„Den Tagen mehr Leben schenken“ ist das Motto der modernen Hospizbewegung. Dackeldame Smilla trägt im Hospiz Bethesda Landau ihren Teil bei, beruhigt oder heitert auf. Und kann Gästen mitunter auch helfen, sich der Angst vor dem Tod zu stellen.

Von Florian Riesterer

LANDAU. Smilla braucht nur wenige Sekunden. Dann hat die Dackeldame alle Leckerlis im Schnüffelball entdeckt, den ihr Gabriele Müller hinhält. Seit einer Woche ist die ältere Frau im Hospiz Landau. Heute freut sie sich über die neugierige Dackeldame, die ihr über die Hand leckt.

Seit zwei Jahren besucht Doris Verveur das Hospiz Bethesda Landau. Smilla ist als Therapiebegleithund ausgebildet. „Canis Lupus Therapeuticus“ heißt der Verein, der sich darum kümmert. Verveur ist die Vorsitzende. „Ich wollte eigentlich nie einen Dackel, hatte immer größere Hunde“, sagt die ehemalige Krankenschwester. Sie war bei Smillas Geburt dabei. „Sie war von Anfang an sehr ruhig, hat sich immer alles erst angeschaut.“

Wesensmerkmale, die nützlich sind als Therapiebegleithund. Verveur leitete früher ein Palliative Care Team für Kinder, kannte früh das Umfeld Krankenhaus und Hospiz. „Hospizhund im Einsatz“ steht auf dem grünen Halstuch, das Smilla trägt. Und das ihr signalisiert: Jetzt geht es los. Die Dackeldame entscheidet, ob sie, wenn ein Gast zustimmt, ein Zimmer betritt. Empathisch, sensibel, so beschreibt sie Verveur. „Sie stellt sich entweder neben das Bett oder zeigt mir an, sie will hoch, natürlich mit Einverständnis des Gastes.“

Wenn die Gäste den Hund berühren, seine Wärme und sein Atmen spüren, wird Oxytocin ausgeschüttet – das sogenannte Kuschelhormon. Menschen, die Schmerzen haben, unruhig sind, sich mit irgendetwas auseinandersetzen müssen, werden ruhig. Der Cortisolspiegel sinkt, Puls und Blutdruck sinken, die Atmung wird gleichmäßig.

Smilla öffnet aber auch Türen in die Seele. „Wir bewegen uns hier zwischen der Alltagswirklichkeit und dem Abschied vom Leben“, sagt Verveur. Der Hund sei die Brücke zu Gesprächen über Tod und Trauer. „Ich habe Angst vor der Angst“, habe eine Frau gesagt, als sie Smilla streichelte. Wenn der Gast die Angst definiert, kann sie das weitergeben. Psychologen oder Seelsorger können sich dann kümmern.

Smilla erlebt auch den Tod. Wenn ein Gast stirbt, „legt sie sich mitten in den Raum oder lässt sich umarmen, das hält sie aus.“ So ist sie Angehörigen Trost. Verveur denkt deshalb über ein Team nach, das in der Trauerbegleitung aktiv werden könnte. „Wir zwei können das nicht auch noch leisten.“

Denn das Tierwohl steht an erster Stelle. So ist Smilla nicht mehr als zwei Stunden pro Woche im Einsatz und darf, wenn das Halstuch ab ist, ein ganz normaler Dackel sein – ­inklusive Jagdtrieb. „Dann bestimmt sie, wo es hingeht.“

Die Hundeführer*innen lernen in der Ausbildung zu lesen, wie der Hund ­signalisiert, dass es ihm zu viel ist. Ein Lecken über die Schnauze, eine angespannte Körperhaltung. „Dann ist der Einsatz abzubrechen.“ Smilla spürt auch, wenn es Verveur nicht gut geht. „Dann gehe ich nicht in den Einsatz, weil es mir dann nicht gut tut. Und ihr dann auch nicht.“

„Man schenkt dem Leben keine Tage, sondern den verbliebenen Tagen Leben.“ Dem Motto der Hospizbewegung haben sich Verveur und Smilla verschrieben. Mit einem fußballbegeisterten Jungen habe Smilla Fußball gespielt. „Mit der Nase rollt sie den Ball, fälscht ab, fängt den Ball auf wie ein Tormann.“ Mit Smilla als Team unterwegs zu sein und sie besser kennenzulernen, sei schön. Auch Gabriele Müller hat Smilla nun kennengelernt, sie verabschiedet die Dackeldame mit leuchtenden Augen. „Wir kommen wieder“, verspricht Doris Verveur.

Dieser Artikel ist auch im Evangelischen Gemeindeblatt für die Pfalz erschienen.

Therapiebegleithund Smilla im Hospiz Bethesda Landau beruhigt oder heitert auf und ist eine Brücke zu Gesprächen über Tod und Trauer. Foto: Florian Riesterer