Landeskirchenrat soll mit Land und Kommunen die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten verhandeln

Speyer/Annweiler (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat am Donnerstag den Landeskirchenrat beauftragt, Verhandlungen über eine Übergabe des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler (ETGA) in staatliche Trägerschaft aufzunehmen beziehungsweise fortzuführen. Ziel ist es, mit Land und Kommunen unter den gegebenen Rahmenbedingungen die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu finden: für Schüler*innen und Familien, für die Beschäftigten, für den Schulstandort Annweiler und für die Landeskirche.

Der Entscheidung war eine engagierte und teilweise emotional geführte Debatte in der Landessynode vorausgegangen. Dabei wurden sowohl die besondere Bedeutung des ETGA für die Region und das evangelische Bildungsprofil der Landeskirche als auch die langfristigen finanziellen Belastungen für die Kirche intensiv diskutiert.

Verhandlungsauftrag statt Schließungsbeschluss

Der Beschluss ist kein Schließungsbeschluss. Er ist ein Verhandlungsauftrag. In den nun anstehenden Gesprächen sollen insbesondere die künftige Trägerschaft, die Übernahme des Personals, die Regelung des laufenden Sachaufwands, die Zukunft der Schulgebäude, die weitere Nutzung der zum Gesamtkomplex gehörenden Liegenschaften sowie mögliche Folgekosten und bleibende Verpflichtungen geklärt werden.

Zielperspektive ist ein möglicher Betriebsübergang zum Schuljahr 2027/28. Bis dahin sollen die notwendigen Gespräche mit den zuständigen staatlichen und kommunalen Stellen geführt und die Bedingungen eines geordneten Übergangs geklärt werden. Sollte dies nicht gelingen, ist die Schule zu schließen.

Keine kostenneutrale Weiterführung erreicht

Die Synode stellte fest, dass eine kostenneutrale Weiterführung des ETGA in kirchlicher Trägerschaft nach den intensiven Prüfungen und Verhandlungen der vergangenen Monate nicht erreicht wird. Dem Beschluss vorausgegangen war ein Auftrag der Landessynode aus dem Jahr 2025. Damals hatte die Synode beschlossen, weitere Prüfungen und Verhandlungen mit staatlichen Stellen und möglichen Partnern zur Reduzierung des landeskirchlichen Zuschusses aufzunehmen mit dem Ziel einer kostenneutralen Lösung. Sollte bis 2026 keine tragfähige Lösung gefunden werden, sollte das ETGA zeitnah in staatliche Trägerschaft übergeben werden.

Der Landeskirchenrat hatte daraufhin Gespräche mit dem Land Rheinland-Pfalz, den Landkreisen Südliche Weinstraße und Südwestpfalz, dem Kirchenbezirk, anderen kirchlichen und freien Schulträgern sowie diakonischen Trägern geführt. Außerdem wurde eine Taskforce mit zentralen Beteiligten der Schulgemeinschaft eingerichtet. Dazu gehörten unter anderem Schulleitung, Verwaltungsleitung, Mitarbeitendenvertretung, Schulelternbeirat, Freundeskreis, Schülerinnen, Dekanat und Vertreterinnen der Landessynode.

Erhebliche Entlastungen, aber weiter hoher Zuschussbedarf

Durch die bisherigen Bemühungen konnten erhebliche Entlastungen erreicht werden. Dazu zählen unter anderem eine höhere öffentliche Refinanzierung sowie zusätzliche Zuschüsse. Gleichwohl bleibt nach den vorliegenden Berechnungen bei einer Fortführung in kirchlicher Trägerschaft ein dauerhafter jährlicher Zuschussbedarf in erheblicher Höhe.

Der Zuschussbedarf lag 2024 bei rund 2,3 Millionen Euro und 2025 bei rund 2,1 Millionen Euro. Auch nach den erreichten Entlastungen wäre bei kirchlicher Weiterführung nach jetzigem Stand mit einem jährlichen Zuschussbedarf von mindestens rund einer Million Euro, je nach Annahmen bis zu 1,5 Millionen Euro, zu rechnen.

Verantwortung für Schule, Menschen und Landeskirche

„Diese Entscheidung ist schmerzlich. Sie ist aber nach den vorliegenden Ergebnissen der verantwortbare nächste Schritt“, sagte Oberkirchenrat Dr. Claus Müller. „Jetzt geht es darum, mit Land und Kommunen die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu verhandeln: für die Schüler*innen und Familien, für die Beschäftigten, für den Schulstandort Annweiler und für die Landeskirche, die ihre Verantwortung unter schwierigen Rahmenbedingungen wahrnehmen muss.“

Das ETGA habe über Jahrzehnte hinweg vielen jungen Menschen Bildung, Orientierung und Gemeinschaft gegeben. Die Synode würdige ausdrücklich die pädagogische und evangelische Arbeit der Schule. Zugleich müsse die Landeskirche entscheiden, ob sie dauerhaft erhebliche Mittel für den laufenden Schulbetrieb an einem einzelnen Standort einsetzen könne und wolle.

Schulbetrieb läuft weiter

Für den laufenden Schulbetrieb ändert sich durch den Beschluss zunächst nichts unmittelbar. Unterricht, Prüfungen und schulische Abläufe laufen weiter. Die Landeskirche und die Schulleitung werden die Schulgemeinschaft über die nächsten Schritte informieren.

Viele Detailfragen, etwa zur künftigen Trägerschaft, zum Personal, zu Gebäuden und zur konkreten Ausgestaltung eines möglichen Übergangs, sind Gegenstand der nun anstehenden Verhandlungen. Die Landeskirche will dabei auf geordnete Verfahren, transparente Informationen und feste Ansprechpartner achten.

„Wir wissen, dass diese Entscheidung für die Schulgemeinschaft, für Familien und für Mitarbeitende mit großen Fragen verbunden ist“, sagte Müller. „Deshalb ist jetzt größtmögliche Klarheit wichtig. Die Betroffenen werden mit diesen Fragen nicht allein gelassen. Unser Ziel ist es, in den Verhandlungen die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu erreichen.“

Evangelisches Trifels-Gymnasium Annweiler

Am Evangelischen Trifels-Gymnasium Annweiler lernen derzeit rund 670 Schüler*innen. Dort unterrichten 60 Lehrkräfte; 22 Personen arbeiten im nichtpädagogischen Bereich. Das ETGA wurde 1958 als evangelische Internatsschule gegründet. Das Internat wurde bereits vor zehn Jahren geschlossen, die Schule selbst wurde weitergeführt.

Fortsetzung der Synodentagung

Die Tagung der Landessynode wird am Nachmittag mit dem Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“ fortgesetzt. Am Freitag stehen unter anderem der Transformationsprozess #kirche.mutig.machen sowie Berichte der übergemeindlichen Dienste auf der Tagesordnung.

Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

Hintergrund: Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz

Die Landessynode ist das oberste kirchenleitende Organ der Evangelischen Kirche der Pfalz. Sie berät und entscheidet über Grundfragen des kirchlichen Lebens, beschließt Kirchengesetze und den Haushalt der Landeskirche und stellt die Weichen für die zukünftige Entwicklung der Landeskirche. Die aktuelle Tagung ist die 11. Tagung der 13. Landessynode. Sie findet vom 10. bis 13. Juni 2026 in Speyer statt.

Mann vor Mikrofon

Oberkirchenrat Claus Müller erläutert die Beschlussvorlage zur Zukunft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums. Foto: kl/Krümpelmann

Gruppe junger Menschen mit Plakaten

Zahlreiche Schüler*innen des ETGA haben die Synode in Speyer verfolgt. Foto: lk/Krümpelmann