​​​​​​​Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst ruft Landessynode zu Mut und geistlicher Orientierung auf

Speyer (lk). Mit einem Bericht über offene Türen, kleine Kraft und die Verantwortung der Kirche in einer verletzlichen Welt hat Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst am Mittwoch die Frühjahrstagung der Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer geprägt. Vor den Synodalen in der Eventhalle „Hangar 10“ des Technik Museums sagte Wüst, sinkende Mitgliederzahlen, knapper werdende Ressourcen und offene Strukturfragen gehörten zur Realität der Kirche – seien aber nicht die ganze Wahrheit.

„Eine Kirche, die nur noch über den Mangel redet, schnürt sich selbst die Luft ab“, sagte Wüst. Entscheidend sei nicht zuerst die Frage, was Kirche verliere, sondern was sie aus dem mache, was sie habe: „Wir haben eine kleine Kraft. Machen wir etwas daraus. Gott öffnet Türen. Vertrauen wir darauf.“

Wüst stellte ihren Bericht unter ein Bibelwort aus der Offenbarung: „Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, und niemand kann sie zuschließen.“ Kirche lebe nicht aus eigener Stärke, sondern aus der Kraft des Evangeliums. Deshalb dürfe sie sich nicht in „Nabelschau und Niedergang“ verlieren, sondern müsse Menschen Horizonte eröffnen.

In ihrem Bericht setzte Wüst mehrere Schwerpunkte. Mit Blick auf Israel und Palästina warb sie für eine friedensethische Haltung, die Antisemitismus klar widerspreche, das Existenzrecht Israels achte und zugleich das Leiden palästinensischer Menschen nicht relativiere. Zur Demokratie sagte Wüst, Kirche dürfe sich nicht in eine Nische drängen lassen. Wenn es um Menschenwürde und Freiheitsrechte gehe, könne Kirche „nicht anders“, als deutlich Stellung zu beziehen und zugleich Räume der Verständigung offenzuhalten.

Als kirchlichen „Lackmustest“ bezeichnete Wüst den Umgang mit sexualisierter Gewalt. Aufarbeitung, Anerkennung und Schutz gehörten in die Mitte kirchlichen Handelns. Im Blick auf den Transformationsprozess #kirche.mutig.machen betonte sie, es gehe nicht allein um Strukturen und Finanzen, sondern auch um eine geistliche Transformation. Die entscheidende Frage laute nicht, wie möglichst alles bleiben könne, wie es sei, sondern: „Wie kann es sein, dass es gut ist?“

Zum Abschluss ihres Berichts hob Wüst Aufbrüche in der Landeskirche hervor. Sie verwies unter anderem auf vier „Türöffner-Initiativen“, die in diesem Jahr mit einem Förderpreis für Innovation ausgezeichnet wurden: das Projekt „Flexibilisierung RU“, die Familienkathedrale Annweiler, den Pfälzer Kirchentag und das Projekt „Abschiede am Rhein“. Einen Sonderpreis erhielt das Projekt „Himmel & Hund“. Weitere Beispiele seien Blessed.Pfalz, Philippus, digitale Formate, die Abi-Kerzen-Aktion, Gottesdienste an anderen Orten, Tauffeste, offene Kirchen, Vesperkirchen, Stadtteilprojekte und viele Initiativen von Ehren- und Hauptamtlichen. All diese Beispiele erzählten keine Mangelgeschichten, sondern „Mut-Geschichten“.

Die Tagung hatte am Morgen mit einem Gottesdienst mit Abendmahl begonnen. Auf der Tagesordnung des ersten Beratungstages standen neben dem Bericht der Kirchenpräsidentin mehrere Gesetzesvorhaben sowie Bericht und Fortführung des Projekts Philippus.

Am Donnerstag, 11. Juni, wird die Tagung um 8.30 Uhr mit einer Andacht fortgesetzt. Ab 9 Uhr stehen Grußworte auf der Tagesordnung, anschließend beraten die Synodalen über die Zukunft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler. Nachmittags geht es unter anderem um Bericht und Fortführung des Segensbüros Blessed.Pfalz . Am Abend beginnt das Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“ mit Impulsen zur interkulturellen Kirchenentwicklung.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

Hintergrund: Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz

Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) ist als kirchliche Volksvertretung das oberste beschlussfassende Gremium der Landeskirche. Sie trifft wesentliche Entscheidungen in geistlichen, rechtlichen und finanziellen Belangen. Ihr gehören 57 Mitglieder an. Die aktuelle Tagung ist die 11. Tagung der 13. Landessynode, die von 2021 bis 2026 gewählt ist.  Sie findet vom 10. bis 13. Juni 2026 in Speyer statt.

Frau steht am Mikrofon

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst bei der Vorstellung ihre Berichts. Foto: lk/Krümpelmann