Bibellese

Sonntag, 19. September, Psalm 119, 153–160

Hoffnungsschimmer

Wieder einmal werden wir eingeladen, innerlich Anteil zu nehmen an dem dramatischen Konflikt eines Menschen, der sich zu Unrecht verfolgt und erniedrigt, bedrängt und zu Unrecht angeklagt fühlt. Die zeitgenössische Psychologie kennt und beschreibt diese Situation unter anderem als das Erleben und Erleiden eines Mobbings. Egal wie wir es nennen. Es handelt sich um schreckliches Leiden. Der Hoffnungsschimmer des Psalmbeters ist das Wort und sind die Verheißungen seines Gottes.

Montag, 20. September, Hebräer 4, 1–13

Lebendig und wirksam

„Durch Mark und Bein“ (Vers 12) kann es uns gehen, wenn wir lesen, dass es beim Glauben um nichts Geringeres geht als um die Entscheidung, an der sich alles entscheidet. Es geht um die Scheidung von wesentlich und unwesentlich, von vergänglich und beständig, von der Vergangenheit und der Gegenwart, von Heil und Unheil, von Erlösung und Verdammnis, von Ruhe und Unruhe. Das Kriterium ist das Wort Gottes, das lebendig und wirksam ist. Wieder einmal sind Anspruch und Zuspruch, Ansage und Zusage aufs innigste untrennbar verbunden.

Dienstag, 21. September, Hebräer 4, 14–5, 10

Schuld und Unschuld

Jesus in seiner heilsgeschichtlichen Bedeutung wird uns hier mit dem Bild und Vergleich des Hohepriesters nähergebracht. Ein Bild, das nicht ohne ambivalente, zweideutige Wirkung in die Geistes- und Sozialgeschichte der christlichen Kirchen eingegangen ist. Doch geht es in diesem Vergleich im Kern um das wirkmächtige Geheimnis der Menschwerdung Gottes und seine heilbringenden Folgen für uns. Es geht auch um das so schwer zu verstehende Ineinander und die Gleichzeitigkeit von Schuld und Unschuld, Ohnmacht und Macht Jesu Christi.

Mittwoch, 22. September, Hebräer 5, 11–6, 8

Gemeinde und Botschaft

Offenbar verhält es sich mit Vollzug des christlichen Glaubens, besonders in lebendigen pluralistischen Gemeinschaften und Gemeinden seit jeher so, dass es sich um einen höchst dynamischen Prozess handelt, der am ehesten mit einer Achterbahnfahrt zu vergleichen ist. Insofern möge unser gegenwärtiges Ringen um die Zukunftsfähigkeit und Überlebensfähigkeit von Kirche sich in bester Gesellschaft und jahrhunderteralter Tradition wissen. Immer wieder muss anscheinend neu justiert und festgestellt werden, wie nahe oder ferne sich Gemeinde und Gemeindemitglieder vom Kern der Botschaft befinden.

Donnerstag, 23. September, Hebräer 6, 9–20

Segen und Versöhnungskraft

Zum wiederholten Male wird sowohl auf den Segen, seine Bedeutung und seine Traditionen hingewiesen als auch auf das Beispiel des Hohepriesters mit seiner versöhnenden Funktion im Tempelgottesdienst der Juden. Die Zuverlässigkeit und Treue Gottes wird eindringlich beinahe beschworen und mit starken Beispielen bekräftigt und illustriert: Gott, der Abraham sein Versprechen gab und es hielt. In gut paulinischer Tradition werden wir selber wieder zum Tempel mit einem Allerheiligsten. Bis dorthin reichen der Segen und die Versöhnungskraft Jesu. Hier wird unumstößlich für uns die Wurzel gelegt, um getrost aus dem Glauben leben zu können, voller Zuversicht, Hoffnung und Dankbarkeit.

Freitag, 24. September, Hebräer 7, 1–10

König und Priester

Melchisedek – übersetzt, ungefähr, der gerechte König, der König der Gerechtigkeit. Es handelt sich um eine geheimnisvolle Person. Als König und Priester ist Melchisedek ein geeignetes Vorbild, um die Wirkung und Funktion unseres Herrn Jesus Christus zu veranschaulichen. Der ein für allemal für alle die an ihn glauben die „Sonne der Gerechtigkeit“ ist. In ihm hat der allmächtige und gnädige Gott allen Menschen sichtbar einen einzigen Hohepriester gegeben, der vollkommen ist und für die Ewigkeit genügt.

Samstag, 25. September, Hebräer 7, 11–28

Grundlegende Entdeckung

Die grundlegende Entdeckung aller Reformatoren waren die sogenannnten vier Exklusivartikel: allein durch Gnade, allein durch Glaube, allein durch Christus, allein durch die Heilige Schrift! Auf für uns vielleicht eigen­tümliche Weise betont der Hebräerbrief mit dem Bild des Hohepriesters im Kontext des für damalige ­Leser geläufigen und bekannten Tempelgottesdienstes die Einmaligkeit, Notwendigkeit und Unvergleichbarkeit des Solus Christus, allein durch Christus. Stefan Werdelis

Veröffentlichung der Bibellese mit freundlicher Genehmigung des "Evangelischen Kirchenboten"