Speyer (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat am Mittwoch beschlossen, das Projekt Philippus als systematische und zunehmend digitalisierte Mitgliederkommunikation für weitere zwei Jahre fortzuführen. Philippus soll Menschen künftig noch gezielter an biografisch wichtigen Punkten ihres Lebens erreichen, etwa bei Geburt und Taufe, Konfirmation, Umzug, Geburtstag, Schulabschluss, Wehrdienstfrage oder in der Advents- und Weihnachtszeit.
Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst, Felix Kirschbacher (Leitung Kommunikation der Evangelischen Kirche der Pfalz) und Lena Vach (Pfarrerin für Mitgliederkommuikation) führten in den Tagesordnungspunkt ein. Philippus stehe für einen Perspektivwechsel in der Kommunikation der Kirche: Kirche warte nicht nur darauf, dass Menschen zu ihr kommen, sondern suche selbst den Kontakt – persönlich, anlassbezogen, analog und digital. In ihrem Bericht vor der Synode hatte Wüst Philippus als ein Projekt beschrieben, das „frohe Botschaft auf dem Weg vermittelt, genau zur rechten Zeit – an einen Menschen, der genau in diesem Moment etwas braucht“.
Philippus nutzt vorhandene Mitgliederdaten, um Menschen in passenden Lebenssituationen anzusprechen. Dazu gehören unter anderem Geburtstagsgrüße, Begrüßungen nach einem Umzug, Glückwünsche zur standesamtlichen Trauung, Kontaktpunkte rund um Taufe und Geburt, Konfirmation, Schule, Wehrdienst und Weihnachten. Ziel ist es, Kirche als zugewandt, erreichbar und lebensnah erfahrbar zu machen.
Zahlen aus der Mitgliedschaftsuntersuchung der EKD (KMU) zeigen den Handlungsbedarf, machte Kirschbacher deutlich: „Nur 15 Prozent unserer Mitglieder beteiligen sich am kirchlichen Leben. Das heißt: Unsere Gemeinden und Einrichtungen, so engagiert sie arbeiten, erreichen mit ihren Angeboten eine Minderheit. Mehr als 50 Prozent unserer Mitglieder erinnern sich an keinen Kontakt zu einer kirchlichen Einrichtung in den letzten zwölf Monaten. Kein Gottesdienst, keine Veranstaltung, kein Gemeindehaus, keine Erinnerung oder Wahrnehmung des Gemeindebriefs als Kontakt. Wenn ein Kontakt erinnert wird, beurteilt ihn die Hälfte unserer Mitglieder für ihren Lebensalltag als unwichtig und 69 Prozent als für ihren Glauben unwichtig.“
Wenn im Jahr 2012 75 Prozent der Evangelischen einen Kirchenaustritt für sich ausschlossen, waren es 2022 nur noch 35 Prozent Die KMU nenne diese „Austrittsneigung" einen Frühwarnindikator mit der klaren Interpretation: Je schneller wir handeln, desto eher haben wir eine Chance, diese Neigung zu beeinflussen.
Kirschbacher betonte aber auch: „Wir führen diese Zahlen ausdrücklich nicht als Anklage gegen unsere Gemeinden und Einrichtungen an. Diese Zahlen beschreiben keine schlechte Arbeit. Sie beschreiben eine Lücke — eine Lücke zwischen uns und denen, die uns nicht oder nicht mehr von sich aus aufsuchen. Und Philippus ist der Versuch, genau diese Lücke zu schließen.
Ein Beispiel für die Weiterentwicklung von Philippus ist die Aktion „Prüfungssegen für dich!“, die die Evangelische Kirche der Pfalz gemeinsam mit dem Bistum Speyer für Abiturient*innen angeboten hat. An zentralen Prüfungstagen konnten Teilnehmende über WhatsApp eine Kerze für sich anzünden lassen und erhielten am Morgen der Prüfung ein persönliches Segensvideo. Die Aktion verband digitale Kommunikation, seelsorgliche Begleitung und einen konkreten biografischen Anlass. Sie zeigte zugleich, welches Potenzial in direkten digitalen Kontaktpunkten für junge Menschen liegt.
Der Bericht verweist auch auf Studien aus anderen Landeskirchen, die eine positive Wirkung biografischer Mitgliederkommunikation nahelegen. Danach werden solche Kontakte von Mitgliedern wahrgenommen und positiv bewertet; sie können Vertrauen, Verbundenheit und Gesprächsanlässe stärken. Philippus setze genau an solchen Momenten an, in denen Kirche nicht abstrakt, sondern konkret im Alltag von Menschen vorkomme.
Für die kommenden Jahre formuliert Philippus ehrgeizige Ziele: Bis 2028 sollen mehr als 90 Prozent der Gemeinden Teil von Philippus sein. Außerdem sollen bis Ende 2028 rund 50.000 digitale Kontaktdaten vorliegen. Für junge Menschen zwischen 16 und 24 Jahren soll eine eigene „member journey“ aufgebaut werden, die unterschiedliche Lebensphasen wie Wehrdienstberatung, Abschlussprüfungen, Ausbildung, Studium und Berufseinstieg aufgreift. Ziel ist es, bis Ende 2028 mit mehr als 8.000 Menschen dieser Altersgruppe mehr als einmal in Kontakt gekommen zu sein.
„Philippus zeigt, wie Kirche Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten kann – nicht zufällig, sondern aufmerksam, im richtigen Moment – und ohne Erwartungshaltung“, sagte Felix Kirschbacher „Es geht darum, Kontaktpunkte zu schaffen, an denen Menschen spüren: Meine Kirche sieht mich, interessiert sich für mich und ist ansprechbar, wenn ich sie brauche.“
Die Tagung der Landessynode wird am Donnerstag, 11. Juni, um 8.30 Uhr mit einer Andacht fortgesetzt. Am Vormittag beraten die Synodalen über die Zukunft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler. Nachmittags geht es unter anderem um Bericht und Fortführung des Segensbüros Blessed.Pfalz. Am Abend beginnt das Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“ mit Impulsen zur interkulturellen Kirchenentwicklung.
Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz
Hintergrund: Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz
Die Landessynode ist das oberste kirchenleitende Organ der Evangelischen Kirche der Pfalz. Ihr gehören 70 Mitglieder an. Sie berät und entscheidet über Grundfragen des kirchlichen Lebens, beschließt Kirchengesetze und den Haushalt der Landeskirche und stellt die Weichen für die zukünftige Entwicklung der Landeskirche. Die aktuelle Tagung ist die 11. Tagung der 13. Landessynode. Sie findet vom 10. bis 13. Juni 2026 in Speyer statt.

