Bibellese

Sonntag, 21. Mai, Psalm 30

Aus der Tiefe gezogen

Ein Mensch dankt und lobt aus vollem Herzen für die erfahrene Rettung. Er weiß, dass er sich die Bewahrung vor dem Tod nicht sich selbst zuzuschreiben hat. Stattdessen bringt er seinen Dank betend vor Gott. Du hast mich gesund gemacht. Er ist sich bewusst, dass er ohne den Beistand Gottes verloren gewesen wäre. So nimmt er seine Erfahrung nicht als Selbstverständlichkeit hin. Was er erlebt hat, ist ihm zur Glaubenserfahrung geworden. Er ermuntert andere zum Lobgesang, den Namen des Herrn zu preisen. Er kann selber nicht schweigen. Dass Gott seine Klage in einen Reigen verwandelt, ihm den Sack der Trauer ausgezogen und ihn mit Freude gegürtet hat, das drängt den Psalmbeter zum unaufhörlichen Gotteslob. Er hat erlebt, dass auch andere Zeiten kommen können, wo Gott verborgen erscheint. Was für einen Schrecken das bedeuten kann, weiß er. Er hat nicht aufgehört, Gott um Hilfe zu bitten. Es schenkt Lebensmut zu erfahren, wie Gott rettet und gesund macht und dafür loben, danken und singen zu können.

Montag, 22. Mai, Apostelgeschichte 2, 42–47

Das Leben der ersten Christen

Was Lukas vom Leben der ersten christlichen Gemeinde überliefert, will er als Programm der Kirche aller Zeiten verstanden wissen. Vier Säulen tragen die christliche Gemeinde: die Lehre der Apostel, die Gemeinschaft, das Brotbrechen und das Gebet. Die Zeilen des Lukas wollen uns nicht einem verlorenen Idealbild nachtrauern lassen, sondern Mut machen, zu vertrauen, welche erstaunlichen Kräfte der Geist Gottes in Bewegung setzen kann. Faszinierend ist, welches Maß an Gemeinschaft in der ersten Christenheit möglich gewesen sein muss. Es ist geradezu familiär zugegangen. Keiner war nur auf sein eigenes Wohlergehen bedacht, keiner fühlte sich von anderen ausgenutzt. Keiner hatte Angst zu kurz zu kommen. Es war eine neue Gesellschaft, wie sie die Welt bis dahin nicht kannte. Erstaunlich, dass diese Art von Gesellschaft niemand abschreckte, sondern anziehend wirkte. Diese Gemeinde wuchs, aber sie wusste, das lag nicht an besonderen Gemeindewachstumsprogrammen, sondern der Herr baut seine Gemeinde und fügt immer wieder Menschen hinzu.

Dienstag, 23. Mai, Apostelgeschichte 3, 1–10

Heilung vor dem Tempel

Die ersten Christen in Jerusalem haben sich ganz selbstverständlich zum Tempel gehalten. So ist es nichts Ungewöhnliches, dass die beiden Apostel Petrus und Johannes zur nachmittäglichen Gebetsstunde zum Tempel hinaufgehen. Ein von Geburt an Gelähmter hat seinen Platz vor dem Tempeltor. Dort wird er regelmäßig hingebracht. Seine Chancen, ein paar Münzen zugeworfen zu bekommen, waren dort größer als anderswo an einer Straßenecke in der Stadt. Noch heute stehen vor den Kirchenportalen mancher Großstädte Bettlerinnen und Bettler. Meistens gehen sie bei den Kirchenbesuchern nicht leer aus. So erwartet der Gelähmte vor der Tempeltür eine kleine Gabe von den beiden Aposteln. Sie gehen nicht an ihm vorüber, sondern schenken ihm ihre ganze Aufmerksamkeit. Er erwartet Geld von ihnen. Davon haben sie selber nicht viel. Sie geben ihm, was sie haben, viel mehr als Geld: „Im Namen Jesu Christi, steh auf und geh umher!“ Wie großartig wäre es, könnten auch wir statt milder Gaben Bedürftigen die Kraft Jesu schenken, die ihr Leben heilt, dass sie nicht mehr betteln müssen!

Mittwoch, 24. Mai, Apostelgeschichte 3, 11–26

Christuszeugnis im Tempel

Entsetzen und Verwunderung löst die Heilung des Gelähmten bei denen aus, die sie miterleben. Wie bei dem Pfingstereignis ergreift Petrus das Wort und hält eine Predigt. Sie schont seine Hörer wie bereits an Pfingsten nicht vor Anklagen: Ihr seid verantwortlich für den Tod Jesu. Aber Gott hat ihn auferweckt von den Toten. Die Apostel sind dafür Zeugen. Durch den Glauben an den Auferstandenen ist der Gelähmte geheilt worden. Nicht die Kraft oder Frömmigkeit der Apostel hat diesen Mann gesund gemacht. Das Wunder, das sein Leben heilsam verändert hat, ist geschehen, als er den Worten der Apostel vertraut hat: Im Namen Jesu Christi, steh auf und geh umher. Aus der Erfahrung dieses Wunders gilt es für alle, die es erleben durften, die Konsequenzen zu ziehen. Wie in der Pfingstpredigt, bedeutet dies die Einladung zur Umkehr: In Jesus den Christus, den Bevollmächtigten Gottes erkennen. Wer das Alte Testament von Christus her liest, der kann ihn bereits darin entdecken und wird zu der Einsicht geführt, dass mit ihm unser Leben heil und gut werden will.

Donnerstag, 25. Mai, Psalm 47

Gott ist Herr der Welt

Es ist eine gute Wahl, dass liturgisch dieser Psalm dem Fest Christi Himmelfahrt zugeordnet ist. Der christlichen Gemeinde sollte es nicht schwerfallen, bei dieser Gelegenheit in den freudigen Psalm einzustimmen. Alle Welt ist eingeladen, ihre Freude über Gott mit Herzen, Mund und Händen zum Ausdruck zu bringen. Dieser Tag sollte für Christen keine Verlegenheit sein, sondern Anlass, wiederholt österlichen Jubel laut werden zu lassen. Gott ist König über die ganze Erde. Er sitzt auf seinem heiligen Thron. Es war sicher schon zu alttestamentlicher Zeit nicht einfach, dies zu bekennen, und es fällt angesichts von Terror und Gewalt heute genauso wenig leicht. Umso mehr sollte ein Tag wie dieser Christen Mut machen, sich in diesem Bekenntnis zu bestärken und es einander zuzusingen. Die Liebe des Gottes, der in Jesus ein Mensch und unser Bruder geworden ist, ist stärker als ­aller Hass. Ihr gehören der Sieg und die Zukunft. Diesen allerhöchsten Herrn gilt es zu fürchten, ernst zu nehmen. Er macht frei von aller ­Menschenfurcht.

Freitag, 26. Mai, Apostelgeschichte 4, 1–12

Gefängnis als Folge der Predigt

Predigten können gefährlich sein. Diese Erfahrung musste die Christenheit von Anfang an machen. Wegen ihrer Predigt im Tempel werden Petrus und Johannes über Nacht inhaftiert. Trotz des Widerstands dagegen ist sie nicht ohne Wirkung geblieben. Die christliche Gemeinde wächst weiter von 3000 auf jetzt 5000. Am nächsten Morgen müssen sich die Apostel vor Gericht verantworten für das, was sie getan und gesagt haben. Es ist die Kraft des Geistes, die sie auch durch diese Situation nicht eingeschüchtert sein lässt. Wie habt ihr das geschafft, dass ein von Geburt an Gelähmter plötzlich laufen kann, wollen die Mitglieder des Hohen Rats wissen. Es ist dasselbe Gremium, vor dem auch Jesus gestanden hat und das seinen Tod wollte. Ohne Angst um sein persönliches Ergehen legt Petrus in der Kraft des Geistes Zeugnis ab: Gott hat Jesus, den ihr gekreuzigt habt, von den Toten auferweckt. Durch die Kraft Jesu ist der Gelähmte gesund geworden. In keinem anderen Namen als in dem Jesu ist der ganzen Welt Rettung angeboten. Nur er, er allein ist unser Erlöser.

Samstag, 27. Mai, Apostelgeschichte 4, 13–22

Freimut vor Gericht

Der Freimut der Apostel löst Unsicherheit bei den Ratsmitgliedern aus. Wie können einfache Fischer so vollmächtig, uneingeschüchtert und überzeugend auftreten? Was für eine Wandlung ist mit ihnen passiert? Der Geheilte steht dabei. Das Wunder lässt sich nicht leugnen: Ein 40-jähriger Mann, von Geburt an gelähmt, kann mit einem Mal stehen und gehen. Dass da etwas Außergewöhnliches passiert ist, lässt sich nicht leugnen. Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück. Man kann den Aposteln nichts Strafbares vorwerfen, aber man befürchtet weitere Auswüchse. So will man ihnen ein Schweigegebot auferlegen. Aber die Apostel lassen sich nicht den Mund verbieten, nicht aus Trotz, sondern im Gehorsam gegen Gott. Wer im Namen Gottes urteilen und Recht sprechen will, muss verstehen: Der Gehorsam gegen Gott hat Vorrang vor dem gegenüber Menschen. Da müssen Drohungen nutzlos sein und verstummen. Je mehr Gotteslob laut wird, können Drohungen nichts ausrichten und können nicht wirklich ängstigen. Viktor Meyer

Veröffentlichung der Bibellese mit freundlicher Genehmigung des "Evangelischen Kirchenboten"