Bibellese

Sonntag, 17. November, Psalm 115

Gott allein die Ehre

Wie wird Glaube greifbar? Bilder und Gegenstände helfen in anderen Religionen dabei, Glaube mit allen Sinnen erfahren zu können. Die Juden sahen sich zu Zeiten, als dieser Psalm verfasst wurde, eben jenem Spott ausgesetzt: Und ihr, wo ist euer Gott? Was könnt ihr anbeten, was an eurem Glauben ist denn greifbar, sichtbar? Das geschah in einer Zeit, als die Juden zudem im Exil waren und andere Völker auch deswegen höhnisch die Frage stellten, wie mächtig denn dieser Gott der Juden wohl sei. Die Antwort des Psalms: Wahrer Glaube braucht keine Gegenstände, wahrer Glaube beruht auf Vertrauen – Vertrauen darauf, dass Gott wirkt und handelt – unabhängig von Bildern und Gegenständen. Denn was wird beim Götzen angebetet? – Totes Material! Genauso tot wird mit der Zeit dann auch der Glaube sein. Die Alternative der Juden wird ab Vers 12 deutlich aufgezeigt: Gottvertrauen auch und gerade in der Bedrängnis, das zeichnet lebendigen Glauben aus! Ein Glaube, der das Vertrauen in die begleitende Hand seines Gottes nicht verliert, lässt sich auch durch Bedrängnis nicht erschüttern.

Montag, 18. November, Matthäus 24, 29–31

Hoffnung auch in Bedrängnis

Durch die Bedrängnis wird alles ins Wanken geraten, selbst Mond und Sonne sich verfinstern, aber: Jesus wird kommen! Die Bedrängnis wird nicht das Ende sein, Jesu Zusage gilt weiter, durch alle Bedrängnis hindurch! Diese Botschaft ist es, die den Jüngern Kraft geben soll für die schwere Zeit, die vor ihnen liegt. „Am Ende wird alles gut – und ist es nicht gut, dann ist es nicht das Ende“ – dieser wohl dem brasilianischen Schriftsteller Fernando Sabino zuzuschreibende Weisheitsspruch fasst gut zusammen, wozu Jesus dieses Wort an seine Jünger richtet: Ganz gleich, wie schwer und unwirtlich es in der Zwischenzeit werden mag, am Ende steht das Wiederkommen, die Erlösung. Und so lange die Wahrnehmung des Erlöstseins, des umfassenden Friedenfindens, nicht da ist, so lange geht die Geschichte weiter. Es gibt keinen Grund, zu verzagen, keinen Grund, die Hoffnung zu verlieren – es werden schwere Zeiten kommen, aber am Ende wird alles gut – und ist es nicht gut, dann ist es nicht das Ende!

Dienstag, 19. November, Matthäus 24, 32–44

Durchhalten statt Abweichen

In Zeiten der Bedrängnis werden viele schwach, verlassen den Weg, der ihnen zuvor noch so einsichtig, so sinnvoll erschien. Jesus weiß um diese menschliche Art, bei aufkommenden Problemen die vermeintlich leichteren Wege zu suchen und gerne auch zu gehen. Umso eindringlicher sein Werben, auch in den schweren Zeiten, die kommen werden, am wahren Weg festzuhalten. Dazu erinnert er an die Früchte, die so doch jetzt schon sehen und schmecken können und welche die Jünger ihrem Glauben verdanken. Er erinnert an das Durchhalten Noahs, welches ihn und seine Nachkommen vor der Sintflut errettet hat. Und Jesus weist darauf hin, dass es Schwache geben wird, die vom Weg der Liebe und Güte abweichen werden, wenn es schwer wird. Doch dies sagt nichts über die Richtigkeit des Wegs aus: Abweichler wird es geben, sie werden es vielleicht auch eine Zeit lang leichter, einfacher haben. Doch dafür zahlen sie einen hohen Preis, denn das Abweichen wird ins Verderben führen. Umso mehr ruft Jesus zur Wachsamkeit, zum Durchhalten und zum Vertrauen darauf auf, dass Gott seine Zusage halten wird.

Mittwoch, 20. November, Matthäus 24, 45–51

Nachhaltig leben

Was prägt unser Handeln mehr: ein kurzfristiger, vermeintlicher Vorteil oder die langfristige Perspektive? Was bedeutet der Glaube daran, dass wir am Ende Rechenschaft über unser Tun ablegen müssen, für unser Handeln im Hier und Jetzt? Anhand des Gleichnisses vom treuen und vom bösen Knecht machte Jesus die unterschiedlichen Handlungsvarianten deutlich: Natürlich kann ich mir kurzfristig Vorteile verschaffen, auch auf Kosten Dritter. Doch was passiert dann, wenn man nach einem solchen Handeln zur Verantwortung gerufen wird? Und niemand weiß doch, wann dieser Moment der Verantwortung ansteht! Jesus wirbt auch in diesem Gleichnis dafür, den Prinzipien von Liebe, Glaube und Hoffnung treu zu bleiben – auch und gerade, wenn andere Wege kurzfristig angenehmer und Erfolg versprechender erscheinen. Gerade in unserer Zeit, in der häufig der kurzfristige Erfolg, das schnelle Vergnügen höher im Kurs zu stehen scheinen als das langfristige Abwägen unseres Tuns, gewinnt dieses Gleichnis an Aktualität und Aussagekraft.

Donnerstag, 21. November, Matthäus 25, 1–13

Handeln im Hier und Jetzt

„Mein Leben kann ich immer noch ändern, wenn es darauf ankommt!“ – Gegen diese Einschätzung setzt Jesus das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen: Niemand weiß, wie viel Zeit ihm noch bleibt. Daher gilt es, im Hier und Jetzt die richtigen Weichen zu stellen – ansonsten kann es zu spät sein. Was im Kontext der Endzeitrede meist klar auf die Wiederkunft Gottes bezogen wird, kann in seiner Deutung aber auch darüber hinaus eine bedenkenswerte Leitlinie für das eigene Handeln sein: Welche Auswirkungen hat mein Handeln hier und jetzt im Hinblick auf kommende Zeiten? Und im Kontext des vorherigen Abschnitts: Hat ein schneller Erfolg mittel- bis langfristig wirklich diejenigen Auswirkungen, die ich auch zu tragen bereit bin? Jesus gibt hier andere Leitbilder vor: Handle heute und hier so, dass es auch in späteren Zeiten tragfähig ist. Nimm Mühen, vielleicht auch Anstrengungen, heute in Kauf dann bist du in späteren Zeiten auch gut gewappnet. Die eschatologische Perspektive des kommenden Gottesreichs verbindet sich hier mit konkreter Lebenspraxis.

Freitag, 22. November, Matthäus 25, 14–30

Ein schlechter Ratgeber

Wie handle ich angesichts der Vorstellung, später für mein Tun und Lassen bewertet zu werden? Ängstlichkeit ist ein schlechter Ratgeber, so die Botschaft des Gleichnisses von den anvertrauten Zentnern. Nichtstun, in der Hoffnung, damit keine Fehler zu machen, wird in der von Jesus erzählten Geschichte eindeutig negativ gedeutet. Stattdessen geht es vielmehr darum, etwas aus seinen Talenten und Möglichkeiten zu machen. Denn dabei handelt es sich um anvertraute Gaben, die zum Wohle aller zu nutzen sind. Wer dies tut, erfüllt den Auftrag dessen, der die Gaben gewährt hat. So macht diese Geschichte einerseits Mut, etwas zu wagen, auch neue Wege zu gehen im Vertrauen darauf, damit auch Gewinn einzufahren. Sie mahnt gleichzeitig vor angstbesetztem Sicherheitsdenken, das nur Bestehendes bewahren will. Dies kann auch dazu führen, am Ende alles zu verlieren. Auch dies ist eine Geschichte, die über den damaligen Erzählkontext weit hinausweist und zu konkretem Mut aufruft, auch wenn Ängstlichkeit angebracht erscheint.

Samstag, 23. November, Matthäus 25, 31–46

Maßstab für das Gericht

In der Schilderung des Weltgerichts macht Jesus nochmals deutlich, mit welchen Werten Leben, Glauben und Handeln in seiner Nachfolge unaufgebbar verbunden sind: Die Liebe zu Gott zeigt sich einzig und allein in der Liebe, die wir dem Nächsten schenken. Den Nächsten kann man sich dabei nicht frei aussuchen – der Nächste ist derjenige, der bedürftig ist. Ihm hat alle Aufmerksamkeit in der Nachfolge Jesu zu gelten, vor Jesus zählt allein die Liebe, die für diesen Nächsten konkret erfahrbar wird. Der Spruch Dietrich Bonhoeffers „Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie für andere da ist“, überträgt die Aussage Jesu auf kirchliches Handeln und ist eine Zusammenfassung dessen, was hier als leitender Gedanke Jesu für das Weltgericht beschrieben wird: Vor Jesus hat das Handeln Gewicht, das die Bedrückten in den Blick nimmt, ihre Situation sieht und ihnen Unterstützung bietet – alles andere ist Beiwerk, welches in seine Bewertung nicht einfließt. Eine klare Ansage, die bis heute christlichen Glauben, christliches Leben und Handeln herausfordert! Sascha Müller

Veröffentlichung der Bibellese mit freundlicher Genehmigung des "Evangelischen Kirchenboten"