Sie achten auf den richtigen Ton während des Gottesdienstes in der Friedenskirche. Verkabeln die Pfarrerin oder den Pfarrer, sitzen am Mischpult, steuern die Bildregie oder stehen hinter einer der Kameras, die den Altar oder die Orgel im Blick haben. Jan Löffler und Armand Njonga engagieren sich im Streamingteam der Friedenskirchengemeinde Kaiserslautern – und sind dort auch Presbyter.
Jan Löffler kam 2013 des Berufs wegen nach Kaiserslautern. Der bekennende Christ suchte mit seiner Frau Anschluss in einer Gemeinde – und fand sie unweit der damaligen Wohnung nahe des Unigeländes. „Ich bin hier hängengeblieben“, sagt der 45-Jährige lachend. Presbyter habe er werden wollen, um „noch tiefer in den Glauben einzusteigen, im Zusammenleben mit Gott“. Letztlich gehe es aber vor allem auch um die ganz praktischen Dinge in einer Gemeinde, habe er inzwischen gemerkt. Etwa wann und wo an Kirche und Gemeindezentrum Salz gestreut, wenn der Winter kommt.
Und dann ist da die Frage nach der Zukunft der Kirchengebäude. „Große Themen, die auf uns zukommen“, sagt Löffler. „Nichtsdestotrotz ist die Gemeinschaft das Schöne, Aufgaben gemeinsam zu bewältigen“, sagt der Leiter der Westpfalz-Werkstätten über sein Ehrenamt. Und bei allen Aktionen bleibe Ziel, den Glauben mit einfließen zu lassen.
Presbyterkollege Armand Njonga kennt die Friedenskirchengemeinde seit mehr als 25 Jahren. Als ihn Pfarrerin Christina Helfrich damals fragte, ob er Presbyter werden wolle, sei er überrascht gewesen, gibt er zu. Das Amt selbst habe er aber bereits gekannt, schließlich sei seine Mutter in Kamerun schon im Presbyterium gesessen, berichtet er. Für ihn sei letztlich das soziale Engagement als Presbyter entscheidend. „Ich denke, Kaiserslautern hat mir schon einiges gegeben. Und das war für mich eine Möglichkeit, etwas zurückzugeben.“
Das Streaming der Gottesdienste, das in der Coronazeit begonnen hatte, empfinden beide als besonders sinnstiftend. Über den offenen Kanal Kaiserslautern, auf dem der Gottesdienst mitläuft, melden sich Menschen aus der Region zurück, die altersbedingt nicht mehr in die Kirche kommen und jetzt Teilhabe erfahren. „Viele kennen das Gebäude von früher, andere hatten hier ihre Konfirmation.“ Wieder andere nehmen aus dem Urlaub mittels Streaming an Taufen oder anderen Ereignissen teil, fragen gezielt nach Streaming oder einem Link.
Armand Njonga erzählt von einer Frau, die den Winter über aus Kaiserslautern regelmäßig wegfährt. „Aber wenn sie wiederkommt, im Sommer beim ersten Gottesdienst, begrüßt sie uns, als ob sie mit uns den ganzen Winter dabei war.“ Für den 47-Jährigen ist ganz klar: „Ich bin Teil dieses Teams und das, was ich mache, bewirkt etwas. Ich habe diese Wertschätzung hier, Leute, die sagen: Komm, mach mit, wir brauchen dich.“
Jan Löffler und Armand Njonga wollen sich im Herbst wieder als Presbyter aufstellen lassen, mit der Kirchengemeinde in die Zukunft gehen. Für diese Kirche der Zukunft sei vor allem Haltung wichtig, „klare Kante“, sagt Jan. Kirche müsse nicht überall mitlaufen und alles für gut finden. Stattdessen solle sie klarmachen: Wir leben „aus unserem Glauben heraus. Und genauso möchten wir zusammenleben und und in die Gesellschaft einbringen“.
Klar Position beziehen ist auch Armand Njonga ein Anliegen. Die Gesellschaft habe sich verändert. „Dann muss sich auch die Kirche verändern und sich öffnen.“ Die Kirche sollte zeigen, „wofür sie steht und wie sie in die Gesellschaft hineinwirkt“. So werde klar, dass Kirche und Glauben genauso einen Platz haben könnte wie „etwa das Sporttraining unterhalb der Woche“.
Wenn Jan Löffler jedenfalls am Gottesdienst teilnimmt und nicht durch die Technik abgelenkt ist, spürt er es ganz deutlich: „Da ist eine Erdung in mir und das, was die Woche über war, ist Vergangenheit. Jetzt geht es um was Größeres - und das stärkt mich.“

