Ehrenamtliche der Kirchengemeinde Bad Dürkheim verteilen an den Sonntagen vom zweiten bis vierten Advent Plätzchen und Kaffee auf dem Parkplatz der A6-Raststätte Wattenheim.

Von Lore Dohrenbusch

Wie die Heinzelmännchen haben Monika Anders und ihre sieben Helfer*innen innerhalb einer viertel Stunde einen weißen Pavillon mit einem Tapeziertisch voller Plätzchentüten und einer großen Thermoskanne mit heißem Kaffee auf dem Parkplatz der Raststätte Wattenheim an der A6 aufgebaut. An diesem Sonntagmorgen sind die Gardinen in etlichen Fahrerkabinen der dort parkenden Lkw noch zugezogen.

Die Fernfahrer*innen aus vielen europäischen Staaten müssten sonntags ihre in Deutschland gesetzlich vorgeschriebenen Ruhepausen einhalten, erklärt Monika Anders. “Deshalb klopfen wir auch nicht an die Scheiben, sondern warten, bis sie ausgeschlafen haben und hoffen, dass sie zu uns an den Stand kommen,” sagt die Rentnerin. Darauf habe sie sich zuvor mit der Autobahnmeisterei verständigt.

Die Ehrenamtliche aus der Kirchengemeinde Bad Dürkheim hatte bereits im Frühjahr die Idee, den Truckern an den Adventssonntagen Plätzchen und Kaffee anzubieten und sie ein wenig aufzumuntern. “Wir möchten auch mal danke sagen, denn die meisten tun ja etwas für uns, bringen uns Waren”, ergänzt ihre Teamkollegin Brigitte Borth. Gemeinsam mit Ulrike Adrian, Stefan Brodkorb, Gabriele Diehl, Christine Kleine, Gerhard Rügauf und Romy Swoboda hat Anders die Aktion seit dem Sommer organisiert und Sponsoren gefunden.

So hat ein Autohaus aus Bad Dürkheim ihnen den Pavillon geliehen, ein Unternehmer aus Birkenheide sorgte für den langen Tapeziertisch. Acht- bis Zwölfjährige der Montessori-Schule Bad Dürkheim haben Plätzchen gebacken, Jugendliche der Sigmund-Crämer-Schule der Lebenshilfe Bad Dürkheim steuerten kleine Kuchen bei. Einige von ihnen sind zur Premiere gekommen, etwa die elfjährige Philine von der Montessori-Schule. “Das Backen hat uns großen Spaß gemacht und wir hoffen, dass die Plätzchen den Truckern schmecken”, sagt Philine.

Als der erste Fernfahrer kommt, freut sich die Gruppe. Und Alex aus Rumänien freut sich über den heißen Kaffee. Da, wo er mit seinen Englischkenntnissen nicht weiterkommt, lässt sich der junge Mann vom Sprachübersetzungsprogramm auf seinem Smartphone helfen. Er finde es eine nette Geste, lässt er wissen. Ein halbes Jahr lang sei er jetzt mit seinem Truck in Deutschland, Polen und Tschechien unterwegs gewesen. Nächste Woche gehe es zurück in die rumänische Heimat nach Arad, um Weihnachten zu feiern. Seine Frau und die kleine Tochter seien im Truck, sie bekämen die Plätzchen. Etwa eine viertel Stunde später kommen zwei polnische Fernfahrer kurz auf einen Kaffee vorbei, eher mit Gesten verständigen sie sich lächelnd.

Mittags um kurz vor zwölf Uhr treffen auch Pfarrer Julian Kraul aus Carlsberg und Pfarrerin Monika Minor aus Wattenheim ein. In ihren Talaren unterhalten sie sich mit Monika Anders und ihrem Team. “Vielleicht möchte auch der eine oder andere Trucker von uns gesegnet werden, denn für eine lange Lkw-Reise kann man manchmal Beistand von oben brauchen”, meint Minor. Ihr Kollege Peter Fischer vom Gemeindepädagogischen Dienst habe sie angefragt und mit Monika Anders und ihrem Team vernetzt.

Mit einem breiten Grinsen kommt Fernfahrer Nebojsa Draganovic an den Stand. Der Serbe kann deutsch und erzählt, dass er bis zu seinem 14. Lebensjahr im bayerischen Burghausen gelebt hat. Besonders freut er sich, nach Abliefern einer Ladung kommende Woche zurück in seine serbische Heimat zu fahren und seine Frau und drei erwachsene Töchter in die Arme schließen zu können.

“Wir hoffen, dass unsere Gesten der Nächstenliebe auch am kommenden Sonntag so gut bei den Fernfahrern ankommen und wünschen uns, dass noch mehr von ihnen uns am Stand besuchen”, sagt Monika Anders. Über eine Facebook-Gruppe für Trucker hatte ihre Ehrenamtlichen-Gruppe zuvor Werbung für die drei Wochenenden dauernde Aktion gemacht.

Spendenkonto: Backen für Fernfahrer
Protestantischer Kirchenbezirk Bad Dürkheim-Grünstadt
IBAN-Nr. DE26 5465 1240 0000 0000 42

Dieser Artikel ist zuerst im Evangelischen Gemeindeblatt für die Pfalz erschienen.

Freute sich über Plätzchen und heißen Kaffee: Alex aus Rumänien (zweiter von rechts) ist seit sechs Monaten mit seinem Truck in Deutschland, Polen und Tschechien unterwegs. Foto: Lore Dohrenbusch