Bibellese

Sonntag, 20. Juni, Psalm 103

Loblied auf Gottes Barmherzigkeit

Da kann jemand ein Lied singen von Gott. Es beginnt bei sich selbst und nimmt dann alle mit hinein. Vergebung, Heil, Gnade und Barmherzigkeit in Hülle und Fülle. Da wird ein Hymnus draus. Was sonst? Die Majestät und Größe Gottes bringt die ganze Schöpfung sang- und klangvoll in die Anbetung. Wie verwelklich und vergänglich ist dagegen das menschliche Leben. So endlich, so abschiedlich sind wir. Gott dagegen ist ewig und an allen Enden. Und wir in seinen Händen. Und so macht uns Gottes Größe am Ende nicht klein, sondern sein.

Montag, 21. Juni, Apostelgeschichte 11, 1–18

Erfolg und Krise

Wenn missionarisches Wirken erfolgreich ist und neue Menschen samt ihren neuen Welten dazugewinnt, geraten diejenigen, die schon länger dazu gehören in die Krise. Der Glaube der anderen, die so anders sind, irritiert und schwächt das Alleinstellungsmerkmal. Die Judenchristen wären womöglich lieber unter sich geblieben. Petrus kommt nach Hause und muss sich rechtfertigen. Der unaufhaltsam begeisterte Durchbruch muss schon fast widerwillig als gottgewollt hingenommen werden.

Dienstag, 22. Juni, Apostelgeschichte 11, 19–30

Christen

Jetzt bekommt das Kind einen Namen. Man nennt die Anhänger Jesu erstmals Christen. In Antiochia, der drittgrößten Stadt des Römischen Reichs, steht die Wiege der neuen Weltreligion. Aus der vermeintlich rein innerjüdischen Bewegung wird eine weltoffene Offensive. Aber auch wenn hier alles ein bisschen schöngeredet wird, die Spannung ist nicht zu überhören. Darüber kann auch die von Lukas eingebrachte Verbundenheit in Form von Spendenbereitschaft angesichts drohender Hungersnot nicht hinwegtäuschen. Jerusalem ist das Zentrum, das bedient werden will.

Mittwoch, 23. Juni, Apostelgeschichte 12, 1–25

Gott hat einen Plan

Herodes Agrippa I. hat sich mit Rom gut verstanden. Zum Dank wurde er selbstständiger König. Seine Politik, jüdisch nationalistisch, konnte sich mit dem Verzicht der Christen auf jüdisches Gesetz nicht vertragen. Jakobus kostet es das Leben. Petrus die Freiheit. Aber Gott hat einen Plan. Während die Gemeinde um Befreiung betet, steht Petrus schon wundersam gerettet vor der verschlossenen Tür. Das hat Unterhaltungswert, täuscht aber gleichzeitig über die Dramatik der Veränderungen hinweg. Petrus geht wohl nach Antiochia, die Jerusalemer verlieren an Bedeutung.

Donnerstag, 24. Juni, Apostelgeschichte 13, 1–12

Erste Missionsreise

Lukas zieht den Bericht von dieser ersten Missionsreise zeitlich etwas vor, um es so darstellen zu können, als wäre der Erfolg dieser ersten missionarischen Offensive eine gute Begründung für die Zustimmung zur Heidenmission, die das Apostelkonzil beschließt. So sind eben alle Berichte der Evangelien immer auch schon Interpretation. Jetzt kommt Paulus ins Spiel. Zusammen mit Barnabas wird er zur ersten Expedition entsandt. Auf Zypern markiert diese Reise auch das Ende aller damals populären Zauberei. Das Strafwunder bewirkt Glauben. Das Evangelium macht Eindruck.

Freitag, 25. Juni, Apostelgeschichte 13, 13–25

Herkunft und Zukunft

Die Missionsgeschichte des Urchristentums führt in das innere Kleinasien. In Antiochia in Pisidien kommt es zu einem Paradebeispiel, wie sich der Glaube seinen Weg sucht. Nämlich über die Synagoge. Erst wer seine Wurzeln kennt, kann in die Höhe wachsen. Also macht Paulus einen Schnellkurs in Sachen Herkunftsgeschichte und zieht die Line vom Auszug aus Ägypten über die Landnahme, Richter und Propheten bis zum Königtum, nennt die entscheidenden Namen Saul und David und führt die Genealogie bis zu Jesus.

Samstag, 26. Juni, Apostelgeschichte 13, 26–43

Verheißung und Erfüllung

Paulus predigt wie Petrus und dokumentiert die Kontinuität der apostolischen Verkündigung. Die Rechtfertigung aus Gnade als Basis des theologischen Gedankengangs klingt in Vers 38 klar an. Das Gesetz wird nicht pauschal abgelehnt, sondern als Überforderung unerfüllbar angesehen. Vom Leben Jesu wird nur die Passion in den Blick genommen, weil da das Entscheidende passiert. Dass Lukas die eigene Christuserscheinung des Paulus vor Damaskus nicht erwähnt, ist sonderbar. Ludwig Burgdörfer

Veröffentlichung der Bibellese mit freundlicher Genehmigung des "Evangelischen Kirchenboten"