Bibellese

Sonntag, 18. Juni, Psalm 13

Wie lange?

Viermal steht diese Frage am Anfang des kleinen Psalms. Manchmal verlangt uns Gott eine harte Geduldprobe ab. Es kann für unser Empfinden scheinbar endlos dauern, bis wir Gottes Hilfe erfahren. Es ist entlastend, wenn ein Mensch es schafft, seine Not mit Gott im Gebet vor Gott zu bringen. Er fühlt sich von Gott verlassen und reibt sich an der Verborgenheit Gottes. Trotzdem wirft er seinen Glauben nicht über Bord. Wie es häufiger in den Psalmen zu erleben ist, hält er dennoch an dem fremd erscheinenden Gott fest. Er bittet, dass Gott nach ihm schaut und ihm die Augen öffnet, um ihn so vor dem Tod zu bewahren. Erstaunlich wie im letzten Vers eine völlig veränderte Situation erscheint. Seine Schwierigkeiten mit Gott scheinen überwunden. Er kann Gott vertrauen, dass er gnädig ist, und sein Herz freut sich über die Hilfe Gottes. Er kann am Ende sogar über die Wohltaten Gottes singen. Der ganze Psalm ist schwer vorstellbar an einem Tag gedichtet. Er schaut auf eine inzwischen gemachte Gotteserfahrung zurück. Die vorher erlebte Not mit Gott ist nicht vergessen. So bleibt der Psalm eine kostbare Hilfe in Glaubensnot und Gottesfinsternis, macht gerade in solchen Tiefen des Lebens Mut, die Hoffnung nicht aufzugeben.

Montag, 19. Juni, Apostelgeschichte 9, 19b–31

Bedrohung nach der Wende

„Ich will ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen“, hatte Gott zu Hananias gesagt, als er ihm Saulus als sein auserwähltes Werkzeug vorstellte. Als Verfolger war Saulus nach Damaskus gekommen. Als selber Verfolgter verlässt er es wieder. Er ist in der Stadt ein fundamental anderer geworden. Seine Leidenschaft ist ihm geblieben, aber da es jetzt nicht mehr Leidenschaft gegen, sondern für Christus ist, besteht für Saulus Lebensgefahr. Es provoziert seine ehemaligen Freunde, dass sie zu seinen Feinden werden und seinen Tod planen. Wie gut, dass die christliche Gemeinde in der Stadt gute Kontakte hatte und informiert war, was hinter vorgehaltener Hand gesprochen wurde. Das lässt Saulus unter abenteuerlichen Umständen aus der Stadt entkommen. Dass man ihm in Jerusalem mit Misstrauen begegnet, ist verständlich. Gut, dass es dort einen Mann wie Barnabas gab, der der Wende des Saulus vertraute und ihm Türen zu den Aposteln öff­nete. Aber auch in Jerusalem ist Saulus mit dem Tod bedroht. Er wird erst einmal weit weggeschickt in seine Heimatstadt Tarsus. Die christliche Gemeinde darf eine Zeit der Ruhe erleben. Viktor Meyer

Dienstag, 20. Juni, Apostelgeschichte 9, 32–43

Kraft des Glaubens und des Gebets

Wir folgen Lukas und seiner Apostelgeschichte weiter. Ruhe ist wieder in der Gemeinde eingekehrt. Wurde Paulus alias Saulus etwa um des lieben Friedens willen abgeschoben? Ein anderer begegnet uns in Lydda: Petrus. Kreuz und quer ist er über Land gezogen und begegnet Äneas. Dieser war acht Jahre gelähmt und ans Bett gefesselt. Kurz und bündig, wie bei den Heilungsgeschichten Jesu, erklärt er: „Jesus Christus macht dich gesund; steh auf und mache dir selber das Bett.“ Das hatte Folgen. Viele haben sich dem Glauben an Jesus Christus angeschlossen. Auch in der näheren Umgebung spricht sich das Wirken des Petrus herum. Seine Visitationsreise führt ihn in das 20 Kilometer entfernte Joppe, das heutige Jaffa. Tabita ist gestorben. Eine Jüngerin wohlgemerkt, zu der Petrus geholt wird. Mit medizinischer Hilfe kann er nicht dienen, dafür aber mit der Hilfe aus der Kraft des Glaubens und des Gebets.

Mittwoch, 21. Juni, Apostelgeschichte 10, 1–23a

Der Hauptmann Kornelius

Mit unserem heutigen Abschnitt beginnt die längste Einzelerzählung in der Apostelgeschichte. Es ist die Geschichte, die von dem Hauptmann Kornelius in Cäsarea handelt. Nach und nach werden wir beim Lesen in den kommenden Tagen merken, dass es mehr um Petrus geht. Kornelius ist eher eine Randfigur. Wir erinnern uns: Von Lydda wird Petrus nach Joppe gerufen, dort verweilt er beim Gerber Simon, und im Haus am Meer holen ihn die Boten des Hauptmanns nach Cäsarea ab. Grund ist die Begegnung des gottesfürchtigen Kornelius mit dem Engel Gottes. Nach dieser ersten Szene folgt die zweite mit der Vision des Petrus und danach die Boten des Kornelius, die „Simon mit dem Beinamen Petrus“ abholen wollten. Neugierig fragt natürlich der Apostel nach dem Grund. Kornelius, ein vorbildlicher Mann, geschätzt und geehrt, dem hat ein Engel aufgetragen, Petrus einzuladen und zu hören, was er zu sagen hat.

Donnerstag, 22. Juni, Apostelgeschichte 10, 23b–33

Juden und Christen unter einem Dach

In der längsten Einzelerzählung des Lukas begegnen sich in der vierten Szene Petrus und Kornelius. Danach erfolgt der Bericht des Hauptmanns zur Begründung dafür, dass er Petrus so dringend abgeholt hat. In seinem Bericht greift er erneut die Begegnung mit dem Engel Gottes auf. Im Haus des Hauptmanns kommt es zur Begegnung mit dem Apostel. Und für ein paar Tage geht es richtig „ökumenisch“ zu. Juden und Christen leben unter einem Dach. Dabei findet Petrus die Erklärung seiner für ihn unklaren Vision in den Versen 9–16. Petrus ist aufgegangen, dass es nicht um Speisegesetze geht, sondern um die Begegnung mit Menschen vor Gott ohne jegliche Vorbedingungen. Kornelius leitet nun über auf den eigentlichen Grund der Anwesenheit von Petrus und seiner mit Spannung erwarteten Rede.

Freitag, 23. Juni, Apostelgeschichte 10, 34–48

Programmatische Rede des Petrus

Lukas setzt Zeichen, die in die Richtung der beginnenden Heidenmission deuten. In der sechsten Szene der längsten Einzelerzählung geht es um die programmatische Rede des Petrus. Längst ist für den Apostel klar, dass es vor Gott keine unterschiedlichen Bewertungen von Menschen gibt. Gemeinschaft unter einem Dach führt in die siebte Szene zum Empfang des Geistes Gottes. In Folge empfängt Kornelius samt seines ganzen Hauses die Taufe. Die Rede des Petrus zeigt eindeutig, dass Gott niemand bevorzugt, jeder ihm willkommen ist und wir als Schwestern und Brüder, als Gotteskinder geliebt sind. „Nun erwarte ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und Recht tut, der ist ihm angenehm.“

Samstag, 24. Juni, Apostelgeschichte 11, 1–18

Petrus muss sich rechtfertigen

Die achte und letzte Szene führt Petrus zurück nach Jerusalem. Die Kritiker warten schon gespannt auf ihn. Schließlich ist die Jerusalemer Gemeinde die theologische Hochburg und nicht irgendeine Landgemeinde. Hier wird auch schon mal Tacheles geredet. Und so kommt es auch, dass der Apostel sein Reden und Tun in der Provinz rechtfertigen muss. Worum geht es? Den Judenchristen liegt viel an dem Privileg der Beschneidung. Beschnittene verkehren nicht mit Unbeschnittenen. Dagegen hat Petrus im Haus des Kornelius verstoßen. Der Apostel berichtet in seiner Rechtfertigung ausführlich, wie es dazu gekommen ist. All die vergangenen Szenen der längsten Einzelerzählung des Lukas werden erinnert, sodass eine komplette in sich stimmige Begründung am Ende die Kritiker überzeugt. Mit dem Pfingstfest in Jerusalem begann die Judenmission. Mit dem „Pfingsten der Heiden“ in Cäsarea kann die Heidenmission beginnen. Wolfgang Koschut

Veröffentlichung der Bibellese mit freundlicher Genehmigung des "Evangelischen Kirchenboten"