Als Presbyter*in Teil einer lebendigen Gemeinschaft sein

Von Florian Riesterer

RHODT UNTER RIETBURG – Helga Fuchs-Entzminger und Roland Schenck schätzen das Miteinander verschiedener Generationen im Presbyterium ihrer Kirchengemeinde. Wer Lust habe, könne sich selbst mit seinen Ideen einbringen, um Kirche einladend zu gestalten. 

„Wir produzieren mehr Strom als wir brauchen“, sagt Helga Fuchs-Entzminger. Die 74-Jährige steht ­zusammen mit Roland Schenck vor der protestantischen St. Georgskirche in Rhodt unter Rietburg und blickt auf das Kirchendach, wo seit vergangenem Jahr 60 Solarpanele installiert sind. Bis zu 24 800 Kilowatt Strom kann die Kirchengemeinde jährlich ins Netz einspeisen, das entspricht dem Bedarf von sechs Einfamilienhäusern.

Als die Kirchengemeinde sich daran machte, die Kirche innen und außen zu sanieren, stellte sich das Presbyterium die Frage, ob das Gerüst nicht Anlass sein könnte, auf Solarstrom umzusteigen. Schließlich seien die Bauabteilung und die Denkmalschutzbehörden im Boot gewesen, „gute Argumente“ hätten schließlich alle überzeugt, so die beiden. Jetzt sind sie eine der ersten Kirchengemeinden in der pfälzischen Landeskirche, die sich unabhängig gemacht haben von fossilen Brennstoffen.

Denn bei der Photovoltaik blieb die Kirchengemeinde nicht stehen. Roland Schenck zeigt unter die Kirchenbänke. Statt mit Gas heizt die Kirchengemeinde jetzt mit Ökostrom. Überlegungen, im nahen Gemeindehaus eine Photovoltaikanlage zu installieren und mit einer Wärmepumpe zu kombinieren, gibt es auch schon. „Dann wären wir sowohl in Sachen Heizung als auch Kühlung für die sehr heißen Sommer gut aufgestellt“, schildert Helga Fuchs-Entzminger.

Die Dinge anzupacken, treibt die beiden Presbyteriumsmitglieder an, die sich im Herbst wieder zur Wahl stellen wollen.

„Als Presbyterin bin ich Teil einer lebendigen Gemeinschaft“, sagt Fuchs-Entzminger. Sie wolle mitgestalten, was Menschen einlädt, will ein Segen sein auch für Menschen, die eher am Rand stehen.

Beide blicken gerne zurück auf die Zeit, in der die Kirche wegen der Renovierung geschlossen war. Stattdessen fand der Gottesdienst einmal im Monat woanders statt, erzählt Roland Schenck. „Wir waren bei der Feuerwehr und im Festsaal bei der Fasnacht. Das hat viele Leute mitgenommen, die jetzt nicht sonntagmorgens mit ihren Kindern kommen, sich in die Bank setzen und eine Stunde zuhören.“

Jeder könne im Presbyterium seine eigenen Interessen leben, so Schenck. „Manche kennen sich hier mit der Kirche aus, wissen um die Abläufe. Ich engagiere mich bei Sachen, die mit Kindern zu tun haben“, sagt der junge Familienvater, der aus Burrweiler stammt und anfangs in Rhodt lediglich im Kirchenchor sang. Nachdem er sich umpfarren habe lassen, sei er gefragt worden, ob er nicht als Presbyter kandidieren wolle.

Für sie sei die Rhodter Kirche Heimat, sagt Fuchs-Entzminger. Vielleicht „umso mehr, weil ich einige Jahre weg war im Ausland.“ Doch als die Anfrage fürs Presby­terium kam, habe sie kurz gezögert. Bin ich nicht zu alt dafür, ­zweifelte sie. Dass sie doch ­zu­gesagt habe, „aus Überzeugung, aus dem Glauben heraus“, habe sie nie bereut. Das Hören verschiedener Meinungen, sich auf einen gemeinsamen Weg einigen, „sei rar geworden in der Gesellschaft“. Gerade deshalb schätzt sie die Arbeit im Presbyterium als so wertvoll ein. Und weil „alle an ­einem Strang ziehen, Jung und Alt. Ich glaube, es braucht beide. Die im Ruhestand, die mehr Zeit haben und die Sichtweise und die Energie der Jungen. Perfekt.“

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Helga Fuchs-Entzminger und Roland Schenck schätzen das Miteinander verschiedener Generationen im Presbyterium ihrer Kirchengemeinde. Foto: antares