Speyer (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat sich am Freitag mit den Berichten der übergemeindlichen Dienste befasst. Dabei wurde deutlich: Die Dienste sind für die Landeskirche wichtige Kontaktflächen in die Gesellschaft. Sie erreichen Menschen in Lebensbereichen, die über die klassische Ortsgemeinde hinausgehen – in Bildung und Familie, Jugend und Arbeitswelt, Diakonie und Beratung, Friedens- und Umweltarbeit, Ökumene, Akademiearbeit sowie Aus- und Fortbildung.
Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst führte in den Tagesordnungspunkt ein. In den vergangenen Monaten habe die Landeskirche intensiv über künftige Strukturen von Ortsgemeinden, Regionen und Kirchenbezirken beraten. Dieser Bezugsrahmen sei das „Rückgrat von Kirche“, sagte Wüst. Kirche erschöpfe sich aber nicht darin. Sie brauche auch künftig eine gesamtkirchliche Dimension theologischen, pädagogischen, diakonischen und gesellschaftlichen Wirkens.
Kontaktflächen in die Gesellschaft
Die Berichte zeigen einen gemeinsamen roten Faden: Die übergemeindlichen Dienste bringen Kirche dorthin, wo Menschen leben, lernen, arbeiten, sich engagieren, beraten lassen, nach Orientierung suchen oder Verantwortung übernehmen. Sie unterstützen Gemeinden und Kirchenbezirke, schaffen zugleich aber eigene Zugänge zu Menschen, die in klassischen Gemeindestrukturen oft nicht oder nur lose vorkommen.
Die Evangelische Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft beschreibt ihre Arbeit mit dem Leitmotiv, für Menschen „an den Hecken und Zäunen“ da zu sein. Sie erreicht Familien, Frauen, Männer, Arbeitnehmervertretungen, Menschen in Belastungssituationen am Arbeitsplatz und Menschen in digitalen Bildungsformaten. Die Arbeitsstelle Frieden und Umwelt verbindet Friedensethik, Schöpfungsverantwortung und konkrete gesellschaftliche Fragen – etwa mit dem Projekt „DeineEntscheidung.info“, das junge Menschen vor der Frage von Wehrdienst oder Kriegsdienstverweigerung begleitet, oder mit der „Käferkarawane“, durch die Kirchengemeinden und Einrichtungen ihre Außenflächen ökologisch aufgewertet haben.
Auch das Diakonische Werk Pfalz beschreibt seine Arbeit als kirchliche Präsenz mitten in gesellschaftlichen Krisen. Als größtes gesamtkirchliches Werk der Landeskirche mit rund 70 Beratungsstellen, knapp 300 Mitarbeitenden, 14 Häusern der Diakonie und mehr als 50 angeschlossenen Trägern verbindet es konkrete Hilfe, anwaltschaftliches Handeln und sozialpolitische Verantwortung. Künftig sollen Beratung, Gemeinwesendiakonie und sozialräumliche Arbeit stärker mit kirchlichen Strukturen vor Ort verzahnt werden.
Orientierung in komplexen Zeiten
Mehrere Dienste beschreiben eine ähnliche Gegenwartswahrnehmung: Menschen suchen Orientierung, Schutzräume, verlässliche Gemeinschaft und Gesprächsorte in einer komplexer, konfliktreicher und unsicherer werdenden Welt. Die Evangelische Akademie der Pfalz greift gesellschaftliche Streitfragen auf – etwa demokratische Kultur, Friedensethik, Medienverantwortung, Migration, Religion im öffentlichen Raum und ethische Fragen von Wirtschaft und Gesellschaft. Sie schafft Räume für differenzierte Debatten und arbeitet zugleich an einer Zusammenführung mit der Evangelischen Akademie Frankfurt.
Das Landesjugendpfarramt stellt die Frage Jesu „Was sucht ihr?“ in den Mittelpunkt seiner Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Entscheidend seien frühe Kontaktflächen, gelingende Übergänge von der Konfi-Zeit in die Jugendarbeit, Räume für ehrenamtliches Engagement und die Begleitung junger Menschen in Krisen. Zugleich macht der Bericht deutlich, dass Jugendarbeit auf verlässliche Strukturen, fachliche Begleitung und Fördermittel angewiesen bleibt.
Der Missionarisch-Ökumenische Dienst bündelt Volksmission und Weltmission. Schwerpunkte liegen unter anderem in der Ausbildung von Lektorinnen und Prädikantinnen, in der Stärkung der Sprachfähigkeit in Glaubensfragen, in internationalen Partnerschaften und im ökumenischen Lernen. Für die Zukunft beschreibt der Dienst eine missionale Haltung nicht als Überstülpen fertiger Antworten, sondern als gemeinsames Suchen, Dialogfähigkeit und Rechenschaft über den eigenen Glauben.
Transformation braucht Fachlichkeit
Ein weiterer gemeinsamer Befund der Berichte lautet: Transformation gelingt nicht allein durch neue Strukturen. Sie braucht Fachlichkeit, Begleitung, Qualifizierung und sorgfältige Übergänge. Das Institut für kirchliche Fortbildung beschreibt die veränderte Personalsituation der Landeskirche als eine der zentralen Herausforderungen: demografische Verluste, neue Berufsrollen, Nachwuchsfragen, verändertes Ehrenamt und die Notwendigkeit, Zusammenarbeit, Teamfähigkeit, Konfliktkompetenz, Resilienz und Selbststeuerung stärker einzuüben.
Das Protestantische Predigerseminar Landau steht ebenfalls vor strukturellen Veränderungen. Bei kleiner werdenden Kursen arbeitet es an einer Kooperation mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Geplant ist ein gemeinsames Theologisches Seminar in Frankfurt. Zugleich sollen pfälzische Besonderheiten, Mentor*innenbegleitung und Ausbildungselemente in der Landeskirche erhalten bleiben.
Dienste sollen neu geordnet werden
Die Berichte stehen im Zusammenhang mit dem Zukunftsprozess #kirche.mutig.machen. Mit dem Eckpunktepapier von 2025 hatte die Landessynode zugestimmt, auch die gesamtkirchliche Arbeit neu aufzustellen. Anfang 2028 soll ein neues gesamtkirchliches Team startbereit sein. In der entsprechenden Themengruppe wird derzeit daran gearbeitet, welche Themen, Aufgaben und Kompetenzen künftig in diesem Team gebündelt werden sollen.
Deutlich wurde in den Berichten auch, dass die Dienste ihre Arbeit unter veränderten finanziellen und personellen Bedingungen neu priorisieren müssen. Zugleich warnen mehrere Berichte davor, gewachsene Kontakte, Netzwerke, Kooperationen und Vertrauen vorschnell abbrechen zu lassen. Was einmal verloren gehe, könne oft nur mit hohem Aufwand wieder aufgebaut werden.
„Ob es um Jugendarbeit oder Erwachsenenbildung geht, um Akademiearbeit oder Familienkirche, um die Ausbildung unseres theologischen Nachwuchses oder die Fort- und Weiterbildung des pastoralen Berufsstandes, um die Qualifizierung von Lektor*innen und Prädikant*innen oder den Weltgebetstag der Frauen, um Weltmission und Ökumene oder um Frieden und Umwelt, um Akademie oder Diakonie – das alles steht im Dienst qualitätvoller Arbeit in unseren Gemeinden, im Dienst an den Themen der Welt und im Dienst des Auftrags, den Gott uns gibt“, sagte Kirchenpräsidentin Wüst.
Im Anschluss an die Einbringung hatten die Synodalen Gelegenheit zu Rückfragen. Außerdem fand eine Gesprächsrunde mit Vertreter*innen der Dienste statt, moderiert von Kirchenrat Wolfgang Schumacher.
Fortsetzung der Synodentagung
Die Tagung der Landessynode wird am Samstag, 13. Juni, um 8.30 Uhr mit einer Andacht fortgesetzt. Ab 9 Uhr stehen unter anderem die Aussprache zum Bericht der Kirchenpräsidentin, die mittelfristige Finanzplanung für die Jahre 2027 bis 2032, Berichte aus den Bezirkssynoden, Anträge und eine Fragestunde auf der Tagesordnung.
Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

