Evangelische Kirche der Pfalz: Artikelschau https://www.evkirchepfalz.de/ de-de Evangelische Kirche der Pfalz Tue, 15 Sep 2026 14:12:04 +0200 Tue, 15 Sep 2026 14:12:04 +0200 TYPO3 EXT:news news-4361 Tue, 15 Sep 2026 12:45:32 +0200 Gemeinsam Vertrauen zurückgewinnen https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/gemeinsam-vertrauen-zurueckgewinnen Demokratie stärken, Menschenrechte schützen – saarländische Landesregierung und Evangelische Kirche im Dialog Die Landesregierung hat sich am Dienstag, 15. September 2026, mit Vertreterinnen und Vertretern der Evangelischen Kirche im Rheinland, der Evangelischen Kirche der Pfalz (Prot. Landeskirche) und dem Beauftragten der Evangelischen Kirchen für das Saarland in der Staatskanzlei ausgetauscht.

Saarbrücken. Ministerpräsidentin Rehlinger eröffnete das Gespräch mit einem Impuls zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Mit Blick auf die zunehmende Spaltung der Gesellschaft und das Erstarken rechtspopulistischen Gedankenguts im Saarland, Deutschland, Europa und der Welt, betonten alle Teilnehmenden die große Verantwortung von Kirche und Politik, die Demokratie und Menschenrechte zu schützen. Vor diesem Hintergrund ging es dann auch um die Frage, welche Maßnahmen Land und Kirchen im Blick haben und wie die Zusammenarbeit der Institutionen künftig aussehen kann.

Ministerpräsidentin Anke Rehlinger: „Das Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen leidet unter Desinformation und Populismus. Umso wichtiger ist es, dass wir als staatliche und kirchliche Akteure Verantwortung übernehmen und Haltung zeigen. Auf unterschiedliche Weise können wir in unsicheren Zeiten Orientierung geben, Zweifeln mit Zuversicht begegnen und gemeinsame Werte der Menschlichkeit und Solidarität verteidigen. Als Verbündete im Sinne des freien, demokratischen Miteinanders ist es wichtig, miteinander im Gespräch zu bleiben, um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und unsere Demokratie zu stärken.“

Dorothee Wüst, Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, betonte: „Der Erfolg der AfD ist kein ostdeutscher Ausrutscher, sondern ein Warnsignal, das uns alle angeht und das wir ernst nehmen müssen. Als Kirchen bleiben wir klar in unserer Haltung: Viele Positionen der AfD stehen im Widerspruch zu dem, wofür wir aus christlicher Überzeugung eintreten – Menschenwürde, Nächstenliebe, Vielfalt und Solidarität. Aber wir dürfen nicht wie das Kaninchen vor der Schlange auf die AfD starren und darüber aus dem Blick verlieren, um wen es eigentlich gehen muss: um die Menschen, ihre Sorgen, ihre Unsicherheit, ihre Enttäuschung und ihre Erwartungen an eine gute Zukunft. Die gemeinsame Aufgabe von Politik, Kirchen, Wirtschaft, Bildung, Kultur und Zivilgesellschaft ist es, Vertrauen zurückzugewinnen und erfahrbar zu machen, dass Demokratie handlungsfähig ist und Zukunft gestaltet werden kann. Genau deshalb heißt unsere Kampagne ‚Aufstehen für …‘: nicht ,gegen‘ andere, sondern für die Menschen und für das, was unsere offene Gesellschaft trägt und zusammenhält.“

Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, ergänzte: „Gerade in politisch bewegten Zeiten ist es wichtig, dass Politik und Kirche vertrauensvoll und gut zusammenarbeiten. Die Aufnahme des Gottesbezuges in die saarländische Verfassung bringt das zum Ausdruck. Nur gemeinsam können wir unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft erhalten. Ich freue mich, dass wir dies im Saarland in beispielhafter Weise gemeinsam praktizieren. Die gelungenen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit oder die Kooperation bei den Special Olympics sind dafür nur zwei sichtbare Beispiele gewesen.“

Bilder: Staatskanzlei des Saarlandes

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news-4355 Tue, 15 Sep 2026 08:46:37 +0200 Den Menschen zugewandt https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/18-jahre-lang-durfte-ich-hier-fuer-sie-bischof-sein Bischof em. Dr. Karl-Heinz Wiesemann feierte im Speyerer Dom seinen Abschied vom Bistum. Speyer. „Wenn ich in Ihre vielen Gesichter schaue, dann wird’s mir auch schon ein wenig wehmütig ums Herz. 18 Jahre lang durfte ich hier für Sie Bischof sein, mit Ihnen Christ in dieser Welt“ – mit diesen Worten begrüßte Bischof em. Dr. Karl-Heinz Wiesemann die rund 1.200 Gläubigen, die am Sonntag zu seinem Abschiedsgottesdienst in den vollbesetzten Speyerer Dom gekommen waren. Unter ihnen waren neben den Priestern aus dem Bistum auch zahlreiche Bischöfe aus ganz Deutschland, an der Spitze der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Wilmer.
Die musikalische Gestaltung übernahmen der KathedralJugendChor, der Domchor und die Dombläser, unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori und Domkantor Joachim Weller. Die Orgel spielte Domorganist Bastian Fuchs.

„Eine Erfahrung von abgründiger Ohnmacht und beschämender Entmachtung“

Seine Predigt verknüpfte Wiesemann mit dem Fest Mariä Geburt, das vor wenigen Tagen begangen wurde, und das auch eng mit seiner persönlichen Biografie verbunden ist: „Vor 24 Jahren wurde ich an diesem Fest im Paderborner Dom, meinem Heimatdom, zum Bischof geweiht.“ Auch für den Speyerer Dom, der Maria geweiht ist, habe das Fest eine große Bedeutung. Es wolle „bis in die biographischen Wurzeln, in den Stammbaum zurückverfolgen, dass Gott Geschichte selbst nach tiefstem Versagen und größter Schuld ein für alle Mal neu öffnet“, so der Bischof em. Gerade in Zeiten großer Verunsicherung sei die Versuchung groß, „sich durch Glorifizierung der Vergangenheit immun zu machen gegen die Zumutungen der Gegenwart“. Während seiner krankheitsbedingten Auszeit vor fünf Jahren habe er, so Wiesemann, mühsam und gleichermaßen heilsam gelernt, wie selbstzerstörerisch sich solch ein Panzer rückwärtsgewandter Lebensfixierung auswirken könne. „So bin ich schon allein durch die unausweichliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben gegen den tödlichen Virus des universalen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus unserer heutigen Tage geimpft worden.“

Einen großen Teil seiner Speyerer Amtszeit begleitete Bischof em. Wiesemann die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs – unvergesslich seien die Gespräche mit Betroffenen, führte er in seiner Predigt weiter aus. „Der Einblick in diesen Raum schambehafteter Verwundung, der mir gewährt wurde, war für mich eine Erfahrung von abgründiger Ohnmacht und beschämender Entmachtung, die nicht nur die amtliche, sondern auch die ganze menschliche Dimension vollständig einbezog. Und gleichzeitig waren diese Gespräche für mich die größten und kostbarsten Lehrstunden über das, was Seelsorge und Hirtendienst bedeuten – und wozu es Kirche gerade in unserer Zeit so notwendig braucht.“

Appell an die Gläubigen

In seiner Predigt wandte sich Bischof em. Wiesemann auch direkt an die Gläubigen: „Sie haben es mir immer leicht gemacht – mit Ihrem auch kritischen Mitgehen, mit Ihrem Wohlwollen, Ihrer Leidenschaft, Ihrem Engagement und nicht zuletzt mit Ihrer sympathischen (saar-)pfälzer Geselligkeit, Gelassenheit und Zuversicht.“ Ihn habe immer wieder beeindruckt, mit welcher leidenschaftlichen Kraft und innerem Wille in der Diözese trotz aller Differenzen miteinander gegangen wurde, „weil es nicht um die eigene Befindlichkeit, sondern unseren gemeinsamen, uns vom Herrn selbst anvertrauten Auftrag für die Kirche in unserer Zeit geht. Das ist dann auch mein größter Wunsch für Sie für die Zukunft: Bewahren Sie sich dieses unschätzbar hohe Gut, das alles andere als selbstverständlich ist – auch nicht in der Kirche.“ Insbesondere mit Blick auf die „zunehmend aggressiven, spalterischen Kräfte, die das Gemeinsame unseres gesellschaftlichen und staatlichen Miteinanders, die Grundüberzeugungen unserer Demokratie und Rechtstaatlichkeit unterlaufen und zerstören wollen“, sei dies umso wichtiger. Wiesemann führte weiter aus: „Deshalb lag mir auch die Ökumene immer am Herzen, weil die Versuchung, jetzt in einer Zeit schwieriger Umbrüche nur auf sich selbst zu schauen, natürlich besonders groß ist, uns aber deswegen gerade in unserer entscheidenden Sendung für unsere Zeit versagen ließe.“

Den Menschen zugewandt

Vertreterinnen und Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, des Bistums, der evangelischen Landeskirche, der Länder Rheinland-Pfalz und Saarland sowie der Stadt Speyer hoben in ihren Grußworten immer wieder die menschliche Seite des emeritierten Bischofs hervor:

„Dich habe ich immer als einen erlebt, der das Gute will, der sich aufrichtig um die Menschen sorgt und dem jede Heuchelei, Scheinheiligkeit und Eitelkeit vollkommen wesensfremd ist“,

betonte zum Beispiel die evangelische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst.

„Vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft Deines Wirkens: dass bei Dir Person, Glaube und Amt nicht auseinanderfielen, sondern spürbar einander getragen haben. Menschen nehmen nicht nur wahr, was einer tut, sondern wofür er steht. Und es ist ihnen wichtig, dass beides für sie zusammenpasst. Bei Dir war diese Übereinstimmung spürbar.“ Sie sei in den vergangenen Wochen häufig auf Wiesemanns Rücktritt angesprochen worden: „Und auffällig oft ging es dabei eben nicht zuerst um einzelne Projekte, Entscheidungen oder Ereignisse aus 18 Jahren Bischofszeit. Es ging um Dich: um Deine Zugewandtheit zu den Menschen, um Deine Aufrichtigkeit und Glaubwürdigkeit, um Dein Engagement für die Ökumene, für eine zukunftsfähige Kirche und für eine Kirche, die sich ihrer Verantwortung in der Welt bewusst bleibt.“

Mit Mut für eine zukunftsfähige Kirche

Auch die Deutsche Bischofskonferenz habe Bischof Wiesemann viel zu verdanken, wie der Vorsitzende, Bischof Dr. Heiner Wilmer, ausführte: „Dein Humor und Deine Theologie werden uns fehlen. (…) Dein einfühlsamer Brief an die Gläubigen Deines Bistums und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist ein starkes Zeugnis eines Menschen, der zutiefst ein Gott-Suchender bleibt und um seine eigenen Grenzen weiß. Sicherlich spreche ich für viele hier, wenn ich sage, dass dieser Brief eine Wegmarke Deines Lebens ist, die Du in aller Offenheit und Verletzlichkeit mit uns geteilt hast.“ Die Bischofskonferenz verabschiede sich „von einem großartigen Hirten seiner Herde, von einem geschätzten Theologen, anerkannten Priester und Bischof und – das darf ich für uns Bischöfe sagen – auch einem treuen und engagierten Weggefährten.“

Den zunehmenden Glaubenszweifeln der Menschen sei Wiesemann mit seiner Begeisterung für die Sache Jesu entgegengetreten, betonten die Vorsitzenden der Diözesanversammlung im Bistum Speyer, Theo Wieder und Dr. Isabelle Faul. „Mit wegweisenden Predigten und Beiträgen haben Sie Ihre Aufgabe als Bischof darin gesehen, für die Gestaltung der Kirche Jesu Christi die Zeichen der Zeit zu erkennen und die Menschen Ihres Bistums immer wieder auf das Wesentliche hinzuweisen“, so Wieder. Dr. Faul ergänzte: „Mit großem Mut und tiefer innerer Überzeugung haben Sie sich für Veränderungen in der Kirche eingesetzt, gerade auch in einigen schon viel zu lange diskutierten Kernthemen, wie der Frage nach der Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern, der Aufhebung des Pflichtzölibats für Priester oder den Erwartungen der Menschen nach Modifikationen der kirchlichen Sexuallehre.“

„Verlässlich, aufrecht, menschlich“

„Sie haben unserem Land gutgetan“, fasste Jürgen Barke, der stellvertretende Ministerpräsident des Saarlands, zusammen. Die letzten 18 Jahre seien von Veränderungen geprägt gewesen, in der Kirche, in der Gesellschaft, in der Welt – „in all diesen Jahren waren Sie da, verlässlich, aufrecht, menschlich.“ Kathrin Anklam-Trapp, Staatssekretärin der Landesregierung Rheinland-Pfalz, bezeichnete Wiesemann als einen „Bischof und Seelsorger, für den das Wohlergehen der Menschen immer an erster Stelle stand“. Er sei ein „ein aufrechter, mutiger und zutiefst glaubwürdiger Streiter. Ein Streiter für eine Kirche, die den Menschen zugewandt ist, die die Menschenfreundlichkeit Gottes spürbar macht und den Gläubigen gerade in Zeiten des tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels Halt, Trost und Orientierung gibt.“

Dem schloss sich Stefanie Seiler, Oberbürgermeisterin der Stadt Speyer, stellvertretend für alle Bürgermeister und Landräte im Bistumsgebiet, an. Wiesemann habe sein Amt nie auf den kirchlichen Raum beschränkt verstanden: „Sie haben sich zu Fragen geäußert, die unsere gesamte Gesellschaft betreffen. Zu Menschenwürde und Demokratie, zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, und zu der Frage, wie wir miteinander umgehen. Dabei haben Sie immer Haltung gezeigt. Sie haben sich öffentlich für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt eingesetzt.“ Sie habe den Bischof em. stets als jemanden erlebt, „der den Kontakt zu den Menschen sucht“. Jürgen Barke betonte: „Sie haben nie den bequemen Weg gewählt, Sie haben Position bezogen, gegen Populismus, gegen Hetze, aber sie haben auch Position bezogen für Menschenrechte und für Versöhnung.“

Kathrin Anklam-Trapp wandte sich in Ihrem Grußwort an den emeritierten Bischof: „Indem Sie die Gründe für Ihren Rücktritt transparent dargelegt haben, beweisen Sie nicht nur persönliche Stärke, sondern schenken auch vielen anderen Menschen Mut. Den Mut, selbst ehrlich und offen mit persönlichen Grenzen umzugehen. Das ist ein starkes Zeugnis menschlicher Nahbarkeit.“ Wiesemann sei über die vergangenen 18 Jahre zu jemand geworden, „der zu unserer Stadt dazu gehört“, betonte Stefanie Seiler. „Ich kann Ihnen versichern, Sie werden auf jeden Fall uns hier in Speyer fehlen.“

Weite leben

Diözesanadministrator Markus Magin schlug in seinen Abschiedsworten den Bogen zum 1000-jährigen Domjubiläum, das im Jahr 2030 unter dem Motto „Weite leben“ gefeiert wird. Dieses Motto passe nicht nur zum Speyerer Dom, „sondern genauso auch zu Ihnen als Mensch, wie auch zu der Art und Weise, wie Sie Ihren Dienst als Bischof von Speyer verstanden und gelebt haben“. Wie ein roter Faden ziehe sich das Thema durch seine Verkündigung: „Der Gott Jesu Christi ist keine enge und engstirnige Krämerseele, sondern der, der uns (…) in die Weite führt. Davon haben Sie unermüdlich hier im Dom, im ganzen Bistum und darüber hinaus gepredigt“, so Magin.

Wiesemann habe die Weite Gottes aber auch gelebt. „Im Ringen um die großen und kleinen Fragen nach der Zukunftsgestalt unserer Kirche haben Sie nicht nur viele Kirchenstrukturen hinterfragt, sondern immer auch, ja zuerst, sich selbst. So ist in Ihrem Denken und Handeln immer wieder eine neue Weite entstanden, die es ermöglicht hat, zu kirchen- und gesellschaftspolitischen Fragen offen und mutig Stellung zu nehmen. Dabei haben Sie nie polarisiert, sondern vielmehr unter Polarisierungen und Verengungen – egal aus welcher Richtung – gelitten. So konnten Sie so manche Brücke bauen, wo andere nur Gräben gesehen haben.“

Stellvertretend für das Bistum Speyer überreichte Diözesanadministrator Markus Magin ein Abschiedsgeschenk an Wiesemann: Im Jahr 2015 hatte der Bischof gemeinsam mit dem Künstler Thomas Jessen die bischöfliche Hauskapelle neugestaltet. „Im Zentrum dieser Kapelle fällt der Blick über dem Altar auf ein Kreuz, das der Künstler nach einem historischen Vorbild gemalt hat. Wir möchten Ihnen eine Kopie dieses Bildes als Erinnerung an Ihr Bistum mit auf dem Weg geben und Sie bitten, dass wir so auch weiter im Gebet verbunden bleiben“, so Magin. Er richtete sich an den emeritierten Bischof: „Das Bistum Speyer ist und bleibt für Sie ein Stück Heimat.“

 

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news-4354 Mon, 14 Sep 2026 11:28:32 +0200 Kunst macht sichtbar, wofür Worte fehlen https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/kunst-macht-sichtbar-wofuer-worte-fehlen Die Ausstellung "Kunst gegen Missbrauch" schafft Raum für die Perspektiven Betroffener. Das Begleitprogramm fragt nach Schutz, Aufarbeitung und der Verantwortung von Institutionen. Speyer (lk).  „Ich male um mein Leben.“ Der Satz von Julius Wolf ist knapp. Und er erzählt doch viel über die Ausstellung „Kunst gegen Missbrauch“, die noch bis zum 24. Oktober in Speyer zu sehen ist. Wolf hat selbst sexualisierte Gewalt in seiner Kindheit erfahren. Seine Bilder sind auf seinem Weg der Aufarbeitung entstanden. Kunst, sagt er, sei für ihn zum Rettungsring geworden; eine Möglichkeit, nicht zu ertrinken in Ohnmacht, Wut und Verzweiflung.

Die Wanderausstellung „Kunst gegen Missbrauch“ verbindet künstlerische Perspektiven mit der Auseinandersetzung über sexualisierte Gewalt, Prävention und Aufarbeitung. Initiiert wurde sie von der Künstlerin Nezilla und Professorin Dr. Julia Wege. In Speyer wird sie gemeinsam von der Gleichstellungsstelle der Stadt, der Evangelischen Kirche der Pfalz, dem Bistum Speyer und dem Frauennotruf Speyer präsentiert.

Was geschieht, wenn für eine Erfahrung zunächst keine Worte da sind? Wie lässt sich ausdrücken, was sich eindeutiger Sprache entzieht? Und wie können andere Menschen damit in Berührung kommen, ohne sich die Geschichte eines Betroffenen anzueignen?

Genau darin liegt eine besondere Möglichkeit von Kunst. Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst formulierte es bei der Eröffnung der Ausstellung so:

„Das ist die große Chance der Kunst: Sie muss nicht sofort erklären. Sie muss nicht einordnen, bewerten oder abschließen. Sie kann sichtbar machen, was sich der eindeutigen Sprache entzieht.“

Die Ausstellung macht von dieser Offenheit auf unterschiedliche Weise Gebrauch. Die Fotografien von Felicitas Yang und Armando Milano zeigen vertraute, menschenleere Orte, an denen Kinder und Jugendliche leben, lernen und sich begegnen. Nezillas Installation nimmt mit dem Schnuller einen Gegenstand auf, der für frühe Kindheit und Schutzbedürftigkeit steht. Und die Arbeiten von Julius Wolf bringen die Perspektive eines Menschen ein, dessen Biografie von sexualisierter Gewalt geprägt ist – und der selbst darüber entscheidet, wie er davon erzählt.

So entsteht kein Versuch, sexualisierte Gewalt „abzubilden“. Die Ausstellung nähert sich vielmehr den Spuren, die sie hinterlässt, und den Fragen, die daraus entstehen: nach Sprache und Schweigen, nach Macht und Deutungshoheit, nach Schutz und Verantwortung. Sie schafft einen Raum, in dem etwas sichtbar werden kann, ohne dass alles erklärt oder abgeschlossen werden muss.

Wer bestimmt, wie eine Geschichte erzählt wird?

Gerade die Frage, wer über Erfahrungen sprechen und sie deuten darf, reicht weit über die Kunst hinaus. Denn für viele Betroffene endet die Erfahrung von Macht und Kontrollverlust nicht mit der Tat. Auch danach können andere darüber bestimmen wollen, was glaubwürdig ist, was wichtig erscheint, worüber gesprochen werden darf – oder wann eine Geschichte endlich als abgeschlossen gelten soll.

Für Dorothee Wüst liegt darin eine zentrale Aufgabe jeder ernsthaften Aufarbeitung: „Aufarbeitung darf diese Erfahrung nicht wiederholen. Sie muss das Gegenteil versuchen: die Deutungshoheit der Betroffenen über ihre eigene Geschichte achten und zugleich der gesellschaftlichen und institutionellen Verantwortung für das geschehene Unrecht nicht ausweichen.“

Das bedeutet auch: Niemand ist verpflichtet, öffentlich über erlittene Gewalt zu sprechen. Niemand schuldet anderen die eigene Geschichte. Wo Menschen dennoch erzählen, schreiben, malen oder auf andere Weise sichtbar machen, was ihnen widerfahren ist, braucht es mehr als Betroffenheit. Es braucht die Bereitschaft zuzuhören, auszuhalten und Konsequenzen zu ziehen.

Verantwortung beginnt nicht erst beim Verdachtsfall

Sexualisierte Gewalt ist kein Problem einzelner Milieus oder Institutionen. Sie kann in Familien und Partnerschaften geschehen, in Schulen, Vereinen und Freizeiteinrichtungen, in Kirchen und sozialen Organisationen – überall dort, wo Nähe, Vertrauen, Abhängigkeit und Macht missbraucht werden können.

Deshalb reicht es nicht, erst zu reagieren, wenn ein Verdacht bekannt wird. Schutz beginnt früher: bei der Stärkung von Kindern und Jugendlichen, bei sexueller Bildung, bei aufmerksamen Erwachsenen, bei verlässlichen Beratungs- und Interventionswegen und bei Strukturen, die Risiken erkennen und Machtmissbrauch erschweren.

Genau diesen Bogen spannt auch das Begleitprogramm der Speyerer Ausstellung. Es fragt nach konkreten Hilfsangeboten für Betroffene, nach der Bedeutung sexueller Bildung für die Prävention, nach Erinnerung und Aufarbeitung und danach, wie Schutzkonzepte in Institutionen tatsächlich wirksam werden können.

Für die Evangelische Kirche der Pfalz gehört dazu auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Versagen. Die ForuM-Studie hat offengelegt, dass sexualisierte Gewalt auch zur Realität evangelischer Kirche und Diakonie gehört. Versagen bestand dabei nicht nur darin, dass Menschen in kirchlichen und diakonischen Zusammenhängen Gewalt erfahren haben. Es zeigte sich auch dort, wo Betroffenen nicht geglaubt oder nicht zugehört wurde, wo Taten nicht konsequent aufgearbeitet, Täter geschützt oder Verantwortung abgewehrt wurde.

Schutzkonzepte, Richtlinien und Verfahren sind deshalb notwendig. Sie allein reichen aber nicht aus. Wüst formuliert den Anspruch weiter: „Institutionen und die Menschen in ihnen müssen lernen, sich von den Erfahrungen Betroffener in ihrem eigenen Selbstverständnis irritieren und verändern zu lassen.“

Das ist unbequem. Denn Institutionen neigen dazu, auf Kritik zunächst mit dem zu antworten, was inzwischen getan und verändert wurde. Auch darüber muss gesprochen werden. Aber die Perspektive darf sich dabei nicht erneut verschieben: weg von den Menschen, die Gewalt erfahren haben, hin zur Institution, die sich selbst erklärt.

Sehen, ohne zu vereinnahmen

Vielleicht liegt gerade darin die besondere Stärke der Ausstellung. Sie erklärt nicht alles. Sie liefert keine einfache Botschaft, mit der das Thema erledigt wäre. Die leeren Räume auf den Fotografien, die Installation Nezillas und die Bilder von Julius Wolf lassen Ambivalenzen stehen.

Kunst kann Aufarbeitung nicht ersetzen. Sie kann keine Straftaten verfolgen, keine Anerkennung erlittenen Unrechts gewährleisten und kein Schutzkonzept an die Stelle institutioneller Verantwortung setzen. Sie kann auch nicht einfach heilen, was Gewalt zerstört hat.

Aber sie kann einen Raum öffnen.

Einen Raum, in dem sichtbar werden darf, was lange unsichtbar geblieben ist. Einen Raum, in dem Menschen ihren eigenen Ausdruck finden können. Und einen Raum, in dem Besucherinnen und Besucher nicht nur Informationen aufnehmen, sondern sich selbst fragen müssen, was das Gesehene mit ihnen und mit ihrer eigenen Verantwortung zu tun hat.

„Ich male um mein Leben.“

Julius Wolf

Der Satz erzählt vom Überleben und von der Anstrengung, das eigene Leben nach einer Erfahrung sexualisierter Gewalt wieder als das eigene zu erfahren. Zugleich erinnert er daran, dass kein Mensch auf das reduziert werden darf, was ihm angetan wurde.

Die Ausstellung fordert deshalb nicht nur zum Hinsehen auf. Sie stellt eine weitergehende Frage: Was verändert sich, wenn wir tatsächlich gesehen haben?

Ausstellung und Termine

„Kunst gegen Missbrauch“
bis 24. Oktober 2026
Sophie-La-Roche-Haus
Maximilianstraße 99, Speyer

Öffnungszeiten:
mittwochs, 16 bis 18.30 Uhr
samstags, 14 bis 17 Uhr

Rahmenprogramm

Mittwoch, 16. September 2026, 18 bis 19.30 Uhr
Q&A mit den Organisatorinnen der Ausstellung „Kunst gegen Missbrauch“
Gespräch über Unterstützungsangebote, Prävention und die Situation in Speyer mit dem Frauennotruf Speyer sowie den Fachstellen gegen sexualisierte Gewalt der Evangelischen Kirche der Pfalz und des Bistums Speyer.
Sophie-La-Roche-Haus, Maximilianstraße 99

Mittwoch, 23. September 2026, 18 bis 20 Uhr
„Zwischen Ja und Nein – warum sexuelle Bildung schützt“
Vortrag mit Pauline Grotheer, Sexualpädagogin bei pro familia Ludwigshafen.
Historischer Ratssaal, Rathaus, Maximilianstraße 12

Mittwoch, 30. September 2026, 18 bis 20 Uhr
„Sexualisierte Gewalt sichtbar machen – erinnern, aufarbeiten, Verantwortung übernehmen“
Einblicke in ein Aufarbeitungsprojekt der Universität Mannheim zum sexuellen Missbrauch im Bistum Speyer sowie die Perspektive eines Betroffenen.
Historischer Ratssaal, Rathaus, Maximilianstraße 12

Mittwoch, 7. Oktober 2026, 18 bis 20 Uhr
„How to Schutzkonzept: Schutz vor sexualisierter Gewalt wirksam gestalten“
Workshop mit Barbara Hocke, organisatorische Leiterin der Fachstelle „Schutz vor sexualisierter Gewalt“ der Evangelischen Kirche der Pfalz, und Patricia Maria Keil, Referentin für Intervention und insoweit erfahrene Fachkraft.
Historischer Ratssaal, Rathaus, Maximilianstraße 12

Mittwoch, 14. Oktober 2026, 18 bis 19.30 Uhr
Q&A mit Landesbeauftragter Anette Diehl
Gespräch mit der unabhängigen Landesbeauftragten gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen in Rheinland-Pfalz.
Historischer Ratssaal, Rathaus, Maximilianstraße 12

Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist kostenfrei. Für die einzelnen Termine ist eine Anmeldung erforderlich. Weitere Informationen zur Ausstellung, zum Rahmenprogramm und zur Anmeldung gibt es unter speyer.de/kunst-gegen-missbrauch.

 

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news-4353 Mon, 07 Sep 2026 11:08:51 +0200 Neue Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger entsandt https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/neue-notfallseelsorgerinnen-und-notfallseelsorger-entsendet 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Evangelischen Kirche der Pfalz und dem Bistum Speyer haben den aktuellen Kurs erfolgreich absolviert. Speyer. Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger begleiten Menschen, die unvorhergesehene, extreme seelische Belastungen bewältigen müssen, zum Beispiel nach schweren Unfällen oder Katastrophen. Darauf vorbereitet werden sie im Rahmen einer einjährigen Ausbildung.

17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Bistum Speyer und der Evangelischen Kirche der Pfalz haben den aktuellen Kurs erfolgreich absolviert, in einem ökumenischen Abschlussgottesdienst erhielten sie jetzt ihre kirchliche Beauftragung. Ebenfalls entsandt wurden zwei weitere Personen, die ihre Ausbildung außerhalb absolviert haben und sich jetzt mit ihrer Arbeit Speyer verpflichten.

In der Ausbildung standen Themen wie „Was brauchen Menschen in Notfällen?“, „Wie erleben Menschen Notfälle?“, „Welche Aufgabe habe ich im Kontext der Organisationsstrukturen von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst?“ und das Üben verschiedener Einsatzszenarien (u.a. Großschadenslagen oder Schulnotfälle) auf dem Plan. Die Kursteilnehmenden beschäftigten sich auch mit dem Umgang mit besonderen Zielgruppen, darunter Kinder, Senioren oder Vermissende, ebenso wie mit den persönlichen Ängsten und Grenzen der künftigen Seelsorger und Seelsorgerinnen und ihren Aufgaben im Einsatz. Ein großer Baustein war aber auch die Trauerarbeit und der damit zusammenhängende Umgang mit schwierigen Gesprächssituationen.

Oberkirchenrat Claus Müller von der Evangelischen Kirche der Pfalz und Marianne Steffen, Leiterin der Abteilung „Besondere Seelsorgebereiche“ im Bistum Speyer, leiteten den ökumenischen Abschlussgottesdienst in der Seminarkirche St. German in Speyer. Außerdem wirkten Pfarrerin Anne Henning, Pfarrer Norman Roth und Polizei- und Notfallseelsorger Matthias Orth mit. Sie entsendeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihre neue Aufgabe.

Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom Chor „Drum and Sing“ aus dem Protestantischen Dekanat Alsenz und Lauter unter der Leitung von Jutta Fries.

Von Johanna Haubert

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news-4350 Mon, 07 Sep 2026 10:00:00 +0200 Teamplayer https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/teamplayer Armand Njonga und Jan Löffler sind Presbyter der Friedenskirchengemeinde – und bringen im Streaming-Team der Kirchengemeinde den Gottesdienst in die Wohnzimmer. Sie achten auf den richtigen Ton während des Gottesdienstes in der Friedenskirche. Verkabeln die Pfarrerin oder den Pfarrer, sitzen am Mischpult, steuern die Bildregie oder stehen hinter einer der Kameras, die den Altar oder die Orgel im Blick haben. Jan Löffler und Armand Njonga engagieren sich im Streamingteam der Friedenskirchengemeinde Kaiserslautern – und sind dort auch Presbyter.

Jan Löffler kam 2013 des Berufs wegen nach Kaiserslautern. Der bekennende Christ suchte mit seiner Frau Anschluss in einer Gemeinde – und fand sie unweit der damaligen Wohnung nahe des Unigeländes. „Ich bin hier hängengeblieben“, sagt der 45-Jährige lachend. Presbyter habe er werden wollen, um „noch tiefer in den Glauben einzusteigen, im Zusammenleben mit Gott“. Letztlich gehe es aber vor allem auch um die ganz praktischen Dinge in einer Gemeinde, habe er inzwischen gemerkt. Etwa wann und wo an Kirche und Gemeindezentrum Salz gestreut, wenn der Winter kommt.

Und dann ist da die Frage nach der Zukunft der Kirchengebäude. „Große Themen, die auf uns zukommen“, sagt Löffler. „Nichtsdestotrotz ist die Gemeinschaft das Schöne, Aufgaben gemeinsam zu bewältigen“, sagt der Leiter der Westpfalz-Werkstätten über sein Ehrenamt. Und bei allen Aktionen bleibe Ziel, den Glauben mit einfließen zu lassen.

Presbyterkollege Armand Njonga kennt die Friedenskirchengemeinde seit mehr als 25 Jahren. Als ihn Pfarrerin Christina Helfrich damals fragte, ob er Presbyter werden wolle, sei er überrascht gewesen, gibt er zu. Das Amt selbst habe er aber bereits gekannt, schließlich sei seine Mutter in Kamerun schon im Presbyterium gesessen, berichtet er. Für ihn sei letztlich das soziale Engagement als Presbyter entscheidend. „Ich denke, Kaiserslautern hat mir schon einiges gegeben. Und das war für mich eine Möglichkeit, etwas zurückzugeben.“

Das Streaming der Gottesdienste, das in der Coronazeit begonnen hatte, empfinden beide als besonders sinnstiftend. Über den offenen Kanal Kaiserslautern, auf dem der Gottesdienst mitläuft, melden sich Menschen aus der Region zurück, die altersbedingt nicht mehr in die Kirche kommen und jetzt Teilhabe erfahren. „Viele kennen das Gebäude von früher, andere hatten hier ihre Konfirmation.“ Wieder andere nehmen aus dem Urlaub mittels Streaming an Taufen oder anderen Ereignissen teil, fragen gezielt nach Streaming oder einem Link.

Armand Njonga erzählt von einer Frau, die den Winter über aus Kaiserslautern regelmäßig wegfährt. „Aber wenn sie wiederkommt, im Sommer beim ersten Gottesdienst, begrüßt sie uns, als ob sie mit uns den ganzen Winter dabei war.“ Für den 47-Jährigen ist ganz klar: „Ich bin Teil dieses Teams und das, was ich mache, bewirkt etwas. Ich habe diese Wertschätzung hier, Leute, die sagen: Komm, mach mit, wir brauchen dich.“

Jan Löffler und Armand Njonga wollen sich im Herbst wieder als Presbyter aufstellen lassen, mit der Kirchengemeinde in die Zukunft gehen. Für diese Kirche der Zukunft sei vor allem Haltung wichtig, „klare Kante“, sagt Jan. Kirche müsse nicht überall mitlaufen und alles für gut finden. Stattdessen solle sie klarmachen: Wir leben „aus unserem Glauben heraus. Und genauso möchten wir zusammenleben und und in die Gesellschaft einbringen“.

Klar Position beziehen ist auch Armand Njonga ein Anliegen. Die Gesellschaft habe sich verändert. „Dann muss sich auch die Kirche verändern und sich öffnen.“ Die Kirche sollte zeigen, „wofür sie steht und wie sie in die Gesellschaft hineinwirkt“. So werde klar, dass Kirche und Glauben genauso einen Platz haben könnte wie „etwa das Sporttraining unterhalb der Woche“.

Wenn Jan Löffler jedenfalls am Gottesdienst teilnimmt und nicht durch die Technik abgelenkt ist, spürt er es ganz deutlich: „Da ist eine Erdung in mir und das, was die Woche über war, ist Vergangenheit. Jetzt geht es um was Größeres - und das stärkt mich.“

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news-4348 Sun, 30 Aug 2026 09:00:00 +0200 Landeskirche befähigt Ehrenamtliche für Seelsorge https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/landeskirche-befaehigt-ehrenamtliche-fuer-seelsorge Im Seelsorge-Basis-Kurs eine seelsorgliche Haltung kennenlernen und einüben. Der Missionarisch Ökumenische Dienst (MÖD) der Evangelischen Kirche der Pfalz in Landau bietet einen Seelsorge-Basis-Kurs für Ehrenamtliche an. Er kooperiert dabei mit dem AltenPflegeHeimSeelsorge-Konvent, dem Institut für kirchliche Fortbildung und den Dezernaten 2 und 3 des Landeskirchenrats. Die Leitung hat die MÖD-Referentin Anja Bein.

„Für mich ist Seelsorge eine christliche Lebenshaltung“, sagt MÖD-Leiter Thomas Borchers. „Die tut mir selbst gut – und den Menschen, die mir begegnen.“ Im Seelsorge-Basiskurs gehe es darum, eine seelsorgliche Haltung kennenzulernen und einzuüben.

Ziel ist es, seelsorgliche Situationen zu erkennen und damit umzugehen. Teilnehmende sollen nach dem Kurs um Ihre Glaubens- und Lebenserfahrungen wissen und in der Lage sein, sie respektvoll ins Verhältnis zu anderen zu setzen. Rechtliche Rahmenbedingungen für seelsorgliches Handeln sind außerdem Thema.

Wichtig ist für Kursleiterin Anja Bein, „einen Menschen zu respektieren, so wie er jetzt gerade ist“. Das könne bedeuten, „Zeit zu haben, zuzuhören, aber auch mit zu schweigen, mit auszuhalten“, sagt die Referentin. Ehrenamtliche erlebten das in vielen Begegnungen. Hier setze der Basiskurs an. Wichtig ist Bein, „die Ehrenamtlichen auch danach zu begleiten, ein offenes Ohr und Herz für das zu haben, was sie selbst bewegt“.

Der Kurs startet am 24. Oktober, Anmeldungen sind bis zum 11. September möglich. Die Kosten betragen 80 Euro.

Teilnehmende des Basiskurses können ab August 2027 am Aufbaukurs „Alten- und Altenheimseelsorge“ teilnehmen, den Thomas Borchers leitet. Der Aufbaukurs qualifiziert für die seelsorgliche Mitarbeit in Altenhilfeeinrichtungen oder in der Arbeit mit Seniorinnen und Senioren der Kirchengemeinden.

„Viele Menschen wünschen sich begleitet zu werden, besonders auch in Umbruch- und Krisenzeiten“, sagt Pfarrerin Daniela Körber vom Institut für kirchliche Fortbildung, die sich ehrenamtlich im Vorstand des Altenpflegeheim-Seelsorgekonvents engagiert. „In dieser Weiterbildung lernen Menschen in besonderer Weise für andere da zu sein, auf sie und ihre Themen einzugehen, ihnen zuzuhören, Gesprächsräume offen zu halten oder auch mit ihnen zu schweigen. Körber hat den Kurs wesentlich mitentwickelt und ist sowohl im Basiskurs als auch im Aufbaukurs in der Leitung tätig.

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news-4347 Thu, 27 Aug 2026 08:50:37 +0200 Am 30. August ist Ehrenamtstag in Kaiserslautern https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/am-30-august-ist-ehrenamtstag-in-kaiserslautern Wir sind dabei und wollen Danke sagen! Danke an alle, die Kirche und Diakonie mit Leben füllen. An die, die anpacken, zuhören, organisieren, begleiten, trösten, feiern, beten oder einfach mal etwas Neues ausprobieren. An alle, die vorne stehen – und an alle, die im Hintergrund dafür sorgen, dass es läuft.

Denn Kirche passiert nicht von allein. Sie lebt von Menschen.

Darum: Kommt bei unserem Stand vorbei und erzählt, was Euch bewegt. Solange der Vorrat reicht: bei einem Eis!

Keine Lust zu reden? Auch gut. Dann baut es doch einfach! Wir bringen jede Menge KAPLA-Steine mit und sind gespannt, was daraus entsteht.
Die Kleinsten können es sich derweil im Vorlesezelt in der Stiftskirche gemütlich machen und in spannende Geschichten eintauchen. Und wer selbst eine kleine Pause vom Trubel braucht, kann sich ganz unkompliziert segnen lassen.

Rundherum gibt es selbstverständlich noch viel mehr zu entdecken. Zahlreiche Gruppen und Initiativen zeigen, wie bunt, kreativ und vielfältig ehrenamtliches Engagement in Rheinland-Pfalz ist.

Und nach dem Ehrenamtstag? Wer über Neuigkeiten, Termine und Ideen rund ums Ehrenamt auf dem Laufenden bleiben möchte, kann unseren Ehrenamtsnewsletter abonnieren. So kommt das Neueste ganz bequem direkt ins Postfach. 

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news-4346 Mon, 24 Aug 2026 13:50:19 +0200 Aber bitte mit Sahne! https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/aber-bitte-mit-sahne Schlager sind ein Genre, das viele Menschen anspricht und zum Mitsingen bewegt. Von Florian Riesterer

LAUTERECKEN/GERMERSHEIM – Genau dieses musikalische Gemeinschaftserlebnis macht offenbar Schlagergottesdienste so erfolgreich, zeigen Beispiele aus der Pfalz. Wenn die Gottesdienstbesucher*innen am 29. August die Göllheimer Kirche betreten, werden sie sich auf eine ganz besondere Reise begeben. Pfarrerin Lina Ehrmann serviert in ihrer Reihe der monatlichen Samstagabendgottesdienste dann einen „Ballermann-Gottesdienst“. Statt klassischen Kirchenliedern oder modernem geistlichen Liedgut werden dann Mallorca-Schlager wie „Dicht im Flieger“ oder „Schatzi, schenk mir ein Foto“ von Mickie Krause zu hören sein. Die Musik zu den Schlagern kommt allerdings nicht aus der Konserve, sondern von der Orgel.

Mit singbaren Schlagern neue Formen von Gottesdienst erproben, dieses Experiment haben bereits 2019 Pfarrer Timo Schmidt und Gemeindediakonin Annette Junkes in Lauterecken ausprobiert. „Die Kirche war voll – wirklich voll, und die Resonanz war sehr gut“, erinnert sich Timo Schmidt, inzwischen theologischer Referent im Landeskirchenrat in Speyer. Für den Schlagergottesdienst habe ein Chor die Lieder geübt, aber nicht vorne am Altar gestanden, sondern mit Familien und Freunden in den Bankreihen gesessen, so dass die Leute gut mitsingen konnten. Er habe die Texte und Bilder der Lieder aufgegriffen bei den Gebeten, sagt Schmidt. Die Predigt hielt er über „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, öffnete das Bild weg von der reinen romantischen Liebe hin zu neuen Freunden oder einem Kind, „um dem Ganzen Tiefe zu geben.“

Nach der Coronazeit setzte die Lauterecker Pfarrerin Francesca Brand mit Junkes die Schlagergottesdienst-Reihe fort, auch beim ersten Pfälzer Kirchentag in Otterbach 2024 luden sie dazu ein. „Wir mussten wegen Überfüllung den Raum irgendwann schließen.“ Auch Brand betont die „Mitsingbarkeit“ der Lieder als wichtigen Faktor. Wobei das sicher auch bei Rocksongs funktionieren könnte, wenn entsprechende Musiker*innen zur Hand wären, sagt sie.

Wie gut Schlager funktionieren im Gottesdienst, hat auch Gemeindediakon und Musiker Jürgen Schaaf festgestellt. Er stellte in diesem Sommer zusammen mit Dekan Michael Diener und Gitarrist Jürgen Lengle den ersten Schlagergottesdienst im Dekanat Germersheim auf die Beine. „Lengle ist ehemaliger Gitarrenlehrer, bietet einmal im Monat ein gut besuchtes Mitsingen in einem Gasthaus in Leimersheim an“, erzählt Schaaf.

Der Einladung zu dem Schlagergottesdienst-Frühschoppen mit Weißwurst und Brezeln im Innenhof des ehemaligen St.-Jakobus-Klosters folgten 200 Besucher*innen, hörten „Mit 66 Jahren“, „Marmor, Stein und Eisen bricht“ oder „Ein bisschen Frieden“. „Viele haben inbrünstig mitgegrölt, brauchten keinen Liedtext.“ Michael Diener verknüpfte die Inhalte der Lieder mit Aussagen der Bibel, etwa bei Roger Whittakers „So schön war die Zeit“ mit Abrahams Verlassen der Heimat und dem Heimweh während der Suche nach dem ihm versprochenen Land.

Mit dem Schlagergottesdienst seien Menschen erreicht worden, die sonst nicht in die Kirche gehen, sagt Schaaf. Etliche Menschen hätten nach einer Fortsetzung gefragt. Planungen für 2027 laufen. „Das Mitsingenkönnen der Lieder ist entscheidend“, sagt Schaaf. Er hatte als Liturg in Bellheim in Vertretung des Pfarrers mit Mitgliedern seines Ukuleleorchesters und einem Projektchor relativ spontan einen Gottesdienst mit sehr viel Musik gestaltet. „Die Leute sind auch anschließend noch lange geblieben.“

Genau darauf hofft auch Lina Ehrmann. Auch sie wird wie in Lauterecken klassische Gottesdienst-Elemente einbauen in die musikalische Reise nach Mallorca. Zu viel verraten will sie noch nicht über die Predigt, nur so viel: Sie hat mit Losfahren und Zurückkommen zu tun. So darf am Ende auch das Pfalzlied nicht fehlen. Wichtig sei in jedem Fall die Urlaubsatmosphäre. Jugendliche sind mit eingebunden und werden Cocktails mixen.

Ob es mehr Schlager braucht in Gottesdiensten, soweit verengen will Timo Schmidt den Erfolg des Genre-Gottesdiensts nicht. „Ich glaube, es braucht mehr Freude, Lieder auszuprobieren und dann einfach zu schauen, was passiert, wenn ich das predige, wenn ich es in der Kirche singe.“ Passt es für mich selbst und was macht es mit der Gemeinschaft? Das seien entscheidende Punkte. „Ich hatte da bei meinem Gottesdienst ein gutes Gefühl, weil wir irgendwie in den Liedern wirklich als Gemeinde zusammengefunden haben für den Moment.“

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news-4343 Wed, 19 Aug 2026 12:30:00 +0200 „Von Herzen dankbar“ https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/von-herzen-dankbar Kirchenpräsidentin Wüst würdigt Bischof Wiesemann Speyer. Mit großem Respekt, aber auch mit Bedauern hat Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst auf den Rücktritt des Speyerer Bischofs Karl-Heinz Wiesemann reagiert. Wiesemann steht seit 2008 an der Spitze des Bistums Speyer und hat in dieser Zeit insbesondere das ökumenische Miteinander in der Pfalz und Saarpfalz mitgeprägt.

„Ökumene lebt nicht von Institutionen und Vereinbarungen allein. Sie lebt von Menschen, die einander vertrauen, Unterschiede aushalten, miteinander ringen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Karl-Heinz Wiesemann ist für mich ein solcher Mensch. Ich bin sehr dankbar für die Weggemeinschaft, die uns miteinander verbindet“, sagte die Pfälzer Kirchenpräsidentin kurz nach Bekanntgabe des Rücktritts.

Wiesemann habe die besondere ökumenische Nähe zwischen dem Bistum Speyer und der Evangelischen Kirche der Pfalz über viele Jahre konsequent weiterentwickelt, so Wüst. Bereits gemeinsam mit Wüsts Vorgänger Christian Schad setzte er wichtige Impulse. 2015 unterzeichneten Landeskirche und Bistum einen gemeinsamen Leitfaden für das ökumenische Miteinander. Das Reformationsjubiläum 2017 gestalteten beide Kirchen bewusst als ökumenisches Christusfest. Auch über die Pfalz hinaus setzte sich Wiesemann für die Einheit der Christen ein: Von 2013 bis 2019 stand er an der Spitze der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland und gehörte der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz an.

„Ich habe Karl-Heinz Wiesemann als theologisch tiefgründigen und klaren, zugleich aber ausgesprochen geduldigen, freundlichen und zugewandten Gesprächspartner erlebt. Wir mussten nicht in allem einer Meinung sein. Das ist auch nicht das Ziel von Ökumene. Entscheidend ist, ob wir einander zuhören, voneinander lernen und gemeinsam danach fragen, was unser Auftrag als Christinnen und Christen in dieser Welt ist. Genau das habe ich in unserer Zusammenarbeit erlebt. Das ist nicht selbstverständlich.“

Diese gemeinsame Verantwortung habe sich weit über innerkirchliche Fragen hinaus gezeigt. Wüst und Wiesemann traten gemeinsam für Frieden, Menschenwürde, gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine offene demokratische Gesellschaft ein. So riefen sie die ökumenische Initiative „Aufstehen für Menschenwürde und Demokratie“ ins Leben und wandten sich gegen politische Kräfte und Rhetorik, die Menschen ausgrenzen und die Gesellschaft spalten. Auch vor der Bundestagswahl warben beide gemeinsam für Respekt, Mitmenschlichkeit und einen verantwortlichen Umgang mit der eigenen Stimme.

 „Gerade dort, wo Menschen gegeneinander ausgespielt werden, wo die Würde Einzelner infrage gestellt wird und unsere Demokratie unter Druck gerät, dürfen Christinnen und Christen nicht schweigen. Bischof Wiesemann und mich hat die Überzeugung verbunden, dass Kirche hier eine Verantwortung hat. Er hat Haltung gezeigt: nicht um der Lautstärke willen, sondern aus Glaube und aus Liebe zu den Menschen.“

Erst im vergangenen Oktober hatte Wüst Wiesemann anlässlich seines 40-jährigen Priesterjubiläums als einen Menschen gewürdigt, dessen theologische Kompetenz sich mit Empathie, Mitgefühl, Authentizität und Glaubwürdigkeit verbinde. Für gelingende Ökumene brauche es Menschen, die einander achteten, miteinander im Gespräch blieben und bereit seien, aneinander zu wachsen.

Daran knüpft die Kirchenpräsidentin nun an: „Ein Amt prägt einen Menschen. Aber ein Mensch prägt auch sein Amt und die Menschen, denen er darin begegnet. Karl-Heinz Wiesemann hat Spuren hinterlassen: in seinem Bistum, aber auch in unserer Landeskirche und im ökumenischen Miteinander weit darüber hinaus. Dafür bin ich ihm persönlich und im Namen der Evangelischen Kirche der Pfalz von Herzen dankbar und werde ihn vermissen.“

Seine Entscheidung, das Amt abzugeben, verdiene Respekt, sagte Wüst. „Für den Weg, der nun vor ihm liegt, wünsche ich Karl-Heinz Wiesemann von Herzen Gottes Segen und Zeit für sich und die Menschen, die ihm am Herzen liegen.“

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news-4344 Wed, 19 Aug 2026 10:00:00 +0200 „Hoffnungskulturfest" https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/hoffnungskulturfest Die Evangelische Landeskirche Anhalts lädt zum Kirchentag in Dessau ein Die Evangelische Landeskirche Anhalts, Partnerkirche der pfälzischen Landeskirche, lädt für Sonntag, 30. August, zum 21. Anhaltischen Kirchentag unter dem Titel „Hoffnungskulturfest“ von 11 bis 18 Uhr auf den Marktplatz in Dessau ein. Wenige Wochen vor der Landtagswahl will die Kirche mit gelebter Gemeinschaft, Musik und Gebet mitten in der Stadt sichtbar werden.

Die Teilnahme am Kirchentag ist kostenlos, ebenso wie das Mittagessen und die Versorgung mit Trinkwasser. Es gibt eine kostenlose Kinderbetreuung, einen Kindergottesdienst und ein Kindercamp. Der Kirchentag findet an 125 Tischen statt, die vor der Bühne aufgebaut sind. An den Tischen wird das Agape-Mahl gefeiert und Tischgemeinschaft beim Mittagessen. Die Idee: Jeder Tisch hat eine Person, die den Tisch als Gastgeber/Gastgeberin betreut, mit den Menschen ins Gespräch kommt, Lebensgeschichten, Ängste und Hoffnungen hört.

Aus einigen Landeskirchen, auch aus der Pfalz, haben sich bereits Posaunenchöre angemeldet und unterstützen. Weitere Musiker sind willkommen genauso wie Tischgastgeber*innen und Pfadfindergruppen als Ordnungsdienst.

Unter den Gästen sind die Ratsvorsitzende der EKD, Bischöfin Kirsten Fehrs, sowie die Präses der EKD-Synode Anna-Nicole Heinrich.

Musikalisch gestalten den Tag unter anderem Sebastian Krumbiegel von den Prinzen, Annie Heger, das Nord Groove Collective, Simon Becker, Noise Noblesse. Der Kirchentag endet um 17 Uhr mit einem Schlagergottesdienst zum Mitsingen und einem Abendsegen.

Informationen zur Anmeldung und das detaillierte Programm des Kirchentags finden Sie unter https://landeskircheanhalts.de/kirchentag/ .

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news-4345 Wed, 19 Aug 2026 09:25:00 +0200 Pfälzisch geerdet und weltoffen https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/pfaelzisch-geerdet-und-weltoffen Festgottesdienst zum 750. Stadtjubiläum Kaiserslautern Anlass zur Zuversicht in krisenhaften Zeiten haben die Beteiligten beim ökumenischen Gottesdienst zum 750. Stadtjubiläum Kaiserslauterns gesehen. Die Verleihung der Stadtrechte durch König Rudolf von Habsburg am 18. August 1276 wird in der westpfälzischen Metropole das gesamte Jahr über gefeiert.

Beim zentralen Gottesdienst in der protestantischen Stiftskirche, den die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Kaiserslautern ausgerichtet hatte, dokumentierten Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst und der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann die konfessionsübergreifende Bedeutung des Stadtjubiläums.

Der Appell des alttestamentlichen Propheten Jeremia, „Suchet der Stadt Bestes“, habe in Kaiserslautern Frucht getragen, sagte Kirchenpräsidentin Wüst im Dialog mit Bischof Wiesemann. Die hier lebenden Menschen setzten ihre Gaben für das Wohl der Bevölkerung ein. Die Stadt präsentiere sich „pfälzisch geerdet und doch weltoffen“.

Zwar stehe auch in Kaiserslautern „nicht alles zum Besten“, meinte Wüst. Doch dank einer „Gemeinschaft, die trägt“, ließen sich die Zukunftsaufgaben bewältigen. Laut Bischof Wiesemann tragen die Kirchen dazu bei, „dass Menschen hier gut und gerne, hoffnungsvoll und versöhnt miteinander leben“.

Auch die Kaiserslauterer Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD) stellte den Gemeinschaftssinn der Bürger in den Mittelpunkt ihrer Ansprache. Er berechtige zu Hoffnung und Zuversicht auch in krisenhaften Zeiten. Wichtig sei es, trotz unterschiedlicher Ansichten im Dialog zu bleiben. Hierfür könne das Vertrauen in eine geistige oder göttliche Kraft eine Quelle sein.

In das Stadtjubiläum eingebunden ist auch der 23. landesweite Ehrenamtstag in Rheinland-Pfalz am 30. August in Kaiserslautern. Er beginnt mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Stiftskirche.

Sowohl am Samstag als auch am Sonntag präsentieren sich in der Innenstadt Vereine und Institutionen und bieten Aktionen an. Vertreten sind unter anderem das Segensbüro Blessed Pfalz, die Evangelische Jugend Pfalz, das Amt für Religionsunterricht der Landeskirche, die Notfallseelsorge, das Haus der Diakonie Kaiserslautern und das Blaue Kreuz, die zum Thema Sucht informieren und Unterstützung geben.

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news-4342 Wed, 05 Aug 2026 11:08:22 +0200 Ja sagen auf dem Wurstmarkt https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/ja-sagen-auf-dem-wurstmarkt Nach dem großen Erfolg 2024 kehren Trauungen und Segnungen auf den Wurstmarkt zurück Bad Dürkheim (lk). Am Samstag, 19. September 2026, lädt die Evangelische Kirche der Pfalz Paare dazu ein, sich mitten im Festgeschehen kirchlich trauen oder segnen zu lassen. Zwischen 11 und 22 Uhr sind Trauungen und Segnungen an drei besonderen Orten möglich – im Riesenrad, im Weindorf oder in der Michaeliskapelle.

Bereits 2024 wurde das Angebot begeistert angenommen. 82 Paare ließen sich auf dem Wurstmarkt trauen oder segnen. Manche hatten diesen besonderen Tag lange geplant, andere entschieden sich ganz spontan für den Schritt unter Gottes Segen.

Wie besonders dieser Tag für viele Paare war, zeigt die Rückmeldung eines Brautpaars: „Für uns wie für unsere Gäste war es ein ganz besonderer Tag. Die Begegnung mit unserem Pfarrer war von Anfang an offen, herzlich und persönlich. Seine Worte haben uns Hoffnung, Kraft und Zuversicht für unseren gemeinsamen Weg mitgegeben. Alles war wunderbar organisiert, sodass wir unserer Trauung ganz ohne Stress entgegensehen konnten. Die Atmosphäre auf dem Wurstmarkt war einfach unbeschreiblich – voller Spannung, Freude und Liebe.“

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst freut sich, dass das Angebot nun in die zweite Runde geht: „Wir möchten Paare dort begleiten, wo sie gerne zusammen sind – mitten im Leben. Auf dem Wurstmarkt feiern wir die Liebe unkompliziert, persönlich und unter Gottes Segen. Es ist schön, wenn Menschen an ihrem Lieblingsort spüren: Gott geht ihren Weg mit.“

Das Angebot richtet sich an alle Paare, die kirchlich heiraten möchten, ihre standesamtliche Trauung mit Gottes Segen feiern oder ihre Liebe anlässlich eines Ehejubiläums noch einmal bewusst in den Mittelpunkt stellen möchten. Ebenso willkommen sind Paare, die sich einfach Gottes Segen für ihren gemeinsamen Weg wünschen. Jede Feier wird individuell vorbereitet, persönlich gestaltet und dauert etwa 20 Minuten.

Für den 19. September 2026 sind derzeit noch Termine frei. Interessierte Paare können sich ab sofort anmelden und ihren Wunschort auswählen – mit weitem Blick aus dem Riesenrad, mitten im Weindorf oder in der Michaeliskapelle.

Anmeldung und weitere Informationen unter https://blessed-pfalz.de/termine/ oder auf Instagram @blessed_pfalz

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news-4340 Thu, 30 Jul 2026 09:50:43 +0200 Schaumherzen und Segen zum Ausbildungsstart https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/schaumherzen-und-segen-zum-ausbildungsstart Die evangelische Kirche lädt Auszubildende, Berufsschulen und Betriebe zur bundesweiten Segensaktion „Herzen hoch für dich!“ ein Speyer/Frankfurt (lk). Was wünschen sich junge Menschen für ihre Ausbildung? Nette Kolleg*innen, Erfolg in der Berufsschule, Gesundheit, eine gute Übernahmechance oder einfach das Gefühl, am richtigen Platz zu sein?

Mit der bundesweiten Aktion „Herzen hoch für dich!“ laden zahlreiche evangelische Landeskirchen und die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) ab sofort Auszubildende dazu ein, ihre Hoffnungen und Wünsche für den neuen Lebensabschnitt über www.herzenhoch.de einzeln oder gemeinsam mit anderen Azubis einzureichen. Am 1. September 2026 werden diese auf dem Römerberg in Frankfurt am Main vorgelesen, in Gebete aufgenommen und gemeinsam mit 2026 Herzen aus Schaum symbolisch in den Himmel geschickt.

Zwischen 10 und 13 Uhr sprechen Pfarrpersonen aus Hessen und der Pfalz sowie Anna-Nicole Heinrich, Präses der Synode der EKD, den jungen Menschen Segen für ihren Start ins Berufsleben zu. Mit jedem Herzen wird ein persönlicher Wunsch sichtbar gemacht und unter Gottes Segen gestellt.

“Der Start in die Ausbildung ist ein großer Schritt. Klar gibt es Vorfreude – aber auch Fragen und Sorgen: Was erwartet mich? Passe ich da rein? Schaffe ich das? Mit unserer Aktion sagen wir jungen Menschen: Du bist nicht allein. Gott sieht dich, hört dir zu und geht mit dir. Genau das bedeutet Segen“, sagt Anna-Nicole Heinrich.

Die Vornamen und Wünsche der Teilnehmenden werden während der Aktion vorgelesen und in ein gemeinsames Gebet aufgenommen. Ähnliche Wünsche sowie Wünsche ganzer Klassen oder Ausbildungsgruppen können gebündelt werden. So werden die 2026 Herzen für weit mehr als 2026 junge Menschen stehen.

Alle Auszubildenden, die einen Wunsch einreichen, erhalten im Anschluss ein Video mit Eindrücken von der Aktion, einem Segen und einer Fürbitte. Weitere Videos werden über YouTube abrufbar sein.

Im Mittelpunkt der Aktion steht der Segen als stärkender Zuspruch Gottes an einem wichtigen Übergang im Leben. Segen bedeutet nicht, dass alles reibungslos verläuft. Er soll Mut machen und die Gewissheit vermitteln, auf dem eigenen Weg von Gott begleitet zu sein. Die Schaumherzen greifen dabei ein biblisches Bild aus dem Buch der Klagelieder auf: „Lasst uns unser Herz samt den Händen erheben zu Gott im Himmel!“ (Klagelieder 3,41). Die Hoffnungen und Wünsche junger Menschen werden sichtbar, vor Gott gebracht und unter seinen Segen gestellt.

 „Mit unserer Aktion möchten wir ihnen zeigen: Wir sehen euch, wir denken an euch und wir wünschen euch Menschen, die euch stärken. Segen bedeutet für mich, einem Menschen zuzusprechen: Du kannst deinen Weg mit Hoffnung gehen. Du musst nicht schon am ersten Tag alles können, und du musst diesen Weg nicht allein gehen.“

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst

Die Pfalz und die angrenzenden Regionen bieten jungen Menschen ein vielfältiges Ausbildungsumfeld. Große Industrieunternehmen, mittelständische Betriebe und das Handwerk gehören ebenso dazu wie Weinbau und Landwirtschaft, Dienstleistungsunternehmen sowie soziale und diakonische Einrichtungen. Auch Unternehmen wie BASF oder SAP prägen den Arbeitsmarkt der Region und beschäftigen zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Pfalz.

Auch Berufsschulen, Ausbildungsbetriebe und kirchliche Einrichtungen sind eingeladen, die Aktion weiterzugeben, in ihren Klassen und Teams bekannt zu machen und gemeinsam einen Wunsch einzureichen. Die Teilnahme ist kostenlos und unabhängig von einer Kirchenmitgliedschaft oder Religionszugehörigkeit möglich.

 

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news-4339 Mon, 13 Jul 2026 10:52:19 +0200 Fünf Jahre nach der Flut https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/fuenf-jahre-nach-der-flut Aus dem Einsatz im Ahrtal entstand ökumenische Krisenintervention an Schulen Speyer. Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal blicken Anke Lind von der Evangelischen Kirche der Pfalz und Thomas Stephan vom Bistum Speyer auf ihren gemeinsamen Einsatz an den betroffenen Schulen zurück. Aus den Erfahrungen dieser Wochen entstand die ökumenische Notfallseelsorge in der Schule, die heute Schulen im Gebiet des Bistums Speyer und der Evangelischen Kirche der Pfalz in Krisensituationen begleitet.

Nach der Flut im Juli 2021 unterstützten ökumenische Teams Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Schulgemeinschaften bei der Rückkehr in den Schulalltag. Viele Kinder und Jugendliche hatten Angehörige verloren oder waren selbst von den Folgen der Katastrophe betroffen.

„Uns wurde damals deutlich, welche zentrale Rolle Schule für Kinder und Jugendliche in Krisenzeiten spielt“, sagt Thomas Stephan, der im Bistum Speyer für die Schulseelsorge verantwortlich ist. Gemeinsam mit Anke Lind entwickelte er aus den Erfahrungen im Ahrtal ein dauerhaftes Unterstützungsangebot für Schulen.

Die ökumenische Notfallseelsorge in der Schule begleitet heute Schulgemeinschaften nach Todesfällen, Gewaltereignissen oder anderen belastenden Ereignissen. Das inzwischen siebenköpfige Team hat bereits mehr als 100 Einsatztage geleistet und arbeitet eng mit Schulleitungen, Schulpsychologie und Schulsozialarbeit zusammen.

„Wir wollen Schulen in akuten Krisen stärken und sie dabei unterstützen, wieder selbst handlungsfähig zu werden“, sagt Stephan.

Die Erfahrungen aus dem Ahrtal fließen außerdem in die Ausbildung neuer Notfallseelsorgender ein. Gemeinsam entwickelten Lind und Stephan das Ausbildungsmodul „Einsatzraum Schule“ und bieten Fortbildungen für Lehrkräfte sowie Schulsozialarbeitende an. Das Interesse ist groß: Für den nächsten ökumenischen Ausbildungskurs „Trauer- und Krisenseelsorge in der Schule“ stehen bereits mehr als 20 Interessierte auf der Warteliste.

Reportage:

Aus der Flut entstand Hilfe für Krisenzeiten - Wie die Erfahrungen im Ahrtal zur ökumenischen Krisenintervention an Schulen führten

136 Menschen verlieren bei der Flutkatastrophe im Ahrtal vor fünf Jahren ihr Leben. Anke Lind und Thomas Stephan begleiten in den Wochen danach als Notfallseelsorger gemeinsam mit einem ökumenischen Team der Evangelischen Kirche der Pfalz und des Bistums Speyer Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte. Aus den Erfahrungen dieser Zeit entsteht später die regional vernetzte Krisenintervention in Schulen.

Schulen im Ausnahmezustand

Als Thomas Stephan am 15. Juli mit dem DRK-Kriseninterventionsteam Bellheim ins Ahrtal kommt, verschlägt ihm das Ausmaß der Verwüstung die Sprache. „So was hatten wir noch nie gesehen“, erinnert sich der Pastoralreferent, der im Bistum Speyer für die Schulseelsorge verantwortlich ist. Schon früh beschäftigt ihn eine zentrale Frage: Wie können die Schülerinnen und Schüler unterstützt werden? Das Schuljahr war gerade zu Ende gegangen, die Sommerferien hatten begonnen. Rund 30 Schulen waren zerstört oder schwer beschädigt. Viele Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte hatten Angehörige verloren, Häuser waren zerstört.

Ökumenische Begleitung für Kinder und Lehrkräfte

Stephan nimmt Kontakt zu Oliver Klauk auf, dem damaligen Leiter des Arbeitsbereichs Krisenmanagement der Schulpsychologie Rheinland-Pfalz. Gleichzeitig vernetzt er sich mit anderen Bistümern und evangelischen Landeskirchen. Auf evangelischer Seite stößt Pfarrerin Anke Lind hinzu, die für die Schulseelsorge der Evangelischen Kirche der Pfalz zuständig ist. Etwa 25 Schulen melden Unterstützungsbedarf, zudem reisen Schulpsychologinnen und Schulpsychologen aus dem gesamten Bundesgebiet an.

Die ökumenischen Teams arbeiten jeweils zu zweit. Am Vormittag hilft Anke Lind gemeinsam mit einem katholischen Kollegen in der Grundschule Dernau, die nahezu vollständig zerstört wurde. Im Ort selbst sind rund 90 Prozent der Gebäude beschädigt, der Unterricht findet an drei verschiedenen Standorten statt. „Und dann sind wir immer gependelt.“ Nachmittags unterstützt sie gemeinsam mit Thomas Stephan das Schulzentrum Calvarienberg, das wegen seiner Lage oberhalb des Tals von der Flut verschont geblieben ist. Dort werden unter anderem Schülerinnen und Schüler des Peter-Jörres-Gymnasiums betreut.

Zurück an den Ort der Katastrophe

Ein besonders bewegender Moment ist die Rückkehr der Klassen in ihr altes Schulgebäude direkt an der Ahr. Gemeinsam begleiten Lind und Stephan die Jugendlichen dorthin. Zum ersten Mal seit der Flut betreten sie ihre Schule wieder. Im Erdgeschoss sind die Spuren der Wassermassen noch deutlich sichtbar. „Im unteren Stockwerk konnte man noch am Vertretungsplan sehen, wie hoch das Wasser stand“, erzählt Lind. In der Turnhalle im Erdgeschoss ist die Uhr genau zu dem Zeitpunkt stehengeblieben, als die Flut kam. „Das waren Situation, die auch für uns, die wir von außen kamen, unter die Haut gegangen sind“, sagt Thomas Stephan. Während im ersten Obergeschoss die Schließfächer ausgeräumt werden, entstehen sehr persönliche Momente. Eine Lehrerin spricht mit ihrer Klasse Psalm 23, ein Sport-Leistungskurs entdeckt einen verschmutzten Fußball und beginnt zwischen den Trümmern zu spielen.

Nicht alle Schülerinnen und Schüler können jedoch das Gebäude betreten. Manche bleiben bewusst außerhalb des Gebäudes, weil die Erinnerungen zu belastend sind. Das Seelsorgeteam begleitet sie an einem Ort, von dem aus sie die Schule nicht sehen müssen. Immer wieder zeigt sich, wie stark die Flut den Alltag beeinflusst. „Wir hatten Schüler, die den Stundenplan fürs neue Schuljahr bekommen haben und gesagt haben: In diesem Raum war ich in der Flutnacht ausquartiert, und da soll ich jetzt Französisch lernen?“, sagt Lind. Also sorgen die beiden dafür, dass Räume getauscht werden.

Traumata erkennen und auffangen

Vor allem an den Grundschulen legen Lind und Stephan großen Wert darauf, Lehrkräfte, Betreuungspersonal und Eltern für mögliche Traumafolgen zu sensibilisieren. Viele Betroffene reagieren auf bestimmte Auslöser besonders stark. „Es gab bei vielen typische Trigger“, erinnert sich Stephan. Manche können das Rauschen der Ahr nicht mehr ertragen, andere leiden unter dem Geruch von Heizöl, der sich nach der Flut in der Region ausbreitet, weil Heizungskeller volllaufen. Zahlreiche persönliche Schicksale begegnen den beiden in Gesprächen. Menschen berichten von der Angst in eingeschlossenen Kellern oder vom Kampf ums Überleben. Als an einem Freitag Hubschrauber wegen des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel über einer Schule kreisen, weisen Lind und Stephan die Lehrkräfte vorsorglich darauf hin, dass auch diese Geräusche belastende Erinnerungen hervorrufen könnten.

Solidarität als prägende Erfahrung

Auch die Kollegien der Schulen verarbeiten die Ereignisse sehr unterschiedlich. Während einige Lehrkräfte in die Ferien fahren, sind andere mit den Aufräumarbeiten an ihren zerstörten Häusern beschäftigt. Eine schwierige Situation. „Und gleichzeitig war Schule für viele auch Rückhalt“, sagt Anke Lind.

Thomas Stephan blickt mit gemischten Gefühlen auf diese Wochen zurück. Er hofft, eine solche Katastrophe nie wieder erleben zu müssen. Gleichzeitig beschreibt er die Zeit als geprägt von außergewöhnlicher Solidarität. Die lilafarbenen Jacken der Notfallseelsorge seien ein „unheimlichen Türöffner“ gewesen. „Weil die Betreuungsangebote der Notfallseelsorge omnipräsent waren, das hatte eine irrsinnig hohe Akzeptanz.“ Dennoch versteht er die Schulseelsorge lediglich als Teil eines viel größeren Hilfesystems.

Aus der Nothilfe wird ein dauerhaftes Angebot

Gerade dieses intensive Miteinander wird schließlich zum Ausgangspunkt für ein neues Angebot. Die Erfahrungen im Ahrtal führen zur Gründung der ökumenischen Notfallseelsorge in der Schule. Zwar gab es auch zuvor bereits Einsätze an Schulen, nun entsteht jedoch ein festes ökumenisches Team, das Schulen im Gebiet des Bistums Speyer und der Evangelischen Kirche der Pfalz in Krisensituationen unterstützt.

Dabei unterscheiden sich Schuleinsätze deutlich von klassischen Einsätzen der Notfallseelsorge oder des Kriseninterventionsdienstes. „Wir klingeln an der Tür, haben ein, zwei Betroffene, mit denen wir reden“, beschreibt Stephan die übliche Arbeit. „In der Schule haben wir eigentlich immer Minimum Klassenstärke oder je nach Situation eine ganze Schulgemeinschaft.“

Der Bedarf wächst kontinuierlich. Das inzwischen siebenköpfige Team hat bereits mehr als 100 Einsatztage geleistet – unter anderem nach Amokdrohungen, Gewalttaten oder Todesfällen in Schulgemeinschaften.

Hilfe zur Selbsthilfe

Zu vielen Betroffenen aus dem Ahrtal besteht heute kein regelmäßiger Kontakt mehr. Nur vereinzelt ergeben sich Begegnungen, etwa bei Einweihungen oder durch spätere telefonische Nachfragen. Genau das entspricht dem Selbstverständnis der Notfallseelsorge. Ziel ist es, die Menschen vor Ort zu stärken und bestehende Strukturen zu unterstützen. „Wir wollen keine Abhängigkeiten schaffen. Das gilt weit über Ahrweiler hinaus“, sagt Stephan. Anke Lind ergänzt: „Ich bin bei einem Notfall einen oder zwei Tage an der Schule, vielleicht auch mal drei, vier, fünf, wenn’s hart auf hart kommt. Aber wir können ja nicht langfristig dorthin.“ Entscheidend sei deshalb, dass es auch Monate später noch Menschen vor Ort gebe, die Veränderungen wahrnehmen und Betroffene weiter begleiten.

Erfahrungen fließen in die Ausbildung ein

Aus den Erfahrungen der Flut haben Lind und Stephan außerdem das Ausbildungsmodul „Einsatzraum Schule“ für die ökumenische Notfallseelsorge entwickelt. Ergänzend bieten sie Fortbildungen für Lehrkräfte und Schulsozialarbeitende an. Das Interesse ist groß: Für den im November beginnenden ökumenischen Ausbildungskurs „Trauer- und Krisenseelsorge in der Schule“ stehen bereits mehr als 20 Interessierte auf der Warteliste.

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news-4338 Fri, 03 Jul 2026 12:41:28 +0200 Katastrophenhilfe für Menschen in Venezuela https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/katastrophenhilfe-fuer-menschen-in-venezuela Die Opfer zweier aufeinanderfolgender Erdbeben in Venezuela brauchen dringend Hilfe. Das Bistum Speyer und die Evangelische Kirche der Pfalz leisten 30.000 Euro Soforthilfe und rufen gemeinsam dazu auf, für die Menschen in Venezuela zu beten und die Katastrophenhilfe der Diakonie mit Spenden zu unterstützen. Zwei aufeinanderfolgende Beben mit einer Stärke von 7,2 und 7,5 auf der Richterskala trafen das Land in der vergangenen Woche. Mehr als 2.000 Menschen starben, Tausende wurden verletzt. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen gelten weiterhin rund 47.000 bis 50.000 Menschen als vermisst. Viele von ihnen werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermutet. 

Das Beben in Venezuela war das schwerste seit mehr als 100 Jahren. Die Erdbeben treffen Venezuela in einer schweren sozialen, wirtschaftlichen und politischen Krise. Laut den Vereinten Nationen waren von den rund 28 Millionen Einwohnern zu Jahresbeginn fast acht Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Fürbitte für alle Menschen in der Erdbebenregion Venezuela

Unser Gott,
unser Gebet geht zu dir
für Menschen in Venezuela,
die schwer unter dem Erdbeben leiden,
die Angehörige dabei verloren haben
oder ihr gesamtes Hab und Gut,
ihr Haus und alles, was sie im Leben hatten.
Nimm dich ihrer an, steh ihnen bei, wenn sie nach dir rufen.

Gott, wir bitten dich
um den Frieden für die Toten
um Trost für die Trauernden
um neuen Mut und für die, die alles verloren haben
um Hoffnung für die, die sich ihrer Verzweiflung überlassen wollen
um Umsicht und Kraft für alle, die helfen.
Wir befehlen dir das große menschliche Leid an,
Nimm dich der von großer Not getroffenen Menschen an
und bleib bei ihnen,
gerade dann, wenn Gottverlassenheit sie umgibt.

Unser Bruder Jesus Christus hat uns gesagt:
Tragt einander die Lasten,
dann werdet ihr Gott nahe sein.
Sende uns diesen Geist,
der uns zueinander führt und der dem Leid widersteht. 

Spendenkonten

Diakonie Katastrophenhilfe
Evangelische Bank
IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02
BIC: GENODEF1EK1
Stichwort: Erdbebenhilfe Venezuela

Online unter: www.diakonie-katastrophenhilfe.de/

Die Diakonie Katastrophenhilfe engagiert sich für Menschen, die durch eine Katastrophe in existenzielle Not geraten sind. Unabhängig von Religion, ethnischer Zugehörigkeit, politischer Überzeugung oder Nationalität. Dabei kümmert sie sich vor allem um diejenigen, die besonders auf Unterstützung angewiesen sind: Flüchtlinge, Alte, Kinder, Kranke und Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen.

 

Caritas international
SozialBank
IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02
BIC: BFSWDE33XXX
Verwendungszweck: Nothilfe nach dem Erdbeben in Venezuela

Online spenden: https://www.caritas-international.de/hilfeweltweit/lateinamerika/venezuela/erdbeben

Caritas international ist das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes. Gemeinsam mit seinen weltweiten Partnerorganisationen hilft es nach Naturkatastrophen und in Kriegs- und Krisengebieten das Überleben der Menschen zu sichern.

 

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news-4337 Fri, 26 Jun 2026 13:53:24 +0200 Gespräche zur Zukunft des ETGA https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/gespraeche-zur-zukunft-des-etga Die Evangelische Kirche der Pfalz und der Landkreis Südliche Weinstraße haben in diesen Tagen erste Gespräche in Sachen der künftigen Schulträgerschaft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums (ETGA) Annweiler aufgenommen. Weitere Gespräche und Verhandlungen werden nun folgen. „Bereits nach dem ersten Austausch steht fest: Der Landkreis SÜW, die Evangelische Kirche der Pfalz und das Land Rheinland-Pfalz wollen sich bei allen weiteren Schritten in diesem Übergangsprozess sehr eng abstimmen. Die Interessen der Schulgemeinschaft des ETGA sollen dabei in den Mittelpunkt gestellt werden“, teilen Oberkirchenrat Claus Müller und Landrat Dietmar Seefeldt gemeinsam öffentlich mit. Auch an die Schulgemeinschaft haben Landkreis und Kirche sich nach dem ersten Gespräch unmittelbar mit einem gemeinsamen Schreiben gewandt.

Hintergrund ist, dass die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz unlängst aufgrund erheblicher Sparzwänge beschlossen hat, das ETGA in staatliche Hände zu geben. Damit würde das ETGA zu einer öffentlichen Schule. Bei öffentlichen Schulen ist die Trägerschaft von Gymnasien grundsätzlich wie folgt geregelt: Der Landkreis ist für die Verwaltung der Schule und des nichtschulischen Personals zuständig und das Land für die Lehrkräfte.

Noch ist es nicht soweit. Im nächsten Schuljahr 2026/2027 bleibt in Sachen Schulträgerschaft zunächst alles wie gehabt. Wie sie darüber hinaus ausgestaltet werden wird, darüber haben die Landeskirche und der Landkreis SÜW am Dienstag, 23. Juni, erste Gespräche aufgenommen.

„Wir wollen für das Gymnasium in Annweiler eine tragfähige und verlässliche Zukunftslösung entwickeln. Dabei geht es darum, den Schülerinnen und Schülern weiterhin ein gymnasiales Bildungsangebot mit dem Ziel des Abiturs in Annweiler zu ermöglichen und zugleich für die an der Schule Beschäftigten bestmögliche Perspektiven zu schaffen. Uns ist wichtig, in dieser für alle neuen Situation offen und ehrlich zu kommunizieren. Wir stehen erst am Anfang der Verhandlungen. Die anstehenden Aufgaben und Gespräche werden komplex sein. Der zeitliche Rahmen ist ambitioniert. Gleichwohl gehen wir die vor uns liegende Aufgabe ernst, verantwortungsvoll und positiv miteinander an“, halten Seefeldt und Müller gemeinsam fest.

Weiter ist ihnen wichtig zu betonen, dass das ETGA eine bedeutende Bildungseinrichtung für Annweiler und Umgebung, für den Landkreis Südliche Weinstraße und für die gesamte Region sei. „Die Schule ist seit vielen Jahren fest in der Bildungslandschaft verankert, bei Schülerinnen und Schülern sowie Eltern beliebt und prägt als Gymnasium mit eigenem Profil den Bildungsstandort im ländlichen Raum. Dass die Schule für viele Familien von großer Bedeutung ist, zeigt sich nicht zuletzt in den konstant hohen Anmeldezahlen der vergangenen Jahre. Diese besondere Stellung des ETGAs ist allen Beteiligten bewusst.“

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news-4325 Mon, 22 Jun 2026 12:53:00 +0200 Absage des Pfälzer Kirchentages https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/kirchentag-der-vielfalt Der Pfälzer Kirchentag am 28. Juni 2026 wird aufgrund der aktuellen Wetterprognose nicht stattfinden. Absage des Pfälzer Kirchentages meets Tag der Familie der Kreisverwaltung Kaiserslautern
am 28.6.26 aufgrund der Wetterlage

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach eingehender Abwägung aller beteiligten Organisatoren, haben wir gemeinsam und schweren Herzens die Entscheidung getroffen, die Veranstaltung „Pfälzer Kirchentag meets Tag der Familie“ am 28.6.26 in Otterbach abzusagen.

Die Gründe liegen in der vorhergesagten Wetterprognose mit massiver Hitze unter Berücksichtigung der fachlichen Empfehlung des Gesundheitsamtes. Wir sind uns unserer Verantwortung gegenüber unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern bewusst, da Ihre Gesundheit an erster Stelle für uns steht.

Wir bedanken uns bei Ihnen allen, die unser gemeinsames Event bereichert hätten.

Es grüßen Sie herzlich

Ralf Leßmeister
Landrat

Tanja Schraß
1. Vorsitzende Landesausschuss Kirchentag Pfalz

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news-4335 Wed, 17 Jun 2026 11:10:15 +0200 himmelgrün wächst auch 2028 https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/himmelgruen-waechst-auch-2028 Die Landesgartenschau Neustadt 2027 wurde in das Jahr 2028 verschoben. Der geplante ökumenische Kirchenbeitrag bleibt - wird aber verändert und verschlankt. Speyer (lk/is). Die neuen Flaggen mit der Jahreszahl 2028 wehen seit kurzem in Neustadt. Nach der Vorankündigung Anfang des Jahres haben alle Gremien in Stadt und Land die Verschiebung bestätigt. Auch die Entscheidungsfindung der Kirchen als Partner der LGS ist inzwischen abgeschlossen.

Das Bistum Speyer und die Evangelische Kirche der Pfalz können ihr ursprünglich auf zwei Jahre angelegtes Projekt verlängern. Sie werden auf der Landesgartenschau Neustadt 2028 (LGS) und dem „Vorblühen“ 2027, einem Pre-Event auf der Welsch-Terrasse, mit einem eigenen Angebot dabeibleiben. Das Kirchenprogramm musste aus Ressourcengründen allerdings reduziert werden.

„Das Umplanen ist herausfordernd. Aber angesichts unserer Transformationen und Sparmaßnahmen kann das ökumenische Projektbüro nicht einfach in vollem Umfang ein Jahr weiterlaufen“, sagt Pfarrerin Mechthild Werner, Projektleiterin für die Landeskirche.

Geplant wird ein kleineres, aber feines Programm.

Die projektierten Personal- und Sachkosten von jeweils 200.000 Euro für Landeskirche und Bistum werden nicht erhöht, sondern um ein Jahr gestreckt. Das dreiköpfige himmelgrün-Team – je eine Projektleitung der Kirchen und eine gemeinsame Projektassistenz – arbeitet ab dem 1. Juni nur noch mit 50% Stellenanteil.

„Wir haben trotz alledem ein ansprechendes Konzept erstellt. Wer uns auf der Gartenschau besucht, findet einen einladenden Ort, offene Ohren und dazu Menschen und Angebote, die inspirieren“, betont die katholische Projektleiterin, Pastoralreferentin Monika Kreiner. Viele bereits gewachsene Ideen ließen sich auch in einem verkleinerten Programm umsetzen.

Geplant seien spirituelle Angebote, Festgottesdienste, Friedensgebete, Segenstage für Liebende und weitere Formate. Einige musikalische Groß-Events und thematische Schwerpunkte wie Demokratie, Inklusion oder Gesundheit sind angedacht. Daneben soll es auch Raum für Ruhe oder Gespräche geben, etwa auf einer Babbel-Bank. Auch Bühnen und Veranstaltungsorte der LGS werden stellenweise von der Kirche „bespielt“.

Hintergrund

Die Kirchen sind einer der größten LGS-Partner mit einem durchlaufenden Angebot. Das Kirchen- und Kulturprogramm zur Landesgartenschau Neustadt 2028 (LGS) wird verantwortet von der Evangelischen Kirche der Pfalz und dem Bistum Speyer. Die ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) engagiert sich unter dem Dach der beiden Kirchen inhaltlich. Zum Organisationsteam gehören Brigitte Hahn, Projektmanagement (Ökumenisches Büro), Pastoralreferentin Monika Kreiner, Projektleitung (Bistum Speyer) und Pfarrerin Mechthild Werner (Evangelische Kirche der Pfalz).

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news-4334 Sat, 13 Jun 2026 11:33:54 +0200 Zwischen Zumutung und Zuversicht https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/zwischen-zumutung-und-zuversicht Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz stellt sich finanziellen Realitäten und hält zugleich am Ziel einer offenen, vielfältigen und zukunftsfähigen Kirche fest Speyer (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat ihre viertägige Tagung in Speyer abgeschlossen. Die Tagung stand im Spannungsfeld von deutlich enger werdenden finanziellen Spielräumen und dem Willen, Kirche nicht nur kleiner, sondern auch beweglicher, präsenter und zukunftsfähiger zu gestalten.

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst hatte in ihrem Bericht zum Auftakt dazu aufgerufen, nicht nur vom Mangel her zu denken. Eine Kirche, die nur noch über fehlende Ressourcen spreche, verliere den Blick für ihre Aufgabe und ihre Kraft. Diese Linie zog sich durch die gesamte Tagung: Die Synode sprach über Rücklagen, Einsparungen und Strukturfragen. Zugleich aber auch über Segensangebote, Mitgliederkommunikation, Vielfalt, Bildung, Diakonie und neue Formen kirchlicher Präsenz.

Besonders deutlich wurde die finanzielle Lage bei der Beratung der mittelfristigen Finanzplanung für die Jahre 2027 bis 2032. Finanzdezernentin Juliane Danz sprach von einer „ungeschminkten Wahrheit“ und machte deutlich: Ein „Weiter so“ sei finanziell unmöglich. Die Synode passte einzelne vorgesehene Maßnahmen und Projekte an und reduzierte damit den zusätzlichen Finanzbedarf für die kommenden Haushaltsjahre. Zugleich blieb die Grundbotschaft unverändert: Die Landeskirche muss ihren Zukunftsprozess konsequent weiterführen, wenn sie handlungsfähig bleiben will.

Dabei zeigte sich: Sparen und Gestalten gehören zusammen. Die Synode beriet nicht nur über finanzielle Begrenzungen, sondern auch über die Frage, wofür Kirche künftig stehen will. Mit der Fortführung von Philippus als systematischer Mitgliederkommunikation und von Blessed.Pfalz als Segensbüro stärkte sie Angebote, die Menschen an biografischen Übergängen, in Lebensfragen und mit niedrigschwelligen Formen kirchlicher Begleitung erreichen sollen.

Auch das Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“ griff eine Zukunftsfrage auf: Wie kann Kirche ein Ort sein, an dem Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Prägungen, Lebensformen und Bedürfnissen selbstverständlich vorkommen? Die Synode nahm dabei nicht nur Migration, sondern die Breite gesellschaftlicher Vielfalt in den Blick und verband theologische Grundfragen mit praktischen Beispielen aus Gemeinden, Diakonie, Bildung und Seelsorge.

Einen weiteren Schwerpunkt bildete der Transformationsprozess #kirche.mutig.machen. Die Arbeitsgruppen zeigten, dass der Prozess zunehmend von der Grundsatzdebatte in die konkrete Ausarbeitung übergeht. Deutlich wurde, dass neue Strukturen nur dann tragen, wenn auch eine neue Kultur der Zusammenarbeit, Beteiligung und Ermöglichung entsteht.

Auch die Berichte der übergemeindlichen Dienste machten sichtbar, dass Kirche mehr ist als Ortsgemeinde allein. Bildung, Jugend, Akademiearbeit, Diakonie, Frieden und Umwelt, Ökumene sowie Aus- und Fortbildung schaffen Kontaktflächen zu Menschen, die in klassischen Gemeindestrukturen oft nicht oder nur lose vorkommen. In der Transformation wird es darum gehen, diese Fachlichkeit und gesellschaftliche Präsenz nicht zu verlieren, sondern neu zu ordnen.

Die Beratungen zur Zukunft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler machten exemplarisch deutlich, wie schmerzhaft Priorisierungen werden können. Zugleich stand auch hier die Suche nach der bestmöglichen Lösung für alle Beteiligten im Mittelpunkt: für Schüler*innen und Familien, Beschäftigte, den Schulstandort und die Landeskirche.

Zum Abschluss blieb das Bild einer Synode, die sich der finanziellen Realität stellt, ohne sich von ihr lähmen zu lassen. Die kommenden Monate werden weitere Entscheidungen bringen: zur Kirchenbezirksreform, zur gemeinsamen Verwaltung, zum gemeinsamen Kita-Träger und zur neuen Verfassung. Die Richtung der Tagung war dennoch erkennbar: Die Evangelische Kirche der Pfalz will sich verändern, um ihrem Auftrag auch unter veränderten Bedingungen treu zu bleiben – mit weniger Ressourcen, aber mit klarem Blick auf das, was Menschen von Kirche brauchen.

Hintergrund: Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz

Die Landessynode ist das oberste kirchenleitende Organ der Evangelischen Kirche der Pfalz. Sie berät und entscheidet über Grundfragen des kirchlichen Lebens, beschließt Kirchengesetze und den Haushalt der Landeskirche und stellt die Weichen für die zukünftige Entwicklung der Landeskirche. Die nächste Tagung findet vom 16. bis 28. November in Speyer statt.

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news-4333 Sat, 13 Jun 2026 11:29:26 +0200 „Ein Weiter so ist finanziell unmöglich“ https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/ein-weiter-so-ist-finanziell-unmoeglich Landessynode befasst sich mit mittelfristiger Finanzplanung 2027 bis 2032 – Finanzdezernentin Danz wirbt für radikale Transparenz und konsequente Transformation Speyer (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat sich am Samstag mit der mittelfristigen Finanzplanung für die Haushaltsjahre 2027 bis 2032 befasst. In ihrer ersten Einbringung als neue Finanzdezernentin machte Oberkirchenrätin Juliane Danz deutlich, dass die Landeskirche vor erheblichen finanziellen Herausforderungen steht. Die vorgelegten Zahlen zeigten, dass der Transformationsprozess #kirche.mutig.machen kein freiwilliges Reformprojekt sei, sondern zwingend notwendig, um die finanzielle Handlungsfähigkeit der Landeskirche zu sichern.

„Als Ihre neue Finanzdezernentin ist es meine Pflicht, Ihnen heute die ungeschminkte Wahrheit zu präsentieren“,

sagte Danz vor der Synode. Die Landeskirche müsse sich „radikal ehrlich machen“: „Ein Weiter so ist finanziell unmöglich.“

Rücklagen geraten früher unter Druck

Die mittelfristige Finanzplanung zeigt, dass die laufenden Einnahmen und Ausgaben der Landeskirche in den kommenden Jahren nur unter erheblichem Rückgriff auf Rücklagen ausgeglichen werden können. Bereits für das Haushaltsjahr 2026 wird damit gerechnet, dass der Haushalt nur durch eine Entnahme aus der Sammelrücklage ausgeglichen werden kann. Nach der Planung wird die erforderliche Mindesthöhe der Betriebsmittel- und Ausgleichsrücklage bereits 2026 unterschritten. In früheren Planungen war dies erst für 2030 erwartet worden.

Danz sprach von einer „dramatischen Vorschau“. Die Zahlen seien keine Überraschung, sondern die logische Fortschreibung der Entwicklungen der vergangenen Jahre. Gerade deshalb brauche die Synode das vollständige Bild. „Nur wenn wir die Krise in ihrer Gesamtheit begreifen, gewinnen wir die Handlungsfreiheit, sie aktiv zu gestalten“, sagte die Finanzdezernentin.

Kirchensteuer reicht nicht mehr aus

Die Kirchensteuer bleibt die wichtigste Einnahmequelle der Landeskirche. Die Finanzplanung geht jedoch davon aus, dass das Kirchensteueraufkommen 2026 unter dem Ergebnis des Jahres 2025 liegen wird. Hinzu kommen Schwankungen und Rückzahlungsverpflichtungen im Rahmen des Clearingverfahrens, dem solidarischen Finanzausgleich zwischen den deutschen Landeskirchen. Für 2026 wird eine Rückzahlung von voraussichtlich rund 6,04 Millionen Euro erwartet.

Die Planung macht zugleich deutlich, dass die Einnahmeentwicklung nicht mit den Kostensteigerungen Schritt hält. In der Vorlage wird die Entwicklung des Kirchensteueraufkommens auch dem Verbraucherpreisindex gegenübergestellt. Danach liegt die reale Finanzkraft deutlich unter dem, was die nominalen Kirchensteuerzahlen auf den ersten Blick vermuten lassen.

Gesamtbedarf bleibt hoch

Unter Berücksichtigung laufender Bedarfe, Rückstellungen und Pflichtzuführungen zu Rücklagen weist die Finanzplanung für die kommenden Jahre erhebliche Defizite aus. Ohne weitere Veränderungen belaufen sich diese bis 2032 jährlich auf Beträge zwischen rund 8,6 und 13,1 Millionen Euro. Rechnet man zusätzliche Maßnahmen und Projekte hinzu, steigt der Gesamtbedarf in einzelnen Jahren deutlich an – etwa auf rund 19,7 Millionen Euro im Jahr 2027 und rund 15,5 Millionen Euro im Jahr 2028.

Zu diesen Maßnahmen gehören unter anderem Mittel für Blessed.Pfalz, Philippus, das Protestationsjubiläum 1529–2029, die Einführung des neuen Gesangbuchs, die digitale Trauagende, die Förderung klimaneutraler Heizungen, die Migrationsarbeit, die Kooperation der Predigerseminare, Arbeitsschutz und Gesundheitsmanagement sowie steigende IT-Kosten. Die Umstellungskosten für den Transformationsprozess #kirche.mutig.machen sind in der Übersicht noch nicht beziffert. 

In den Beratungen hat die Synode einzelne in der Finanzplanung vorgesehene Maßnahmen und Projekte nicht oder nicht in voller Höhe übernommen beziehungsweise modifiziert. Betroffen waren unter anderem Ansätze zum Protestationsjubiläum, zur Einführung des neuen Gesangbuchs, zur Fertigstellung der digitalen Trauagende, zur Förderung klimaneutraler Heizungen sowie zum Projekt „Kita als Zukunftsort von Kirche“. Die genaue Fortschreibung der Einzelansätze erfolgt im weiteren Haushaltsverfahren.

An der grundsätzlichen finanzpolitischen Bewertung ändert dies jedoch nichts. Auch nach den Anpassungen bleibt der Konsolidierungsdruck hoch. Die mittelfristige Finanzplanung macht deutlich, dass die Landeskirche ihre finanzielle Handlungsfähigkeit nur durch wirtschaftliche Haushaltsführung und die konsequente Umsetzung des Zukunftsprozesses #kirche.mutig.machen sichern kann.

Sparen und Gestalten gehören zusammen

Danz betonte, die mittelfristige Finanzplanung sei kein Grund zur Resignation. Sie sei vielmehr „der lauteste Weckruf, den wir je hatten“. Die Zahlen belegten, warum die Landeskirche den Transformationsweg eingeschlagen habe. „Unser Reformkurs ist der einzig gangbare Weg in die Zukunft“, sagte die Finanzdezernentin.

Damit schlug die Finanzplanung den Bogen zu den weiteren Themen der Synodentagung. In den vergangenen Tagen hatte die Synode unter anderem über die Zukunft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler, die Fortführung von Philippus und Blessed.Pfalz, das Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“, übergemeindliche Dienste sowie die Arbeitsstände im Zukunftsprozess beraten. Viele dieser Themen stehen für den Versuch, kirchliches Handeln unter enger werdenden finanziellen Bedingungen neu auszurichten: weniger „Weiter so“, mehr Konzentration, Kooperation und Innovation.

Die mittelfristige Finanzplanung zeigt dabei die Spannung, in der die Landeskirche steht: Einerseits sind schmerzhafte Einsparungen und Priorisierungen unvermeidlich. Andererseits soll Kirche auch künftig sichtbar, ansprechbar und wirksam bleiben – in Gemeinden und Regionen, in Bildung und Diakonie, in Seelsorge und Verkündigung, in gesellschaftlicher Verantwortung und neuen Formen kirchlicher Präsenz.

#kirche.mutig.machen bleibt Schlüsselprozess

Die Finanzplanung verweist ausdrücklich auf den Zukunftsprozess #kirche.mutig.machen. Bis 2035 soll die Finanzsituation der Landeskirche durch Einsparungen oder zusätzliche Einnahmen um rund 60 Millionen Euro verbessert werden. Welche konkreten Effekte einzelne Reformbeschlüsse künftig auf Haushalte und Finanzplanungen haben werden, lässt sich nach der Vorlage derzeit noch nicht abschließend beziffern.

Die zentrale Schlussfolgerung der Finanzplanung lautet: Nur bei wirtschaftlicher Haushaltsführung sowie umgehender und konsequenter Umsetzung der Einsparziele aus #kirche.mutig.machen kann erreicht werden, dass laufende Einnahmen und laufende Ausgaben wieder annähernd in Deckung kommen und die Landeskirche ihre finanzielle Handlungsfähigkeit behält.

Die Tagung der Landessynode wird am Samstag fortgesetzt. Auf der Tagesordnung stehen außerdem Berichte aus den Bezirkssynoden, Anträge und eine Fragestunde.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

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news-4332 Fri, 12 Jun 2026 17:01:15 +0200 Kirche über die Ortsgemeinde hinaus https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/kirche-ueber-die-ortsgemeinde-hinaus Landessynode befasst sich mit Berichten der übergemeindlichen Dienste Speyer (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat sich am Freitag mit den Berichten der übergemeindlichen Dienste befasst. Dabei wurde deutlich: Die Dienste sind für die Landeskirche wichtige Kontaktflächen in die Gesellschaft. Sie erreichen Menschen in Lebensbereichen, die über die klassische Ortsgemeinde hinausgehen – in Bildung und Familie, Jugend und Arbeitswelt, Diakonie und Beratung, Friedens- und Umweltarbeit, Ökumene, Akademiearbeit sowie Aus- und Fortbildung.

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst führte in den Tagesordnungspunkt ein. In den vergangenen Monaten habe die Landeskirche intensiv über künftige Strukturen von Ortsgemeinden, Regionen und Kirchenbezirken beraten. Dieser Bezugsrahmen sei das „Rückgrat von Kirche“, sagte Wüst. Kirche erschöpfe sich aber nicht darin. Sie brauche auch künftig eine gesamtkirchliche Dimension theologischen, pädagogischen, diakonischen und gesellschaftlichen Wirkens.

Kontaktflächen in die Gesellschaft

Die Berichte zeigen einen gemeinsamen roten Faden: Die übergemeindlichen Dienste bringen Kirche dorthin, wo Menschen leben, lernen, arbeiten, sich engagieren, beraten lassen, nach Orientierung suchen oder Verantwortung übernehmen. Sie unterstützen Gemeinden und Kirchenbezirke, schaffen zugleich aber eigene Zugänge zu Menschen, die in klassischen Gemeindestrukturen oft nicht oder nur lose vorkommen.

Die Evangelische Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft beschreibt ihre Arbeit mit dem Leitmotiv, für Menschen „an den Hecken und Zäunen“ da zu sein. Sie erreicht Familien, Frauen, Männer, Arbeitnehmervertretungen, Menschen in Belastungssituationen am Arbeitsplatz und Menschen in digitalen Bildungsformaten. Die Arbeitsstelle Frieden und Umwelt verbindet Friedensethik, Schöpfungsverantwortung und konkrete gesellschaftliche Fragen – etwa mit dem Projekt „DeineEntscheidung.info“, das junge Menschen vor der Frage von Wehrdienst oder Kriegsdienstverweigerung begleitet, oder mit der „Käferkarawane“, durch die Kirchengemeinden und Einrichtungen ihre Außenflächen ökologisch aufgewertet haben.

Auch das Diakonische Werk Pfalz beschreibt seine Arbeit als kirchliche Präsenz mitten in gesellschaftlichen Krisen. Als größtes gesamtkirchliches Werk der Landeskirche mit rund 70 Beratungsstellen, knapp 300 Mitarbeitenden, 14 Häusern der Diakonie und mehr als 50 angeschlossenen Trägern verbindet es konkrete Hilfe, anwaltschaftliches Handeln und sozialpolitische Verantwortung. Künftig sollen Beratung, Gemeinwesendiakonie und sozialräumliche Arbeit stärker mit kirchlichen Strukturen vor Ort verzahnt werden.

Orientierung in komplexen Zeiten

Mehrere Dienste beschreiben eine ähnliche Gegenwartswahrnehmung: Menschen suchen Orientierung, Schutzräume, verlässliche Gemeinschaft und Gesprächsorte in einer komplexer, konfliktreicher und unsicherer werdenden Welt. Die Evangelische Akademie der Pfalz greift gesellschaftliche Streitfragen auf – etwa demokratische Kultur, Friedensethik, Medienverantwortung, Migration, Religion im öffentlichen Raum und ethische Fragen von Wirtschaft und Gesellschaft. Sie schafft Räume für differenzierte Debatten und arbeitet zugleich an einer Zusammenführung mit der Evangelischen Akademie Frankfurt.

Das Landesjugendpfarramt stellt die Frage Jesu „Was sucht ihr?“ in den Mittelpunkt seiner Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Entscheidend seien frühe Kontaktflächen, gelingende Übergänge von der Konfi-Zeit in die Jugendarbeit, Räume für ehrenamtliches Engagement und die Begleitung junger Menschen in Krisen. Zugleich macht der Bericht deutlich, dass Jugendarbeit auf verlässliche Strukturen, fachliche Begleitung und Fördermittel angewiesen bleibt.

Der Missionarisch-Ökumenische Dienst bündelt Volksmission und Weltmission. Schwerpunkte liegen unter anderem in der Ausbildung von Lektorinnen und Prädikantinnen, in der Stärkung der Sprachfähigkeit in Glaubensfragen, in internationalen Partnerschaften und im ökumenischen Lernen. Für die Zukunft beschreibt der Dienst eine missionale Haltung nicht als Überstülpen fertiger Antworten, sondern als gemeinsames Suchen, Dialogfähigkeit und Rechenschaft über den eigenen Glauben.

Transformation braucht Fachlichkeit

Ein weiterer gemeinsamer Befund der Berichte lautet: Transformation gelingt nicht allein durch neue Strukturen. Sie braucht Fachlichkeit, Begleitung, Qualifizierung und sorgfältige Übergänge. Das Institut für kirchliche Fortbildung beschreibt die veränderte Personalsituation der Landeskirche als eine der zentralen Herausforderungen: demografische Verluste, neue Berufsrollen, Nachwuchsfragen, verändertes Ehrenamt und die Notwendigkeit, Zusammenarbeit, Teamfähigkeit, Konfliktkompetenz, Resilienz und Selbststeuerung stärker einzuüben.

Das Protestantische Predigerseminar Landau steht ebenfalls vor strukturellen Veränderungen. Bei kleiner werdenden Kursen arbeitet es an einer Kooperation mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Geplant ist ein gemeinsames Theologisches Seminar in Frankfurt. Zugleich sollen pfälzische Besonderheiten, Mentor*innenbegleitung und Ausbildungselemente in der Landeskirche erhalten bleiben.

Dienste sollen neu geordnet werden

Die Berichte stehen im Zusammenhang mit dem Zukunftsprozess #kirche.mutig.machen. Mit dem Eckpunktepapier von 2025 hatte die Landessynode zugestimmt, auch die gesamtkirchliche Arbeit neu aufzustellen. Anfang 2028 soll ein neues gesamtkirchliches Team startbereit sein. In der entsprechenden Themengruppe wird derzeit daran gearbeitet, welche Themen, Aufgaben und Kompetenzen künftig in diesem Team gebündelt werden sollen.

Deutlich wurde in den Berichten auch, dass die Dienste ihre Arbeit unter veränderten finanziellen und personellen Bedingungen neu priorisieren müssen. Zugleich warnen mehrere Berichte davor, gewachsene Kontakte, Netzwerke, Kooperationen und Vertrauen vorschnell abbrechen zu lassen. Was einmal verloren gehe, könne oft nur mit hohem Aufwand wieder aufgebaut werden.

„Ob es um Jugendarbeit oder Erwachsenenbildung geht, um Akademiearbeit oder Familienkirche, um die Ausbildung unseres theologischen Nachwuchses oder die Fort- und Weiterbildung des pastoralen Berufsstandes, um die Qualifizierung von Lektor*innen und Prädikant*innen oder den Weltgebetstag der Frauen, um Weltmission und Ökumene oder um Frieden und Umwelt, um Akademie oder Diakonie – das alles steht im Dienst qualitätvoller Arbeit in unseren Gemeinden, im Dienst an den Themen der Welt und im Dienst des Auftrags, den Gott uns gibt“, sagte Kirchenpräsidentin Wüst.

Im Anschluss an die Einbringung hatten die Synodalen Gelegenheit zu Rückfragen. Außerdem fand eine Gesprächsrunde mit Vertreter*innen der Dienste statt, moderiert von Kirchenrat Wolfgang Schumacher. 

Fortsetzung der Synodentagung

Die Tagung der Landessynode wird am Samstag, 13. Juni, um 8.30 Uhr mit einer Andacht fortgesetzt. Ab 9 Uhr stehen unter anderem die Aussprache zum Bericht der Kirchenpräsidentin, die mittelfristige Finanzplanung für die Jahre 2027 bis 2032, Berichte aus den Bezirkssynoden, Anträge und eine Fragestunde auf der Tagesordnung.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

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news-4331 Fri, 12 Jun 2026 14:54:54 +0200 Zukunftsprozess kommt in die konkrete Ausarbeitung https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/zukunftsprozess-kommt-in-die-konkrete-ausarbeitung Arbeitsgruppen stellen Zwischenstände zu #kirche.mutig.machen vor – Synode gibt Resonanz für die nächsten Schritte Speyer (lk). Der Zukunftsprozess #kirche.mutig.machen der Evangelischen Kirche der Pfalz ist in eine neue Arbeitsphase eingetreten. Bei der Landessynode in Speyer stellten die Themen- und Koordinierungsgruppen am Freitag ihre Zwischenstände  vor. Dabei wurde deutlich: Nach den grundsätzlichen Eckpunkten geht es nun um die konkrete Ausgestaltung künftiger Strukturen, Zuständigkeiten und Arbeitsweisen.

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst beschrieb die aktuelle Phase als eine Art „Interim“. Die Eckpunkte des Reformprozesses seien beschlossen, der Entwurf einer neuen Kirchenverfassung sowie weitere Gesetzesentwürfe befänden sich derzeit im Stellungnahmeverfahren bei Bezirkssynoden und Presbyterien. Im November werde sich die Landessynode unter anderem mit der Kirchenbezirksreform, dem gemeinsamen Kita-Träger und der gemeinsamen Kirchenverwaltung befassen. Im Frühjahr 2027 soll die neue Verfassung beraten werden.

Zugleich habe die Landeskirche einen zweiten großen Prozessabschnitt begonnen. In Themen- und Koordinierungsgruppen wird derzeit daran gearbeitet, wie die beschlossenen Eckpunkte umgesetzt werden können. Dabei gehe es ausdrücklich noch nicht um fertige Entscheidungsvorlagen, sondern um Zwischenberichte, offene Fragen und mögliche Lösungswege. Die Synode solle Resonanz geben, damit die Gruppen bis zur Herbstsynode und zur Frühjahrssynode weiterarbeiten können.

Drei Ebenen im Blick

Das Prozessdesign orientiert sich an drei Ebenen kirchlichen Handelns. Auf der ersten Ebene geht es um Gemeinde und Region , also um Ortskirchengemeinden, Regioteams und neue Gemeindeformen jenseits klassischer Ortszuschnitte. Auf der zweiten Ebene stehen die künftigen Kirchenbezirke und die Frage, wie diakonisches Handeln dort eingebunden werden kann. Auf der dritten Ebene geht es um gesamtkirchliche Organisation: gemeinsame Kirchenverwaltung, gemeinsamer Kita-Träger, gesamtkirchliche Dienste und alternative Finanzierungsmodelle.

Die Themengruppen arbeiten eigenständig an ihren Fragestellungen, vernetzen sich aber nach Bedarf. Gerade diese Schnittstellen sind nach den bisherigen Berichten entscheidend: Die künftige Struktur kann nur gelingen, wenn Kommunikationswege, Entscheidungswege und Zuständigkeiten zwischen Ortskirchengemeinden, Regionen, Kirchenbezirken, Verwaltung, Kita-Träger und gesamtkirchlicher Arbeit tragfähig geklärt werden.

Vom Ob zum Wie

In den Präsentationen zeigte sich ein gemeinsamer roter Faden: Der Prozess bewegt sich zunehmend vom Ob der Veränderung zum Wie der Umsetzung. Die Gruppen ringen mit sehr ähnlichen Fragen: Was muss zentral geregelt werden, was soll offen bleiben? Wie bleiben Ehrenamtliche beteiligt, ohne überfordert zu werden? Wie werden Hauptamtliche in Teams arbeitsfähig? Wie kann Verwaltung entlasten statt belasten? Und wie entsteht aus neuen Strukturen tatsächlich eine neue Kultur der Zusammenarbeit und Ermöglichung?

Die Themengruppe Ortskirchengemeinde arbeitet an Modellen, wie kirchliche Arbeit vor Ort künftig organisiert werden kann. Im Mittelpunkt stehen Gemeindeleben, lokale Präsenz, Ehrenamt, Verkündigung, Gemeinschaft, Seelsorge und die Rolle der Kirche im Gemeinwesen. Entwickelt wurden verschiedene Modelle: vom starken Kernteam über einen kleinen Rat mit Verantwortungsgruppen bis zum vernetzten Verantwortungsraum. Die Grundidee: Gemeinden sollen nicht alle gleich aussehen müssen, sondern je nach Ausgangslage passende Profile und Arbeitsformen entwickeln können. Die Themengruppe Regioteam beschreibt die Region als Ermöglichungsraum. Multiprofessionelle Teams aus unterschiedlichen Berufsgruppen sollen gemeinsam mit Ehrenamtlichen kirchliche Arbeit regional planen und vor Ort sichtbar gestalten. Dazu braucht es klare Rahmenbedingungen: Teamentwicklung, Supervision und Beratung, Vertretungsregelungen, verlässliche Erreichbarkeit, Teamkoordination und regelmäßigen Austausch mit den Vorsitzenden der Presbyterien.

Mehr Vielfalt von Gemeinde

Die Themengruppe nichtparochiale Gemeindeformen nimmt neue Formen von Gemeinde in den Blick, die nicht an klassische Ortszuschnitte gebunden sind. Möglich werden sollen Gemeinden für Menschen, die bisher in Ortsgemeinden keine Heimat gefunden haben. Zugleich stellen sich Grundfragen: Wie wird Zugehörigkeit sichtbar, wenn sie nicht über das Meldewesen erfasst wird? Wann wird aus einer Gruppe, einem Kreis oder einer Gottesdienstgemeinschaft eine eigene Gemeindeform? Wie viel Ordnung braucht Vielfalt und wie viel Offenheit muss bleiben?

Auch auf Ebene der Kirchenbezirke werden Rollen und Zuständigkeiten neu beschrieben. Der künftige Kirchenbezirk soll Rahmen und Ressourcen bereitstellen, damit Kirche in Ortskirchengemeinden und Regionen wirksam sein kann. Dekaninnen und Stellvertretungen werden stärker als Impulsgeber, Koordinatorinnen, Mediatorinnen, Repräsentantinnen und Strateg*innen beschrieben mit klaren Zuständigkeiten, Personalverantwortung, Aufsicht, Konfliktmanagement und Verantwortung für die öffentliche Vertretung des Kirchenbezirks.

Verwaltung, Kita und gesamtkirchliche Arbeit

Die Themengruppe gemeinsame Kirchenverwaltung arbeitet daran, bisherige Verwaltungseinheiten auf unterschiedlichen Ebenen der Landeskirche in einer gemeinsamen Kirchenverwaltung mit vier Regionalstellen zu bündeln. Eine zentrale Erkenntnis lautet: Viele Verwaltungseinheiten arbeiten bislang nebeneinander an ähnlichen Aufgaben; zugleich ist das Wissen voneinander begrenzt. Für die Zukunft braucht es deshalb mehr Standardisierung in Prozessen und Technik, klare Schnittstellen und die Klärung, was zentralisiert werden kann und was vor Ort bleiben muss.

Beim gemeinsamen Kita-Träger geht es um die Bündelung der Kräfte, um den finanziellen Aufwand zu reduzieren, möglichst viele Einrichtungen in protestantischer Trägerschaft zu erhalten, Qualität zu sichern und attraktive Arbeitsbedingungen für Mitarbeitende in Pädagogik und Verwaltung zu schaffen. Die Gruppe hat Strukturen anderer Kita-Träger gesichtet, Aufgaben und Vollzeitstellen erhoben und arbeitet an einer Prozesslandkarte sowie einem Aufgabenportfolio.

Die Themengruppe gesamtkirchliche Arbeit entwickelt ein Modell für ein künftig agil arbeitendes Team, das Themen und Arbeitsfelder verantwortet, die nicht unmittelbar im Landeskirchenrat verortet sind. Die neue Struktur soll 2028 starten und bis 2030 umgesetzt werden. Entscheidend seien gute Schnittstellen zum Landeskirchenrat und zu den anderen Ebenen der Landeskirche sowie eine Haltung der Mitarbeitenden, die neue Formen, Inhalte und Methoden ermöglicht.

Neue Finanzierungsideen

Eine weitere Themengruppe beschäftigt sich mit alternativen Finanzierungsmodellen. Sie prüft bestehende und neue Möglichkeiten, Einnahmen zu erzielen oder zu erhöhen, damit der kirchliche Auftrag auch unter veränderten finanziellen Bedingungen erfüllt werden kann. Die Gruppe unterscheidet künftig zwischen Maßnahmen, die rechtliche Änderungen erfordern, und solchen, die ohne rechtliche Änderungen umgesetzt werden können. Zugleich stellt sich die Frage, wie hoch die Risikobereitschaft bei Investitionen und beim Aufbau neuer Geschäftsfelder sein soll.

Landeskirchenrat ebenfalls im Umbau

Wüst machte in ihrer Einbringung zudem deutlich, dass auch der Landeskirchenrat selbst vom Spar- und Transformationsauftrag nicht ausgenommen ist. Von Anfang an sei gesagt worden, dass in diesem Bereich rund sechs Millionen Euro eingespart werden müssten. Eine erste konkrete Veränderung ergebe sich durch den vorgezogenen Ruhestand von Oberkirchenrätin Marianne Wagner im Frühjahr 2027. Im Einvernehmen mit der Kirchenregierung solle diese Stelle nicht wieder ausgeschrieben werden. Das Kollegium werde damit von sechs auf fünf Personen reduziert, perspektivisch auf vier. Wie die damit verbundenen Aufgaben künftig organisiert werden, soll bis zur Herbstsynode weiter geklärt werden.

Kirche als vernetztes System

Insgesamt zeichnen die Zwischenberichte das Bild einer Landeskirche, die sich künftig stärker als vernetztes System versteht: mit lokaler Präsenz in den Ortskirchengemeinden, multiprofessionellen Regioteams, größeren Kirchenbezirken als Rahmen- und Ressourcenebene, gemeinsamen Verwaltungsstrukturen, einem gemeinsamen Kita-Träger, neuen Gemeindeformen und einer neu geordneten gesamtkirchlichen Arbeit.

Der Prozess bleibt dabei bewusst offen für Resonanz. Die Synodalen konnten Rückfragen stellen und an Stellwänden Hinweise, Kritik und Anregungen zu den einzelnen Arbeitsständen geben. Diese Rückmeldungen sollen in die weitere Arbeit der Themen- und Koordinierungsgruppen einfließen.

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news-4330 Fri, 12 Jun 2026 09:18:42 +0200 Transformation ist mehr als Einsparen https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/transformation-ist-mehr-als-einsparen Plädoyer für eine "Kultur der Ermöglichung" Speyer (lk). Der Zukunftsprozess der Evangelischen Kirche der Pfalz ist nach Einschätzung von Pfarrer Dr. Steffen Bauer Teil einer Entwicklung, die alle evangelischen Landeskirchen betrifft. In seinem Impulsvortrag „Alle sind unterwegs – Landeskirche der Pfalz im Vergleich“ vor der Landessynode in Speyer machte Bauer am Freitag deutlich: Überall wachse der Druck durch knapper werdende Ressourcen. Zugleich gehe es bei kirchlicher Transformation nicht allein um Einsparungen, sondern immer auch um die Frage, wie Kirche sich geistlich, strukturell und kulturell weiterentwickelt.

Bauer war Gemeindepfarrer in Mannheim und Heidelberg, sieben Jahre Dekan in Heidelberg, von 2008 bis 2013 am Institut für Personalberatung, Organisationsentwicklung und Supervision (IPOS) der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau tätig und leitete von 2013 bis zu seinem Ruhestand 2024 die Ehrenamtsakademie der EKHN. Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst bezeichnete ihn bei der Einführung als einen „Chronisten von Transformation, Wandel und Veränderung“, der die Prozesse in den 20 Landeskirchen der EKD seit vielen Jahren beobachte und einordne.

Entscheidungen werden schwieriger

Bauer beschrieb, dass zentrale kirchliche Entscheidungen künftig häufiger mit knapperen Mehrheiten getroffen würden. Die Vorstellung eines möglichst breiten Konsenses oder gar von Einstimmigkeit werde angesichts schmerzlicher und komplexer Veränderungen immer weniger erreichbar. Umso wichtiger sei es, überhaupt Entscheidungen zu treffen. Emotionen in Transformationsdebatten wertete Bauer dabei nicht nur als Belastung, sondern auch als Zeichen dafür, dass Menschen die Zukunft ihrer Kirche nicht gleichgültig sei.

Pfalz nicht allein unter Druck

Mit Blick auf andere Landeskirchen sagte Bauer, der Ressourcendruck werde überall stärker. Die Pfalz sei mit ihren Annahmen über künftige Einsparnotwendigkeiten nicht Sonderfall, sondern liege mit ihrer Einschätzung zunehmend näher an Entwicklungen, die sich auch in anderen Landeskirchen zeigten. Mehrere Landeskirchen müssten ihre bisherigen Einsparziele inzwischen nachschärfen. Die Pfalz habe sich nach Bauers Einschätzung früh und vergleichsweise umfassend mit den notwendigen Veränderungen auseinandergesetzt.

Zugleich warnte Bauer davor, Transformation auf reine Ressourcensteuerung zu reduzieren. „Transformation ist mehr als Einsparen“, lautete eine seiner zentralen Thesen. Strukturfragen könnten viel Energie binden, die entscheidende Frage bleibe aber: Wozu verändert sich Kirche? Deshalb gehöre zur Transformation immer auch Kirchenentwicklung, also die Frage, wie Kirche für die Menschen da sein wolle.

Kultur der Ermöglichung

Einen Schwerpunkt legte Bauer auf die Strukturfragen rund um Kirchengemeinden, Regionen, Dekanate und den Körperschaftsstatus. Alle Landeskirchen beschäftigten sich derzeit mit neuen Formen von Zusammenarbeit, regionalen Räumen und der Zukunft kirchlicher Leitungs- und Verwaltungsebenen. Die Modelle seien unterschiedlich: von verbindlichen landessynodalen Entscheidungen über regionale Gestaltungsspielräume bis hin zu Initiativen, die von Gemeinden selbst ausgehen.

Entscheidend sei jedoch nicht allein, welche Struktur am Ende gewählt werde. Eine reine Strukturveränderung sei noch keine Transformation. Ob Veränderung gelinge, entscheide sich vor allem an Kultur und Haltung. Bauer warb für eine „Kultur der Ermöglichung“: Verwaltung, Leitung, Hauptamtliche und Ehrenamtliche müssten so zusammenwirken, dass kirchliches Leben vor Ort und digital unterstützt werde.

Teamarbeit und Ehrenamt stärken

Auch Teamarbeit sei inzwischen in allen Landeskirchen ein zentrales Thema, sagte Bauer. Regionale Teams, neue Leitungsformen und eine veränderte Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen seien notwendig, müssten aber aktiv begleitet, qualifiziert und unterstützt werden. Dabei gehe es nicht darum, Ehrenamtliche als Lückenbüßer für weniger Hauptamtliche zu verstehen, sondern als verantwortlich Gestaltende einer Kirche der Menschen.

Bauer verwies zugleich auf Erwartungen jüngerer Theologiestudierender an den Pfarrberuf. Sinnhaftes Arbeiten, eigene Akzente, Vielfalt der Tätigkeit, Teamarbeit und die Möglichkeit, Kirche mitzugestalten, seien wichtige Faktoren. Zugleich gebe es Sorgen vor mangelnder Veränderungsbereitschaft, Überforderung, unklaren Strukturen und immer größeren Zuständigkeitsbereichen.

„Bleiben Sie mutig“

Zum Abschluss seines Vortrags wagte Bauer einen Blick ins Jahr 2040. Er zeichnete das Bild einer pfälzischen Kirche, die ihre Strukturentscheidungen genutzt hat, um kirchliches Leben vor Ort und digital zu ermöglichen, Ehrenamtliche zu stärken und Gemeinwesenorientierung weiterzuentwickeln. Die Pfalz könne mit ihrem Zukunftsprozess einen Weg einschlagen, der nicht nur auf Einsparungen reagiere, sondern neue Formen kirchlicher Präsenz ermögliche. Sein Appell an die Synode lautete: „Bleiben Sie mutig.“

Der Vortrag war Teil des Tagesordnungspunktes zum Transformationsprozess #kirche.mutig.machen.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

Hintergrund: Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz

Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) ist als kirchliche Volksvertretung das oberste beschlussfassende Gremium der Landeskirche. Sie trifft wesentliche Entscheidungen in geistlichen, rechtlichen und finanziellen Belangen. Ihr gehören 57 Mitglieder an. Die aktuelle Tagung ist die 11. Tagung der 13. Landessynode, die von 2021 bis 2026 gewählt ist.  Sie findet vom 10. bis 13. Juni 2026 in Speyer statt.

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news-4329 Thu, 11 Jun 2026 16:59:40 +0200 Vielfalt als Zukunftsfrage der Kirche https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/vielfalt-als-zukunftsfrage-der-kirche Synode diskutiert Teilhabe, Vielfalt und Zugehörigkeit in der Kirche – Praxisbeispiele beim World Café Speyer (lk). Wie kann Kirche ein Ort sein, an dem Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Lebensformen und kulturellen Prägungen selbstverständlich vorkommen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz heute in Speyer. Unter dem Titel „Vielfältig Kirche sein“ setzt die Synode einen Schwerpunkt auf Vielfalt als Zukunftsfrage kirchlichen Handelns.

Von Migration zur Vielfaltsperspektive

Ausgangspunkt des Schwerpunktthemas war ein früherer Synodenantrag zur Situation von Christ*innen mit Migrationsgeschichte. Im Vorfeld der Synode wurden dazu Gespräche mit Betroffenen geführt. Die Rückmeldungen führten zu einer Erweiterung der ursprünglichen Fragestellung. Menschen hätten berichtet, dass es sie schmerze, sich in der Kirche nicht selbstverständlich wiederzufinden, sagte Oberkirchenrat Markus Jäckle bei der Einbringung des Themas. Einige hätten auch von Erfahrungen des Alltagsrassismus gesprochen;  „von kleinen und großen Momenten, in denen sie gespürt haben: Du gehörst nicht wirklich dazu“.

Zugleich sei deutlich geworden, dass Menschen mit Migrationsgeschichte nicht auf diese Perspektive reduziert werden wollten. Der Wunsch sei vielmehr eine Kirche, in der unterschiedliche Menschen selbstverständlich vorkommen. „Was wir in unserer Kirche brauchen, ist eine Haltung der Offenheit für Verschiedenheit und Vielfalt: in Gottesdiensten, in der Gemeinschaft, in den kirchlichen Strukturen“, zitierte Jäckle eine zentrale Rückmeldung aus den Vorgesprächen.

Vielfalt als Realität der Kirche

Das Schwerpunktthema nimmt deshalb nicht nur Migration in den Blick, sondern die gesamte Breite gesellschaftlicher Vielfalt: Menschen mit Behinderungen, Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, mit verschiedenen Lebensentwürfen, kulturellen Prägungen, religiösen Erfahrungen und spirituellen Bedürfnissen. „Diese Erweiterung ist kein Ausweichen, sondern eine notwendige Vertiefung. Denn Vielfalt ist kein Randthema, sie ist Realität unserer Gesellschaft und damit auch unserer Kirche“, sagte Jäckle.

Zugleich erinnerte Jäckle an die theologischen Grundlagen des Themas. Kirche sei von Anfang an eine vielfältige Gemeinschaft unterschiedlicher Menschen gewesen. Verschiedenheit sei daher kein Problem, das gelöst werden müsse, sondern ein Wesensmerkmal von Kirche. Entscheidend sei nicht die Frage, ob Kirche vielfältig sei, sondern wie sie sensibler für Vielfalt werde und mit ihr umgehe.

Impulse aus der interkulturellen Kirchenentwicklung

Zum Einstieg in das Schwerpunktthema geben Pastorin Nadia El Karsheh und Mpho Busisiwe Hlongwa von der Arbeitsstelle Interkulturelle Kirchenentwicklung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers einen Impuls. Sie berichten aus ihrer Arbeit zur Förderung von Teilhabe und interkultureller Öffnung von Kirche und stellen Erfahrungen aus der Praxis interkultureller Kirchenentwicklung vor.

World Café macht Praxisbeispiele sichtbar

Am Abend wird das Schwerpunktthema mit einem World Café fortgesetzt. An verschiedenen Thementischen stellen Mitarbeitende, Ehrenamtliche und Initiativen aus der Landeskirche Beispiele vielfaltssensibler Praxis vor. Vertreten sind unter anderem die Arbeitsfelder Migration, Inklusion, Queerness, internationale Gemeinden, Arbeitswelt, Kita-Arbeit und Gemeindearbeit. Die Tische verstehen sich als Lernorte: Dort soll sichtbar werden, wie Vielfalt bereits heute in der Kirche gelebt wird, wo Entwicklung nötig ist und welche Chancen und Herausforderungen damit verbunden sind.

Vielfalt als Chance zur Erneuerung

„Vielfalt ist nicht nur bunt und schön und interessant“, sagte Jäckle. Sie könne auch Unsicherheiten auslösen, Konflikte sichtbar machen und gewohnte Selbstverständlichkeiten infrage stellen. Vor allem sei Vielfalt aber eine Chance: „Eine Chance zur Erneuerung unserer Gemeinden. Eine Chance, Kirche so zu gestalten, dass Menschen sich zugehörig fühlen – in ihrer Unterschiedlichkeit, mit ihren eigenen Erfahrungen und Perspektiven.“

Mit dem Schwerpunktthema greift die Landessynode eine zentrale Frage für die zukünftige Gestalt der Kirche auf. Es geht darum, wie Kirche Menschen mit unterschiedlichen biographischen, sozialen und spirituellen Erfahrungen besser erreichen, beteiligen und sichtbar machen kann in Gottesdiensten, Gemeinden, kirchlichen Strukturen und öffentlichen Räumen.

Fortsetzung der Synodentagung

Die Tagung der Landessynode wird am Freitag, 12. Juni, um 8.30 Uhr mit einer Andacht fortgesetzt. Ab 9 Uhr stehen unter anderem der Transformationsprozess #kirche.mutig.machen sowie Berichte der übergemeindlichen Dienste auf der Tagesordnung.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

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news-4328 Thu, 11 Jun 2026 15:05:50 +0200 Segen sichtbar machen https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/segen-sichtbar-machen Landessynode beschließt Fortführung von Blessed.Pfalz für weitere zwei Jahre Speyer (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat am Donnerstag beschlossen, das landeskirchliche Segensbüro Blessed.Pfalz für weitere zwei Jahre fortzuführen. Das Segensbüro soll in den Jahren 2027 und 2028 Segensangebote und Kasualbeziehungen in der Landeskirche weiter fördern, koordinieren und sichtbar machen.

Für die Fortführung stellt die Landessynode im Haushaltsjahr 2027 insgesamt 368.800 Euro und im Haushaltsjahr 2028 insgesamt 376.520 Euro bereit. Verlängert werden zudem eine volle Pfarrstelle zur Dienstleistung sowie eine volle Stelle unter anderem für Social Media, Öffentlichkeitsarbeit und Büromanagement. Rechtzeitig vor Ablauf der Befristung soll die Arbeit evaluiert und der Landessynode erneut berichtet werden.

Blessed.Pfalz unterstützt Gemeinden, Regionen und Kirchenbezirke dabei, Segensangebote niedrigschwellig und lebensnah zu gestalten. In der bisherigen Projektphase wurden verschiedene Formate erprobt, darunter ein Trauevent auf dem Bad Dürkheimer Wurstmarkt, das Angebot „Warmes für die Seele“ am Ewigkeitssonntag in Kaiserslautern, persönliche Segensangebote auf Festen und Märkten sowie zielgruppenspezifische Formate wie der Feriensegen für Schüler*innen, Lehre*rinnen und Angehörige in Ludwigshafen.

Pfarrerin Diemut Meyer machte in ihrem Bericht deutlich, dass Segen ein grundlegender Ausdruck christlichen Glaubens sei. Segen sei mehr als ein guter Wunsch: Er spreche Menschen Gottes Nähe und Begleitung zu und eröffne Räume für persönliche, seelsorgliche und geistliche Begegnung. Gerade an Übergängen im Leben seien viele Menschen offen für solche Angebote.

Ein zentrales Merkmal von Blessed.Pfalz ist die Zusammenarbeit mit Gemeinden und Regionen. Das Segensbüro übernimmt dabei eine koordinierende und unterstützende Funktion, bündelt Erfahrungen, stellt Materialien bereit und entwickelt neue Formate gemeinsam mit lokalen Partnern weiter. Für die kommenden Jahre sollen bestehende Segensangebote stärker vernetzt, regionale Initiativen unterstützt und digitale Zugänge weiterentwickelt werden. Dazu gehören etwa digitale Anmeldetools zu Kasualien oder zentrale Kontaktmöglichkeiten in Zusammenarbeit mit Dekanaten und dem Projekt Philippus.

Die Tagung der Landessynode wird am Freitag, 12. Juni, um 8.30 Uhr mit einer Andacht fortgesetzt. Ab 9 Uhr stehen unter anderem der Transformationsprozess #kirche.mutig.machen sowie Berichte der übergemeindlichen Dienste auf der Tagesordnung.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
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news-4327 Thu, 11 Jun 2026 12:49:08 +0200 Evangelisches Trifels-Gymnasium: Synode beschließt Übergabe-Verhandlungen https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/evangelisches-trifels-gymnasium-synode-beschliesst-uebergabe-verhandlungen Landeskirchenrat soll mit Land und Kommunen die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten verhandeln Speyer/Annweiler (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat am Donnerstag den Landeskirchenrat beauftragt, Verhandlungen über eine Übergabe des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler (ETGA) in staatliche Trägerschaft aufzunehmen beziehungsweise fortzuführen. Ziel ist es, mit Land und Kommunen unter den gegebenen Rahmenbedingungen die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu finden: für Schüler*innen und Familien, für die Beschäftigten, für den Schulstandort Annweiler und für die Landeskirche.

Der Entscheidung war eine engagierte und teilweise emotional geführte Debatte in der Landessynode vorausgegangen. Dabei wurden sowohl die besondere Bedeutung des ETGA für die Region und das evangelische Bildungsprofil der Landeskirche als auch die langfristigen finanziellen Belastungen für die Kirche intensiv diskutiert.

Verhandlungsauftrag statt Schließungsbeschluss

Der Beschluss ist kein Schließungsbeschluss. Er ist ein Verhandlungsauftrag. In den nun anstehenden Gesprächen sollen insbesondere die künftige Trägerschaft, die Übernahme des Personals, die Regelung des laufenden Sachaufwands, die Zukunft der Schulgebäude, die weitere Nutzung der zum Gesamtkomplex gehörenden Liegenschaften sowie mögliche Folgekosten und bleibende Verpflichtungen geklärt werden.

Zielperspektive ist ein möglicher Betriebsübergang zum Schuljahr 2027/28. Bis dahin sollen die notwendigen Gespräche mit den zuständigen staatlichen und kommunalen Stellen geführt und die Bedingungen eines geordneten Übergangs geklärt werden. Sollte dies nicht gelingen, ist die Schule zu schließen.

Keine kostenneutrale Weiterführung erreicht

Die Synode stellte fest, dass eine kostenneutrale Weiterführung des ETGA in kirchlicher Trägerschaft nach den intensiven Prüfungen und Verhandlungen der vergangenen Monate nicht erreicht wird. Dem Beschluss vorausgegangen war ein Auftrag der Landessynode aus dem Jahr 2025. Damals hatte die Synode beschlossen, weitere Prüfungen und Verhandlungen mit staatlichen Stellen und möglichen Partnern zur Reduzierung des landeskirchlichen Zuschusses aufzunehmen mit dem Ziel einer kostenneutralen Lösung. Sollte bis 2026 keine tragfähige Lösung gefunden werden, sollte das ETGA zeitnah in staatliche Trägerschaft übergeben werden.

Der Landeskirchenrat hatte daraufhin Gespräche mit dem Land Rheinland-Pfalz, den Landkreisen Südliche Weinstraße und Südwestpfalz, dem Kirchenbezirk, anderen kirchlichen und freien Schulträgern sowie diakonischen Trägern geführt. Außerdem wurde eine Taskforce mit zentralen Beteiligten der Schulgemeinschaft eingerichtet. Dazu gehörten unter anderem Schulleitung, Verwaltungsleitung, Mitarbeitendenvertretung, Schulelternbeirat, Freundeskreis, Schülerinnen, Dekanat und Vertreterinnen der Landessynode.

Erhebliche Entlastungen, aber weiter hoher Zuschussbedarf

Durch die bisherigen Bemühungen konnten erhebliche Entlastungen erreicht werden. Dazu zählen unter anderem eine höhere öffentliche Refinanzierung sowie zusätzliche Zuschüsse. Gleichwohl bleibt nach den vorliegenden Berechnungen bei einer Fortführung in kirchlicher Trägerschaft ein dauerhafter jährlicher Zuschussbedarf in erheblicher Höhe.

Der Zuschussbedarf lag 2024 bei rund 2,3 Millionen Euro und 2025 bei rund 2,1 Millionen Euro. Auch nach den erreichten Entlastungen wäre bei kirchlicher Weiterführung nach jetzigem Stand mit einem jährlichen Zuschussbedarf von mindestens rund einer Million Euro, je nach Annahmen bis zu 1,5 Millionen Euro, zu rechnen.

Verantwortung für Schule, Menschen und Landeskirche

„Diese Entscheidung ist schmerzlich. Sie ist aber nach den vorliegenden Ergebnissen der verantwortbare nächste Schritt“, sagte Oberkirchenrat Dr. Claus Müller. „Jetzt geht es darum, mit Land und Kommunen die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu verhandeln: für die Schüler*innen und Familien, für die Beschäftigten, für den Schulstandort Annweiler und für die Landeskirche, die ihre Verantwortung unter schwierigen Rahmenbedingungen wahrnehmen muss.“

Das ETGA habe über Jahrzehnte hinweg vielen jungen Menschen Bildung, Orientierung und Gemeinschaft gegeben. Die Synode würdige ausdrücklich die pädagogische und evangelische Arbeit der Schule. Zugleich müsse die Landeskirche entscheiden, ob sie dauerhaft erhebliche Mittel für den laufenden Schulbetrieb an einem einzelnen Standort einsetzen könne und wolle.

Schulbetrieb läuft weiter

Für den laufenden Schulbetrieb ändert sich durch den Beschluss zunächst nichts unmittelbar. Unterricht, Prüfungen und schulische Abläufe laufen weiter. Die Landeskirche und die Schulleitung werden die Schulgemeinschaft über die nächsten Schritte informieren.

Viele Detailfragen, etwa zur künftigen Trägerschaft, zum Personal, zu Gebäuden und zur konkreten Ausgestaltung eines möglichen Übergangs, sind Gegenstand der nun anstehenden Verhandlungen. Die Landeskirche will dabei auf geordnete Verfahren, transparente Informationen und feste Ansprechpartner achten.

„Wir wissen, dass diese Entscheidung für die Schulgemeinschaft, für Familien und für Mitarbeitende mit großen Fragen verbunden ist“, sagte Müller. „Deshalb ist jetzt größtmögliche Klarheit wichtig. Die Betroffenen werden mit diesen Fragen nicht allein gelassen. Unser Ziel ist es, in den Verhandlungen die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu erreichen.“

Evangelisches Trifels-Gymnasium Annweiler

Am Evangelischen Trifels-Gymnasium Annweiler lernen derzeit rund 670 Schüler*innen. Dort unterrichten 60 Lehrkräfte; 22 Personen arbeiten im nichtpädagogischen Bereich. Das ETGA wurde 1958 als evangelische Internatsschule gegründet. Das Internat wurde bereits vor zehn Jahren geschlossen, die Schule selbst wurde weitergeführt.

Fortsetzung der Synodentagung

Die Tagung der Landessynode wird am Nachmittag mit dem Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“ fortgesetzt. Am Freitag stehen unter anderem der Transformationsprozess #kirche.mutig.machen sowie Berichte der übergemeindlichen Dienste auf der Tagesordnung.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

Hintergrund: Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz

Die Landessynode ist das oberste kirchenleitende Organ der Evangelischen Kirche der Pfalz. Sie berät und entscheidet über Grundfragen des kirchlichen Lebens, beschließt Kirchengesetze und den Haushalt der Landeskirche und stellt die Weichen für die zukünftige Entwicklung der Landeskirche. Die aktuelle Tagung ist die 11. Tagung der 13. Landessynode. Sie findet vom 10. bis 13. Juni 2026 in Speyer statt.

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news-4326 Wed, 10 Jun 2026 15:57:35 +0200 Kirche im richtigen Moment https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/kirche-im-richtigen-moment Landessynode beschließt Fortführung von Philippus als systematische Mitgliederkommunikation Speyer (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat am Mittwoch beschlossen, das Projekt Philippus als systematische und zunehmend digitalisierte Mitgliederkommunikation für weitere zwei Jahre fortzuführen. Philippus soll Menschen künftig noch gezielter an biografisch wichtigen Punkten ihres Lebens erreichen, etwa bei Geburt und Taufe, Konfirmation, Umzug, Geburtstag, Schulabschluss, Wehrdienstfrage oder in der Advents- und Weihnachtszeit.

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst, Felix Kirschbacher (Leitung Kommunikation der Evangelischen Kirche der Pfalz) und Lena Vach (Pfarrerin für Mitgliederkommuikation) führten in den Tagesordnungspunkt ein. Philippus stehe für einen Perspektivwechsel in der Kommunikation der Kirche: Kirche warte nicht nur darauf, dass Menschen zu ihr kommen, sondern suche selbst den Kontakt – persönlich, anlassbezogen, analog und digital. In ihrem Bericht vor der Synode hatte Wüst Philippus als ein Projekt beschrieben, das „frohe Botschaft auf dem Weg vermittelt, genau zur rechten Zeit – an einen Menschen, der genau in diesem Moment etwas braucht“.

Philippus nutzt vorhandene Mitgliederdaten, um Menschen in passenden Lebenssituationen anzusprechen. Dazu gehören unter anderem Geburtstagsgrüße, Begrüßungen nach einem Umzug, Glückwünsche zur standesamtlichen Trauung, Kontaktpunkte rund um Taufe und Geburt, Konfirmation, Schule, Wehrdienst und Weihnachten. Ziel ist es, Kirche als zugewandt, erreichbar und lebensnah erfahrbar zu machen.

Zahlen aus der Mitgliedschaftsuntersuchung der EKD (KMU) zeigen den Handlungsbedarf, machte Kirschbacher deutlich: „Nur 15 Prozent unserer Mitglieder beteiligen sich am kirchlichen Leben. Das heißt: Unsere Gemeinden und Einrichtungen, so engagiert sie arbeiten, erreichen mit ihren Angeboten eine Minderheit. Mehr als 50 Prozent unserer Mitglieder erinnern sich an keinen Kontakt zu einer kirchlichen Einrichtung in den letzten zwölf Monaten. Kein Gottesdienst, keine Veranstaltung, kein Gemeindehaus, keine Erinnerung oder Wahrnehmung des Gemeindebriefs als Kontakt. Wenn ein Kontakt erinnert wird, beurteilt ihn die Hälfte unserer Mitglieder für ihren Lebensalltag als unwichtig und 69 Prozent als für ihren Glauben unwichtig.“

Wenn im Jahr 2012 75 Prozent der Evangelischen einen Kirchenaustritt für sich ausschlossen, waren es 2022 nur noch 35 Prozent Die KMU nenne diese „Austrittsneigung" einen Frühwarnindikator mit der klaren Interpretation: Je schneller wir handeln, desto eher haben wir eine Chance, diese Neigung zu beeinflussen.

Kirschbacher betonte aber auch: „Wir führen diese Zahlen ausdrücklich nicht als Anklage gegen unsere Gemeinden und Einrichtungen an. Diese Zahlen beschreiben keine schlechte Arbeit. Sie beschreiben eine Lücke — eine Lücke zwischen uns und denen, die uns nicht oder nicht mehr von sich aus aufsuchen. Und Philippus ist der Versuch, genau diese Lücke zu schließen.

Ein Beispiel für die Weiterentwicklung von Philippus ist die Aktion „Prüfungssegen für dich!“, die die Evangelische Kirche der Pfalz gemeinsam mit dem Bistum Speyer für Abiturient*innen angeboten hat. An zentralen Prüfungstagen konnten Teilnehmende über WhatsApp eine Kerze für sich anzünden lassen und erhielten am Morgen der Prüfung ein persönliches Segensvideo. Die Aktion verband digitale Kommunikation, seelsorgliche Begleitung und einen konkreten biografischen Anlass. Sie zeigte zugleich, welches Potenzial in direkten digitalen Kontaktpunkten für junge Menschen liegt.

Der Bericht verweist auch auf Studien aus anderen Landeskirchen, die eine positive Wirkung biografischer Mitgliederkommunikation nahelegen. Danach werden solche Kontakte von Mitgliedern wahrgenommen und positiv bewertet; sie können Vertrauen, Verbundenheit und Gesprächsanlässe stärken. Philippus setze genau an solchen Momenten an, in denen Kirche nicht abstrakt, sondern konkret im Alltag von Menschen vorkomme.

Für die kommenden Jahre formuliert Philippus ehrgeizige Ziele: Bis 2028 sollen mehr als 90 Prozent der Gemeinden Teil von Philippus sein. Außerdem sollen bis Ende 2028 rund 50.000 digitale Kontaktdaten vorliegen. Für junge Menschen zwischen 16 und 24 Jahren soll eine eigene „member journey“ aufgebaut werden, die unterschiedliche Lebensphasen wie Wehrdienstberatung, Abschlussprüfungen, Ausbildung, Studium und Berufseinstieg aufgreift. Ziel ist es, bis Ende 2028 mit mehr als 8.000 Menschen dieser Altersgruppe mehr als einmal in Kontakt gekommen zu sein.

„Philippus zeigt, wie Kirche Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten kann – nicht zufällig, sondern aufmerksam, im richtigen Moment – und ohne Erwartungshaltung“, sagte Felix Kirschbacher „Es geht darum, Kontaktpunkte zu schaffen, an denen Menschen spüren: Meine Kirche sieht mich, interessiert sich für mich und ist ansprechbar, wenn ich sie brauche.“

Die Tagung der Landessynode wird am Donnerstag, 11. Juni, um 8.30 Uhr mit einer Andacht fortgesetzt. Am Vormittag beraten die Synodalen über die Zukunft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler. Nachmittags geht es unter anderem um Bericht und Fortführung des Segensbüros Blessed.Pfalz. Am Abend beginnt das Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“ mit Impulsen zur interkulturellen Kirchenentwicklung.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

Hintergrund: Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz

Die Landessynode ist das oberste kirchenleitende Organ der Evangelischen Kirche der Pfalz. Sie berät und entscheidet über Grundfragen des kirchlichen Lebens, beschließt Kirchengesetze und den Haushalt der Landeskirche und stellt die Weichen für die zukünftige Entwicklung der Landeskirche. Die aktuelle Tagung ist die 11. Tagung der 13. Landessynode. Sie findet vom 10. bis 13. Juni 2026 in Speyer statt.

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news-4324 Wed, 10 Jun 2026 11:41:06 +0200 „Kirche darf nicht nur vom Mangel erzählen“ https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/kirche-darf-nicht-nur-vom-mangel-erzaehlen ​​​​​​​Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst ruft Landessynode zu Mut und geistlicher Orientierung auf Speyer (lk). Mit einem Bericht über offene Türen, kleine Kraft und die Verantwortung der Kirche in einer verletzlichen Welt hat Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst am Mittwoch die Frühjahrstagung der Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer geprägt. Vor den Synodalen in der Eventhalle „Hangar 10“ des Technik Museums sagte Wüst, sinkende Mitgliederzahlen, knapper werdende Ressourcen und offene Strukturfragen gehörten zur Realität der Kirche – seien aber nicht die ganze Wahrheit.

„Eine Kirche, die nur noch über den Mangel redet, schnürt sich selbst die Luft ab“, sagte Wüst. Entscheidend sei nicht zuerst die Frage, was Kirche verliere, sondern was sie aus dem mache, was sie habe: „Wir haben eine kleine Kraft. Machen wir etwas daraus. Gott öffnet Türen. Vertrauen wir darauf.“

Wüst stellte ihren Bericht unter ein Bibelwort aus der Offenbarung: „Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, und niemand kann sie zuschließen.“ Kirche lebe nicht aus eigener Stärke, sondern aus der Kraft des Evangeliums. Deshalb dürfe sie sich nicht in „Nabelschau und Niedergang“ verlieren, sondern müsse Menschen Horizonte eröffnen.

In ihrem Bericht setzte Wüst mehrere Schwerpunkte. Mit Blick auf Israel und Palästina warb sie für eine friedensethische Haltung, die Antisemitismus klar widerspreche, das Existenzrecht Israels achte und zugleich das Leiden palästinensischer Menschen nicht relativiere. Zur Demokratie sagte Wüst, Kirche dürfe sich nicht in eine Nische drängen lassen. Wenn es um Menschenwürde und Freiheitsrechte gehe, könne Kirche „nicht anders“, als deutlich Stellung zu beziehen und zugleich Räume der Verständigung offenzuhalten.

Als kirchlichen „Lackmustest“ bezeichnete Wüst den Umgang mit sexualisierter Gewalt. Aufarbeitung, Anerkennung und Schutz gehörten in die Mitte kirchlichen Handelns. Im Blick auf den Transformationsprozess #kirche.mutig.machen betonte sie, es gehe nicht allein um Strukturen und Finanzen, sondern auch um eine geistliche Transformation. Die entscheidende Frage laute nicht, wie möglichst alles bleiben könne, wie es sei, sondern: „Wie kann es sein, dass es gut ist?“

Zum Abschluss ihres Berichts hob Wüst Aufbrüche in der Landeskirche hervor. Sie verwies unter anderem auf vier „Türöffner-Initiativen“, die in diesem Jahr mit einem Förderpreis für Innovation ausgezeichnet wurden: das Projekt „Flexibilisierung RU“, die Familienkathedrale Annweiler, den Pfälzer Kirchentag und das Projekt „Abschiede am Rhein“. Einen Sonderpreis erhielt das Projekt „Himmel & Hund“. Weitere Beispiele seien Blessed.Pfalz, Philippus, digitale Formate, die Abi-Kerzen-Aktion, Gottesdienste an anderen Orten, Tauffeste, offene Kirchen, Vesperkirchen, Stadtteilprojekte und viele Initiativen von Ehren- und Hauptamtlichen. All diese Beispiele erzählten keine Mangelgeschichten, sondern „Mut-Geschichten“.

Die Tagung hatte am Morgen mit einem Gottesdienst mit Abendmahl begonnen. Auf der Tagesordnung des ersten Beratungstages standen neben dem Bericht der Kirchenpräsidentin mehrere Gesetzesvorhaben sowie Bericht und Fortführung des Projekts Philippus.

Am Donnerstag, 11. Juni, wird die Tagung um 8.30 Uhr mit einer Andacht fortgesetzt. Ab 9 Uhr stehen Grußworte auf der Tagesordnung, anschließend beraten die Synodalen über die Zukunft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler. Nachmittags geht es unter anderem um Bericht und Fortführung des Segensbüros Blessed.Pfalz . Am Abend beginnt das Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“ mit Impulsen zur interkulturellen Kirchenentwicklung.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

Hintergrund: Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz

Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) ist als kirchliche Volksvertretung das oberste beschlussfassende Gremium der Landeskirche. Sie trifft wesentliche Entscheidungen in geistlichen, rechtlichen und finanziellen Belangen. Ihr gehören 57 Mitglieder an. Die aktuelle Tagung ist die 11. Tagung der 13. Landessynode, die von 2021 bis 2026 gewählt ist.  Sie findet vom 10. bis 13. Juni 2026 in Speyer statt.

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news-4323 Wed, 03 Jun 2026 16:00:00 +0200 Landessynode trifft sich zur Frühjahrstagung https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/landessynode-trifft-sich-zur-fruehjahrstagung Die 13. Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz kommt von Mittwoch bis Samstag, 10. bis 13. Juni, zu ihrer Frühjahrstagung in der Eventhalle „Hangar 10“ des Technik-Museums Speyer zusammen. Speyer (lk). m Mittelpunkt der Beratungen stehen unter anderem die Entscheidung zur Zukunft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler, der Zukunftsprozess #kirche.mutig.machen, das Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“ sowie die mittelfristige Finanzplanung der Landeskirche für die Jahre 2027 bis 2032.

Die Tagung beginnt am Mittwoch, 10. Juni, um 9 Uhr mit einem Gottesdienst mit Abendmahl in der Eventhalle „Hangar 10“. Die 1. Plenarsitzung wird um 10 Uhr durch Synodalpräsident Hermann Lorenz eröffnet. Für 11.45 Uhr ist der Bericht der Kirchenpräsidentin vorgesehen.

Entscheidung zur Zukunft des Trifels-Gymnasiums

Ein zentrales Thema der Tagung ist am Donnerstag, 11. Juni, die Entscheidung zur Zukunft der Trägerschaft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler (ETGA).

#kirche.mutig.machen und „Vielfältig Kirche sein“

Am Freitag, 12. Juni, steht der Transformationsprozess #kirche.mutig.machen erneut auf der Tagesordnung. Dr. Steffen Bauer, ehemaliger Leiter der Ehrenamtsakademie der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, hält dazu den Impulsvortrag „Alle sind unterwegs – Die Landeskirche der Pfalz im Vergleich. Wahrnehmungen und Anregungen“. Im Anschluss berichten die Themengruppen aus ihrer Arbeit.

Bereits am Donnerstagabend widmet sich die Synode dem Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“. Oberkirchenrat Markus Jäckle führt in das Thema ein. Pastorin Nadia El Karsheh und Mpho Busisiwe Hlonga von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers geben Impulse zur interkulturellen Kirchenentwicklung. Danach ist ein Worldcafé zum Schwerpunktthema vorgesehen.

Gesetzesvorhaben, Projekte und Finanzen

Auf der Tagesordnung stehen außerdem mehrere Gesetzesvorhaben. Beraten wird zudem über die Fortführung der Projekte Philippus und Blessed Pfalz – Segensbüro. Am Freitag stehen außerdem die Berichte der übergemeindlichen Dienste auf der Tagesordnung. Am Samstag, 13. Juni, befasst sich die Synode mit der mittelfristigen Finanzplanung der Evangelischen Kirche der Pfalz für die Haushaltsjahre 2027 bis 2032. Die Tagung endet voraussichtlich am Samstagnachmittag mit Berichten, Anträgen und Fragestunde.

Die Tagung der Landessynode ist öffentlich und wird auch live übertragen: www.youtube.com/@evkirchepfalz

Hintergrund

Synode: Es ist die elfte Tagung der 13. Landessynode, die von 2021 bis 2026 gewählt ist. Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) ist die kirchliche Volksvertretung. Damit hat sie die Kirchengewalt inne. Sie trifft wesentliche Entscheidungen in geistlichen, rechtlichen und finanziellen Belangen der Landeskirche. Die Amtszeit einer Synode beträgt sechs Jahre.

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news-4320 Mon, 01 Jun 2026 09:59:02 +0200 „Ich will richtig anpacken“ https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles/pressemeldungen/detailansicht/ich-will-richtig-anpacken Christine Müller-Kattwinkel kandidiert bei der Kirchenwahl als Presbyterin. Die Suppenküche des Kirchenbezirks Ludwigshafen liegt der Deutsch-Französin besonders am Herzen. Von Florian Riesterer

LUDWIGSHAFEN. Wo wie hier gelebter Glaube sichtbar werde, habe die Kirche eine Zukunft. Süße Teilchen, Brot und Brötchen schneiden und anrichten, Suppe in den großen Saal fahren und ausschenken. Benutzte Teller, Kaffeetassen und Besteck in die Küche bringen und in die Spülmaschine packen. In der Suppenküche des Kirchenbezirks Ludwigshafen an der Apostelkirche ist täglich gut zu tun.

Mittendrin ist Christine Müller-Kattwinkel. Die 65-jährige Presbyterin aus Ludwigshafen-Süd bringt sich hier seit mehr als 20 Jahren ein.

Geboren ist Müller-Kattwinkel im französischen Dijon. Seit mehr als 40 Jahren lebt sie in Deutschland, wo sie studiert hat. Evangelisch war sie schon immer. In ihrer Heimat gehörte sie damit zu einer Minderheit. „Und als ich nach Deutschland gekommen bin, hatte ich das Bedürfnis anzudocken, in die Kirche zu gehen, Leute zu treffen, die ich mag, aber die auch meinen Glauben teilen.“ Sie habe „tolle Leute“ kennengelernt, die sie 2008 dazu bewegen Presbyterin zu werden.

Hinter dieser Entscheidung stehen zwei Gründe, sagt sie: Menschliche und persönliche. Persönlich gesehen steht ihr Glaube im Mittelpunkt, aus den Aussagen der Bibel heraus zu handeln. Menschlich geht es ihr um Wertschätzung und Respekt: „Bei uns in der Versöhnungs­kirche hängt eine Flagge, auf der steht: Es gibt keine Menschen zweiter Klasse.“

Genau deshalb musste sie auch gar nicht lange überlegen, als sie gefragt wurde, ob sie in der Suppenküche mithelfen wolle. Dorthin kämen Menschen, „die oft übersehen werden“, so Müller-Kattwinkel. „Das ist für mich sehr wichtig, ihnen eine warme Mahlzeit zu reichen, ihnen zu zeigen, dass sie nicht ignoriert werden, dass sie nicht vergessen werden. Da ist Kirche genau richtig am Platz. Das ist Anerkennung, das ist Nächstenliebe.“

Die Deutsch-Französin betont, dass sie nicht nur Presbyterin ist, um in Gremien mitzuwirken, Entscheidungen bei Sitzungen mit zu treffen. Sie wolle richtig anpacken. „Und gerade in der Suppenküche machen wir das. Wir tragen Verantwortung dafür, dass der Glaube nicht abstrakt bleibt, sondern konkret wird.“

Rund 80 Menschen besuchen täglich die Suppenküche im Stadtteil Hemshof. Ein Grund ist die Armut. „Am Ende des Monats kommen deutlich mehr“, sagt Müller-Kattwinkel. Aber die Besucher kämen auch, um der Einsamkeit zu entfliehen.

Die evangelische Kirche, so schwärmt sie, öffne jedem die Chance, sich einzubringen, mit dem, was er könne, worauf er Lust habe. Seniorenkaffee, Jugendarbeit, Geburtstagsbesuche, neue Gottesdienstformate, Musik: All das seien kleine Bausteine, die aber viele Menschen betreffen.

„Für mich ist es wichtig, dass die Kirche nicht nur im Gottesdienst sichtbar ist“, sagt Müller-Kattwinkel. Genau darin sieht sie die Zukunft der Kirche: „Ein bisschen näher bei den Menschen zu sein.“ Gottesdienste, Liturgie sei ein entscheidender Teil. „Aber nur die Leute, die in die Kirche gehen, spüren das, und die anderen bleiben draußen.“

Die Kirche müsse sich verändern, sagt sie. Grund seien immer weniger Pfarrerinnen und Pfarrer, aber auch immer weniger Kirchenbesucher*innen oder Leute, die ehrenamtlich mit­machen. Sie wünsche sich deshalb „eine Kirche, die Mut macht, die sich auch einmischt, da wo es notwendig ist. Nicht nur unbedingt politisch, aber auch im sozialen Bereich“.

Und Müller-Kattwinkel ist sicher: „Wenn sich die Kirche auf den ­Glauben, die Nächstenliebe und die Wertschätzung, Begegnung auf Augenhöhe konzentriert, kann unsere Kirche auch in Zukunft ein Ort sein, wo die Menschen Kraft und Sinn und Hoffnung finden.“ 

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