Saarbrücken (epd). Kirche darf nach den Worten der pfälzischen Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst nicht nur von der Seitenlinie kommentieren, sondern muss „mitten auf dem Spielfeld stehen“. „Wenn wir als Kirche uns politisch äußern und verhalten, dann aus Interesse für die Menschen mit ihren Nöten und Sehnsüchten“, sagte sie am Dienstagabend in der Saarbrücker Johanneskirche. Kernaufgabe der Kirche seien die Menschen. „Nehmen wir unser Evangelium in seiner politischen Dimension ernst, dann können wir nicht unpolitisch sein“, unterstrich die leitende Theologin der Evangelischen Kirche der Pfalz.
„Damit werden wir nicht zu Politikerinnen und Politikern“, betonte Wüst. Mit ihnen teile die Kirche jedoch das Interesse am Gemeinwohl und an einer Gesellschaft, „in der ein jeder Mensch sein Recht und seinen Platz hat“. „In diesem Sinne verstehen wir uns als Partner und Partnerinnen, manchmal auch als Gegenüber, auf jeden Fall als eine Stimme, die ihren eigenen und unverwechselbaren Klang und Wert hat im Konzert der vielen Stimmen dieser Tage“, erläuterte die Theologin.
Verabschiedung und Einführung des Saar-Beauftragten
Bei dem Gottesdienst und Empfang in der Saarbrücker Johanneskirche wurde der bisherige Beauftragte der Evangelischen Kirchen für das Saarland, Frank-Matthias Hofmann, in den Ruhestand verabschiedet und sein Nachfolger Thomas Bergholz eingeführt. Zu der Veranstaltung der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Evangelischen Kirche der Pfalz hatten sich rund 350 Menschen angemeldet - darunter die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD). Der Beauftragte der Evangelischen Kirchen für das Saarland pflegt im Auftrag der Kirchenleitungen die Beziehungen zwischen den Landeskirchen und dem Saarland.
Kirchenpräsidentin Wüst würdigte Hofmann als „evangelische Stimme und Gesicht am Ludwigsplatz“. „Sie waren im besten Sinne Brückenbauer zwischen Kirche und Politik, Netzwerker im Spiel gesellschaftlicher Kräfte und klarer Lobbyist für die Anliegen und Sorgen von Menschen“, sagte sie.
Der rheinische Präses Thorsten Latzel führte Bergholz in dessen neues Amt ein. Er sei „ein Brückenbauer, ein konsensorientierter Mensch, der gut zuhören kann, Ruhe hineinbringt, immer wieder die gemeinsame Basis sucht“, sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland. Ein Kompromiss sei für Bergholz „kein politisches Schimpfwort, sondern im besten Fall das Ergebnis eines gelungenen gemeinsamen Verständigungsprozesses“.
„Und solch einen Geist der Versöhnung brauchen wir - gerade in unruhigen Zeiten“, erklärte der leitende Theologe der zweitgrößten evangelischen Landeskirche. „Spaltung, Hass und Hetze gibt es wahrlich mehr als genug in unserem Land.“ Bergholz war seit 2016 Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Saarbrücken-Mitte und damit der Ludwigskirche. Davor war er unter anderem wissenschaftlicher Mitarbeiter der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und Dozent für Neues Testament und Kirchengeschichte an einer Theologischen Hochschule in Indonesien.

