Arbeitsgruppen stellen Zwischenstände zu #kirche.mutig.machen vor – Synode gibt Resonanz für die nächsten Schritte

Speyer (lk). Der Zukunftsprozess #kirche.mutig.machen der Evangelischen Kirche der Pfalz ist in eine neue Arbeitsphase eingetreten. Bei der Landessynode in Speyer stellten die Themen- und Koordinierungsgruppen am Freitag ihre Zwischenstände  vor. Dabei wurde deutlich: Nach den grundsätzlichen Eckpunkten geht es nun um die konkrete Ausgestaltung künftiger Strukturen, Zuständigkeiten und Arbeitsweisen.

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst beschrieb die aktuelle Phase als eine Art „Interim“. Die Eckpunkte des Reformprozesses seien beschlossen, der Entwurf einer neuen Kirchenverfassung sowie weitere Gesetzesentwürfe befänden sich derzeit im Stellungnahmeverfahren bei Bezirkssynoden und Presbyterien. Im November werde sich die Landessynode unter anderem mit der Kirchenbezirksreform, dem gemeinsamen Kita-Träger und der gemeinsamen Kirchenverwaltung befassen. Im Frühjahr 2027 soll die neue Verfassung beraten werden.

Zugleich habe die Landeskirche einen zweiten großen Prozessabschnitt begonnen. In Themen- und Koordinierungsgruppen wird derzeit daran gearbeitet, wie die beschlossenen Eckpunkte umgesetzt werden können. Dabei gehe es ausdrücklich noch nicht um fertige Entscheidungsvorlagen, sondern um Zwischenberichte, offene Fragen und mögliche Lösungswege. Die Synode solle Resonanz geben, damit die Gruppen bis zur Herbstsynode und zur Frühjahrssynode weiterarbeiten können.

Drei Ebenen im Blick

Das Prozessdesign orientiert sich an drei Ebenen kirchlichen Handelns. Auf der ersten Ebene geht es um Gemeinde und Region , also um Ortskirchengemeinden, Regioteams und neue Gemeindeformen jenseits klassischer Ortszuschnitte. Auf der zweiten Ebene stehen die künftigen Kirchenbezirke und die Frage, wie diakonisches Handeln dort eingebunden werden kann. Auf der dritten Ebene geht es um gesamtkirchliche Organisation: gemeinsame Kirchenverwaltung, gemeinsamer Kita-Träger, gesamtkirchliche Dienste und alternative Finanzierungsmodelle.

Die Themengruppen arbeiten eigenständig an ihren Fragestellungen, vernetzen sich aber nach Bedarf. Gerade diese Schnittstellen sind nach den bisherigen Berichten entscheidend: Die künftige Struktur kann nur gelingen, wenn Kommunikationswege, Entscheidungswege und Zuständigkeiten zwischen Ortskirchengemeinden, Regionen, Kirchenbezirken, Verwaltung, Kita-Träger und gesamtkirchlicher Arbeit tragfähig geklärt werden.

Vom Ob zum Wie

In den Präsentationen zeigte sich ein gemeinsamer roter Faden: Der Prozess bewegt sich zunehmend vom Ob der Veränderung zum Wie der Umsetzung. Die Gruppen ringen mit sehr ähnlichen Fragen: Was muss zentral geregelt werden, was soll offen bleiben? Wie bleiben Ehrenamtliche beteiligt, ohne überfordert zu werden? Wie werden Hauptamtliche in Teams arbeitsfähig? Wie kann Verwaltung entlasten statt belasten? Und wie entsteht aus neuen Strukturen tatsächlich eine neue Kultur der Zusammenarbeit und Ermöglichung?

Die Themengruppe Ortskirchengemeinde arbeitet an Modellen, wie kirchliche Arbeit vor Ort künftig organisiert werden kann. Im Mittelpunkt stehen Gemeindeleben, lokale Präsenz, Ehrenamt, Verkündigung, Gemeinschaft, Seelsorge und die Rolle der Kirche im Gemeinwesen. Entwickelt wurden verschiedene Modelle: vom starken Kernteam über einen kleinen Rat mit Verantwortungsgruppen bis zum vernetzten Verantwortungsraum. Die Grundidee: Gemeinden sollen nicht alle gleich aussehen müssen, sondern je nach Ausgangslage passende Profile und Arbeitsformen entwickeln können. Die Themengruppe Regioteam beschreibt die Region als Ermöglichungsraum. Multiprofessionelle Teams aus unterschiedlichen Berufsgruppen sollen gemeinsam mit Ehrenamtlichen kirchliche Arbeit regional planen und vor Ort sichtbar gestalten. Dazu braucht es klare Rahmenbedingungen: Teamentwicklung, Supervision und Beratung, Vertretungsregelungen, verlässliche Erreichbarkeit, Teamkoordination und regelmäßigen Austausch mit den Vorsitzenden der Presbyterien.

Mehr Vielfalt von Gemeinde

Die Themengruppe nichtparochiale Gemeindeformen nimmt neue Formen von Gemeinde in den Blick, die nicht an klassische Ortszuschnitte gebunden sind. Möglich werden sollen Gemeinden für Menschen, die bisher in Ortsgemeinden keine Heimat gefunden haben. Zugleich stellen sich Grundfragen: Wie wird Zugehörigkeit sichtbar, wenn sie nicht über das Meldewesen erfasst wird? Wann wird aus einer Gruppe, einem Kreis oder einer Gottesdienstgemeinschaft eine eigene Gemeindeform? Wie viel Ordnung braucht Vielfalt und wie viel Offenheit muss bleiben?

Auch auf Ebene der Kirchenbezirke werden Rollen und Zuständigkeiten neu beschrieben. Der künftige Kirchenbezirk soll Rahmen und Ressourcen bereitstellen, damit Kirche in Ortskirchengemeinden und Regionen wirksam sein kann. Dekaninnen und Stellvertretungen werden stärker als Impulsgeber, Koordinatorinnen, Mediatorinnen, Repräsentantinnen und Strateg*innen beschrieben mit klaren Zuständigkeiten, Personalverantwortung, Aufsicht, Konfliktmanagement und Verantwortung für die öffentliche Vertretung des Kirchenbezirks.

Verwaltung, Kita und gesamtkirchliche Arbeit

Die Themengruppe gemeinsame Kirchenverwaltung arbeitet daran, bisherige Verwaltungseinheiten auf unterschiedlichen Ebenen der Landeskirche in einer gemeinsamen Kirchenverwaltung mit vier Regionalstellen zu bündeln. Eine zentrale Erkenntnis lautet: Viele Verwaltungseinheiten arbeiten bislang nebeneinander an ähnlichen Aufgaben; zugleich ist das Wissen voneinander begrenzt. Für die Zukunft braucht es deshalb mehr Standardisierung in Prozessen und Technik, klare Schnittstellen und die Klärung, was zentralisiert werden kann und was vor Ort bleiben muss.

Beim gemeinsamen Kita-Träger geht es um die Bündelung der Kräfte, um den finanziellen Aufwand zu reduzieren, möglichst viele Einrichtungen in protestantischer Trägerschaft zu erhalten, Qualität zu sichern und attraktive Arbeitsbedingungen für Mitarbeitende in Pädagogik und Verwaltung zu schaffen. Die Gruppe hat Strukturen anderer Kita-Träger gesichtet, Aufgaben und Vollzeitstellen erhoben und arbeitet an einer Prozesslandkarte sowie einem Aufgabenportfolio.

Die Themengruppe gesamtkirchliche Arbeit entwickelt ein Modell für ein künftig agil arbeitendes Team, das Themen und Arbeitsfelder verantwortet, die nicht unmittelbar im Landeskirchenrat verortet sind. Die neue Struktur soll 2028 starten und bis 2030 umgesetzt werden. Entscheidend seien gute Schnittstellen zum Landeskirchenrat und zu den anderen Ebenen der Landeskirche sowie eine Haltung der Mitarbeitenden, die neue Formen, Inhalte und Methoden ermöglicht.

Neue Finanzierungsideen

Eine weitere Themengruppe beschäftigt sich mit alternativen Finanzierungsmodellen. Sie prüft bestehende und neue Möglichkeiten, Einnahmen zu erzielen oder zu erhöhen, damit der kirchliche Auftrag auch unter veränderten finanziellen Bedingungen erfüllt werden kann. Die Gruppe unterscheidet künftig zwischen Maßnahmen, die rechtliche Änderungen erfordern, und solchen, die ohne rechtliche Änderungen umgesetzt werden können. Zugleich stellt sich die Frage, wie hoch die Risikobereitschaft bei Investitionen und beim Aufbau neuer Geschäftsfelder sein soll.

Landeskirchenrat ebenfalls im Umbau

Wüst machte in ihrer Einbringung zudem deutlich, dass auch der Landeskirchenrat selbst vom Spar- und Transformationsauftrag nicht ausgenommen ist. Von Anfang an sei gesagt worden, dass in diesem Bereich rund sechs Millionen Euro eingespart werden müssten. Eine erste konkrete Veränderung ergebe sich durch den vorgezogenen Ruhestand von Oberkirchenrätin Marianne Wagner im Frühjahr 2027. Im Einvernehmen mit der Kirchenregierung solle diese Stelle nicht wieder ausgeschrieben werden. Das Kollegium werde damit von sechs auf fünf Personen reduziert, perspektivisch auf vier. Wie die damit verbundenen Aufgaben künftig organisiert werden, soll bis zur Herbstsynode weiter geklärt werden.

Kirche als vernetztes System

Insgesamt zeichnen die Zwischenberichte das Bild einer Landeskirche, die sich künftig stärker als vernetztes System versteht: mit lokaler Präsenz in den Ortskirchengemeinden, multiprofessionellen Regioteams, größeren Kirchenbezirken als Rahmen- und Ressourcenebene, gemeinsamen Verwaltungsstrukturen, einem gemeinsamen Kita-Träger, neuen Gemeindeformen und einer neu geordneten gesamtkirchlichen Arbeit.

Der Prozess bleibt dabei bewusst offen für Resonanz. Die Synodalen konnten Rückfragen stellen und an Stellwänden Hinweise, Kritik und Anregungen zu den einzelnen Arbeitsständen geben. Diese Rückmeldungen sollen in die weitere Arbeit der Themen- und Koordinierungsgruppen einfließen.

Gruppe MEnschen vor einer Pinnwand

Auf einem Rundgang informierten sich die Synodalen über die Zwischenstände aus den Arbeitsgruppen. Alle Fotos: lk/Krümpelmann