Bibellese

Sonntag, 27. Mai, Psalm 145

Gott ist König

Dieser Psalm ist in der langen Reihe der Psalmen der letzte, der in seiner Überschrift David als Verfasser nennt. Viele Ausleger vermuten, dass es einmal eine Sammlung von Psalmen Davids gegeben hat und dass Psalm 145 das Ziel und Ende der Sammlung gewesen ist. Außerdem gehört dieser Psalm zu den täglichen Gebeten des Judentums, ist also so bekannt wie bei uns das Vaterunser. In diesen Versen fließt alles zusammen, was Gott ausmacht. Gottes Größe und Macht in den Versen vier bis sieben; dem entspricht Gottes Fürsorge auf der anderen Seite des Psalms in den Versen 17 bis 20. Dann werden da auch Gottes Gnade, Güte und Barmherzigkeit besungen. Im Zentrum des Psalms aber steht das Bild vom Königtum Gottes: Dieser Gott ist König und kein anderer sonst, dieser Gott hat die Herrschaft über die Welt inne. Da ist die Aufforderung in den Versen eins, zwei und 21 selbstverständlich, die den ganzen Psalm rahmt: Dieser Gott, der König ist, muss gelobt werden, denn er gibt auch Trost und Halt und alle Grundlagen für unser Leben.

Montag, 28. Mai, Hebräer 11, 8–22

Die Glaubenszeugen

Um die Hebräerchristen in ihrem wankenden Glauben zu stärken, verweist der Verfasser des Briefs auf weitere Glaubenszeugen des Alten Testaments, vor allem Abraham und seine Familie. Der Glaube ermöglichte Abraham, Gottes Auftrag, in ein fremdes Land zu ziehen, gehorsam zu folgen. Die kinderlose Sara bekam trotz ihres hohen Alters Nachkommen, weil der Glaube ihr Kraft schenkte, auf Gottes Verheißung zu trauen. Die Glaubenszeugen des Alten Testaments zogen als Fremdlinge auf der Erde umher. Sie konnten dieses unstete Leben auf sich nehmen, weil ihr Glaube nicht wankte, sondern Gottes Verheißung vertraute, ins Heilige Land zu kommen. Weiterhin nennt der Schreiber des Briefs die besonderen Taten der Glaubenszeugen. Abraham opferte seinen Sohn Isaak und bekam ihn heil zurück, weil er an Gottes Kraft glaubte, Tote aufzuerwecken. Isaak und Jakob segneten aus Glauben ihre Nachkommen, damit diese weiter an der Verheißung festhielten. Josef stärkte auf dem Totenbett die Israeliten, ins gelobte Land auszuziehen unter Mitnahme seiner Gebeine.

Dienstag, 29. Mai, Hebräer 11, 23–31

Die Taten des Glaubens

Als Ermutigung für die Christen nennt der Verfasser des Briefs eine Reihe von Taten des Glaubens, die in der Überwindung von Schwierigkeiten auf dem Lebensweg bestehen. Das Leben des Mose wird exemplarisch betrachtet. Es ist wichtig zu beachten, dass der Glaube sich durch Beweggründe leiten lässt, die von Gott selber im Herzen des Menschen bewirkt werden und es leiten, ohne dass ihm die Wege Gottes bekannt sind. Nie wurde das deutlicher als bei Mose. Er wurde auf wunderbare Weise an den Hof des Pharaos gebracht. Aber durch den Glauben verließ er den Hof des Pharaos, um sich zum Volk des Herrn zu halten. Sein Glaube leitete ihn, denn er „hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn“. Viele Stationen der Mose-Geschichte werden erwähnt, Begründung des Passah, Durchzug durch das Rote Meer und Fall der Stadt Jericho. Auch die Hure Rahab wird in das Volk aufgenommen, weil sie die Kundschafter schützte. Durch den Glauben gingen die Israeliten vom Tod ins Leben so wie Christus in Kreuz und Auferstehung.

Mittwoch, 30. Mai, Hebräer 11, 32–40

Grund und Beweis des Glaubens

Die Reihe der alttestamentlichen Glaubensvorbilder wird abgeschlossen mit dem Hinweis auf Gideon, Barak, Simson, Jeftah, David, Samuel und die Propheten. Sie alle haben ihren Glauben so gelebt, wie der Hebräerbrief es in 11, 1 beschrieben hat: Glaube „ist ein Rechnen mit der Erfüllung dessen, worauf man hofft, ein Überzeugtsein von der Wirklichkeit unsichtbarer Dinge“. Sie haben vorbildlichen Glauben gehabt. Und trotzdem haben sie „doch nicht erlangt, was verheißen war“ (Vers 39). Der Hebräerbrief macht hier deutlich, dass menschlicher Glaube allein nicht genügt. Damit der Glaube einen Grund und eine Basis hat, war Jesu Tod am Kreuz nötig. Ohne den Hohepriester Jesus, der uns mit Gott versöhnt, bleibt menschlicher Glaube unzureichend. Dieser Tod Jesu für uns ist das „Bessere“ (Vers 40). Besser als Glaube allein ist Glaube an Jesus Christus. Wenn schon das Vertrauen auf Gott vor Jesu Erscheinen so viel bewirken konnte, wie viel mehr dann erst das Vertrauen auf den Hohepriester Jesu.

Donnerstag, 31. Mai, Hebräer 12, 1–11

Glaube als Langstreckenlauf

Der Autor des Hebräerbriefs erinnert seine angefochtene Gemeinde daran, dass das Glaubensleben wie ein anstrengender und auszehrender Langstreckenlauf ist. Tröstlich, dass die Gemeinde nicht allein ist, sondern umgeben ist von der Wolke der Zeugen, auf die im vorigen Kapitel hingewiesen wurde. Diese Männer und Frauen des Alten Testaments sahen auf Christus voraus. Ihre Beispiele sollen die Hebräerchristen und auch uns ermutigen, dem Glauben treu zu bleiben. Um auf Glaubenskurs zu bleiben, ist es notwendig die Sünde abzulegen, also alles, was uns Menschen beschwert, Konkurrenz und Neid, die Sucht nach Anerkennung durch andere, liebloses Verhalten und vieles mehr. Allein schaffen wir das nicht, deshalb sollen wir auf Jesus, den „Anfänger und Vollender des Glaubens“ schauen. Jesus hat als Anfänger den ersten Schritt zum Glauben getan. Mit ihm können auch wir den ersten Schritt zum Glauben wagen. Jesus ist der Vollender des Glaubens, denn er hat völlig aus und im Glauben an den himmlischen Vater bis zum Ende gelebt.

Freitag, 1. Juni, Hebräer 12, 12–17

Suche nach Frieden

Obwohl das Leben der Christen von der Wolke der Zeugen des Glaubens gut begleitet wird, besteht immer auch die Gefahr, den Mut sinken zu lassen. Der Verfasser des Briefs beginnt deshalb mit einer Ermahnung: Wir sollen sicheren Fußes gehen und nach Frieden und der Heiligung streben. Wir sollen uns darum kümmern, dass keiner auf der Strecke bleibt. Der Autor des Hebräerbriefs meint dies sicher in einer moralischen und religiösen Überspitzung, die der Lage der damaligen Gemeinden geschuldet ist. Es ist ihm wichtig, dass sich die Empfänger seines Briefs richtig verhalten. Unsere Situation ist eine andere. Aber die Suche nach Frieden, Umkehr und der Dienst am Nächsten sind auch uns als evangelischer Gemeinde aufgegeben. Jagt dem Frieden nach, ruft uns der Text zu! Halten wir Frieden? Wo sind bei uns unnötige, spalterische Streitereien – in der Gemeinde, in der Familie, am Arbeitsplatz? Am Beispiel Esaus, der sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht verkaufte, wird verdeutlicht, dass wir die Gnade auch verfehlen können.

Samstag, 2. Juni, Hebräer 12, 18–24

Der Gott der Liebe

Der Verfasser des Hebräerbriefs haucht seiner müde gewordenen Gemeinde neue Hoffnung ein, indem er die beiden Schicksalsberge Sinai und Zion gegenüberstellt. Die Hebräerchristen brauchen nicht mehr zum Berg Sinai zu kommen, der in ihnen so viel Angst und Schrecken ausgelöst hat. Gott hat ihnen am Berg Sinai die Zehn Gebote mit allen Ausführungsbestimmungen gegeben. Sie fühlten sich fortan eingeengt und haben Gott nur als rächenden und richtenden Gott erlebt. Das ist mit Jesus nun alles vorbei. Sie werden angesprochen als Gemeinde der Heiligen, also der Christen, die durch Taufe und Abendmahl schon jetzt dem himmlischen Jerusalem, dem Berg Zion, nahegekommen sind. Wir wollen als Christen nicht das Judentum abwerten, sowohl am Sinai als auch auf dem Zion geht es um Gottesoffenbarung. Aber unser Gott bleibt nicht inkognito, in Rauch und Feuer verhüllt. Auch wenn wir Gott manchmal weit weg von unseren Sorgen erleben, gilt: Er hat sich uns in Christi Leben, Sterben und Auferstehung offenbart als Gott der Liebe. Joachim Geiling

Veröffentlichung der Bibellese mit freundlicher Genehmigung des "Evangelischen Kirchenboten"