Bibellese

Sonntag, 14. Juli , Psalm 100

Mit dem Leib beten

Welche Gefühle erfassen Sie, wenn Sie Psalm 100 laut beten? Da fordert Sie ein Seelenteil auf, mitzujauchzen. – Was jauchzen ist, fragen Sie? Laute der Freude auszustoßen. Wann haben Sie heute Laute der Freude getönt? Oder trauen Sie sich nicht mehr vor Freude zu brummen und zu summen? Probieren Sie den Psalm noch einmal jauchzend zu sprechen und lautmalend zu rezitieren. „Kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!“ Wie haben Sie das gemacht? Sind Sie auf Ihrem Stuhl sitzen geblieben oder aufgesprungen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sitzt und gleichzeitig vor Freude springt. Frohlocken, das heißt doch vor Freude zu hüpfen, oder nicht? Das ist ja ganz schön anstrengend, Psalm 100 zu beten! Und jetzt werden Sie aufgefordert zu erkennen, dass Gott der Herr ist!? Wie Sie das machen sollen, Gott zu erkennen? Ich schaue meiner Frau ins Angesicht, in die Augen oder höre den Spatzen beim Zirpen zu oder lasse mich vom Licht des herrlichen Sonnenmorgen verzaubern. Da weitet sich mein Leben. Ich begreife, was Leben ist, und jauchze Gott mit aller Welt.

Montag, 15. Juli, Matthäus 4, 18–25

Lebenseinstellungen teilen

Sind Sie ein glücklicher Mensch? Glückliche Menschen pflegen Gewohnheiten und Einstellungen, die es ihnen erleichtern Glück zu empfinden. Oder sind Sie ein vertrauender Mensch? Vertrauende Menschen praktizieren Gewohnheiten und Einstellungen, die es ihnen ermöglichen Vertrauen zu empfinden. Jesus hatte gute Rituale und Gewohnheiten, die sein Vertrauen und seinen Glauben beförderten. Ihm lag daran, seine Lebenseinstellung mit anderen zu teilen. Jemanden zu finden, der meine Gewohnheiten und Einstellungen gut findet, ist nicht leicht. Und die Lebenseinstellung mit dem Partner zu teilen, ist ein tägliches Abenteuer. Wenn gar jemand bereit ist, seine Lebenseinstellung mit der meinen zu verbinden, muss er mich sehr sympathisch finden. In der Berufungsgeschichte, die Matthäus erzählt, ging Jesus spazieren und sah Menschen bei der Arbeit zu. Einige davon bat er, das Leben mit ihm zu teilen. Wie würde Jesu heute mit Menschen in Beziehung treten? Was bedeutet es, dass er sich Menschen helfend und heilend zuwendete, bevor er sie ermunterte Gott zu vertrauen?

Dienstag, 16. Juli, Matthäus 5, 1–12

Einstellungen zum Leben

„Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt“, heißt es in einem Kirchenlied. Was ist für Sie derzeit wichtig im Leben? Können Sie Ihre Einstellung zum Leben in einem Satz formulieren? Teilen Sie diese Lebenseinstellung mit anderen Christen? Lebensideal des Evangelisten Matthäus war es, barmherzig zu sein. Sein Anliegen war es, Menschen in Not, Gutes zu tun. Er liebte es, Bedrängten zu helfen, also auch Verfolgten oder Asylanten. Und er war nachsichtig mit Menschen, die im Leben scheiterten. Das bringt er in seinen Formulierungen der Seligpreisungen zum Ausdruck. Da sagt Jesus, zu welchen Haltungen ein Mensch fähig ist, der sein Vertrauen auf Gott setzt und sich im Gebet vom Geist Gottes durchdringen lässt.

Mittwoch, 17. Juli, Matthäus 5, 13–16

Was motiviert Sie?

Wer zu etwas motiviert ist, hat eine starke Antriebskraft. Im Seelenbereich schwingen viele ständig zwischen Minderwertigkeitsgefühlen und Größenwahnfantasien hin und her. Diese im seelischen Gefüge auspendeln zu können, ist eine starke seelische Kraft, ein Gottesgeschenk. Wenn Jesus uns zuspricht, wir seien Salz für die Erde und Licht für die Welt, fühle ich mich zunächst nicht ermutigt. Meine Gefühle des Kleinseins reagieren und wehren die positive Zumutung ab. Damit helfen sie meinem Geltungsdrang sich einzuordnen, dass er nicht „überschnappt“. Aber … „konstruktives“ Salz in der Suppe des menschlichen Miteinanders möchte ich schon gerne sein! Ich liebe geschmackvolles Miteinander, in dem Gott Raum einnimmt. Warum auch nicht? Und wenn ich zu Hause und im Haushalt der Lebenswelt Notwendiges und Gutes tun kann, Menschen ermutigen, Wärme und Licht verbreiten, dann fühle ich mich glücklich und Gott nah. Wie wecken Sie das Gefühl glücklich zu sein in Ihrem Herzen?

Donnerstag, 18. Juli, Matthäus 5, 17–20

Gesetze verschärfen?

Ein Therapeut ermuntert den ersten Klienten, mal alle Neune gerade sein zu lassen und etwas Verrücktes zu tun. Den zweiten Klienten fordert er auf das Gegenteil zu tun, seinen Tag zu strukturieren und morgens um 6.00 Uhr aufzustehen, um pünktlich zur Arbeit zu kommen. Jeder Mensch hat eine andere seelische Struktur, die sich entwickeln will. Das sieht Jesus wohl ähnlich. Denn er weist darauf hin, nicht beim Buchstaben der Heiligen Schrift stehen zu bleiben, sondern das ursprüngliche göttliche Anliegen von Gottes Wort zu erkennen und die Liebe als Rahmen zu nehmen. Er ermuntert, das Herz von Gottes Liebe erfüllen zu lassen und dann zu handeln. Dem stimmt der Evangelist Matthäus zu. Allerdings traut er dem jesuanischen Geist nicht ganz, deshalb hält er den Buchstaben des „Gesetzes“ hoch. Er weiß, es gibt in jedem Menschen auch antisoziale, grausame, kranke Seelenteile, die sehen sich in einer Welt, wo es nur um „Fressen und Gefressen-Werden“ geht. Sie holen sich ohne Rücksicht, was ihnen vermeintlich zusteht. Matthäus meint, für solche menschlichen Seiten brauche es ein starkes Regelsystem. Und was meinen Sie?

Freitag, 19. Juli, Matthäus 5, 21–26

„Den bring ich um!“

Wie kann man sein verbittertes Herz heilen? Jesus fordert auf, im Gebet die eigenen Gedanken und Gefühle wahrzunehmen. Er praktiziert das selbst im Beten der Psalmen, schreit, klagt und lobt, hält Gott hin, was ihn zu zerreißen droht, und formt dadurch seine Emotionen. Um konstruktive Stimmungen in sich zu fördern, verweilt er bei heilenden Bildern und übt sich in humorvollen, wertschätzenden Blicken und Gesten. So kommt er mit seinen lebendigen und mit seinen destruktiven Seelenteilen ins Gespräch. Er entwickelt für sie Verständnis und lässt sie meditierend von Gottes Liebe durchdringen. Das schafft ihm innere Kraftquellen. Sein Mut wächst, auch die Motivation gewalttätiger Menschen zu verstehen und diese zu begrenzen. Jesus lädt ein, diese Lebenseinstellung mit ihm zu pflegen. Zusammen könne man auch mit der schamhaften Arbeit beginnen, Konflikte, die man mit anderen hat, zu bearbeiten und sich mit schwierigen Mitmenschen zu arrangieren. Das alles kostet natürlich Überwindung, aber es ist ein Heilungsweg. Sonst gerate man immer mehr in den Kerker von Selbstvorwürfen und in das Gefängnis von Zwängen und Ängsten.

Samstag, 20. Juli, Matthäus 5, 27–32

Selbstzerstörerisch leben

Unbewusste Motive bestimmen unser Handeln. Da stehen Menschen vor dem Dilemma, nicht mehr lieben zu können. Sie fühlen sich außerstande, ihre Fähigkeit zu lieben mit diesem oder jenem Menschen weiterzuentwickeln. Auf der anderen Seite verspüren sie die Sehnsucht, mit jemandem in Liebe alt zu werden. Der biblische Text fordert, sich seiner unbewussten Seelenteile bewusst zu werden. Nachdrücklich ruft er auf, Sexualität, Einfühlungsvermögen und Liebesfähigkeit zu formen. Mit dem Bildwort vom „rechten Auge“ spricht Jesus Menschen an, die alles, was sie sehen nur beurteilten und bewerten, die andere bloßstellen und immer haben wollen. Sie fordert er auf, ihr „linkes Auge“ zu schulen: die tiefe und geheimnisvolle Seite des Lebens zu sehen und das Staunen zu erlernen. Im Bildwort von der „rechten Hand“ spricht er Menschen an, die meinen, machen zu können, was sie wollen. Sie fordert er auf, statt sich zu verstümmeln, die „linke Hand“, die nicht bewussten Seiten, zu kultivieren: das Leben ehrfürchtig annehmen und dankbar empfangen. Diese Haltungen machen beziehungsfähiger und liebesfähiger. Bernhard Pfeifer

Veröffentlichung der Bibellese mit freundlicher Genehmigung des "Evangelischen Kirchenboten"