Bibellese

Sonntag, 15. September, Psalm 78, 32–55

Ein Neubeginn durch Gott

Dieser umfangreiche Psalm stellt als Grundregel fest, dass weder die besten äußeren Voraussetzungen noch härteste Erprobungen die menschliche Neigung zur Abkehr von Gott und zur Missachtung seines Worts grundlegend ändern können. Die wunderbare Gelegenheit, göttliche Segnungen in ­Empfang zu nehmen, wurde damals von Israel, jedoch auch in der Geschichte der Christenheit wiederholt versäumt. Die Verse 32 bis 41 berichten von fortgesetzter Versündigung, von vorübergehender Umkehr, geheuchelter Frömmigkeit und von Treulosigkeit und erneuter Rebellion. Und dennoch: Gott bleibt barmherzig und voller Geduld. Die Israeliten trugen Ägypten in ihren Herzen, nicht aber das von Gott verheißene Land mit seinen Segnungen. Hier zeigt sich, dass persönliche Erfahrungen mit Gottes mächtigem und gutem Handeln allein nicht genügen, um wahren Glauben hervorzurufen. Nur Gott selbst kann einen Neubeginn schaffen, indem er sein Gesetz in das Innere der Menschen legt und es ihnen ins Herz schreibt.

Montag, 16. September, Matthäus 15, 21–28

Die hartnäckige Frau

Diese Verse zeigen einen Jesus, wie wir ihn eigentlich nicht kennen: hart und abweisend. Warum erzählt Matthäus diese Begebenheit? Sicherlich zunächst deswegen, weil die ersten Christen damals Juden waren und sich schwer vorstellen konnten, dass Gottes Heil allen Menschen gelten sollte. Aber noch ein ganz anderer Aspekt kommt in den Fokus: Diese Frau schreit nach Jesus, sie fleht um Hilfe für ihre kranke Tochter. Sie wird von Jesus abgewiesen, wird gedemütigt, sogar mit einem Hund vergleichen. Selbst das nimmt sie an. Vielleicht sehen wir uns selbst in dieser Frau mit unseren Lasten, unseren Misserfolgen und unseren Abhängigkeiten. Wie diese Frau spüren wir, was uns am wahren, guten Leben hindern will. Wir bewundern diese Frau wegen ihrer Zähigkeit. Jesus erscheint hier hart wie Granit. Was ist mit unserem Bild vom segnenden und tröstenden Jesus? Schließlich heilt Jesus doch ihre Tochter, weil der Glaube der Mutter so groß ist. Es lohnt sich auch für uns, mit Gott zu ringen und nicht aufzugeben.

Dienstag, 17. September, Matthäus 15, 29–39

Nicht fragen – helfen

Diese Verse handeln davon, wie Jesus viele Menschen geheilt und etwa 4000 Männer gesättigt hat. Man erinnert sich an die Speisung der 5000 Menschen in Kapitel 14. Matthäus enthüllt hier eine wichtige Eigenschaft Jesu, sein tiefes Empfinden von Mitleid und seine große Barmherzigkeit. Eine große Menge von Menschen, die allerlei körperliche und seelische Gebrechen hatten, kam zu ihm. Diese Menge besteht jedoch auch aus Heiden, die bis dahin Gott ignoriert hatten und Götzen anbeteten. Wie reagiert Jesus auf ihr Kommen? Es heißt ganz kurz: „… und er heilte sie.“ Jesu Mitleid wird zur heilenden Tat. Seine Barmherzigkeit ist so groß, dass er alle heilt. Er fragt nicht danach, ob sie Juden oder Heiden sind, ob sie Ausländer sind, ob sie reich oder arm sind. Genauso speist er die große Menge aufgrund seiner messianischen Vollmacht und seiner Barmherzigkeit. Jesus lehrt uns, die pure Bedürftigkeit eines Menschen zu sehen, ihm mit Mitleid und Barmherzigkeit zu begegnen statt mit Vorurteilen und Intoleranz.

Mittwoch, 18. September, Matthäus 16, 1–12

Zwei Missverständnisse

Wieder einmal kamen die Pharisäer und Sadduzäer zu Jesus, um ihn zu prüfen. Diesmal verlangten sie ein Zeichen von Jesus. Mit vielen Wundern und Heilungen hatte Jesus bereits Zeichen gesetzt, die an den Messias erinnerten und den Glauben an ihn wecken sollten. Weil die Pharisäer diese Zeichen ignorierten und absichtlich missverstanden, verweigert sich hier Jesus. Er verweist aber auf das Zeichen des Jona. Was bedeutete das Zeichen des Jona? Als Jona aus dem Fischbauch kam, kündigte er das Gericht an. Mit dem Hinweis auf Jona warnt Jesus seine Gegner vor dem Gericht, dann lässt er sie einfach stehen. Nach dieser unglücklichen Begegnung mit den Pharisäern wendet sich Jesus seinen Jüngern zu mit dem Satz: „Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!“ Jesus will mit diesem Wort seine Jünger warnen vor der Heuchelei der Pharisäer. Die Jünger missverstehen ihn und fürchten um ihr Essen, obwohl Jesus sie oft versorgt hatte. Jesus will die Jünger aus ihrer Sorgenwelt herausreißen, was wir uns wohl auch oft wünschen.

Donnerstag, 19. September, Matthäus 16, 13–20

Ein erlebtes Bekenntnis

Jesus ist mit seinen Jüngern durch jüdisches Land gezogen bis hoch in den Norden. Jesus verkündigte in den Dörfern die Botschaft vom nahenden Reich Gottes, und die Menschen jubelten ihm zu. Aber es war nicht nur eine Erfolgsgeschichte: Er wurde auch kritisiert und in heftige Kontroversen hineingezogen. Die religiöse Elite konnte er nicht überzeugen. Resigniert wandte er sich ab. In dieser irritierenden Situation stellt Jesus die Frage: Was denken die Leute über mich? Das ist keine Schulmeisterfrage. Jesus möchte wirklich erfahren, was die Leute über ihn denken. Von den Jüngern erfährt er, dass die Leute ihn als Propheten sehen, der große Verheißungen in Aussicht stellt. Jesus verschärft die Frage: „Wer sagt denn ihr, dass ich sei?“ Petrus begreift, dass keine Katechismus-Antwort erwartet wird. „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.“, sagt Petrus. Und er meint damit: Du bist nicht nur Vorbild, sondern in dir erfahren wir jetzt Gottes Gegenwart. Dass auch wir dies erfahren so wie Petrus, dazu erbitten wir Gottes Geist. Joachim Geiling

Freitag, 20. September, Matthäus 16, 21–28

Das Kreuz stellt alles auf die Probe …

… sagt Martin Luther. Das gilt auch für das feierliche Bekenntnis zu Jesus als dem „Sohn des lebendigen Gottes“, das Petrus gerade (Vers 16) abgelegt hat. Dieses Bekenntnis wird denn auch sofort durch die Ankündigung Jesu über sein bevorstehendes Leiden- und Sterbenmüssen auf die Probe gestellt. Petrus muss sich bewähren, aber er bewährt sich nicht. Er wehrt sich gegen Jesu Weg ans Kreuz. Darum weist ihn Jesus mit einem „Geh weg von mir, Satan!“ brüsk zurecht und macht ihm unmissverständlich klar, dass sein Weg zur Rettung der Welt nicht anders als durch das Kreuz hindurchführen kann. Und er geht noch weiter, indem er genauso deutlich sagt: Auch ihr, meine Gefolgsleute, müsst „da durch“. Der Selbsterhaltungstrieb auch des glaubenden Menschen wird „durchkreuzt“ durch Hingabe an Jesus. Billiger ist Christsein, Jüngersein nicht zu haben.

Samstag, 21. September, Matthäus 17, 1–13

Ein Aufscheinen der Herrlichkeit

Gleich nach ihrer Konfrontation mit Jesu Ankündigung über seinen Weg ans Kreuz dürfen drei Jünger hinter die Kulissen des göttlichen Handelns blicken und auf einem Berg Jesus in seiner Herrlichkeit erkennen. Das soll ihnen zur Befestigung ihres Glaubens helfen, und so sehen sie es auch. Das zeigt sich darin, dass sie Vorbereitungen zum Verweilen treffen wollen. Aber eben das wird ihnen verwehrt. Sie dürfen die Herrlichkeit Jesu erleben, aber nicht genießen. Die Himmelsstimme, die jetzt erklingt, weist sie vielmehr ­zurück auf ihre irdische Nachfolge Jesu, und da gilt nichts anderes als das „Ihn sollt ihr hören“. Sie müssen also den Weg Jesu ans Kreuz weiter mitgehen. Das folgende Gespräch über den Täufer und sein Geschick als Jesu Vorläufer bekräftigt noch einmal, dass Jesus seinen Weg unbeirrt weitergehen muss. Horst Hahn

Veröffentlichung der Bibellese mit freundlicher Genehmigung des "Evangelischen Kirchenboten"