Seit mehr als drei Jahrzehnten verbindet ein besonderes Austauschprogramm Studierende aus der Ukraine mit der Universität in Landau. Was Anfang der 1990er Jahre als Beitrag zur Versöhnung nach dem Ende des Kalten Krieges begann, hat sich zu einem lebendigen Netzwerk entwickelt, das weit über den akademischen Austausch hinaus wirkt. Anlässlich des Besuchs von Programmbetreuern der Partneruniversitäten Odessa und Uschhorod kommen nun Vertreterinnen und Vertreter der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPTU) und der Evangelische Kirche der Pfalz zusammen, um über die Zukunft des Programms zu beraten.
Seit den frühen 1990er Jahren konnten mehr als 140 ukrainische Germanistikstudierende ein Semester in Landau verbringen – zur Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse und zum Kennenlernen von Kultur und Gesellschaft in Deutschland. Der Austausch ist Teil einer umfassenden Versöhnungsarbeit, die aus Begegnungen zwischen Kirchengemeinden, Friedensinitiativen und zivilgesellschaftlichen Akteuren hervorgegangen ist. Neben der Förderung von Studierenden gehörten dazu auch humanitäre Hilfen und die Unterstützung ehemaliger Zwangsarbeiter. Initiiert und diese Zusammenarbeit ausgebaut hat der Arbeitskreis Ukraine-Pfalz. Er entstand aus der Versöhnungsarbeit der Evangelischen Kirche der Pfalz und ist eine von elf Osteuropa-Initiativen in der Region.
Getragen wurde das Programm über viele Jahre durch die Evangelische Kirche der Pfalz, den Deutschen Akademischen Austauschdienst sowie Stiftungen und ehrenamtliches Engagement. Nun laufen zentrale Fördermittel aus. Gleichzeitig soll der Austausch jedoch in eine neue Phase überführt werden: Die beteiligten Universitäten haben einen Antrag auf Förderung im Rahmen von Erasmus+ gestellt. Eine Entscheidung wird im Sommer erwartet. „Für die beteiligten Universitäten bedanke ich mich bei der Evangelischen Kirche der Pfalz für die Initiative zur Gründung des Programms und die langjährige finanzielle Unterstützung. Ich freue, dass wir uns darauf verständigen konnten, wie die Zusammenarbeit weitergehen soll“, betont Oliver Frör, Vizepräsident für Internationales der RPTU.
Welche nachhaltige Wirkung das Programm entfalten kann, zeigt die Biografie von Germanistikprofessorin Nataliya Kurakh von der Universität Uschhorod. Sie selbst kam Anfang der 2000er Jahre als Austauschstudentin nach Landau und leitet heute das Institut für Germanistik an ihrer Heimatuniversität. „Der Austausch hat meinen beruflichen Weg entscheidend geprägt. Er hat mir nicht nur sprachliche, kulturelle und fachliche Kompetenzen vermittelt, durch die Förderung hat mir die Evangelische Kirche gezeigt, dass sie an junge Menschen glaubt. Heute gebe ich diese Erfahrungen an meine Studierenden weiter“, unterstreicht sie.
Auch aus Sicht der Kirche bleibt das Programm ein wichtiger Baustein der internationalen Verständigung. „Versöhnung entsteht nicht durch Erklärungen, sondern durch Begegnungen. Dieses Austauschprogramm hat über Jahrzehnte hinweg Vertrauen geschaffen und persönliche Beziehungen ermöglicht – gerade in Zeiten politischer Spannungen ist das von unschätzbarem Wert“, betont Oberkirchenrat Markus Jäckle von der Evangelischen Kirche der Pfalz.
Mit der angestrebten Erasmus+-Förderung soll der Austausch langfristig gesichert und weiterentwickelt werden. Ziel ist es, die gewachsenen Beziehungen zwischen den Universitäten zu stärken und auch künftigen Generationen von Studierenden prägende internationale Erfahrungen zu ermöglichen.

