Von Uwe Rauschelbach
MAXDORF/KUSEL. Beim ersten Blick auf die Internetseite der protestantischen Kirchengemeinde Maxdorf ertappt man sich bei dem Gedanken: Das ist nicht normal. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. Denn in Maxdorf scheint das Schiff, das sich Gemeinde nennt, in voller Fahrt in Richtung Zukunft zu sein. Dabei ist es die Popmusik, die kräftig Wind in die Segel bläst.
„Kapitän“ Stefan Fröhlich hat in seinem Vikariat in einer schwarzen Baptistengemeinde in Ramstein Gottesdienste mit Gospelchören erlebt. An seiner ersten Pfarrstelle in Otterbach, wo er fünf Jahre zur Dienstleistung war, führte er daraufhin Gospelgottesdienste an je einem Sonntag im Monat ein. Die Folge: Die Zahl der Gottesdienstbesucher*innen vor allem mittleren Alters stieg. Daneben wurden auch klassische Gottesdienste gehalten. Seitdem Fröhlich die Maxdorfer Gemeinde leitet, hat es einen regelrechten Aufschwung gegeben.
Inzwischen werden dort neben den traditionellen Gottesdiensten mehrere unterschiedliche Formen angeboten: Gospel-, Praise and Worship-, Move- oder Feiert-Jesus-Gottesdienste zum Beispiel. Musikalische Gottesdienstformate, die unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Durch Zusammenlegungen kann die Maxdorfer Gemeinde nun auch die Johanneskirche im Ort nutzen.
Diese wurde umfänglich saniert und steht für weitere größere Umbaumaßnahmen in der Planung. Dank der technischen Ausrüstung kann die Johanneskirche für moderne Musikgottesdienste genutzt werden, während in der Christuskirche noch die Orgel erklingt. Seit einem Jahr gehört nun auch die Lukaskirche zum Gemeindebestand; hier soll es vor allem Gottesdienste mit akustischer Musik geben.
Für Stefan Fröhlich ist es denn auch die Musik, die dazu beiträgt, die an einem Pfarrer orientierte Kirchengemeinde in eine „Mitmachkirche“ zu entwickeln. Denn eine solche Vielzahl an Stilen und Formaten, die in den Gottesdiensten zum Einsatz kommen, bedarf nicht nur einsatzfreudiger Sänger*innen und Musiker*innen. So tragen in Maxdorf auch Lektor*innen und Prädikant*innen dazu bei, an jedem Sonntag mehrere Gottesdienste anbieten zu können.
Fröhlich verspricht sich vom Strukturwandel der Landeskirche denn auch positive Impulse; weg von der parochial orientierten Gemeindearbeit, hin zu teamorientierten, miteinander kooperierenden Gemeinden.
Fröhlichs Sohn Tim ist im vorigen Jahr für die gottesdienstliche Gestaltung von Popmusik im Kirchenbezirk Kusel beauftragt worden. Hierfür wurde eine Pfarrstelle umgewidmet. Der 29-Jährige hat Musik in Berlin studiert und sich an der Mannheimer Popakademie weitergebildet. Erste praktische Erfahrungen mit moderner Sakralmusik hat er in der Maxdorfer Gemeinde seines Vaters gesammelt. „Das hat total eingeschlagen“, berichtet er über die Anfänge dort.
Jugendliche, die in Chören und Bands mitmachen, kämen vor allem aus dem Bereich von Sommerfreizeiten, weniger aus Konfirmand*innengruppen. Tim Fröhlich unterstützt Musikensembles vor allem mit technischem Know-how.
Die Musik ist sein Ding, doch im Gespräch stellt er klar: „An erster Stelle soll die Gemeinde stehen.“ Von St. Julian aus, wo Fröhlich lebt, ist er in der weiteren Region unterwegs, um andere Musiker*innen zu beraten. In der Kombination von Kirchengemeinde und Popmusik sieht er eine große Chance, um gerade jüngere Menschen für Kirche und Glauben zu interessieren.
Das sieht Tobias Markutzik, Bezirkskantor des Dekanats Kusel, in dessen Dienst Tim Fröhlich steht, nicht anders. Er hat vor sechs Jahren einen Erprobungsraum „Pop & Go“ ins Leben gerufen mit dem Ziel, Popmusik für die gottesdienstliche Gestaltung zu verbreiten. Eine der Säulen seiner Arbeit: ein Pop-Projektchor mit mehr als 200 Sängerinnen und Sängern aus den Kirchenbezirken Kusel sowie Alsenz und Lauter. Gesungen werden auch weltliche Popsongs, die dazu beitragen, alternative Gottesdienstformate zu etablieren.
Dabei seien mutmachende Fortschritte erzielt worden, sagt Markutzik, die zeigten, „dass wir nicht auf verlorenem Posten stehen“. Dabei hat der 48-Jährige selbst ein klassisches Kirchenmusikstudium absolviert. Doch er hat von früher Jugend an eben auch Bands wie die Beatles „rauf- und runtergehört“. Beide musikalischen Welten sind ihm lieb und wichtig; dass sich auch moderne Formen für gottesdienstliche Veranstaltungen eigneten, sei aber noch nicht weitflächig ins Bewusstsein gedrungen. Diesbezüglich erlebt Markutzik die Kirche als „trägen Tanker“.
Wünschenswert sei, dass auch die kirchenmusikalische Ausbildung den Bereich der Popularmusik abdecke. Die badische Landeskirche sei, wie er findet, hierbei schon um einige Schritte weiter. Popular- und klassische Musik sollten sich, so Markutziks Position, auf Augenhöhe begegnen.
Unterdessen steht das Band- und Chorfestival im Rahmen der Pfälzischen Kirchenmusiktage in den Startlöchern. Es bietet elf Chören, Bands und Ensembles am Samstag, 30. Mai, 14 bis 22.30 Uhr, in der Landauer Stiftskirche eine Bühne. Topact ist der christliche Songwriter Chris Lass. Der Eintritt ist frei.
Dieser Artikel ist auch im Evangelischen Gemeindeblatt für die Pfalz erschienen.

