Bibellese

Sonntag, 23. September, Psalm 37, 21–40

Weisheit

Weisheit ist die Brücke zwischen Glaube und Weltbetrachtung, ja Wissenschaft. Psalm 37 gehört zu den Psalmen, die Weisheit lehren. Er spricht davon, wie Gott denen hilft, die zu ihm halten und Gutes tun. Die Gottlosen dagegen rottet Gott aus. Setzen sich also doch nicht die Stärkeren und Skrupellosen durch, wie der Sozialdarwinismus behauptet? Der Psalm widerspricht dieser Sicht. Und er führt dazu Erfahrungen ins Feld. Nicht alles, was sich Wissenschaft nennt, ist auch weise. Dann nämlich nicht, wenn Gott geleugnet wird. Denn mit Gottes Eingreifen ist zu rechnen. Gott greift in diese Welt ein, um die Gerechten zu schützen. Sie müssen leiden. Gott aber bewahrt sie doch. Der Psalm spricht nicht von einem Weltprinzip der Vergeltung des Bösen, wie manche meinen, sondern er spricht vom lebendigen Gott. Sein Handeln ist nicht vorhersagbar und in manchen Teilen nicht zu verstehen. Man kann sich aber dennoch darauf verlassen. Zu diesem Vertrauen, das sich Glaube nennt, ermutigt der Psalm. Denn Glaube macht nicht blind, sondern hoffnungsvoll.

Montag, 24. September, Galater 1, 1–5

Kein Dank

Im Galaterbrief schreibt der Apostel Paulus nicht an eine einzelne Gemeinde, die er gegründet hat, sondern an mehrere. Sie liegen im Gebiet der heutigen Türkei – vermutlich im südlichen Teil (Apostelgeschichte 14) oder aber in der Mitte von Kleinasien. Anlass sind alarmierende Nachrichten, dass sich in den galatischen Gemeinden eine Irrlehre breitmacht. Judenchristliche Missionare verlangen von den Heidenchristen die Beschneidung und die Einhaltung jüdischer Zeremonien. Das ist das genaue Gegenteil von dem, was Paulus die Galater lehrte. Im ganzen Brief pocht er darauf, dass die gute Botschaft, die er verkündet, nicht von Menschen abhängig ist, sondern ihm von Gott selbst anvertraut wurde. Dass sich die Galater von dieser Botschaft abbringen lassen, macht Paulus wütend. Vielleicht erklärt es sich daraus, dass der übliche Dank für die Gemeinde am Anfang des Briefs fehlt. Für die Galater steht nicht weniger als die Entscheidung auf dem Spiel, ob sie in dieser „gegenwärtigen, bösen Welt“ steckenbleiben oder durch Christus aus ihr errettet werden wollen.

Dienstag, 25. September, Galater 1, 6–10

Menschen oder Gott

Paulus muss sich wundern, wie leicht sich die Galater vom richtigen Weg abbringen ließen. Sie folgen Leuten, die sie in die Irre führen. Wie zornig Paulus darüber ist, zeigt sich darin, dass er diese Irrlehre in diesem kurzen Abschnitt gleich zweimal verflucht. Könnte er nicht gelassener mit dieser anderen Sichtweise des Glaubens umgehen? Wenn es sich um menschliche Meinung handeln würde, könnte und sollte er das mit Sicherheit. Hier aber geht es um das, was Gott ihm anvertraut hat. Es geht um die Treue zu der Offenbarung, die Paulus von Gott empfangen hat und die er allen Menschen weitergeben soll. Da gibt es keinen Mittelweg, sondern nur das Entweder-oder: Entweder wird man Gott dadurch gerecht, dass man alle seine Gebote hält, oder dadurch, dass man sich von Christus abhängig macht, indem man konkurrenzlos auf ihn vertraut. Entweder hängt alles an den Menschen oder alles an Gott.

Mittwoch, 26. September, Galater 1, 11–24

Unabhängig

Es ist nicht leicht, von Menschen unabhängig zu bleiben, die Autorität haben. In der frühen Christenheit sind „die Jerusalemer“ die Autoritäten. Es handelt sich vor allem um „die Zwölf“, die als engster Jüngerkreis mit Jesus von Anfang an unterwegs waren, und die man auch als Apostel bezeichnet. Paulus legt Wert darauf, dass er sich nach seiner Bekehrung und Beauftragung durch Gott nicht mit ihnen oder anderen menschlichen Autoritäten besprochen hat. Vielmehr ist er sofort dem Auftrag Gottes gefolgt und zog mit der neuen Botschaft umher. Diese Botschaft hat Paulus durch eine persönliche Offenbarung unmittelbar von dem auferstandenen Jesus Christus empfangen. Sie gilt allen Menschen, also auch denen, die nicht von Geburt an zu Gottes Volk Israel gehören. Diese sogenannten „Heiden“ müssen nicht erst Juden werden. Sondern sie gehören durch ihr Vertrauen auf Jesus Christus direkt zu Gott und seinem Volk. Für dieses „gesetzesfreie“ Evangelium kämpft Paulus. Wofür kämpfen wir? Was ist für uns an der guten Botschaft unaufgebbar?

Donnerstag, 27. September, Galater 2, 1–10

Gemeinsam

Paulus’ Mission unter den Heiden ist unabhängig von den Autoritäten in Jerusalem. Aber sie wurde von den Jerusalemern gebilligt und bestätigt. Keiner von ihnen verlangte zum Beispiel, dass Paulus’ Mitarbeiter Titus sich beschneiden ließ, also zuerst Jude wurde. Vielmehr wurde man sich darin einig, dass die Jerusalemer „Säulen“ Petrus (der auch Kephas genannt wird), Jakobus und Johannes vornehmlich zu den Juden, Paulus und seine Mitarbeiter aber vornehmlich unter die Heiden gesandt seien. Beide Gruppen sollen aber zu dem einen Glauben an Jesus als den von Gott gesandten Christus, Herrn und Retter aufgerufen werden. Das ist das Gemeinsame. Dabei gilt es, sich auch um die Armen zu kümmern. Und das hat Paulus getan. Die Irrlehrer, die in Galatien ihr Unwesen treiben, können sich nicht auf die Jerusalemer berufen. Sie sind einfach auf dem falschen Weg.

Freitag, 28. September, Galater 2, 11–21

Wahrheit

Paulus ringt um die „Wahrheit des Evangeliums“. Wer tut das heute noch? Hat nicht jede und jeder seine oder ihre eigene Wahrheit? Die Wahrheit, die zu ihr oder ihm passt? Wie ein Kleidungsstück, das man sich gemäß der Farb- und Stilberatung selbst aussucht. Muss die Wahrheit zu mir passen? Ist es nicht umgekehrt? Dass ich nämlich zur Wahrheit passen soll? Wenn es um die Wahrheit geht, leistet Paulus auch denen Widerstand, die womöglich mehr Autorität und unter Umständen sogar mehr Verdienste haben als er. Petrus zum Beispiel. Ist das nun rechthaberisch? Oder lieblos? Nein, denn nur die Wahrheit macht uns frei (Johannes 8, 32), selbst wenn sie mal bitter ist. Und um die Freiheit geht es Paulus in allem. Liebe ohne Wahrheit führt in die Irre. Das aber kann nicht das Ziel der Liebe sein. Nur liegt die Wahrheit nicht in uns selbst, sondern in Christus. Darum gilt es, gemeinsam darum zu ringen, was Christus will. Das bedeutet wegsehen von sich und hinsehen auf ihn. Denn ab jetzt lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.

Samstag, 29. September, Galater 3, 1–14

Abrahams Segen

Die Art und Weise, wie Paulus die Bibelzitate benutzt, mögen uns seltsam oder sogar unangebracht erscheinen. Der Grundgedanke aber ist klar: Es ist das Vertrauen auf Jesus Christus, durch das man vor Gott okay ist. Das Einhalten der Gebote reicht dafür nicht aus, weil bereits ein einziger Fehltritt die Gerechtigkeit zunichtemacht. Es war die Predigt des Paulus, durch die die Galater zum Glauben kamen und den Heiligen Geist empfingen. Es war nicht das Einhalten bestimmter Regeln. Darauf weist Paulus die Galater hin. Indem sie glauben, sind sie „Kinder Abrahams“ und gehören so zu Gottes Volk. Denn Abraham ist es, der die Verheißung und den Segen empfing. Und es war Abrahams Glaube, den Gott ihm zur Gerechtigkeit anrechnete. Wer also glaubt, wie Abraham es tat, läuft in ­seinen Spuren, ist „sein Kind“ und erbt den Segen. Schon damals machte Gott klar, dass dieser Segen auch den ­Heiden gelten soll. Durch Christus werden alle vom Fluch befreit, das Gesetz vollständig halten zu müssen. An ihm macht sich der Glaube fest und erntet Segen. Klaus Zech

Veröffentlichung der Bibellese mit freundlicher Genehmigung des "Evangelischen Kirchenboten"