Neustadt/ Kaiserslautern. Etwa 1,20 Meter hoch und zwei Meter lang sind die Kälte-Iglus, die wie Wärmewunder wirken. Die Boxen bestehen aus wetterfestem Isoliermaterial und schützen zuverlässig gegen Auskühlung. Nutzer*innen können hineinsteigen und den Eingang von innen verschließen. Der Innenraum wird schnell durch die Körpertemperatur erwärmt.
Auf der Festwiese in Neustadt stehen drei Iglus auf Euro-Paletten in einem abgetrennten Bereich. Eine Dixie-Toilette befindet sich daneben. Die Tagesbegegnungsstätte Lichtblick für obdach- und wohnungslose Menschen in Neustadt hat sie gemeinsam mit der Stadt Neustadt eingerichtet. Eine zwei Meter hohe mobile Drahtgitter-Absperrung sorgt nachts dafür, dass Schlafende geschützt bleiben. An der Absperrung hängt ein großes Transparent von Lichtblick mit sechs Nutzungsregeln: Rauchen verboten, Iglus sauber halten und nicht mitnehmen, keinen Müll hinterlassen, Aufenthalt nur im markierten Bereich, kein offenes Feuer oder Grillen.
Es wirkt ordentlich: Kaum Spuren, nur ein dunkelblauer Beutel mit Abfällen, der am Gitter befestigt wurde. Sonstige Spuren haben die Schlafgäste nicht hinterlassen. Laut einem Anwohner sind diese tagsüber kaum sichtbar. "Unsere Kälte-Iglus werden von Durchreisenden genutzt. Die wenigsten von ihnen kommen aber zu uns für eine warme Mahlzeit, Duschen oder frische Wäsche in die Tagesstätte, die ja rund zwei Kilometer entfernt in der City ist“, erklärt Lichtblick-Mitarbeiter Winfried Lutz. In Zusammenarbeit mit der Stadt Neustadt wurden die Boxen erstmals im Winter 2024 aufgestellt – möglicherweise wurden dadurch Kältetode verhindert. Wie viele Menschen sie nutzen, weiß Lutz nicht.
In Kaiserslautern sind derzeit alle acht Kälte-Iglus belegt, so Pfarrer Andreas Keller von der Pfarrei Heiliger Martin. Sie stehen auf der Pfarrwiese neben der Kirche St. Martin, darüber sind weiße Zeltdächer zum Schutz vor der Witterung gespannt. Das Pfarramt hält auch Schlafsäcke und Decken bereit. Morgens und abends können sich die Wohnungslosen einen Imbiss und ein heißes Getränk abholen, Toiletten nutzen und sich ärztlich nebenan in der „Pflasterstube“ der Gemeinde behandeln lassen. Nachts wird das Gelände geschlossen.
In der Kälte nutzen die Menschen die Iglus auch tagsüber, weshalb es unter den Zeltdächern eine Biertischgarnitur, eine Kochplatte, Beleuchtung und einen Heizlüfter gibt. „Möglich ist die Anschaffung von Kälte-Iglus nur durch Spenden von Bürgern in Kaiserslautern geworden“, sagt Keller.
Ganzjährige Übernachtungsmöglichkeiten für Obdachlose gibt es in Rheinland-Pfalz vor allem in Not- und Gemeinschaftsunterkünften, etwa in Mainz, Trier oder Ludwigshafen. Auch Kältebusse sind im Einsatz. Sie suchen Menschen im Freien auf und bieten ihnen warme Mahlzeiten, Kleidung und Schlafsäcke an. Bekannte Sammelplätze sind etwa an Bahnhöfen.
Wie viele Menschen in Rheinland-Pfalz aktuell ohne Obdach sind, kann das Mainzer Sozialministerium nicht beziffern. Genauer ist dagegen seine Erhebung der Wohnungslosen von Ende Januar 2025: sie nennt rund 14.500 Personen. Bundesweit waren nach Angaben des Statistischen Bundesamts Ende Januar 2025 in Deutschland rund 474.700 Menschen wegen Wohnungslosigkeit in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht – acht Prozent mehr als im Vorjahr mit 439.500 Personen.
Dieser Artikel ist auch im Evangelischen Gemeindeblatt für die Pfalz erschienen.

