Speyer (lk). Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hat sich am Samstag mit der mittelfristigen Finanzplanung für die Haushaltsjahre 2027 bis 2032 befasst. In ihrer ersten Einbringung als neue Finanzdezernentin machte Oberkirchenrätin Juliane Danz deutlich, dass die Landeskirche vor erheblichen finanziellen Herausforderungen steht. Die vorgelegten Zahlen zeigten, dass der Transformationsprozess #kirche.mutig.machen kein freiwilliges Reformprojekt sei, sondern zwingend notwendig, um die finanzielle Handlungsfähigkeit der Landeskirche zu sichern.
„Als Ihre neue Finanzdezernentin ist es meine Pflicht, Ihnen heute die ungeschminkte Wahrheit zu präsentieren“,
sagte Danz vor der Synode. Die Landeskirche müsse sich „radikal ehrlich machen“: „Ein Weiter so ist finanziell unmöglich.“
Rücklagen geraten früher unter Druck
Die mittelfristige Finanzplanung zeigt, dass die laufenden Einnahmen und Ausgaben der Landeskirche in den kommenden Jahren nur unter erheblichem Rückgriff auf Rücklagen ausgeglichen werden können. Bereits für das Haushaltsjahr 2026 wird damit gerechnet, dass der Haushalt nur durch eine Entnahme aus der Sammelrücklage ausgeglichen werden kann. Nach der Planung wird die erforderliche Mindesthöhe der Betriebsmittel- und Ausgleichsrücklage bereits 2026 unterschritten. In früheren Planungen war dies erst für 2030 erwartet worden.
Danz sprach von einer „dramatischen Vorschau“. Die Zahlen seien keine Überraschung, sondern die logische Fortschreibung der Entwicklungen der vergangenen Jahre. Gerade deshalb brauche die Synode das vollständige Bild. „Nur wenn wir die Krise in ihrer Gesamtheit begreifen, gewinnen wir die Handlungsfreiheit, sie aktiv zu gestalten“, sagte die Finanzdezernentin.
Kirchensteuer reicht nicht mehr aus
Die Kirchensteuer bleibt die wichtigste Einnahmequelle der Landeskirche. Die Finanzplanung geht jedoch davon aus, dass das Kirchensteueraufkommen 2026 unter dem Ergebnis des Jahres 2025 liegen wird. Hinzu kommen Schwankungen und Rückzahlungsverpflichtungen im Rahmen des Clearingverfahrens, dem solidarischen Finanzausgleich zwischen den deutschen Landeskirchen. Für 2026 wird eine Rückzahlung von voraussichtlich rund 6,04 Millionen Euro erwartet.
Die Planung macht zugleich deutlich, dass die Einnahmeentwicklung nicht mit den Kostensteigerungen Schritt hält. In der Vorlage wird die Entwicklung des Kirchensteueraufkommens auch dem Verbraucherpreisindex gegenübergestellt. Danach liegt die reale Finanzkraft deutlich unter dem, was die nominalen Kirchensteuerzahlen auf den ersten Blick vermuten lassen.
Gesamtbedarf bleibt hoch
Unter Berücksichtigung laufender Bedarfe, Rückstellungen und Pflichtzuführungen zu Rücklagen weist die Finanzplanung für die kommenden Jahre erhebliche Defizite aus. Ohne weitere Veränderungen belaufen sich diese bis 2032 jährlich auf Beträge zwischen rund 8,6 und 13,1 Millionen Euro. Rechnet man zusätzliche Maßnahmen und Projekte hinzu, steigt der Gesamtbedarf in einzelnen Jahren deutlich an – etwa auf rund 19,7 Millionen Euro im Jahr 2027 und rund 15,5 Millionen Euro im Jahr 2028.
Zu diesen Maßnahmen gehören unter anderem Mittel für Blessed.Pfalz, Philippus, das Protestationsjubiläum 1529–2029, die Einführung des neuen Gesangbuchs, die digitale Trauagende, die Förderung klimaneutraler Heizungen, die Migrationsarbeit, die Kooperation der Predigerseminare, Arbeitsschutz und Gesundheitsmanagement sowie steigende IT-Kosten. Die Umstellungskosten für den Transformationsprozess #kirche.mutig.machen sind in der Übersicht noch nicht beziffert.
In den Beratungen hat die Synode einzelne in der Finanzplanung vorgesehene Maßnahmen und Projekte nicht oder nicht in voller Höhe übernommen beziehungsweise modifiziert. Betroffen waren unter anderem Ansätze zum Protestationsjubiläum, zur Einführung des neuen Gesangbuchs, zur Fertigstellung der digitalen Trauagende, zur Förderung klimaneutraler Heizungen sowie zum Projekt „Kita als Zukunftsort von Kirche“. Die genaue Fortschreibung der Einzelansätze erfolgt im weiteren Haushaltsverfahren.
An der grundsätzlichen finanzpolitischen Bewertung ändert dies jedoch nichts. Auch nach den Anpassungen bleibt der Konsolidierungsdruck hoch. Die mittelfristige Finanzplanung macht deutlich, dass die Landeskirche ihre finanzielle Handlungsfähigkeit nur durch wirtschaftliche Haushaltsführung und die konsequente Umsetzung des Zukunftsprozesses #kirche.mutig.machen sichern kann.
Sparen und Gestalten gehören zusammen
Danz betonte, die mittelfristige Finanzplanung sei kein Grund zur Resignation. Sie sei vielmehr „der lauteste Weckruf, den wir je hatten“. Die Zahlen belegten, warum die Landeskirche den Transformationsweg eingeschlagen habe. „Unser Reformkurs ist der einzig gangbare Weg in die Zukunft“, sagte die Finanzdezernentin.
Damit schlug die Finanzplanung den Bogen zu den weiteren Themen der Synodentagung. In den vergangenen Tagen hatte die Synode unter anderem über die Zukunft des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler, die Fortführung von Philippus und Blessed.Pfalz, das Schwerpunktthema „Vielfältig Kirche sein“, übergemeindliche Dienste sowie die Arbeitsstände im Zukunftsprozess beraten. Viele dieser Themen stehen für den Versuch, kirchliches Handeln unter enger werdenden finanziellen Bedingungen neu auszurichten: weniger „Weiter so“, mehr Konzentration, Kooperation und Innovation.
Die mittelfristige Finanzplanung zeigt dabei die Spannung, in der die Landeskirche steht: Einerseits sind schmerzhafte Einsparungen und Priorisierungen unvermeidlich. Andererseits soll Kirche auch künftig sichtbar, ansprechbar und wirksam bleiben – in Gemeinden und Regionen, in Bildung und Diakonie, in Seelsorge und Verkündigung, in gesellschaftlicher Verantwortung und neuen Formen kirchlicher Präsenz.
#kirche.mutig.machen bleibt Schlüsselprozess
Die Finanzplanung verweist ausdrücklich auf den Zukunftsprozess #kirche.mutig.machen. Bis 2035 soll die Finanzsituation der Landeskirche durch Einsparungen oder zusätzliche Einnahmen um rund 60 Millionen Euro verbessert werden. Welche konkreten Effekte einzelne Reformbeschlüsse künftig auf Haushalte und Finanzplanungen haben werden, lässt sich nach der Vorlage derzeit noch nicht abschließend beziffern.
Die zentrale Schlussfolgerung der Finanzplanung lautet: Nur bei wirtschaftlicher Haushaltsführung sowie umgehender und konsequenter Umsetzung der Einsparziele aus #kirche.mutig.machen kann erreicht werden, dass laufende Einnahmen und laufende Ausgaben wieder annähernd in Deckung kommen und die Landeskirche ihre finanzielle Handlungsfähigkeit behält.
Die Tagung der Landessynode wird am Samstag fortgesetzt. Auf der Tagesordnung stehen außerdem Berichte aus den Bezirkssynoden, Anträge und eine Fragestunde.
Die Tagung ist öffentlich und wird im Livestream übertragen:
www.youtube.com/@evkirchepfalz

