Von Lore Dohrenbusch
OTTERBACH – Das geografische Zentrum der Pfalz lädt am 28. Juni zum Staunen ein: Der "Kleine" Pfälzer Kirchentag in Otterbach, der alle zwei Jahre stattfindet, zeigt dann die Vielfalt protestantischen Lebens, verbindet Menschen und bringt sie auf den neuesten Stand.
Nahezu 200 Programmpunkte aus den acht Bereichen Gottesdienste, Vorträge, Podiumsdiskussionen, Musik, Workshops, Stationen, Lesungen und Markt der Möglichkeiten hat Organisatorin Tanja Schraß seit September 2025 auf die Beine gestellt. Das einzige, das an diesem Kirchentag „klein“ genannt werden kann, ist das Zeitbudget von zehn Stunden. Sie erwartet rund 7000 Besucher*innen. Möglich sei das volle Programm, weil der Landkreis zeitgleich am selben Ort seinen „Tag der Familie“ auf der Kinder- und Jugendmeile der Verbandsgemeinde feiere: mit Sport-, Spaß- und Mitmachangeboten, viele davon mit Musik und Tanz, so Schraß. Die kirchliche Event-Spezialistin und Otterbacher Dekanatssekretärin, nennt vorab Highlights, die man nicht verpassen sollte.
Neben dem Eröffnungsgottesdienst um 10.30 Uhr in der Turnhalle der Grundschule sei das um 12 Uhr in der Kirche Mariä Himmelfahrt eine Podiumsdiskussion über das neue rheinland-pfälzische Bestattungsgesetz mit dem Pfälzer Schauspieler, Comedian und Moderator Bernhard Hoecker, dem Bestatter Erwin Jung aus Katzweiler, Pfarrerin Anja Behrens und Kirchenrat Wolfgang Schumacher, Vertreter der evangelischen Kirchen im Land Rheinland-Pfalz bei der Landesregierung. „Hoecker kann überraschend ernst und tiefsinnig sein“, lädt Schraß zur Teilnahme ein.
Promis gibt es auch bei den 26 Musikveranstaltungen von Chören und Spontanensembles, etwa wenn der bayerische „LaBrassBanda“-Tubist Andreas Hofmeier um 15 Uhr in der Kirche Mariä Himmelfahrt mit Kirchenmusikdirektor Maurice Croissant im Konzert „Tuba und Orgel“ auftritt.
Auch regionale Polit- und Kirchenprominenz beteiligt sich: Arbeits- und Familienministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler referiert ab 12.15 Uhr im protestantischen Gemeindehaus über die „Stellung der Frau in Politik und Gesellschaft.“ Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder wirkt im Eröffnungsgottesdienst ab 10.30 Uhr mit. „Auch Ex-Ministerpräsident Kurt Beck, kommt zu uns. Da wir derzeit noch planen, und Zeiten und Standorte noch variieren, können Interessierte seinen Auftritt am besten aktuell auf unserer Homepage www.kirchentag-pfalz.de“ erfahren, rät Tanja Schraß.
Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst beantwortet ab 16.45 Uhr in der Christuskirche auf dem roten Sofa Fragen von Martin Theobald zur Zukunft der pfälzischen Landeskirche. Der frühere pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad zeigt ab 13 Uhr beim „Forum Ökumene“ im Foyer der Grundschule Perspektiven im evangelischen und katholischen Miteinander auf. Alexander Hunt-Radej, Ökumene-Referent des Bistums Speyer, spricht ab 12.15 Uhr im Klassenzimmer Zwei der Grundschule in der Reihe „Kirche und Demokratie“ über „Ikonen des NS-Widerstands.“ Auch die 93-jährige Holocaust-Überlebende Eva Szepesi, ist da: Sie berichtet um 15.15 Uhr in der Christuskirche unter dem Titel „Schaut nicht weg!“ darüber, wie sie als Zwölfjährige Auschwitz überlebte.
Auch Weltpolitik und deutsche Innenpolitik haben ihren Platz auf dem Pfälzer Kirchentag: Der landeskirchliche Friedensbeauftragte Gregor Rehm bietet um 12 Uhr im Mehrgenerationenhaus einen Workshop „Neuer Wehrdienst, Fragebogen der Bundeswehr und Kriegsdienstverweigerung“ an. Um 15.15 Uhr referiert er in Klassenzimmer Eins der Grundschule über „Friedensethik in unserer Zeit: Ist der christliche Pazifismus am Ende?“. Angesichts der Kriege in der Ukraine, Gaza und Iran nimmt er Stellung zur neuen EKD-Denkschrift über das Thema „Gerechter Friede.“ Zeitgleich beginnt um 15.15 Uhr in Zimmer Zwei der Grundschule die Diskussion „Wege zum Frieden in Israel und Palästina“.
Fester Bestandteil des Kirchentags ist der Markt der Möglichkeiten ab 12.15 Uhr auf dem Gelände rund um die Christuskirche: 90 Stände von übergemeindlichen Diensten und Kirchengemeinden informieren über ihre Initiativen. Anja Bein vom Missionarisch-Ökumenischen Dienst (MÖD) der Landeskirche etwa bietet ab dem MÖD-Stand um 12.30 und 14.30 Uhr sowie und 16.30 Uhr als Familienedition kurze Pilgertouren mit spirituellen Impulsen an.
Tanja Schraß hat auch für pfälzisch-humorige Angebote gesorgt: Pfarrer Ludwig Burgdörfer etwa spricht um 14.30 Uhr im Foyer der Grundschule über das Thema „Kommt der liebe Gott auf den kleinen Kirchentag. Von unglaublichen Gottesbegegnungen und anderen Wundern“ auf. Pfarrer Christopher Markutzik und sein Cousin Tobias, der Bezirkskantor in Kusel ist, präsentieren ihr Programm „Zwei Bäuche für ein Halleluja. Bauch, Beine, Po im Transformationsprozess.“
Im Segenszelt sind unter dem Motto „Heiraten ohne viel Bohai“ Spontantrauungen möglich. Um 12.30 und um 16 Uhr trauen der Kuseler Dekan Lars Stetzenbach und sein Team Paare kirchlich, wenn sie standesamtlich bereits geheiratet haben.
Den diesjährigen Fundraising-Preis der pfälzischen Landeskirche verleihen Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst und die landeskirchliche Fundraising-Beauftragte Gabriele Rath ab 15.30 Uhr auf der Bühne an der Kirchtalstraße.

