer weniger Pfarrerinnen und Pfarrer, aber auch immer weniger Kirchenbesucher*innen oder Leute, die ehrenamtlich mit­machen. Sie wünsche sich deshalb „eine Kirche, die Mut macht, die sich auch einmischt, da wo es notwendig ist. Nicht nur unbedingt politisch, aber auch im sozialen Bereich“.

Und Müller-Kattwinkel ist sicher: „Wenn sich die Kirche auf den ­Glauben, die Nächstenliebe und die Wertschätzung, Begegnung auf Augenhöhe konzentriert, kann unsere Kirche auch in Zukunft ein Ort sein, wo die Menschen Kraft und Sinn und Hoffnung finden.“ 

www.kirchenwahlen2026.de

]]>
news-4319 Tue, 26 May 2026 13:27:26 +0200 Demokratiefest Neustadt: Mitreden, Mitbauen und Mitfeiern /demokratiefest-neustadt-mitreden-mitbauen-und-mitfeiern Die Evangelische Kirche der Pfalz beteiligt sich mit Gartenzaun-Gesprächen, LEGO-Kirche, Gottesdienst und Abseilaktion an „1832.Das Fest der Demokratie“ in Neustadt Neustadt (lk). Demokratie lebt davon, dass Menschen einander zuhören, sich widersprechen können und trotzdem im Gespräch bleiben. Genau dazu lädt die Evangelische Kirche der Pfalz beim Demokratiefest „1832.Das Fest der Demokratie“ in Neustadt an der Weinstraße ein. Vom 29. bis 31. Mai wird die historische Altstadt gemeinsam mit dem Hambacher Schloss zum Ort für Begegnung, Kultur, Diskussion und Beteiligung. Das Fest steht in diesem Jahr unter dem Motto „Freiheit pflanzen“.

Ein besonderer kirchlicher Beitrag ist die Aktion „Gespräch am Gartenzaun“. Ein lila Gartenzaun wird dabei zum sichtbaren Zeichen für Verständigung: niedrigschwellig, offen und mitten im Alltag. Die Idee ist einfach. Menschen kommen über den Zaun hinweg ins Gespräch: wie Nachbarinnen und Nachbarn, die einander nicht ausweichen, sondern zuhören. Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst und weitere kirchliche Vertreterinnen und Vertreter stehen dort für Begegnungen und Gespräche über Demokratie, Zusammenhalt, Sorgen, Hoffnungen und die Rolle der Kirche in einer freiheitlichen Gesellschaft bereit.

„Mit den „Gesprächen am Gartenzaun“ wollen wir ermutigen zu Kontakt und Gespräch, andere Meinungen auszuhalten, ohne den anderen gleich abzuschreiben, einander unsere Geschichten zu erzählen und uns in aller Verschiedenheit als Menschen wahrzunehmen“, kündigte die Kirchenpräsidentin an.

Zur Berichterstattung eignet sich die in der gesamten Evangelischen Kirche in Deutschland stattfindenden Aktion besonders als sichtbares Bild: der lila Gartenzaun als Symbol für eine demokratische Kultur, die nicht bei großen Reden stehen bleibt, sondern im direkten Gespräch beginnt. Der Gartenzaun kommt in Neustadt erstmals zum Einsatz, bevor er auf eine bundesweite Reise geht. In der Pfalz wird er im Sommer auch in Speyer und Schifferstadt zum Gespräch einladen.

Neben dem Gartenzaun beteiligt sich die Kirche mit mehreren Angeboten am Festwochenende. In der Stiftskirche wird am Samstag und Sonntag wieder die LEGO-Kirche aufgebaut: Rund 400 Kilogramm LEGO-Steine verwandeln das Hauptschiff in einen großen Bau- und Spielraum. Kinder, Familien und alle Interessierten können dort gemeinsam bauen, ausprobieren und ihre Vorstellungen von Kirche, Stadt und Zusammenleben Stein für Stein sichtbar machen.

„Schon beim Rheinland-Pfalz-Tag 2025 war die LEGO-Kirche das Highlight für viele Besucher*innen. Darum sind wir dem Wunsch der Stadt gerne nachgekommen und haben die tolle Aktion des Pfarramtes für Gottesdienst mit Kindern und Familien wieder nach Neustadt geholt“, erläutert Dekan Andreas Rummel.

Am Sonntag, 31. Mai, beginnt um 9.30 Uhr auf dem Marktplatz der ökumenische Gottesdienst unter dem Motto „Demokratie läuft … dank Dir!“. Gestaltet wird er von Pastoralreferent Werner Busch und Dekan Andreas Rummel. Musikalisch wirkt der Gospelchor Groovitation mit. Der Gottesdienst macht deutlich: Demokratie ist keine Zuschauerveranstaltung. Sie lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, ihre Stimme einbringen und anderen Raum geben.

„In der Demokratiestadt Neustadt ist es selbstverständlich, dass wir als Kirche Freiheit und Demokratie aktiv mitgestalten. Dabei stehen uns unzählige ehrenamtlich Aktive zur Seite. Das macht mich stolz“, freut sich Dekan Rummel.

Ein weiteres Angebot mit besonderer Perspektive kommt vom CJD: Am Samstag und Sonntag können Mutige sich wieder vom Turm der Stiftskirche abseilen lassen. Die Aktion verbindet Nervenkitzel mit Vertrauen und passt damit auf eigene Weise zum Fest: Wer sich abseilt, braucht Halt, Mut und Menschen, auf die Verlass ist.

Ebenfalls Teil des Programms ist am Samstag, 30. Mai, um 17 Uhr auf der Gartenbühne im Kirchgarten der Pfarrkirche St. Marien das Treffpunkt-Gespräch „Demokratie predigen: Kirchen im Stresstest?“ mit Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst.

Drei Fragen an Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst

1. Beim Demokratiefest in Neustadt steht ein lila Gartenzaun als Ort für Gespräche mitten im öffentlichen Raum. Warum braucht unsere Gesellschaft solche einfachen, direkten Verständigungsorte gerade jetzt?

Wir erleben, dass viele Debatten schnell hart, laut und unversöhnlich werden. Umso wichtiger sind Orte, die niederschwellig sind: kein Podium, keine Kanzel, kein Expertengremium, sondern ein Zaun mitten im öffentlichen Raum, an dem man stehen bleiben, zuhören und ins Gespräch kommen kann.

Ein Zaun markiert zwar eine Grenze, aber keine unüberwindbare. Im Gegenteil: In unserem Alltag erleben wir oft, wie wertvoll und bereichernd gerade das zufällige Gespräch am Gartenzaun ist, das keine langwierigen Vorbereitungen oder Gesprächsregeln braucht. Es geschieht einfach. Jeder bleibt auf seiner Seite, und dennoch findet Verständigung statt. Und am Ende reicht man sich vielleicht die Hand oder grüßt zum Abschied.

Mit den „Gesprächen am Gartenzaun“ wollen wir ermutigen zu Kontakt und Gespräch, andere Meinungen auszuhalten, ohne den anderen gleich abzuschreiben, einander unsere Geschichten zu erzählen und uns in aller Verschiedenheit als Menschen wahrzunehmen.

2. Das Fest steht unter dem Motto „Freiheit pflanzen“. Was kann Kirche dazu beitragen, dass Freiheit, Respekt und demokratisches Miteinander nicht nur beschworen, sondern im Alltag eingeübt werden. Gerade auch dort, wo Meinungen hart aufeinanderprallen?

Einen „grünen Daumen“ habe ich leider nicht. Deswegen weiß ich sehr genau, dass das Pflanzen kein Selbstläufer ist. Wer will, dass Pflanzen blühen und gedeihen, muss sich darum mühen. Und so ist es auch mit der Freiheit. Sie wächst nicht von allein. Sie braucht Menschen, die ihr den Boden bereiten, für sie Verantwortung übernehmen und sie pflegen.

Unsere Freiheit als Gesellschaft verdankt sich dem Boden, auf den die Grundrechte uns stellen. Sie formulieren Freiheitsrechte und meinen damit aber nie nur „Freiheit von“, sondern auch „Freiheit zu“. Keiner von uns lebt für sich allein und kann nur seine eigene Freiheit leben. Wir sind aufeinander angewiesen und sind einander verpflichtet. Und dafür ist das Klima entscheidend, in dem wir uns in Freiheit begegnen. In einem Klima voller Hass und Angst geht auch das zarte Pflänzchen Freiheit zugrunde.

Und hier sehe ich uns als Kirche in der Verantwortung: Wir stehen auf dem Boden unseres christlichen Glaubens und im Horizont eines Gottes, der uns als Menschen mit Freiheit beschenkt und uns zutraut, sie zum Guten zu nutzen. Das soll man spüren in unseren Gottesdiensten und Jugendfreizeiten, beim Gemeindefest und in der Presbyteriumssitzung. Dabei geht es nicht um „Friede-Freude-Eierkuchen-Harmonie“, sondern um manchmal mühsames Ringen um Wahrheiten und Positionen, um Aushalten von Meinungsverschiedenheiten und Ringen um richtige Wege. Aber hoffentlich immer in Achtung und Respekt oder - biblisch gesprochen - im Geist der Liebe.

3. Kirche ist beim Demokratiefest unter anderem mit Gesprächen, Gottesdienst, LEGO-Kirche und einer Abseilaktion vom Kirchturm präsent. Was zeigt dieses Programm darüber, wie Kirche Demokratie heute versteht: als Predigt, als Praxis oder als Einladung zum Mitmachen?

Ich weiß nicht, warum ich mich entscheiden soll, und würde auch gern dem Missverständnis vorbeugen, dass sich unser kirchliches Handeln sozusagen als „Demokratie-Agentur“ erschöpft. Die Werte der Demokratie sind uns als Kirche wichtig, weil uns die Menschen wichtig sind und die Welt, in der wir leben. Und da spielen Begriffe wie Freiheit, Würde, Gerechtigkeit nicht erst jetzt, sondern schon immer eine große Rolle. Dass wir uns dafür von unserem Selbstverständnis her engagieren und einsetzen, versteht sich eigentlich von selbst und ergibt sich nicht erst aus den aktuellen Herausforderungen.

Freilich kann sich dieses Engagement nicht nur in noch so guten Sonntagsreden erschöpfen, es muss auch im Alltag spürbar sein. Worte ohne Taten bleiben unglaubwürdig, Taten ohne Worte verrennen sich schnell in Aktionismus. Herz, Hirn und Hand gehören zusammen, um eine Kirche und auch eine Gesellschaft zu gestalten, in der Menschen sich beteiligen wollen. Anhand der konkreten Beispiele Gespräch, Gottesdienst, LEGO-Kirche und Abseilaktion:

Nicht nur unsere Demokratie, auch unsere Kirche lebt davon, dass Menschen sich aufeinander, auf Begegnung und Gespräch einlassen und sich dadurch bereichern lassen. Der Gottesdienst gibt mir Raum, mich und mein Leben zu bedenken und über den Tag und meinen individuellen Horizont hinaus zu begreifen. An einer LEGO-Kirche bauen Kinder mit und zeigen dadurch, dass auch sie etwas zu sagen und beizutragen haben, dass sie nicht erst unsere Zukunft, sondern ernstzunehmende Gegenwart sind. Und zu einer Abseilaktion gehören Mut und Vertrauen, ohne die auch eine Demokratie nicht gelingt.

Das kirchliche Programm beim Demokratiefest zeigt mir: Es reicht nicht, über Demokratie zu reden, Demokratie braucht konkrete Erfahrung, offene Räume und Beteiligung von Menschen. Wenn wir als Kirche dazu einen Beitrag leisten, tun wir das, wozu wir da sind.

]]>
news-4318 Tue, 26 May 2026 10:33:28 +0200 Neun neue Ehrenamtliche für die Krankenhausseelsorge entsandt /neun-neue-ehrenamtliche-fuer-die-krankenhausseelsorge-entsandt Ökumenischer Ausbildungskurs von Evangelischer Kirche der Pfalz und Bistum Speyer bereitet auf Begleitung in Kliniken vor Von Lore Dohrenbusch

Landau. Neun neue ehrenamtliche Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger haben ihren Dienst in pfälzischen und saarpfälzischen Kliniken aufgenommen. In einer Feierstunde im Landauer Butenschoen-Haus wurden acht Frauen und ein Mann offiziell entsandt.

Oberkirchenrat Claus Müller sprach den fünf evangelischen und vier katholischen Ehrenamtlichen den Segen Gottes für ihren Dienst zu und dankte für ihre Bereitschaft, Menschen in oft schwierigen Lebenssituationen zu begleiten. „Gerade im Krankenhaus brauchen Patientinnen und Patienten Zeit, Begleitung und ein offenes Ohr“, sagte Müller. „Umso dankbarer bin ich für das Engagement der ehrenamtlich Seelsorgenden, das künftig noch wichtiger wird.“

Vorbereitet wurden die Ehrenamtlichen in einem achtmonatigen ökumenischen Ausbildungskurs der Evangelischen Kirche der Pfalz und des Bistums Speyer. Der Kurs verband theoretische Grundlagen mit praktischen Erfahrungen in der Klinikseelsorge. An sieben Samstagen setzten sich die Teilnehmenden unter anderem mit Gesprächsführung, dem Umgang mit Gefühlen, Hilflosigkeit, Trauer und Tod auseinander. Weitere Themen waren die eigene Rolle im System Krankenhaus, die Zusammenarbeit mit Hauptamtlichen sowie die Frage, wie seelsorgliche Gespräche auch in Glaubensfragen und bei biblisch-christlichen Themen geführt werden können.

Bereits nach der Hälfte des Theorieunterrichts sammelten die künftigen Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger erste Praxiserfahrungen in Patientengesprächen. Dabei wurden sie von hauptamtlichen Mentorinnen und Mentoren begleitet.

Mit ihrer Entsendung verpflichten sich die Ehrenamtlichen für zwei Jahre zum Dienst in der Klinikseelsorge. In der Regel sind sie einmal wöchentlich für zwei Stunden in einer Klinik im Einsatz. Die Kurskosten in Höhe von 350 Euro werden nach einem Jahr Tätigkeit vollständig von Landeskirche und Bistum erstattet. Auch nach Abschluss der Ausbildung bleiben die Ehrenamtlichen begleitet: Alle zwei Monate treffen sie sich zu Supervisionen.

„Wir sind in der Ausbildung sehr gut betreut worden. Ich hoffe, Patientinnen und Patienten mit viel Zeit zuhören und gute Dinge weitergeben zu können, die ich selbst erfahren habe“, sagt die neue Krankenhausseelsorgerin Ute Piroth-Kapp aus Kleinniedesheim. Die 68-jährige Protestantin und Physiotherapeutin freut sich auch darauf, ihre Kursgruppe bei den regelmäßigen Supervisionen wiederzusehen.

Regina Bleyer aus Bruchmühlbach-Miesau entschied sich für den Kurs, nachdem sie den Sterbeprozess ihrer Mutter begleitet hatte. „Da merkte ich, dass ich seelsorgerlich tätig sein kann. Durch den Kurs habe ich Methodik und die nötige Sicherheit dazu bekommen“, sagt die Katholikin, die viele Jahre als Erzieherin gearbeitet hat und im Ruhestand ein Ehrenamt übernehmen möchte.

Der nächste ökumenische Ausbildungskurs für ehrenamtliche Klinikseelsorgerinnen und Klinikseelsorger beginnt im September 2026.

Dieser Artikel ist auch im Evangelischen Gemeindeblatt für die Pfalz erschienen.

]]>
news-4317 Mon, 25 May 2026 09:00:00 +0200 Maximal gemeinsam lernen /maximal-gemeinsam-lernen Das Predigerseminar Landau blickt zu seinem 100-jährigen Bestehen in die Zukunft. Von Uwe Rauschelbach

LANDAU. Diese liegt in Frankfurt, wo die Landeskirchen der Pfalz, Hessen-Nassaus und Kurhessen-Waldecks das Seminar neu aufbauen wollen. Der Lehrbetrieb soll 2027 starten.

Der Transformationsprozess innerhalb der pfälzischen Landeskirche macht auch vor dem Butenschoen-Haus in Landau nicht Halt. Doch mit Blick auf das Jubiläum am 30. Mai überwiegt dort die Feierstimmung. Das 100-jährige Bestehen des Predigerseminars löst allgemein Dankbarkeit aus – aber auch Zuversicht an der Schwelle zu einem Neubeginn, an den die Leiterin des Predigerseminars, Sigrun Welke-Holtmann, große Erwartungen knüpft.

Im Zuge der Neuordnung der übergemeindlichen Dienste wollen die evangelischen Landeskirchen der Pfalz, Hessen-Nassaus und Kurhessen-Waldecks eine gemeinsame Ausbildungsstätte errichten. Das Projekt trägt den vielversprechenden Namen „Maximal gemeinsam“. Am Standort in Frankfurt soll die Arbeit zum 1. September 2027 aufgenommen werden. Angehende Pfarrerinnen und Pfarrer sollen ihre Vikariate auch künftig in evangelischen pfälzischen Kirchengemeinden absolvieren können. Begleitet werden sie weiterhin von Sigrun Welke-Holtmann, ihrer Kollegin Young-Mi Lee sowie von Verwaltungskraft Martina Kunoth.

In der Mainmetropole sollen zwei Ausbildungsgänge im Jahr angeboten werden, während das Predigerseminar im Butenschoen-Haus seit Jahren sinkende Anwärterzahlen verzeichnet – ein Spiegelbild der gesamtkirchlichen Entwicklung, wie sie sich auch an den theologischen Fakultäten fortsetzt. Derzeit bildet das Seminar einen Ausbildungsgang im Jahr mit jeweils vier bis sechs Vikarinnen und Vikaren aus. Ein „stetiger Rückgang“, wie Leiterin Welke-Holtmann mit Blick auf die Entwicklung des zurückliegenden Jahrzehnts resümiert.

Auch die geplante neue Einrichtung in Frankfurt wird vor „großen Herausforderungen“ stehen, schaut die Seminarleiterin voraus. Neben der Verkürzung der Vikariatszeit soll durch einen veränderten Prüfungsmodus auf die Entwicklungen im Bereich der theologischen Ausbildung reagiert werden. In den vergangenen Jahren kristallisierten sich die Schwerpunkte Seelsorge und kommunikative Kompetenz heraus. Der Umgang mit digitalen ­Medien und Künstlicher Intelligenz erfordert zusätzliche Fähigkeiten. Die auf die Zukunft zugeschnittene teamorientierte Arbeit im Pfarramt ist ebenso Thema. Insgesamt wandelt sich die pastorale Rolle im landeskirchlichen Transformationsprozess. Vikarinnen und Vikare nehmen dies mit offener Bereitschaft an, beobachtet Welke-Holtmann. Gleichwohl hätten angehende Pfarrerinnen und Pfarrer den Wunsch, trotz der geplanten Regionalisierung des Pfarramts einen persönlichen Gemeindebezug zu pflegen.

Der „Stimme des Evangeliums“ in einer Zeit Gehör zu verschaffen, in der kirchliche und religiöse Themen an Relevanz verlieren, ist laut Welke-Holtmann grundlegende Herausforderung für eine Einrichtung wie das Predigerseminar. Gleichzeitig beobachtet die Seminarleiterin bei ihren Auszubildenden eine hohe Kreativität im Umgang mit zeitgemäßen Vermittlungsmethoden und -techniken. Die dramaturgische Konzeption einer Predigt, die Nutzung digitaler Medien oder die Konzentration auf kürzere Formate seien inzwischen fester Bestandteil der Ausbildung. Ebenso wie die Gestaltung von Kasualien; hier stellten sich nicht zuletzt durch das liberalisierte rheinland-pfälzische Bestattungsgesetz neue Aufgaben.

Günter Geisthardt kam 1992 als Dozent an das Predigerseminar und leitete es von 1995 bis 2007. Bevor er ins Predigerseminar wechselte, war er Gemeindepfarrer in Frankenthal. Die Verbindung von theologischer Wissenschaft und pastoraler Praxis war ihm seit jeher wichtig gewesen. Im Gespräch verweist er auf die enge Verschränkung von Kursen und Praxisphasen in Gemeinden, Schulen und anderen Bereichen als konstitutives Merkmal der Ausbildung am Landauer Seminar. In dieser von seinen Vorgängern entwickelten Struktur galt es, die Arbeit immer wieder an sich verändernde Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft anzupassen, ob es um die Zusammenarbeit mit Erzieher*innen in der Kindertagesstätte ging oder den Umgang mit Ehrenamtlichen in der Gemeindeleitung.

Als fruchtbar erwies sich - Geisthardt zufolge - der Austausch mit anderen Predigerseminaren im In- und Ausland. Anders als das Landauer Predigerseminar ist das benachbarte badische Seminar in Heidelberg an die dortige theologische Fakultät angebunden. Im Vergleich mit anderen Seminaren zeigten sich jedoch Vorteile der pfälzischen Strukturen wie kurze Wege und eine starke Vernetzung mit den Gemeinden und Diensten in der Landeskirche.

Anfang der 1990er Jahre besuchten bis zu 100 angehende Pfarrerinnen und Pfarrer in fünf Kursen das ­Seminar. Bald überschritten die Bewerberzahlen die Zahl der vorhandenen Stellen. In der Folge mussten Bewerber*innen auch Stellen im Teildienst übernehmen. Ferner wurden alternative Berufsfelder etwa bei diakonischen Trägern oder in Kirchengemeinden im Ausland gesucht. In Jahren, in denen unter Theologiestudentinnen und -studenten friedenspolitische, feministische oder geschlechterspezifische Themen im Fokus standen, hat das Seminar im Rückblick seines früheren Leiters sensibel auf solche Diskurse reagiert. Heute gelte es, auch angesichts der gesunkenen Wertschätzung für den christlichen Glauben und die Kirche Menschen dazu zu befähigen, theologisch reflektiert und zuversichtlich mit den aktuellen Herausforderungen umzugehen. Dazu werde das Predigerseminar im Übergang vom Theologiestudium zum Beruf auch künftig einen wichtigen Beitrag leisten.

Dieser Artikel ist auch im Evangelischen Gemeindeblatt für die Pfalz erschienen.

]]>
news-4316 Sat, 23 May 2026 09:00:00 +0200 Hoffnung hat Aufwind /hoffnung-hat-aufwind Pfingsten erzählt von frischem Wind, offenen Türen und der Hoffnung, dass Verstehen wieder möglich wird. Von Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst

Es liegt etwas in der Luft. Damals in Jerusalem. Zunächst dicke Luft. Spannung, Angst, Verzagtheit. Zumindest bei den Jüngern Jesu im geschlossenen Raum ihrer bangen Fragen, wie es jetzt weitergeht. Jesus ist weg, was wird kommen? Wird etwas kommen?

Es kommt Pfingsten. Ein Brausen vom Himmel. Gottes Geist liegt in der Luft. Kein sanftes Lüftchen, sondern richtig frischer Wind. Türen öffnen sich, Herzen öffnen sich. Menschen kommen in Bewegung, bewegen sich aufeinander zu. Wörter wirbeln durcheinander und fügen sich in ein gemeinsames Verstehen, ein wechselseitiges Verständnis. Damals in Jerusalem.

Und heute bei uns. Denn es liegt ja auch jetzt viel in der Luft: Sorgen, Gereiztheit, Zukunftsangst, Misstrauen. Viel wird geredet. Übereinander und durcheinander. Hasswörter fliegen uns um die Ohren, viele haben längst ihre Ohren auf Durchzug gestellt oder fühlen sich sprachlos. Die Luft ist gerade sehr dick, finde ich.

Pfingsten erzählt: Es muss nicht so bleiben. Gottes Geist lässt aufatmen, durchatmen in dicker Luft. Er bringt in Bewegung, öffnet verschlossene Räume, bringt Fremde einander nahe. Der Geist von Pfingsten weht dort, wo jemand den ersten Schritt tut, wirklich zuhört, sich um Verstehen bemüht. Wo wir einander nicht aufgeben, sondern als Menschen wahrnehmen.

Dann geschieht endlich ein Wetterwechsel. Dicke Luft verzieht sich, das Miteinander bekommt Rückenwind, Hoffnung hat wieder Aufwind. Dann liegt Pfingsten in der Luft.

]]>
news-4315 Mon, 18 May 2026 10:02:51 +0200 Feuerwerk zu Pfingsten /feuerwerk-zu-pfingsten Mit einem wahren Feuerwerk an Gottesdienst- und Veranstaltungsformaten feiern Kirchengemeinden in der Pfalz und Saarpfalz das Pfingstfest. Von Lore Dohrenbusch

SPEYER. Ob in der Kirche oder in der Natur: jede und jeder kann für sich das Passende finden. Hier eine Auswahl. 

Mit Musik startet Speyer in den Pfingstsonntag, wenn beim Musikgottesdienst ab 10 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche Robert Sattelberger mit Bachklängen das Brausen des Heiligen Geistes ausdrückt, der den Jünger Mut, Kraft und Sprachenvielfalt gab, um die Botschaft Jesu Christi zu verbreiten. Die Liturgie gestaltet Vikarin Christine Böckmann.

Zu Wanderungen und Spaziergängen laden am Pfingstmontag Kirchengemeinden in der Nord- und Südpfalz ein. Im nordpfälzischen Rüssingen nehmen Pfarrerin Lina Ehrmann und ihr Team die Besucher ab 11 Uhr von der Kirche aus mit auf einen Wandergottesdienst ums Dorf. An Stationen bei geistlichen Impulsen auf Friedhof, im Vogelschutzgebiet und auf einer Anhöhe erfahren die Teilnehmer*innen beim Basteln von Papiertauben, Feuertüchern, beim Geburtstagsliedsingen und dem Spiel „Stille Post“ mehr über das Brausen vom Himmel und das Pfingstfeuer.

Im südpfälzischen Kandel beginnt um 11 Uhr am Südportal der St. Georgskirche ein ökumenischer Pfingstspaziergang, bei dem Pfarrerin Hildrun Groß und Pastoralreferentin Annika Bähr die Teilnehmer*innen begleiten. An vier Stationen auf dem Weg zum Schwanenweiher geht es um verschiedene Blickwinkel des Pfingstgeschehens, wie sie in den Evangelien von Lukas und Johannes und im ersten Korintherbrief geschildert werden. Am Weiher können die Besucher beim mitgebrachten Picknick schmausen.

Vielerorts gibt es ökumenische Freiluft-Gottesdienste: Am Pfingstsonntag laden etwa die Kirchengemeinde Friedelsheim und die katholische Pfarrei Heilige Theresia ab 11 Uhr zum Gottesdienst am Burgweiher ein. Am Pfingstmontag wird ein ökumenischer Freiluft-Gottesdienst am Haardtrand westlich Gleisweiler gefeiert – inklusive Blick in die Rheinebene. Ab 10.30 Uhr laden dazu an der Trifelsblick-Hütte Vikarin Julia Tatrei und Diakon Michael Geiger ein.

Auch Musik liegt in der Luft: Am Pfingstmontag um 17 Uhr beginnt in der Lutherkirche Neustadt eine Pfingstsoiree mit Literatur und Musik. Alexandra Dietz rezitiert Texte, Gesang kommt vom Gospelchor „Groovitation“. Der Eintritt ist frei. In der Kirche in Steinbach am Donnerberg bieten Pfarrerin Jessica Rust-Bellenbaum und ihr Team am Pfingstmontagabend ab 19 Uhr einen Konzertabend über Teresa von Avila an. An Gitarren und dem spanischen Zupfinstrument Vihuela ist Volker Höh zu hören, Texte spricht die Pfarrerin.

Den regionalen Brauch des Pfingstquack integrieren die südpfälzische Gemeinde Dimbach und die saarpfälzische Gemeinde Niederbexbach-Kleinottweiler. Am Pfingstsonntag beginnt um 10 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Dimbach ein geistlicher Auftakt zum „Pfingschdequack“-Umzug, den Pfarrerin Katharina Weber und die südbrasilianische Volkstanzgruppe „Die Schwalben“ gestalten. Danach setzt sich der Kinderumzug in Gang – angeführt von den in bunten Kostümen steckenden „Quick“ und „Quack“, wobei die Kinder in Körben und Handwägelchen von Einwohnern Gaben sammeln – vor 60 Jahren Speck und Eier, heute eher Süßes. Im saarpfälzischen Niederbexbach hält am Pfingstmontag ab 11 Uhr in der Jakobuskirche Vikarin Janina Ries einen Gottesdienst, dann beginnt das Pfingstquackfest mit Kinderumzug. Ab 13.30 Uhr werden am Bonhoeffer-Gemeindehaus die schönsten Handwägelchen prämiert.

Kirchengemeinden in Kaiserslautern und der Saarpfalz feiern am Pfingstsonntag abends die „Ökumenische Nacht der Kirchen.“ In Kaiserslautern wird sie um 18 Uhr beim ökumenischen Gottesdienst in der Stiftskirche mit dem Hildegard-Ensemble eröffnet. Weitere Informationen unter www.kirchen-in-kl.de.

Die Kirchengemeinde Homburg lädt ab 19 Uhr in der Stadtkirche zum Dialogabend „Nomaden der Neuzeit“ ein. Im Mittelpunkt stehen obdachlose und suchtkranke Menschen, die oft nur als bedürftig abgetan werden. Eine Ausstellung zeigt ihr demütig machendes Talent, mit wenig zu überleben. Ab 20 Uhr können Besucher den porträtierten Lebenskünstlern begegnen, um 22.30 Uhr beginnt draußen ein Pfingstfeuer.

Dieser Artikel ist auch im Evangelischen Gemeindeblatt für die Pfalz erschienen.

]]>
news-4314 Tue, 12 May 2026 11:59:36 +0200 "Ja-Sagen" im Pfälzerwald /kirchliche-aktion-ja-sagen "einfach heiraten" heißt eine bundesweite Aktion der evangelischen Kirche, zu der sie Paare zu Trauungen und Segnungen an ungewöhnlichen Orten einlädt. Speyer, Zweibrücken, Annweiler (epd). „Ja-Sagen“ im Rosengarten und auf der Pfälzerwaldhütte: Die Evangelische Kirche der Pfalz beteiligt sich mit außergewöhnlichen Trauungen und Segnungen an der bundesweiten Aktion „einfach heiraten“ der evangelischen Kirche. „Neuland zu betreten heißt für Kirche: mutig Räume öffnen, Menschen begegnen und Gottes Liebe erfahrbar machen“ sagt Pfarrerin Diemut Meyer, Leiterin des Segensbüros Blessed.Pfalz.

Am 30. Mai wird die Pfälzerwaldhütte „Schwarzer Fuchs“ bei Annweiler am Trifels von 11 bis 16 Uhr zum Heiratsort für Paare, die sich kirchlich trauen oder segnen lassen wollen. Zu der Veranstaltung können diese spontan vorbeikommen oder sich einen Termin im Segensbüro vorabbuchen. Bereits am Samstag, 9. Mai, konnten Paare sich im Zweibrücker Rosengarten spontan kirchlich trauen oder ihre Beziehung segnen lassen.

Aktion will Paare „unkompliziert“ unter göttlichen Segen stellen

Mit der bundesweiten Aktion „einfachheiraten“ lädt die evangelische Kirche Paare dazu ein, ihre Beziehung unkompliziert unter den Segen Gottes zu stellen. Rund um den beliebten Hochzeitstermin am 26. Juni bieten zahlreiche Gemeinden in ganz Deutschland festliche Trauungen und Segnungen an - auch außerhalb von Kirchenräumen.

Unabhängig von der Aktion „einfachheiraten“ lädt Blessed.Pfalz wieder Paare am 19. September von 11 bis 22 Uhr dazu ein, sich auf dem „Wurstmarkt“ in Bad Dürkheim - dem größten Weinfest der Welt - das Jawort zu geben. Kurze Zeremonien gibt es auf dem Riesenrad, im Weindorf und in der Michaeliskapelle.

Ebenfalls am 19. September gibt es einen Trauevent in der Ludwigshafener Melanchthonkirche und einen weiteren am 20. September auf dem „Purzelmarkt“ in Billigheim im Landkreis Südliche Weinstraße.

]]>
news-4313 Mon, 11 May 2026 13:38:31 +0200 30 Jahre Brückenbau /30-jahre-brueckenbau Deutsch-ukrainischer Austausch soll fortgesetzt werden Seit mehr als drei Jahrzehnten verbindet ein besonderes Austauschprogramm Studierende aus der Ukraine mit der Universität in Landau. Was Anfang der 1990er Jahre als Beitrag zur Versöhnung nach dem Ende des Kalten Krieges begann, hat sich zu einem lebendigen Netzwerk entwickelt, das weit über den akademischen Austausch hinaus wirkt. Anlässlich des Besuchs von Programmbetreuern der Partneruniversitäten Odessa und Uschhorod kommen nun Vertreterinnen und Vertreter der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPTU) und der Evangelische Kirche der Pfalz zusammen, um über die Zukunft des Programms zu beraten.

Seit den frühen 1990er Jahren konnten mehr als 140 ukrainische Germanistikstudierende ein Semester in Landau verbringen – zur Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse und zum Kennenlernen von Kultur und Gesellschaft in Deutschland. Der Austausch ist Teil einer umfassenden Versöhnungsarbeit, die aus Begegnungen zwischen Kirchengemeinden, Friedensinitiativen und zivilgesellschaftlichen Akteuren hervorgegangen ist. Neben der Förderung von Studierenden gehörten dazu auch humanitäre Hilfen und die Unterstützung ehemaliger Zwangsarbeiter. Initiiert und diese Zusammenarbeit ausgebaut hat der Arbeitskreis Ukraine-Pfalz. Er entstand aus der Versöhnungsarbeit der Evangelischen Kirche der Pfalz und ist eine von elf Osteuropa-Initiativen in der Region.

Getragen wurde das Programm über viele Jahre durch die Evangelische Kirche der Pfalz, den Deutschen Akademischen Austauschdienst sowie Stiftungen und ehrenamtliches Engagement. Nun laufen zentrale Fördermittel aus. Gleichzeitig soll der Austausch jedoch in eine neue Phase überführt werden: Die beteiligten Universitäten haben einen Antrag auf Förderung im Rahmen von Erasmus+ gestellt. Eine Entscheidung wird im Sommer erwartet. „Für die beteiligten Universitäten bedanke ich mich bei der Evangelischen Kirche der Pfalz für die Initiative zur Gründung des Programms und die langjährige finanzielle Unterstützung. Ich freue, dass wir uns darauf verständigen konnten, wie die Zusammenarbeit weitergehen soll“, betont Oliver Frör, Vizepräsident für Internationales der RPTU.

Welche nachhaltige Wirkung das Programm entfalten kann, zeigt die Biografie von Germanistikprofessorin Nataliya Kurakh von der Universität Uschhorod. Sie selbst kam Anfang der 2000er Jahre als Austauschstudentin nach Landau und leitet heute das Institut für Germanistik an ihrer Heimatuniversität. „Der Austausch hat meinen beruflichen Weg entscheidend geprägt. Er hat mir nicht nur sprachliche, kulturelle und fachliche Kompetenzen vermittelt, durch die Förderung hat mir die Evangelische Kirche gezeigt, dass sie an junge Menschen glaubt. Heute gebe ich diese Erfahrungen an meine Studierenden weiter“, unterstreicht sie.

Auch aus Sicht der Kirche bleibt das Programm ein wichtiger Baustein der internationalen Verständigung. „Versöhnung entsteht nicht durch Erklärungen, sondern durch Begegnungen. Dieses Austauschprogramm hat über Jahrzehnte hinweg Vertrauen geschaffen und persönliche Beziehungen ermöglicht – gerade in Zeiten politischer Spannungen ist das von unschätzbarem Wert“, betont Oberkirchenrat Markus Jäckle von der Evangelischen Kirche der Pfalz.

Mit der angestrebten Erasmus+-Förderung soll der Austausch langfristig gesichert und weiterentwickelt werden. Ziel ist es, die gewachsenen Beziehungen zwischen den Universitäten zu stärken und auch künftigen Generationen von Studierenden prägende internationale Erfahrungen zu ermöglichen.

]]>
news-4312 Tue, 05 May 2026 12:12:58 +0200 Erfolgreich mit Gospel- und Popmusik /erfolgreich-mit-gospel-und-popmusik In Teilen der pfälzischen Landeskirche verzeichnen Gemeinden Aufbrüche und Besucherzuwächse. Sie experimentieren mit neuen Gottesdienstformaten. Von Uwe Rauschelbach

MAXDORF/KUSEL. Beim ersten Blick auf die Internetseite der protestantischen Kirchengemeinde Maxdorf ertappt man sich bei dem Gedanken: Das ist nicht normal. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. Denn in Maxdorf scheint das Schiff, das sich Gemeinde nennt, in voller Fahrt in Richtung Zukunft zu sein. Dabei ist es die Popmusik, die kräftig Wind in die Segel bläst.

„Kapitän“ Stefan Fröhlich hat in seinem Vikariat in einer schwarzen Baptistengemeinde in Ramstein Gottesdienste mit Gospelchören erlebt. An seiner ersten Pfarrstelle in Otterbach, wo er fünf Jahre zur Dienstleistung war, führte er daraufhin Gospelgottesdienste an je einem Sonntag im Monat ein. Die Folge: Die Zahl der Gottesdienstbesucher*innen vor allem mittleren Alters stieg. Daneben wurden auch klassische Gottesdienste gehalten. Seitdem Fröhlich die Maxdorfer Gemeinde leitet, hat es einen regelrechten Aufschwung gegeben.

Inzwischen werden dort neben den traditionellen Gottesdiensten mehrere unterschiedliche Formen angeboten: Gospel-, Praise and Worship-, Move- oder Feiert-Jesus-Gottesdienste zum Beispiel. Musikalische Gottesdienstformate, die unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Durch Zusammenlegungen kann die Maxdorfer Gemeinde nun auch die Johanneskirche im Ort nutzen.

Diese wurde umfänglich saniert und steht für weitere größere Umbaumaßnahmen in der Planung. Dank der technischen Ausrüstung kann die Johanneskirche für moderne Musikgottesdienste genutzt werden, während in der Christuskirche noch die Orgel erklingt. Seit einem Jahr gehört nun auch die Lukaskirche zum Gemeindebestand; hier soll es vor allem Gottesdienste mit akustischer Musik geben.

Für Stefan Fröhlich ist es denn auch die Musik, die dazu beiträgt, die an einem Pfarrer orientierte Kirchengemeinde in eine „Mitmachkirche“ zu entwickeln. Denn eine solche Vielzahl an Stilen und Formaten, die in den Gottesdiensten zum Einsatz kommen, bedarf nicht nur einsatzfreudiger Sänger*innen und Musiker*innen. So tragen in Maxdorf auch Lektor*innen und Prädikant*innen dazu bei, an jedem Sonntag mehrere Gottesdienste anbieten zu können.

Fröhlich verspricht sich vom Strukturwandel der Landeskirche denn auch positive Impulse; weg von der parochial orientierten Gemeindearbeit, hin zu teamorientierten, miteinander kooperierenden Gemeinden.

Fröhlichs Sohn Tim ist im vorigen Jahr für die gottesdienstliche Gestaltung von Popmusik im Kirchenbezirk Kusel beauftragt worden. Hierfür wurde eine Pfarrstelle umgewidmet. Der 29-Jährige hat Musik in Berlin studiert und sich an der Mannheimer Popakademie weitergebildet. Erste praktische Erfahrungen mit moderner Sakralmusik hat er in der Maxdorfer Gemeinde seines Vaters gesammelt. „Das hat total eingeschlagen“, berichtet er über die Anfänge dort.

Jugendliche, die in Chören und Bands mitmachen, kämen vor allem aus dem Bereich von Sommerfreizeiten, weniger aus Konfirmand*innengruppen. Tim Fröhlich unterstützt Musikensembles vor allem mit technischem Know-how.

Die Musik ist sein Ding, doch im Gespräch stellt er klar: „An erster Stelle soll die Gemeinde stehen.“ Von St. Julian aus, wo Fröhlich lebt, ist er in der weiteren Region unterwegs, um andere Musiker*innen zu beraten. In der Kombination von Kirchengemeinde und Popmusik sieht er eine große Chance, um gerade jüngere Menschen für Kirche und Glauben zu interessieren.

Das sieht Tobias Markutzik, Bezirkskantor des Dekanats Kusel, in dessen Dienst Tim Fröhlich steht, nicht anders. Er hat vor sechs Jahren einen Erprobungsraum „Pop & Go“ ins Leben gerufen mit dem Ziel, Popmusik für die gottesdienstliche Gestaltung zu verbreiten. Eine der Säulen seiner Arbeit: ein Pop-Projektchor mit mehr als 200 Sängerinnen und Sängern aus den Kirchenbezirken Kusel sowie Alsenz und Lauter. Gesungen werden auch weltliche Popsongs, die dazu beitragen, alternative Gottesdienstformate zu etablieren.

Dabei seien mutmachende Fortschritte erzielt worden, sagt Markutzik, die zeigten, „dass wir nicht auf verlorenem Posten stehen“. Dabei hat der 48-Jährige selbst ein klassisches Kirchenmusikstudium absolviert. Doch er hat von früher Jugend an eben auch Bands wie die Beatles „rauf- und runtergehört“. Beide musikalischen Welten sind ihm lieb und wichtig; dass sich auch moderne Formen für gottesdienstliche Veranstaltungen eigneten, sei aber noch nicht weitflächig ins Bewusstsein gedrungen. Diesbezüglich erlebt Markutzik die Kirche als „trägen Tanker“.

Wünschenswert sei, dass auch die kirchenmusikalische Ausbildung den Bereich der Popularmusik abdecke. Die badische Landeskirche sei, wie er findet, hierbei schon um einige Schritte weiter. Popular- und klassische Musik sollten sich, so Markutziks Position, auf Augenhöhe begegnen.

Unterdessen steht das Band- und Chorfestival im Rahmen der Pfälzischen Kirchenmusiktage in den Startlöchern. Es bietet elf Chören, Bands und Ensembles am Samstag, 30. Mai, 14 bis 22.30 Uhr, in der Landauer Stiftskirche eine Bühne. Topact ist der christliche Songwriter Chris Lass. Der Eintritt ist frei.

Dieser Artikel ist auch im Evangelischen Gemeindeblatt für die Pfalz erschienen.

]]>
news-4311 Wed, 29 Apr 2026 11:17:55 +0200 Bergholz neuer saarländischer Beauftragter der evangelischen Kirchen /bergholz-neuer-saarlaendischer-beauftragter-der-evangelischen-kirchen Kirchenpräsidentin Wüst: Kirche kann nicht unpolitisch sein Von Marc Patzwald (epd)

Saarbrücken (epd). Kirche darf nach den Worten der pfälzischen Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst nicht nur von der Seitenlinie kommentieren, sondern muss „mitten auf dem Spielfeld stehen“. „Wenn wir als Kirche uns politisch äußern und verhalten, dann aus Interesse für die Menschen mit ihren Nöten und Sehnsüchten“, sagte sie am Dienstagabend in der Saarbrücker Johanneskirche. Kernaufgabe der Kirche seien die Menschen. „Nehmen wir unser Evangelium in seiner politischen Dimension ernst, dann können wir nicht unpolitisch sein“, unterstrich die leitende Theologin der Evangelischen Kirche der Pfalz.

„Damit werden wir nicht zu Politikerinnen und Politikern“, betonte Wüst. Mit ihnen teile die Kirche jedoch das Interesse am Gemeinwohl und an einer Gesellschaft, „in der ein jeder Mensch sein Recht und seinen Platz hat“. „In diesem Sinne verstehen wir uns als Partner und Partnerinnen, manchmal auch als Gegenüber, auf jeden Fall als eine Stimme, die ihren eigenen und unverwechselbaren Klang und Wert hat im Konzert der vielen Stimmen dieser Tage“, erläuterte die Theologin.

Verabschiedung und Einführung des Saar-Beauftragten

Bei dem Gottesdienst und Empfang in der Saarbrücker Johanneskirche wurde der bisherige Beauftragte der Evangelischen Kirchen für das Saarland, Frank-Matthias Hofmann, in den Ruhestand verabschiedet und sein Nachfolger Thomas Bergholz eingeführt. Zu der Veranstaltung der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Evangelischen Kirche der Pfalz hatten sich rund 350 Menschen angemeldet - darunter die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD). Der Beauftragte der Evangelischen Kirchen für das Saarland pflegt im Auftrag der Kirchenleitungen die Beziehungen zwischen den Landeskirchen und dem Saarland.

Kirchenpräsidentin Wüst würdigte Hofmann als „evangelische Stimme und Gesicht am Ludwigsplatz“. „Sie waren im besten Sinne Brückenbauer zwischen Kirche und Politik, Netzwerker im Spiel gesellschaftlicher Kräfte und klarer Lobbyist für die Anliegen und Sorgen von Menschen“, sagte sie.

Der rheinische Präses Thorsten Latzel führte Bergholz in dessen neues Amt ein. Er sei „ein Brückenbauer, ein konsensorientierter Mensch, der gut zuhören kann, Ruhe hineinbringt, immer wieder die gemeinsame Basis sucht“, sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland. Ein Kompromiss sei für Bergholz „kein politisches Schimpfwort, sondern im besten Fall das Ergebnis eines gelungenen gemeinsamen Verständigungsprozesses“.

„Und solch einen Geist der Versöhnung brauchen wir - gerade in unruhigen Zeiten“, erklärte der leitende Theologe der zweitgrößten evangelischen Landeskirche. „Spaltung, Hass und Hetze gibt es wahrlich mehr als genug in unserem Land.“ Bergholz war seit 2016 Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Saarbrücken-Mitte und damit der Ludwigskirche. Davor war er unter anderem wissenschaftlicher Mitarbeiter der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und Dozent für Neues Testament und Kirchengeschichte an einer Theologischen Hochschule in Indonesien.

]]>
news-4310 Tue, 21 Apr 2026 14:56:00 +0200 Frauen-Power an Pult und Taste /frauen-power-an-pult-und-taste Die Kirchenmusik wird beim Thema Orgelspiel und Komposition zunehmend weiblicher. Bei der Bewerbung um Bezirkskantoratsstellen in der Pfalz dagegen liegt der Frauenanteil seit Jahren unverändert bei 15 bis 20 Prozent. Von Gertie Pohlit

LANDAU. „Frauen sollten nicht länger an der Küste herumlungern, nur weil sie Angst haben, in See zu stechen.“ Formuliert hat das sinngemäß die britische Komponistin Ethel Smyth (1858 – 1944), die immerhin zu jenen Tondichterinnen zählte, deren Werk schon zu Lebzeiten neben herablassender Schmähung des männlich dominierten Kulturbetriebs auch Wertschätzung etwa von Pjotr Tschaikowski erfuhr.

Am dritten Advent dieses Jahres soll das wohl bedeutendste Werk der damals 34-jährigen Komponistin, die „Messe in D“, in der Landauer Stiftskirche unter Leitung von Interimskantorin Charlotte Vitek erklingen. Sie hat ihre Bachelorarbeit zum A-Kirchenmusikexamen über diese mutige und streitbare Komponistin, Dirigentin und Autorin geschrieben, die sich fast zwangsläufig als Frauenrechtlerin im von Männern regierten Musikbetrieb profilierte.

Charlotte Vitek geht damit konsequenterweise in die Praxis, stellt ein Werk vor, das bis in die neuere Zeit ein Schubladendasein fristete. Darüber hinaus wird es in der Landauer Stiftskirche einen auf Frühjahr und Herbst verteilten „Orgelpunkt“-Zyklus geben, der ausschließlich Interpretinnen auf die Bank der Rieger-Orgel zitiert. Vitek gestaltet mit Pfarrerin Heike Messerschmitt und Dekanin i. R. Angelika Keller die Auftakt-Veranstaltung unter dem Titel „Starke Frauen“: ein Format, das nun schon in vierter Auflage bekannt macht mit außergewöhnlichen Frauengestalten der Bibel. Und eben Komponistinnen.

Anna Croissant, derzeit in Elternzeit, hatte für die ersten drei Jahrgänge wahre Schätze an unbekannter Orgelmusik gehoben. Kate Westrup, Marianna Stoll, Theophania Cecil, Mel Bonis oder Cécile Chaminade – je davon gehört?

Für Elisabeth Theisohn, Professorin für Musikpädagogik an der Musikhochschule Karlsruhe, ist das kein Mysterium. „Zu allen Zeiten war der Blick auf die schaffende wie ausübende Kunst ein einseitig männlicher. Die Musikwissenschaft war männlich dominiert, ebenso die Fachkritik, das Veranstaltungswesen. Und gerade im sakralen Bereich hatten Frauen bis ins 20. Jahrhundert schöpferisch wie ausübend erhebliche Barrieren zu überwinden.“

Blickt man auf die Sparte künstlerisches Orgelspiel, denkt man spontan an die Pariser Berühmtheiten Nadja Boulanger (1887 – 1979) und Marie Claire Alain (1926 – 2013). Sie waren mit ihrer Internationalität Ausnahmeerscheinungen.

Gleichzeitig fällt auf, dass Konzertorganistinnen im Vergleich zu männlichen Protagonisten zwar nach wie vor in der Minderheit sind (etwa zehn Prozent). Aber ganz offensichtlich existiert eine junge Riege – Els Biesemans, Anna Scholl, Sandra Nosteide, Angela Metzger, Marie Sophie Goltz, Eva Schad, Carlotta Ferrari oder Mona Hartmann etwa –, die erfolgreich im internationalen Diskurs mitmischt. Das könnte bedeuten, dass erstmals eine Generation selbstbewusster Künstlerinnen heranwächst.

Irgendwo dazwischen angesiedelt ist das Profil der Kantorin – Mehrkampfprofi zwischen vokalen und instrumentalen Ensembles, Kinder- und Seniorenarbeit sowie Orgelspiel in Gottesdiensten und Konzerten. Mit wenig Bewegung beim Frauenanteil, sagt Landeskirchenmusikdirektor Jochen Steuerwald, seit knapp 30 Jahren in Besetzungsgremien. „Der Frauenanteil bei Bewerbungen um Kantoratsstellen lag und liegt in der Regel so um 15 bis 20 Prozent. Eine signifikante Entwicklung ist nicht zu beobachten.“

Aufschlussreich ist eine Genderstudie der Direktor*innenenkonferenz Kirchenmusik von 2022. Evaluiert wurde sie durch die Evangelische Kirche in Baden in Kooperation mit der Universität Heidelberg. Die sehr detaillierten Untersuchungen konstatieren, dass das Berufsbild Kantor/Kantorin auf Grund der Abend- und Wochenenddienste nicht familienfreundlich ist. Als Lösungsansatz von weiblicher Seite werden eine mehr teilzeitbezogene sowie teamorientierte Ausschreibung von Führungsstellen genannt sowie eine paritätische Besetzung von Ausschreibungsgremien.

Dass im Bezirkskantorat Landau erstmals in der Evangelischen Kirche der Pfalz eine solide Elternzeit-Regelung für einen Zeitraum von mehr als einem Jahr greift, signalisiert immerhin Aufbruch. Eine Um frage in Bezirkskantoraten dagegen ergab wenig, wenn auch Germersheim und Homburg sich als gut aufgestellt im weiblichen Neben- und Ehrenamt outen. Aber der Prinzipal-Klang der Kirchenmusik wird weiblicher. Was sich noch wie die Quadratur des Kreises anfühlt, könnte irgendwann Alltag werden.

Dieser Artikel ist auch im Evangelischen Gemeindeblatt für die Pfalz erschienen.

]]>
news-4309 Thu, 16 Apr 2026 16:33:45 +0200 Neue Intranetseite „Gemeinsam gesund“ /neue-intranetseite-gemeinsam-gesund Lange versprochen endlich da unsere Intranetseite vom Team „gemeinsam gesund“ startet und wird nun beständig wachsen.  

Intranet unter Aktuelles "gemeinsam gesund" finden Sie übersichtlich, dauerhaft und für die Kita über das Tagungshaus bis zur Kirchengemeinde Informationen und Nachrichten zu den Themen Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und zukünftig auch BEM und Gesundheitsförderung.

Dazu finden Sie:

  • Aktuelle Kontaktdaten unserer Ansprechpartner*innen
  • Betriebsanweisungen
  • Formulare und Checklisten
  • Unterweisungsvorlagen  

Damit erhoffen wir uns Ihnen einen leichteren Zugang zu wichtigen Informationen zu geben und eine Plattform für die Themen Sicherheit und Gesundheit zu schaffen.

Wir laden Sie ein, sich umzuschauen. Fehlt Ihnen etwas, dann schreiben Sie uns. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Feedback.

Ihr Team „Gemeinsam gesund“ Maximilian Renna, Corinna Marton und Christiane Feldhaus

]]>
Arbeitsschutz
news-4308 Tue, 14 Apr 2026 11:43:58 +0200 Mit Kerze und WhatsApp-Segen /mit-kerze-und-whatsapp-segen Die Evangelische Kirche der Pfalz und das Bistum Speyer bieten an zentralen Abiturtagen einen digitalen Segensdienst an. Speyer/Homburg. Jetzt wird’s ernst: Schüler*innen im Saarland und teilweise in Rheinland-Pfalz (G8; BGY) schreiben ihre Abiturprüfungen – und die Kirchen zünden eine Kerze für sie an.

Unter dem Titel „Prüfungssegen für dich!“ bietet die Evangelische Kirche der Pfalz gemeinsam mit dem Bistum Speyer einen besonderen digitalen Service an: An jedem zentralen Prüfungstag können Abiturient*innen eine Kerze für sich anzünden lassen – inklusive persönlichem Segensvideo via WhatsApp.

Und so funktioniert’s: Wer mitmachen möchte, wählt über WhatsApp das Prüfungsfach aus, für das er oder sie sich besonders Unterstützung wünscht – sei es das Lieblingsfach oder das persönliche „Angstfach“. Am frühen Morgen der Prüfung erhalten die Teilnehmenden ein kurzes Video: Ein*e Pfarrer*in zündet in einer Kirche eine Kerze an, spricht einen Impuls und spendet den Segen. Das Ganze dauert maximal 60 Sekunden – und kann genau im richtigen Moment Kraft geben.

„Ich weiß noch ziemlich genau, wie schnell mein Herz in den Prüfungen gerast ist. Zu wissen, man ist damit nicht allein und andere denken an einen, tut unglaublich gut. Meine Oma hat damals eine Kerze für mich angezündet und für mich gebetet. Das möchte ich gerne für andere tun“, sagt Pfarrerin Meredith Schellhaas, die darauf vertraut, dass Gottes Segen Kraft gibt, „gerade dann, wenn die Nerven blank liegen.“

Maria Wünschel, Referentin für Jugendseelsorge im Bistum Speyer, ergänzt: „Am Morgen der Abiprüfungen wollen wir für die Schüler*innen da sein: Wir stehen früh mit ihnen auf, senden ihnen ein Segensvideo und fiebern jeden Tag mit. Für sie zünden wir eine Kerze an, die während der gesamten Prüfung brennt – und begleiten sie in diesen entscheidenden Momenten in Gedanken. Als Referentin für junge Erwachsene finde ich es schön, ein Teil dieser tollen Aktion zu sein.“

Die Idee stammt ursprünglich aus der Erzdiözese Wien, wo die Aktion gemeinsam mit der Evangelischen Kirche Österreich vor drei Jahren gestartet ist. Dort wurde sie schnell zum Erfolg: Von anfangs 800 Teilnehmenden wuchs die Zahl auf 16.000 – darunter viele Großeltern, die den Segen an ihre Enkel weiterleiteten.

Warum wird diese Aktion nur zum Abi angeboten und nicht zu anderen Schulabschlüssen? Die zentralen Prüfungstermine beim Abitur erleichtern die Arbeit bei diesem ersten Versuch enorm. Wenn der erste Durchgang erfolgreich läuft, wollen die Verantwortlichen auch andere Schul- und Prüfungsformen integrieren.

Weitere Informationen: www.abschlusssegen.de

]]>
news-4307 Mon, 13 Apr 2026 13:58:26 +0200 Wie Tiere gegen Depressionen helfen https://www.indeon.de/gesellschaft/tiergestuetzte-therapie-wie-tiere-gegen-depressionen-helfen Tiergestützte Therapie kann helfen, einer Depression zu entkommen. Die Hunde, Pferde und Schildkröten von Psychotherapeutin Eva-Maria Barthel aus Katzweiler in Rheinland-Pfalz unterstützen Patient*innen bei der Suche nach Lebensfreude und Ruhe. news-4306 Thu, 02 Apr 2026 10:19:25 +0200 "Hoffnung wächst mitten im Grau" /hoffnung-waechst-mitten-im-grau Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst ruft in ihrer Osterbotschaft dazu auf, der Hoffnungslosigkeit zu widerstehen und dem Winter in Welt und Gesellschaft zu wehren Speyer (lk). Angesichts von Krieg, Leid und gesellschaftlicher Verrohung ruft Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst in ihrer Osterbotschaft dazu auf, an der Hoffnung festzuhalten und sich nicht mit Resignation abzufinden. Ostern stehe für die Kraft des Lebens, das sich selbst dort Bahn breche, wo alles dunkel und erstarrt erscheine.

Wüst spannt in ihrer Botschaft den Bogen von den Krisenherden der Welt bis in den Alltag vor Ort. Sie erinnert an die Not im Gazastreifen, an Menschen in der Ukraine, die ohne Heizung und Licht ausharren, an zerbombte Städte, erschöpfte Helfende und überfüllte Lager. Zugleich blickt sie auf die Lage in Deutschland: auf Hass in sozialen Netzwerken, einen rauer werdenden Ton in Politik und Gesellschaft und auf die Kälte, die auch das Miteinander im Alltag prägt.

"Glauben an das, was man noch nicht sieht. Das ist Ostern."

Ostern sei der Moment, in dem Menschen darauf vertrauen dürfen, dass neues Leben wächst, obwohl vieles dagegenspricht. Es gehe darum, sich nicht mit Hoffnungslosigkeit abzufinden, sondern auf die leisen Zeichen des Lebens zu achten.

Ein zentrales Bild ihrer Botschaft findet Wüst im eigenen Garten: Nach einem langen, harten Winter, in kahler Erde und unter grauem Himmel, blühen plötzlich Veilchen. Für sie ist das ein Osterbild. "Der grüne Halm der Hoffnung mitten im Grau" werde sichtbar – leise, zart und doch unübersehbar. Gerade darin zeige sich die Kraft von Ostern: neues Leben dort, wo niemand mehr damit rechnet.

Wüst erinnert daran, dass die biblische Ostergeschichte nicht in einer heilen Welt beginnt, sondern in Trauer, Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Die Frauen am Grab seien mit einem "Winterherzen voller Trauer" gekommen und hätten erfahren, dass der Tod nicht das letzte Wort behält. Diese Erfahrung, so Wüst, spreche bis heute in eine zerrissene Welt hinein.

Ostern sei deshalb mehr als Trost. Es sei ein Auftrag, dem Frost der Gegenwart Menschlichkeit entgegenzusetzen: mit einem freundlichen Wort, mit einer ausgestreckten Hand, mit Standhaftigkeit und gegenseitiger Unterstützung. "Sich nicht mit der Hoffnungslosigkeit abfinden"; das sei die österliche Haltung, zu der Christinnen und Christen ermutigt würden.

Wo Menschen trotz allem weitergingen, einander trügen und auf Gottes lebensschaffende Kraft vertrauten, dort beginne Veränderung, betont Wüst. Ostern verweise nicht nur auf ein fernes Morgen, sondern auf eine Wirklichkeit, die schon jetzt spürbar werde: „Dass das Leben siegt – nicht irgendwann, sondern schon jetzt. Leise, verborgen, aber sehr real.“

Zum Schluss ihrer Botschaft verbindet die Kirchenpräsidentin die österliche Hoffnung mit einer klaren Bitte für Gegenwart und Gesellschaft: Die Osterbotschaft stärke dazu, „dem Winter in Welt und Gesellschaft zu wehren“  im Vertrauen darauf, dass Gott Leben will und schafft.

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst predigt am Ostersonntag um 10 Uhr in der Gedächtniskirche Speyer.

 

Die Osterbotschaft im Wortlaut

Es war ein harter Winter.

Überschwemmungen und Not im Gazastreifen. Menschen ohne Heizung in der Ukraine, die in dunklen Wohnungen ausharren. Zerbombte Städte, erschöpfte Helfer, überfüllte Lager. Eiszeit in diplomatischen Beziehungen, während Worte kälter werden als der Frost. Kein grüner Halm der Hoffnung für die Kriegsgebiete dieser Welt – so scheint es.

Es war ein harter Winter.

Auch bei uns. Hass flutet die sozialen Netzwerke, schneller als jede Flutwelle. Parolen werden lauter, der Ton rauer, die Gräben tiefer. Zwischenmenschliche Kälte greift um sich – im Alltag, in der Politik, manchmal sogar in Familien. Und viel zu viele fühlen sich verloren im braunen und dürren Gestrüpp ihrer Gegenwart. Kein grüner Halm der Hoffnung.

Es war ein harter Winter.

Ich stehe in meinem Garten, in dem nichts so richtig grünt und blüht. Die Erde ist schwer, die Zweige kahl, der Himmel oft grau. Nichts lässt ahnen, dass es jemals anders sein soll. Und wie zur Bestätigung liegt zwischen den Bodendeckern eine tote Taube. Schwer, darin kein Zeichen zu sehen. Karfreitagszeichen.

Es war ein harter Winter.

Trotz milder Temperaturen. Damals in Jerusalem. Da schleppt einer sein Kreuz auf einen Hügel – durch Spott, Gewalt und Gleichgültigkeit hindurch. Unter dem kalten Hohn der Schaulustigen. Da stirbt einer einen einsamen Tod. Umgeben von eisiger Gleichgültigkeit und Herzenskälte. Sie nehmen ihn ab, tragen ihn in sein Grab. Und mit ihm alle Hoffnung. Zunächst.

Es wird Frühling.

Auch in meinem Garten. Da, wo die tote Taube lag, blühen Veilchen. Zart, trotzig-bunt, sehr lebendig. Wie auf ein geheimes Zeichen hin explodiert die Natur zu neuem Leben. Das tut sie jedes Jahr. Und doch ist es nie selbstverständlich. In diesem Jahr rührt es mich zu Tränen. Es war wirklich ein harter Winter. Und ist es noch.

In Jerusalem gingen Frauen an ein Grab. Mit einem Winterherzen voller Trauer. Mit Fragen, die keine Antworten kannten. Sie fanden kein Grab, sie fanden das Leben. Kaum zu glauben. Aber wer glaubt einem kahlen Zweig im Januar, dass er im April Blüten trägt? Wer sieht der dunklen Wintererde an, dass sie so voller Leben ist?

Glauben an das, was man noch nicht sieht. Vertrauen, dass Leben wächst, wo alles dagegen spricht. Das ist Ostern.

Der grüne Halm der Hoffnung mitten im Grau.

Das Stiefmütterchen, das aus den Ritzen blüht. Die Knospe am toten Strauch. Das freundliche Wort im kalten Tonfall. Die ausgestreckte Hand in einer zerrissenen Welt. Schwer, darin kein Zeichen zu sehen. Osterzeichen.

So ist Ostern: Glauben an das, was man noch nicht sieht.

Sich nicht mit der Hoffnungslosigkeit abfinden. Einander tragen, wo Kräfte fehlen, und standhalten, wo der Gegenwind hart ins Gesicht bläst. Denn genau dort geschieht Veränderung, blüht neues Leben: Wo Menschen trotz allem weitergehen, einander beistehen und darauf vertrauen, dass Gott Leben will und schafft. Dass das Leben siegt - nicht irgendwann, sondern schon jetzt. Leise, verborgen, aber sehr real. Auch wenn der Winter noch so hart ist. Auch wenn uns die Welt noch so sehr das Frieren lehrt.

Die Ostersonne wärmt uns Herz und Seele.

Sie lässt uns in aller Dunkelheit an das Licht glauben und dem Winter in Welt und Gesellschaft wehren. Auf dass uns Leben blüht.

Gott sei Dank.

]]>
news-4305 Tue, 24 Mar 2026 11:45:53 +0100 Osterspaziergang und Musikabende /osterspaziergang-und-musikabende Das Osterfest feiern die pfälzischen und saarpfälzischen Kirchengemeinden mit besonderen Gottesdiensten und Veranstaltungen: Gethsemane-Erlebnis, Osterspaziergänge und -feuer sowie Musikabende gehören dazu. Von Lore Dohrenbusch

Speyer. Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst predigt am Ostersonntag ab 10 Uhr im Abendmahlsgottesdienst in der Speyerer Gedächtniskirche. Oberkirchenrat Markus Jäckle gestaltet bereits am Karfreitag mit Dekan Volker Janke den Gottesdienst ab 10 Uhr in der Landauer Stiftskirche. Dort wird abends ab 18 Uhr Bachs Johannespassion von Vokalsolisten, der Landauer Kantorei und dem Südpfälzischen Kammerorchester aufgeführt.

In Alsenborn beginnt am Gründonnerstag um 19 Uhr in der protestantischen Kirche eine konzertante Vesper mit dem Titel „Die Nacht im Garten Gethsemane – Gottvertrauen im Leid“. Für Livemusik sorgen Sabine Heinlein (Sopran), Constanze Akherraz-Kirchner (Mezzosopran), Sebastian Galwas (Violine) und Florian Jurzitza (Orgel und Harfe). Pfarrerin Katha Wolf übernimmt Lesung und Liturgie.

In Rülzheim beginnt am Grün­donnerstag bereits um 18 Uhr in der Christuskirche ein Gottesdienst mit Weinprobe. „Sechs Weine und sechs Essengänge gehören dazu, wir sind schon ausgebucht“, freut sich Pfarrer Jan Meckler über viel Interesse. „Aber im Herbst machen wir die nächste Weinprobe, einige Tage zuvor kann man sich auf unserer Homepage anmelden“, tröstet er. Die nordpfälzische Kirchengemeinde Rüssingen lädt für 18 Uhr zum Tischabendmahl an der langen Tafel in der protestantischen Kirche ein. „Wer kommen will, wird gebeten, etwas für das Büffet mitzubringen“, lädt Pfarrerin Lina Ehrmann ein.

Am Karfreitag beginnt um 10 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche Speyer ein Abendmahlsgottesdienst unter dem Leitbegriff „Seven Last Words“. Pfarrerin Christel Gölzer übernimmt die Liturgie, musikalisch gestaltet ihn der Chor der Gedächtniskirche.

Am Karsamstag lädt die Kirchengemeinde Dörrmoschel Kinder im Grundschulalter von 10 bis 12 Uhr in die protestantische Kirche zur Kinderkirche mit Blick aufs Osterfest ein. Mitmachlieder, gemein­sames Essen und Bastelaktionen gehören dazu. „Die Kinder erfahren den Sinn von Ostern und ihre Eltern werden für zwei Stunden entlastet und können noch Besorgungen machen“, begründet Pfarrer Sebastian Best die Aktion.

Am Abend des Karsamstag gestalten viele Gemeinden eine Osternacht. So beginnt sie im nordpfälzischen Finkenbach um 20.30 Uhr in der trutzigen Wehrkirche von 1304, wenn sich die Besucher von der brennenden Osterkerze im Altarraum ihr eigenes Osterlicht abholen. Die Liturgie hält Pfarrer Andreas Echternkamp, an der Orgel begleitet Finn Rickenbach. Anschließend sind alle gegen Mitternacht im Kirchenschiff zum Umtrunk eingeladen.

In Göllheim wird gegen 22 Uhr das Osterfeuer in der Feuerschale im Garten an der protestantischen Kirche angefacht. Pfarrerin Lina Ehrmann entzündet gegen 22.30 Uhr daran die Osterkerze und trägt sie mit den Besuchern in die dunkle Kirche, wo alle ein Licht erhalten. Nach dem Osternachtgottesdienst folgt in der Turmschänke im Erdgeschoss des Kirchturms ein geselliger Umtrunk mit Hochprozentigem und alkoholfreien Getränken.

Das saarpfälzische Niederkirchen im Ostertal möchte seinem Namen gerecht werden und lädt ab 22 Uhr zu einer besonders anschaulichen Osternacht ein. Seit mehr als 20 Jahren entzünden die Besucher*innen traditionell im Bibelgarten vor der Margarethenkirche eine Kerze am Osterfeuer, ziehen mit ihrem Pfarrer Stefan Werner in die dunkle Kirche ein und versammeln sich um das Felsengrab Christi mit dem davorgerollten großen Stein. „Die Nachbildung hat unser damaliger Presbyter Herrmann Berg Anfang der 2000er-Jahre aus Styropor geschaffen, mit Moltofill modelliert und steinfarben an­gestrichen“, berichtet Werner. Die Arbeit, etwa zwei Meter mal zwei Meter und 1,50 Meter hoch, vermittle vielen Menschen seitdem eindrucksvoll die Ostergeschichte und das Wunder der Auferstehung.

Am Ostersonntag startet zeitig um 6 Uhr in Neustadt an der Martin-Luther-Kirche ein Osterspaziergang mit geistlichen Impulsen, um 7 Uhr folgt im Gemeindezentrum Branchweilerhof eine Auferstehungsfeier mit dem Posaunenchor. Im saarpfälzischen St. Ingbert beginnt um 10 Uhr in der Christuskirche ein Familiengottesdienst mit Ostereiersuche. In Kandel ist der Gottesdienst mit Musikbeiträgen des Chors Canta Kandela und anschließender Eiersuche zwischen Kirchenbänken für 11 Uhr geplant.

Den Ostermontag reserviert die Kirchengemeinde Lambrecht-Lindenberg für einen Osterspaziergang im Elmsteiner Tal. Er startet um 10 Uhr in Lindenberg in der protestantischen Kirche.

Dieser Artikel ist auch im Evangelischen Gemeindeblatt für die Pfalz erschienen.

]]>
news-4302 Mon, 16 Mar 2026 12:17:00 +0100 "Kirche reagiert" /kirche-reagiert "Gewöhnen wir uns an die AfD?" - Warum Pfarrpersonen auf Social-Media Stellung beziehen Speyer (lk). Mit kurzen Videos auf TikTok und Instagram beteiligen sich Pfarrpersonen der Evangelischen Kirche der Pfalz derzeit an einer gesellschaftlichen Debatte: Wie gehen wir mit rechtspopulistischen und rechtsextremen Positionen in der Politik um? Unter dem Titel „Kirche reagiert“ greift eine Social-Media-Kampagne politische Aussagen von AFD-Poliker*innen auf und ordnet sie vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz aus kirchlicher Perspektive ein.

Zum Start der Kampagne auf den Kanälen von wersglaubt.wirdselig spricht die Social-Media-Pfarrerin der Landeskirche Mary Schellhaas über die Frage „Gewöhnen wir uns an die AfD?“. Sie thematisiert, wie sich politische Debatten in Deutschland in den vergangenen Jahren verändert haben und wie stark rechtspopulistische Positionen inzwischen im öffentlichen Diskurs präsent sind. Die Beiträge der Kampagne wollen dazu anregen, darüber nachzudenken, welche Folgen es hat, wenn politische Positionen, die Menschen gegeneinander ausspielen oder bestimmte Gruppen ausgrenzen, zunehmend als Teil des politischen Alltags wahrgenommen werden.

Dass Pfarrpersonen - von Vikar*innen über Pfarr*innen bis zur Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst - sich in dieser Kampagne äußern, ist keine spontane Entwicklung. In den vergangenen Jahren haben sowohl evangelische als auch katholische Kirchenleitungen mehrfach deutlich gemacht, wie kritisch sie rechtsextreme und völkisch-nationalistische Ideologien sehen. Grundlage dieser Position ist das christliche Verständnis von der Würde jedes Menschen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat wiederholt darauf hingewiesen, dass völkischer Nationalismus mit dem christlichen Menschenbild nicht vereinbar ist. Auch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat sich in einer Erklärung aus dem Jahr 2024 klar positioniert. Darin heißt es, rechtsextreme Ideologien und Parteien, die solche Positionen vertreten, stünden im Widerspruch zu zentralen Grundüberzeugungen des christlichen Glaubens.

Kirchen verstehen solche Aussagen jedoch nicht als parteipolitische Wahlempfehlungen. Sie sehen sich nicht als politische Akteure im Wettbewerb um Stimmen, sondern als Teil der Zivilgesellschaft. Wenn sie sich zu politischen Themen äußern, geschieht dies in der Regel dort, wo grundlegende ethische Fragen berührt sind – etwa der Schutz von Minderheiten oder das Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft.

Soziale Medien spielen in dieser Diskussion eine zunehmend wichtige Rolle. Plattformen wie TikTok und Instagram sind für viele Menschen – besonders für jüngere Generationen – zentrale Orte der Information und Meinungsbildung geworden. Politische Inhalte verbreiten sich dort häufig in kurzen, emotionalen Formaten und erreichen innerhalb kurzer Zeit ein großes Publikum.

Mit der Kampagne „Kirche reagiert“ möchte die Landeskirche deshalb bewusst auch in diesen digitalen Räumen präsent sein. Die Videos greifen aktuelle Themen auf, erklären Hintergründe und zeigen, welche Werte aus christlicher Perspektive im Mittelpunkt stehen: Menschenwürde, Respekt, Vielfalt und Nächstenliebe.

Zugleich geht es der Kampagne darum, gesellschaftliche Debatten nicht nur zu kommentieren, sondern zum Gespräch einzuladen. Kirche versteht sich traditionell als Ort des Dialogs – auch über kontroverse Fragen. Gerade in Zeiten, in denen politische Diskussionen oft zugespitzt geführt werden, möchte sie dazu beitragen, dass unterschiedliche Perspektiven gehört werden und respektvoll miteinander gesprochen wird.

Die Social-Media-Beiträge der Landeskirche sind damit Teil eines größeren gesellschaftlichen Diskurses. Sie erinnern daran, dass die Frage nach demokratischen Werten nicht nur ein poltisches Thema ist, sondern auch eine ethische und gesellschaftliche Herausforderung, zu der viele Stimmen beitragen können.

]]>
news-4303 Mon, 16 Mar 2026 12:08:46 +0100 Evangelische Kirche veröffentlicht Mitgliedszahlen für das Jahr 2025 /evangelische-kirche-veroeffentlicht-mitgliedszahlen-fuer-das-jahr-2025 Hannover/Speyer(lk). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat heute die Mitgliedschaftsdaten für das Jahr 2025 veröffentlicht. Nach vorläufigen Meldungen aus den Landeskirchen gehörten zum Stichtag 31. Dezember 2025 rund 17,4 Millionen Menschen einer der 20 Landeskirchen der EKD an. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies - bedingt durch Sterbefälle und Austritte- einem Rückgang um rund 3,2 Prozent.

Kirchen bieten Raum für Gottesdienst, Seelsorge und Begegnung und begleiten Menschen in wichtigen Momenten ihres Lebens. Zugleich engagieren sich Kirche und Diakonie bundesweit für Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen: Sie betreiben Kindertagesstätten und Schulen, unterhalten Beratungsstellen, begleiten Kranke und Pflegebedürftige und unterstützen Menschen in sozialen Notlagen. Mit ihrer Kirchenmitgliedschaft tragen evangelische Christinnen und Christen dazu bei, dass diese Angebote bestehen können.

Mit rund 105.000 Christinnen und Christen wurden im Jahr 2025 vergleichbar viele Menschen getauft wie im Vorjahr. Taufen finden dabei nicht nur im Kindesalter statt: Etwa jede zehnte evangelische Taufe betrifft Menschen über 14 Jahre. Darüber hinaus gab es 2025 rund 16.000 Aufnahmen in die evangelische Kirche. Demgegenüber standen rund 330.000 Sterbefälle. Die Zahl der Kirchenaustritte lag mit rund 350.000 auf dem Niveau des Vorjahres (2024: 351.664).

Auch die Evangelische Kirche der Pfalz hat im Jahr 2025 Mitglieder verloren. Zum Stichtag am 31. Dezember 2025 lag die Gesamtzahl der Kirchenmitglieder bei 415.536  im Vergleich zu 429.934 im Vorjahr.  Das entspricht einem Rückgang von 3,35 Prozent. Die Zahl der getauften, aufgenommenen und ausgetretenen Kirchenmitglieder  bezieht sich auf das Jahr 2024: Hier lag die Zahl der Austritte aus der Landeskirche bei 7.202 (im Vergleich zu 7.936). Im selben Zeitraum gab es landeskirchenweit 2.657 evangelische Taufen und 364 Eintritte (im Vergleich zu 3.643 Taufen und 425 Eintritten). Die für 2025 geschätzten Zahlen gehen von 2276 Taufen, 345 Eintritten und 7591 Austritten aus.

Die Zahl der Verstorbenen lag 2025 bei 8.185 (Vorjahr: 8.278).

]]>
news-4304 Sat, 14 Mar 2026 14:20:00 +0100 Preise für innovative Projekte /preise-fuer-innovative-projekte Die Evangelische Kirche der Pfalz hat erstmals seit 2020 ihren Preis für Innovative Projekte in Speyer vergeben. Fünf Initiativen wurden ausgezeichnet, insgesamt wurden 37 000 Euro Fördergelder an die Preisträger ausgeschüttet. SPEYER. „Mit diesem Preis würdigt die Landeskirche Projekte, die neue Wege kirchlicher Arbeit ausprobieren und zeigen, wie Kirche heute kreativ und praxisnah gestaltet werden kann“, erklärte Oberkirchenrat Claus Müller, der die Preise überreichte.  Die ausgezeichneten Initiativen stünden exemplarisch für innovative Ansätze in Gemeinden und kirchlichen Arbeitsfeldern.

Eingereicht wurden zwölf Projekte. Eine Jury bewertete sie nach den Kriterien Innovation und Originalität, theologische Fundierung, Modellcharakter, Nachhaltigkeit und Umsetzbarkeit. Vier Initiativen wurden mit einem Förderpreis ausgezeichnet: Das Projekt „Flexibilisierung RU“, die Familienkathedrale Annweiler, der Pfälzer Kirchentag und das Projekt „Abschiede am Rhein“. Einen Sonderpreis erhielt das Projekt „Himmel & Hund“.

„Die ausgezeichneten Projekte zeigen, wieviel Innovationskraft in unserer Kirche steckt“, sagte Oberkirchenrat Müller. Sie verdeutlichten, dass Kirche dort lebendig sei, wo Menschen neue Ideen entwickeln und ausprobieren – im Religionsunterricht, in der Gemeindearbeit, in der Seelsorge oder in neuen Begegnungsformaten. „Genau solche Projekte helfen uns, als Kirche nah bei den Menschen zu bleiben und auf gesellschaftliche Veränderungen kreativ zu reagieren“, so der Theologe.  Müller kündigte an, dass jetzt die nächste Runde des Wettbewerbs beginne und Gemeinden, kirchliche Einrichtungen und Initiativen sich mit neuen Ideen bewerben könnten.

Das Projekt „Flexibilisierung RU“, das 5 000 Euro Fördergeld erhielt, entwickelt neue organisatorische und pädagogische Formen für den Religionsunterricht. Angesichts veränderter schulischer Rahmenbedingungen sollen Modelle erprobt werden, die den Religionsunterricht flexibler gestalten und stärker mit kirchlicher Bildungsarbeit vor Ort vernetzen. Ziel ist es, den Religionsunterricht auch unter schwieriger werdenden Bedingungen verlässlich anbieten zu können und neue Formen der Kooperation zwischen Schule und Kirche zu ermöglichen.

10 000 Euro Fördermittel erhielt die Initiative „Familienkathedrale Annweiler“. Sie möchte einen kirchlichen Ort schaffen, der speziell auf Familien mit Kindern ausgerichtet ist. Geplant ist eine Ausstattung und Infrastruktur, die neue Formen gemeinsamer Spiritualität, Begegnung und gemeinschaftlichen Erlebens ermöglicht. Familien sollen hier Kirche als offenen und gastfreundlichen Raum erleben können, der ihren Bedürfnissen und Lebenssituationen entgegenkommt.

Der „Pfälzer Kirchentag“ erprobt ein regionales Veranstaltungsformat nach dem Vorbild eines Kirchentages – in überschaubarem Rahmen. Ziel ist es, Menschen aus verschiedenen Gemeinden zusammenzubringen und neue Formen kirchlicher Begegnung, Diskussion und Beteiligung zu ermöglichen. Das Projekt will zeigen, dass auch regionale Formate Gemeinschaft, Austausch und geistliche Impulse stärken können. Das Projekt erhielt 15 000 Euro, der Kirchentag findet am 28. Juni statt.

Die Initiative „Abschiede am Rhein“ wurde mit 6000 Euro ausgezeichnet. Sie entwickelt neue Formen von Abschieds- und Trauerritualen im öffentlichen Raum. Menschen erhalten hier die Möglichkeit, in einem offenen Rahmen Abschied zu nehmen und Trauer zu gestalten. Seelsorge, Spiritualität und öffentliche Ritualformen werden miteinander verbunden und eröffnen neue Wege kirchlicher Begleitung in Übergangssituationen des Lebens.

Den Sonderpreis in Höhe von 1000 Euro erhielt das Projekt „Himmel & Hund“. Dies ist ein niedrigschwelliges Begegnungsformat für Menschen mit Hunden. Gemeinsame Spaziergänge bieten Gelegenheit zu Gesprächen über Lebens- und Glaubensfragen und schaffen unkomplizierte Kontaktmöglichkeiten. Das Projekt richtet sich bewusst auch an Menschen, die sonst selten mit Kirche in Berührung kommen.

]]>