Von Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst
Es liegt etwas in der Luft. Damals in Jerusalem. Zunächst dicke Luft. Spannung, Angst, Verzagtheit. Zumindest bei den Jüngern Jesu im geschlossenen Raum ihrer bangen Fragen, wie es jetzt weitergeht. Jesus ist weg, was wird kommen? Wird etwas kommen?
Es kommt Pfingsten. Ein Brausen vom Himmel. Gottes Geist liegt in der Luft. Kein sanftes Lüftchen, sondern richtig frischer Wind. Türen öffnen sich, Herzen öffnen sich. Menschen kommen in Bewegung, bewegen sich aufeinander zu. Wörter wirbeln durcheinander und fügen sich in ein gemeinsames Verstehen, ein wechselseitiges Verständnis. Damals in Jerusalem.
Und heute bei uns. Denn es liegt ja auch jetzt viel in der Luft: Sorgen, Gereiztheit, Zukunftsangst, Misstrauen. Viel wird geredet. Übereinander und durcheinander. Hasswörter fliegen uns um die Ohren, viele haben längst ihre Ohren auf Durchzug gestellt oder fühlen sich sprachlos. Die Luft ist gerade sehr dick, finde ich.
Pfingsten erzählt: Es muss nicht so bleiben. Gottes Geist lässt aufatmen, durchatmen in dicker Luft. Er bringt in Bewegung, öffnet verschlossene Räume, bringt Fremde einander nahe. Der Geist von Pfingsten weht dort, wo jemand den ersten Schritt tut, wirklich zuhört, sich um Verstehen bemüht. Wo wir einander nicht aufgeben, sondern als Menschen wahrnehmen.
Dann geschieht endlich ein Wetterwechsel. Dicke Luft verzieht sich, das Miteinander bekommt Rückenwind, Hoffnung hat wieder Aufwind. Dann liegt Pfingsten in der Luft.

