Kirchenpräsidentin Wüst würdigt Bischof Wiesemann

Speyer. Mit großem Respekt, aber auch mit Bedauern hat Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst auf den Rücktritt des Speyerer Bischofs Karl-Heinz Wiesemann reagiert. Wiesemann steht seit 2008 an der Spitze des Bistums Speyer und hat in dieser Zeit insbesondere das ökumenische Miteinander in der Pfalz und Saarpfalz mitgeprägt.

„Ökumene lebt nicht von Institutionen und Vereinbarungen allein. Sie lebt von Menschen, die einander vertrauen, Unterschiede aushalten, miteinander ringen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Karl-Heinz Wiesemann ist für mich ein solcher Mensch. Ich bin sehr dankbar für die Weggemeinschaft, die uns miteinander verbindet“, sagte die Pfälzer Kirchenpräsidentin kurz nach Bekanntgabe des Rücktritts.

Wiesemann habe die besondere ökumenische Nähe zwischen dem Bistum Speyer und der Evangelischen Kirche der Pfalz über viele Jahre konsequent weiterentwickelt, so Wüst. Bereits gemeinsam mit Wüsts Vorgänger Christian Schad setzte er wichtige Impulse. 2015 unterzeichneten Landeskirche und Bistum einen gemeinsamen Leitfaden für das ökumenische Miteinander. Das Reformationsjubiläum 2017 gestalteten beide Kirchen bewusst als ökumenisches Christusfest. Auch über die Pfalz hinaus setzte sich Wiesemann für die Einheit der Christen ein: Von 2013 bis 2019 stand er an der Spitze der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland und gehörte der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz an.

„Ich habe Karl-Heinz Wiesemann als theologisch tiefgründigen und klaren, zugleich aber ausgesprochen geduldigen, freundlichen und zugewandten Gesprächspartner erlebt. Wir mussten nicht in allem einer Meinung sein. Das ist auch nicht das Ziel von Ökumene. Entscheidend ist, ob wir einander zuhören, voneinander lernen und gemeinsam danach fragen, was unser Auftrag als Christinnen und Christen in dieser Welt ist. Genau das habe ich in unserer Zusammenarbeit erlebt. Das ist nicht selbstverständlich.“

Diese gemeinsame Verantwortung habe sich weit über innerkirchliche Fragen hinaus gezeigt. Wüst und Wiesemann traten gemeinsam für Frieden, Menschenwürde, gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine offene demokratische Gesellschaft ein. So riefen sie die ökumenische Initiative „Aufstehen für Menschenwürde und Demokratie“ ins Leben und wandten sich gegen politische Kräfte und Rhetorik, die Menschen ausgrenzen und die Gesellschaft spalten. Auch vor der Bundestagswahl warben beide gemeinsam für Respekt, Mitmenschlichkeit und einen verantwortlichen Umgang mit der eigenen Stimme.

 „Gerade dort, wo Menschen gegeneinander ausgespielt werden, wo die Würde Einzelner infrage gestellt wird und unsere Demokratie unter Druck gerät, dürfen Christinnen und Christen nicht schweigen. Bischof Wiesemann und mich hat die Überzeugung verbunden, dass Kirche hier eine Verantwortung hat. Er hat Haltung gezeigt: nicht um der Lautstärke willen, sondern aus Glaube und aus Liebe zu den Menschen.“

Erst im vergangenen Oktober hatte Wüst Wiesemann anlässlich seines 40-jährigen Priesterjubiläums als einen Menschen gewürdigt, dessen theologische Kompetenz sich mit Empathie, Mitgefühl, Authentizität und Glaubwürdigkeit verbinde. Für gelingende Ökumene brauche es Menschen, die einander achteten, miteinander im Gespräch blieben und bereit seien, aneinander zu wachsen.

Daran knüpft die Kirchenpräsidentin nun an: „Ein Amt prägt einen Menschen. Aber ein Mensch prägt auch sein Amt und die Menschen, denen er darin begegnet. Karl-Heinz Wiesemann hat Spuren hinterlassen: in seinem Bistum, aber auch in unserer Landeskirche und im ökumenischen Miteinander weit darüber hinaus. Dafür bin ich ihm persönlich und im Namen der Evangelischen Kirche der Pfalz von Herzen dankbar und werde ihn vermissen.“

Seine Entscheidung, das Amt abzugeben, verdiene Respekt, sagte Wüst. „Für den Weg, der nun vor ihm liegt, wünsche ich Karl-Heinz Wiesemann von Herzen Gottes Segen und Zeit für sich und die Menschen, die ihm am Herzen liegen.“

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst gratuliert Bischof Karl-Heinz Wiesemann anlässlich seines 40-jährigen Priesterjubiläums im Oktober 2025. Foto: Bistum Speyer/Klaus Landry