Die Evangelische Kirche der Pfalz beteiligt sich mit Gartenzaun-Gesprächen, LEGO-Kirche, Gottesdienst und Abseilaktion an „1832.Das Fest der Demokratie“ in Neustadt

Neustadt (lk). Demokratie lebt davon, dass Menschen einander zuhören, sich widersprechen können und trotzdem im Gespräch bleiben. Genau dazu lädt die Evangelische Kirche der Pfalz beim Demokratiefest „1832.Das Fest der Demokratie“ in Neustadt an der Weinstraße ein. Vom 29. bis 31. Mai wird die historische Altstadt gemeinsam mit dem Hambacher Schloss zum Ort für Begegnung, Kultur, Diskussion und Beteiligung. Das Fest steht in diesem Jahr unter dem Motto „Freiheit pflanzen“.

Ein besonderer kirchlicher Beitrag ist die Aktion „Gespräch am Gartenzaun“. Ein lila Gartenzaun wird dabei zum sichtbaren Zeichen für Verständigung: niedrigschwellig, offen und mitten im Alltag. Die Idee ist einfach. Menschen kommen über den Zaun hinweg ins Gespräch: wie Nachbarinnen und Nachbarn, die einander nicht ausweichen, sondern zuhören. Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst und weitere kirchliche Vertreterinnen und Vertreter stehen dort für Begegnungen und Gespräche über Demokratie, Zusammenhalt, Sorgen, Hoffnungen und die Rolle der Kirche in einer freiheitlichen Gesellschaft bereit.

„Mit den „Gesprächen am Gartenzaun“ wollen wir ermutigen zu Kontakt und Gespräch, andere Meinungen auszuhalten, ohne den anderen gleich abzuschreiben, einander unsere Geschichten zu erzählen und uns in aller Verschiedenheit als Menschen wahrzunehmen“, kündigte die Kirchenpräsidentin an.

Zur Berichterstattung eignet sich die in der gesamten Evangelischen Kirche in Deutschland stattfindenden Aktion besonders als sichtbares Bild: der lila Gartenzaun als Symbol für eine demokratische Kultur, die nicht bei großen Reden stehen bleibt, sondern im direkten Gespräch beginnt. Der Gartenzaun kommt in Neustadt erstmals zum Einsatz, bevor er auf eine bundesweite Reise geht. In der Pfalz wird er im Sommer auch in Speyer und Schifferstadt zum Gespräch einladen.

Neben dem Gartenzaun beteiligt sich die Kirche mit mehreren Angeboten am Festwochenende. In der Stiftskirche wird am Samstag und Sonntag wieder die LEGO-Kirche aufgebaut: Rund 400 Kilogramm LEGO-Steine verwandeln das Hauptschiff in einen großen Bau- und Spielraum. Kinder, Familien und alle Interessierten können dort gemeinsam bauen, ausprobieren und ihre Vorstellungen von Kirche, Stadt und Zusammenleben Stein für Stein sichtbar machen.

„Schon beim Rheinland-Pfalz-Tag 2025 war die LEGO-Kirche das Highlight für viele Besucher*innen. Darum sind wir dem Wunsch der Stadt gerne nachgekommen und haben die tolle Aktion des Pfarramtes für Gottesdienst mit Kindern und Familien wieder nach Neustadt geholt“, erläutert Dekan Andreas Rummel.

Am Sonntag, 31. Mai, beginnt um 9.30 Uhr auf dem Marktplatz der ökumenische Gottesdienst unter dem Motto „Demokratie läuft … dank Dir!“. Gestaltet wird er von Pastoralreferent Werner Busch und Dekan Andreas Rummel. Musikalisch wirkt der Gospelchor Groovitation mit. Der Gottesdienst macht deutlich: Demokratie ist keine Zuschauerveranstaltung. Sie lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, ihre Stimme einbringen und anderen Raum geben.

„In der Demokratiestadt Neustadt ist es selbstverständlich, dass wir als Kirche Freiheit und Demokratie aktiv mitgestalten. Dabei stehen uns unzählige ehrenamtlich Aktive zur Seite. Das macht mich stolz“, freut sich Dekan Rummel.

Ein weiteres Angebot mit besonderer Perspektive kommt vom CJD: Am Samstag und Sonntag können Mutige sich wieder vom Turm der Stiftskirche abseilen lassen. Die Aktion verbindet Nervenkitzel mit Vertrauen und passt damit auf eigene Weise zum Fest: Wer sich abseilt, braucht Halt, Mut und Menschen, auf die Verlass ist.

Ebenfalls Teil des Programms ist am Samstag, 30. Mai, um 17 Uhr auf der Gartenbühne im Kirchgarten der Pfarrkirche St. Marien das Treffpunkt-Gespräch „Demokratie predigen: Kirchen im Stresstest?“ mit Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst.

Drei Fragen an Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst

1. Beim Demokratiefest in Neustadt steht ein lila Gartenzaun als Ort für Gespräche mitten im öffentlichen Raum. Warum braucht unsere Gesellschaft solche einfachen, direkten Verständigungsorte gerade jetzt?

Wir erleben, dass viele Debatten schnell hart, laut und unversöhnlich werden. Umso wichtiger sind Orte, die niederschwellig sind: kein Podium, keine Kanzel, kein Expertengremium, sondern ein Zaun mitten im öffentlichen Raum, an dem man stehen bleiben, zuhören und ins Gespräch kommen kann.

Ein Zaun markiert zwar eine Grenze, aber keine unüberwindbare. Im Gegenteil: In unserem Alltag erleben wir oft, wie wertvoll und bereichernd gerade das zufällige Gespräch am Gartenzaun ist, das keine langwierigen Vorbereitungen oder Gesprächsregeln braucht. Es geschieht einfach. Jeder bleibt auf seiner Seite, und dennoch findet Verständigung statt. Und am Ende reicht man sich vielleicht die Hand oder grüßt zum Abschied.

Mit den „Gesprächen am Gartenzaun“ wollen wir ermutigen zu Kontakt und Gespräch, andere Meinungen auszuhalten, ohne den anderen gleich abzuschreiben, einander unsere Geschichten zu erzählen und uns in aller Verschiedenheit als Menschen wahrzunehmen.

2. Das Fest steht unter dem Motto „Freiheit pflanzen“. Was kann Kirche dazu beitragen, dass Freiheit, Respekt und demokratisches Miteinander nicht nur beschworen, sondern im Alltag eingeübt werden. Gerade auch dort, wo Meinungen hart aufeinanderprallen?

Einen „grünen Daumen“ habe ich leider nicht. Deswegen weiß ich sehr genau, dass das Pflanzen kein Selbstläufer ist. Wer will, dass Pflanzen blühen und gedeihen, muss sich darum mühen. Und so ist es auch mit der Freiheit. Sie wächst nicht von allein. Sie braucht Menschen, die ihr den Boden bereiten, für sie Verantwortung übernehmen und sie pflegen.

Unsere Freiheit als Gesellschaft verdankt sich dem Boden, auf den die Grundrechte uns stellen. Sie formulieren Freiheitsrechte und meinen damit aber nie nur „Freiheit von“, sondern auch „Freiheit zu“. Keiner von uns lebt für sich allein und kann nur seine eigene Freiheit leben. Wir sind aufeinander angewiesen und sind einander verpflichtet. Und dafür ist das Klima entscheidend, in dem wir uns in Freiheit begegnen. In einem Klima voller Hass und Angst geht auch das zarte Pflänzchen Freiheit zugrunde.

Und hier sehe ich uns als Kirche in der Verantwortung: Wir stehen auf dem Boden unseres christlichen Glaubens und im Horizont eines Gottes, der uns als Menschen mit Freiheit beschenkt und uns zutraut, sie zum Guten zu nutzen. Das soll man spüren in unseren Gottesdiensten und Jugendfreizeiten, beim Gemeindefest und in der Presbyteriumssitzung. Dabei geht es nicht um „Friede-Freude-Eierkuchen-Harmonie“, sondern um manchmal mühsames Ringen um Wahrheiten und Positionen, um Aushalten von Meinungsverschiedenheiten und Ringen um richtige Wege. Aber hoffentlich immer in Achtung und Respekt oder - biblisch gesprochen - im Geist der Liebe.

3. Kirche ist beim Demokratiefest unter anderem mit Gesprächen, Gottesdienst, LEGO-Kirche und einer Abseilaktion vom Kirchturm präsent. Was zeigt dieses Programm darüber, wie Kirche Demokratie heute versteht: als Predigt, als Praxis oder als Einladung zum Mitmachen?

Ich weiß nicht, warum ich mich entscheiden soll, und würde auch gern dem Missverständnis vorbeugen, dass sich unser kirchliches Handeln sozusagen als „Demokratie-Agentur“ erschöpft. Die Werte der Demokratie sind uns als Kirche wichtig, weil uns die Menschen wichtig sind und die Welt, in der wir leben. Und da spielen Begriffe wie Freiheit, Würde, Gerechtigkeit nicht erst jetzt, sondern schon immer eine große Rolle. Dass wir uns dafür von unserem Selbstverständnis her engagieren und einsetzen, versteht sich eigentlich von selbst und ergibt sich nicht erst aus den aktuellen Herausforderungen.

Freilich kann sich dieses Engagement nicht nur in noch so guten Sonntagsreden erschöpfen, es muss auch im Alltag spürbar sein. Worte ohne Taten bleiben unglaubwürdig, Taten ohne Worte verrennen sich schnell in Aktionismus. Herz, Hirn und Hand gehören zusammen, um eine Kirche und auch eine Gesellschaft zu gestalten, in der Menschen sich beteiligen wollen. Anhand der konkreten Beispiele Gespräch, Gottesdienst, LEGO-Kirche und Abseilaktion:

Nicht nur unsere Demokratie, auch unsere Kirche lebt davon, dass Menschen sich aufeinander, auf Begegnung und Gespräch einlassen und sich dadurch bereichern lassen. Der Gottesdienst gibt mir Raum, mich und mein Leben zu bedenken und über den Tag und meinen individuellen Horizont hinaus zu begreifen. An einer LEGO-Kirche bauen Kinder mit und zeigen dadurch, dass auch sie etwas zu sagen und beizutragen haben, dass sie nicht erst unsere Zukunft, sondern ernstzunehmende Gegenwart sind. Und zu einer Abseilaktion gehören Mut und Vertrauen, ohne die auch eine Demokratie nicht gelingt.

Das kirchliche Programm beim Demokratiefest zeigt mir: Es reicht nicht, über Demokratie zu reden, Demokratie braucht konkrete Erfahrung, offene Räume und Beteiligung von Menschen. Wenn wir als Kirche dazu einen Beitrag leisten, tun wir das, wozu wir da sind.

Die Evangelische Kirche der Pfalz beteiligt sich mit vielfältigen Angeboten am Demokratiefest "1832.Das Fest der Demokratie" in Neustadt an der Weinstraße. Foto: Bernd-Christoph Matern / fundus-medien.de