Musik stand im Mittelpunkt ihrer Predigt zum Reformationstag. Ein passender Anlass, denn im Rahmen des Gottesdienst wurde die neue Orgel der Speyerer Gedächtniskirche in den Dienst gestellt.
„Dass Luther ein Freund der Musik war, ist bekannt. Er spielte Laute, dichtete Liedtexte, komponierte und bearbeitete Melodien. Dabei griff er auch auf Vorhandenes zurück, gelegentlich sogar auf weltliche Vorlagen. Luther nutzte bekannte Melodien, weil Menschen sie singen konnten. Und weil er das Evangelium unter die Menschen bringen wollte“, so stimme die pfälzische Kirchenpräsidentin die versammelte Gemeinde auf das Thema ein, um schnell Verbindungen zur Gegenwart herzustellen:
„Damit schreibt uns die Reformation bis heute ein deutliches Ausrufezeichen ins Stammbuch. Wenn Menschen unsere Gottesdienste nicht verstehen, unsere Lieder nicht mögen und sich in unseren Gemeinden nicht zu Hause fühlen, dann ist das nicht allein ihr Problem. Es ist auch unseres.“ Veränderungen, wie sie im landeskirchlichen Zukunftsprozess geplant werden, seien damit kein notwendiges Übel einer Kirche im Umbruch, sondern Teil der reformatorischen Tradition.
„Dazu müssen wir tun, was Luther getan hat: dem Volk aufs Maul schauen. Wahrnehmen, wie Menschen leben, was sie beschäftigt, was sie plagt und worauf sie hoffen. Und wenn sich Menschen und ihre Lebenswirklichkeiten verändern, wird auch Kirche sich verändern müssen. Allerdings ist dem Volk aufs Maul schauen nicht dasselbe wie dem Volk nach dem Mund reden. Luther wollte, dass die Menschen das Evangelium verstehen. Aber er wollte ihnen nicht bloß bestätigen, was sie ohnehin schon wussten. Er hatte ihnen etwas zu sagen, das sie sich selbst nicht sagen konnten. Darin liegt auch unsere Herausforderung: nah bei den Menschen zu sein, ohne den Inhalt unserer Botschaft preiszugeben. Und auch darin zeigt sich Luthers besonderes Verhältnis zur Musik. Sie war für ihn nicht bloß ein Mittel, um Menschen auf das Evangelium aufmerksam zu machen. Er war überzeugt, dass die Musik selbst etwas von seiner Botschaft zum Ausdruck bringen kann.“

