Bibellese

Sonntag, 15. Mai, Psalm 98

Ein neues Lied

Der Hymnus steht in der Tradition der JHWH-Königspsalmen (Psalm 24, Psalm 96). Neu ist das Lied, weil es die Aufforderung zum Lob auf den ganzen Erdkreis ausweitet. Das Heil, das Jesaja einst angekündigt hat (Jesaja 40 und 52), ist nun gekommen (Vers 3), vom Wunder der Befreiung Israels aus dem Exil sollen alle Völker hören. So zeigt der Herr der Gerechtigkeit seine Stärke in den feinen Tönen der Musik ebenso wie in der Macht über die Natur. Alle sollen davon erfahren: Der Herr ist König. Grund zum Lob allemal, doch wird er einst Rechenschaft fordern und richten.

Montag, 16. Mai, Jona 1, 1–16

Ausgerechnet Ninive

Das gezeichnete Bild der assyrischen Stadt ist plausibler Grund für das Kneifen des Jona. Der Wahre steht am Ende der als kunstvolle Erzählung gestalteten, prophetischen Botschaft. Thema ist die Mahnung zu der Einsicht, dass Gott seine Gnade nicht exklu­siv gewährt. Diese Denkweise spricht für eine Entstehung weit nach der in 2. Könige 14, 25 naheliegenden. So sind es (anders-)gläubige Seeleute, die Jona seine Missachtung des Herrn vorhalten. Sie rufen ihn sogar an und bitten, nicht an Jona schuldig werden zu müssen. Doch der landet im Wasser – das Meer ist still.

Dienstag, 17. Mai, Jona 2, 1–11

Späte Einsicht

Aber Jona soll ja seinen Auftrag erfüllen. Ein großer Fisch (das muss kein Wal gewesen sein) verschlingt ihn (lebendig). Der Herr hat Vollmacht über die Natur, ihre Mächte und Wesen. Erst jetzt beendet Jona sein Schweigen, er sieht die Gnade des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat, wie er ihn in 1, 9 lediglich formelhaft bekannt hat. Es folgt ein Dankgebet, das zahlreiche formale und inhaltliche Anklänge auf die Psalmen zeigt. Drei Tage und Nächte Zeit zum Nachdenken und Beten – man denkt beinahe automatisch an das Grab Jesu – dann ist er wieder auf dem Trockenen.

Mittwoch, 18. Mai, Jona 3, 1–10

Unerwartete Wendung

Jonas zweiter Anlauf in der riesigen Stadt (3, 3 spricht von über 60 Kilometern) ist unengagiert und halbherzig. Er läuft nicht mal zur Stadtmitte, um seine Ein-Satz-Botschaft loszuwerden. Doch die zeigt ungeahnte Wirkung. Die eigentlich alternativlose Gerichtsansage veranlasst die Menschen nicht dazu, zur Flucht aus der Stadt zu blasen oder dort möglichst genussvoll auf das Ende zu warten. Unter Führung des Königs soll eine beispiellose Buß- und Umkehraktion den fremden Herrn dazu bringen – wie sie – umzukehren. Und das tut er, sehr zu Jonas Frust.

Donnerstag, 19. Mai, Jona 4, 1–11

Der wahre Jakob

Denn jetzt wird Jona richtig böse: Er hatte es doch gleich gewusst. Nicht die Angst vor dem Job, sondern am Ende zu erleben, wie Gott selbst bei Fremden Gnade vor Recht ergehen lässt, hatte ihn vor seinem Auftrag weglaufen lassen. So konnte er auch nicht anerkennen, dass er seinen Job doch gut gemacht hatte – ohne ihn wäre Ninive untergegangen. Aber er gönnt ihnen die Rettung nicht, sieht sich im Recht, erst ein Rizinusbaum schafft Einsicht. Das Jona-Zeichen (Matthäus 12, 38ff.), die Erzählung vom Propheten macht deutlich: Gottes Gnade gilt allen, die sein Wort hören und umkehren.

Freitag, 20. Mai, Galater 1, 1–9

Starker Tobak

Zweimal war Paulus durch Galatien gereist, viele Gemeinden waren entstanden. Kurz danach traten Verkündiger eines vermeintlich neuen Evangeliums auf und stellten seine Lehre massiv infrage, er sei ja nicht durch die Apostel berufen. Scharf daher der Ton des Briefs, ohne den üblichen Dank kommt er zur Sache: Seine Berufung geschah durch Jesus selbst, der allein durch seinen Tod die Sünde besiegt habe. Wie schnell sich doch die Galater von der Gnade hätten wegführen lassen. Denn selbst er müsse, wie andere, verflucht sein, wenn sie solches lehren würden.

Samstag, 21. Mai, Galater 1, 10–24

Ein Weg zu den Menschen

Die Widersacher warfen Paulus wohl vor, es den Menschen zu leicht zu machen. Ein Glaube, der allein auf Gnade beruhe, könne doch nichts wert sein. So müsse man sich zur wahren Vollendung des christlichen Glaubens nun auch um die Erfüllung der Gesetze der Thora bemühen, insbesondere um die Beschneidung. Und schließlich habe er selbst, Paulus, doch früher dafür gekämpft. Doch seine Berufung vor Damaskus, so kontert er, sei von Anfang an ein Weg zu den nicht jüdischen Menschen gewesen, auch ohne einen direkten Auftrag der Jünger in Jerusalem. Götz Geburek

Veröffentlichung der Bibellese mit freundlicher Genehmigung des "Evangelischen Kirchenboten"