Speyer (lk). Mit kurzen Videos auf TikTok und Instagram beteiligen sich Pfarrpersonen der Evangelischen Kirche der Pfalz derzeit an einer gesellschaftlichen Debatte: Wie gehen wir mit rechtspopulistischen und rechtsextremen Positionen in der Politik um? Unter dem Titel „Kirche reagiert“ greift eine Social-Media-Kampagne politische Aussagen von AFD-Poliker*innen auf und ordnet sie vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz aus kirchlicher Perspektive ein.
Zum Start der Kampagne auf den Kanälen von wersglaubt.wirdselig spricht die Social-Media-Pfarrerin der Landeskirche Mary Schellhaas über die Frage „Gewöhnen wir uns an die AfD?“. Sie thematisiert, wie sich politische Debatten in Deutschland in den vergangenen Jahren verändert haben und wie stark rechtspopulistische Positionen inzwischen im öffentlichen Diskurs präsent sind. Die Beiträge der Kampagne wollen dazu anregen, darüber nachzudenken, welche Folgen es hat, wenn politische Positionen, die Menschen gegeneinander ausspielen oder bestimmte Gruppen ausgrenzen, zunehmend als Teil des politischen Alltags wahrgenommen werden.
Dass Pfarrpersonen - von Vikar*innen über Pfarr*innen bis zur Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst - sich in dieser Kampagne äußern, ist keine spontane Entwicklung. In den vergangenen Jahren haben sowohl evangelische als auch katholische Kirchenleitungen mehrfach deutlich gemacht, wie kritisch sie rechtsextreme und völkisch-nationalistische Ideologien sehen. Grundlage dieser Position ist das christliche Verständnis von der Würde jedes Menschen.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat wiederholt darauf hingewiesen, dass völkischer Nationalismus mit dem christlichen Menschenbild nicht vereinbar ist. Auch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat sich in einer Erklärung aus dem Jahr 2024 klar positioniert. Darin heißt es, rechtsextreme Ideologien und Parteien, die solche Positionen vertreten, stünden im Widerspruch zu zentralen Grundüberzeugungen des christlichen Glaubens.
Kirchen verstehen solche Aussagen jedoch nicht als parteipolitische Wahlempfehlungen. Sie sehen sich nicht als politische Akteure im Wettbewerb um Stimmen, sondern als Teil der Zivilgesellschaft. Wenn sie sich zu politischen Themen äußern, geschieht dies in der Regel dort, wo grundlegende ethische Fragen berührt sind – etwa der Schutz von Minderheiten oder das Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft.
Soziale Medien spielen in dieser Diskussion eine zunehmend wichtige Rolle. Plattformen wie TikTok und Instagram sind für viele Menschen – besonders für jüngere Generationen – zentrale Orte der Information und Meinungsbildung geworden. Politische Inhalte verbreiten sich dort häufig in kurzen, emotionalen Formaten und erreichen innerhalb kurzer Zeit ein großes Publikum.
Mit der Kampagne „Kirche reagiert“ möchte die Landeskirche deshalb bewusst auch in diesen digitalen Räumen präsent sein. Die Videos greifen aktuelle Themen auf, erklären Hintergründe und zeigen, welche Werte aus christlicher Perspektive im Mittelpunkt stehen: Menschenwürde, Respekt, Vielfalt und Nächstenliebe.
Zugleich geht es der Kampagne darum, gesellschaftliche Debatten nicht nur zu kommentieren, sondern zum Gespräch einzuladen. Kirche versteht sich traditionell als Ort des Dialogs – auch über kontroverse Fragen. Gerade in Zeiten, in denen politische Diskussionen oft zugespitzt geführt werden, möchte sie dazu beitragen, dass unterschiedliche Perspektiven gehört werden und respektvoll miteinander gesprochen wird.
Die Social-Media-Beiträge der Landeskirche sind damit Teil eines größeren gesellschaftlichen Diskurses. Sie erinnern daran, dass die Frage nach demokratischen Werten nicht nur ein poltisches Thema ist, sondern auch eine ethische und gesellschaftliche Herausforderung, zu der viele Stimmen beitragen können.

