Bibellese

Sonntag, 17. März, Psalm 10

Mit Gottes Gegenwart rechnen

„Gott, wo bist du? Zeig dich!“ Zu allen Zeiten beten Menschen in Not zu Gott. Diese Frage kann einen Menschen umtreiben. Nicht oberflächlich vorgebracht, wie oft gehört: Wenn es Gott gäbe, dann … So nicht! Es ist ein Mensch, der mit Gottes Gegenwart rechnet und mit der Leere konfrontiert ist, mit dem abwesenden Gott: „Herr, warum stehst du so ferne, verbirgst dich zur Zeit der Not?“ Wer in einer Krise ist, sieht das Leben aus diesem Blickwinkel. Es fällt dann auf, wie die ungläubigen Menschen stolz und unter Umständen auch rücksichtslos ihr Leben führen und vor allem auf ihr eigenes Wohlergehen achten. Ja, das kann einen Menschen umtreiben. Doch hier wird der verborgene Gott angesprochen und aufgefordert, aktiv zu werden: Steh auf! Werde tätig! Vergiss die im Elend nicht! Zerbrich die Macht der Gewalttätigen und Bösen! Schaffe Recht! Gut ist dran, wer mit Gott so sprechen kann und damit mit Gottes Gegenwart und Eingreifen rechnet. Wer ist der König des Lebens? Wer hat die Kraft für Veränderung? Wer schafft Recht für die armen Menschen? Es ist letztendlich Gott, der dies alles schafft und wirkt.

Montag, 18. März, 1. Samuel 14, 1–15

Jonathan und die Philister

Jonathan ist der Sohn von König Saul. Das verschafft ihm einige Sonderrechte. So versteht er das zumindest. Jung und kräftig ist er, gut ausgebildet in der Waffenkunst, auch selbstbewusst ist er und strebt nach Eigenständigkeit und Macht. Was soll er sich dem Vater beugen? So sucht er seine eigenen Herausforderungen. Ein durchaus üblicher Vorgang in dieser Lebensphase, der auch gefährlich werden kann, für ihn selbst und andere Menschen. Hier sucht der Jüngling Jonathan den ­Kontakt zu den Philistern, den Un­beschnittenen, den Feinden.

Jonathan fordert Gott geradezu heraus, indem er bedingungslos mit Gottes Unterstützung und Hilfe rechnet. Es scheint ein Spiel mit dem Schicksal zu sein. So scheint Jonathan zunächst auch den Sieg ­davonzutragen. Doch wer die biblische Darstellung weiterverfolgt, erfährt, dass dieser Sieg ein Pyrrhussieg ist. Jonathan zeigt seine hinterhältige Seite, was ihn nicht sehr sympathisch erscheinen lässt.

Dienstag, 19. März, 1. Samuel 15, 1–35

Das Ende von Saul

Falls Sie diesen unbarmherzigen und bluttriefenden Abschnitt über das Ende von Saul und die überraschend harten Worte und Taten des Sehers Samuel noch nicht gelesen haben, kann nur abgeraten werden: Nein, lesen Sie den Abschnitt nicht! Um Vollstreckung des Banns geht es hier. Ein Aufruf zur Ermordung von Menschen allen Alters aus dem Volk der Amalekiter und ihres gesamten Viehbestands. Verschonung wird schwer bestraft. Von Hinterlist ist zu lesen und auch von Lüge. Warum nur wird diese Geschichte erzählt? Was ist ihre Botschaft? Es ist so: Saul, der von Anfang an umstrittene König, ist Gott nicht gehorsam. So kann Saul nicht mehr König sein. Das Königtum wird ihm weggenommen. Samuel, bisher als gütiger Mensch gezeichnet, agiert hier mit brutaler Härte und ermordet den König von Amalek erbarmungslos. Nun, es ist kein Tatsachenbericht. Es geht hier darum, den unbedingten Gehorsam Gott gegenüber aufzuzeigen. Das geschieht nicht in einer theologischen Abhandlung, sondern ist in diese Geschichte gepackt, die aufwühlt und im Gedächtnis haften bleibt. Sie beschreibt das Ende der Königszeit von Saul.

Mittwoch, 20. März, 1. Samuel 16, 1–13

Samuel salbt David

Kinder lieben diese Geschichte! Ist es doch der Jüngste und Kleinste in der Geschwisterreihe, der hier besonderes Ansehen erfährt und am Ende sogar gesalbt wird. Da ist die Freude groß bei den Kindern; wie ein Sieg wird das gefeiert. David wird ein Königskind, weil Gott ihn auserwählt. Sind wir nicht alle Königskinder, gekrönt mit Gnade und Barmherzigkeit (Psalm 103)? Gleich welchen Alters, welcher Größe! Es ist Samuel, dem dieser wunderbare Satz in den Mund gelegt wird: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.“ Ein wahrhaft prophetischer Satz. Es ist nicht nur ein Sehen, sondern ein Menschenkind wird in seinem Innersten erkannt. In dem Kind sieht Samuel den zukünftigen König und salbt ihn mit Öl. Gerne wird dieser zitierte Vers ausgewählt als Taufspruch oder auch von Jugendlichen zur Konfirmation. Gott selbst darf und soll den Menschen ins Herz schauen. Das Innerste eines Menschen öffnet sich vor Gott. „Herr, du erforschest mich und kennst mich …“ (Psalm 139).

Donnerstag, 21. März, 1. Samuel 16, 14–23

Davids Harfenspiel

Von welchem Geist lassen wir uns regieren? Gottes Geist ist von Saul gewichen, ein böser Geist hat von Saul Besitz ergriffen und will ihn zerstören. Was oder wer kann diesen bösen Geist besänftigen? Es ist die Musik, die das Innerste von Saul erst berührt, dann beruhigt. Ja, Musik kann einen Menschen verändern, hat Einfluss auf das Leben von Menschen. Musik kann aufwühlen, befreien, besänftigen, beruhigen. Musik ist auch ein wesentliches Element des Gottesdienstes als dargebrachte Musik oder zur Begleitung der Lieder. Der junge David beruhigt den verhärmten Saul mit seinem Harfenspiel. Aus vielerlei Gründen findet David Gefallen bei Saul: David ist tapfer, klug und schön, musikalisch und umgänglich. Der Geist Gottes ist mit ihm. Es tut Saul gut, wenn David in seiner Nähe ist. So gewinnt ihn Saul lieb. David darf ihm nahe sein, sogar seine Waffen tragen. Davids Hauptaufgabe bleibt jedoch die Musik, die er auf seiner Harfe spielt, wenn dunkle Gedanken das Herz von Saul überwältigen.

Freitag, 22. März, 1. Samuel 17, 1–30

Furcht vor den Philistern

„Klein gegen Groß“ – sorgfältig wird die Geschichte vorbereitet und erzählt. Unbedingt ganz lesen, denn es entsteht ein „Kino im Kopf“. Auf zwei gegenüberliegenden Bergen stehen die Gegner: da die gut gerüsteten und gepanzerten Philister, in Schlachtreihen aufgestellt dort die verängstigten Israe­liten mit Saul. Schon allein das Schlachtgeschrei der Philister lässt den Israeliten das Blut in den Adern gefrieren. Dann noch die Kampfansage des Riesen, die über das Tal schallt. – Szenenwechsel – David, der Jüngling, soll seinen Brüdern Brot und Käse bringen. Da geht das Geschrei des Riesen Goliath wieder los, wie schon viele Tage zuvor: Einer wird gewinnen! Es gibt nur Herren und Knechte! – Der König Saul setzt für den Sieg gegen Goliath einen hohen Preis aus. Wer hier wagt und gewinnt, erhält großen Reichtum und die Tochter des Königs und noch mehr. Oh Gott, wer sollte sich da wagen?! David zeigt sich interessiert, sodass die älteren Brüder ihn zurückpfeifen, „Das ist nichts für dich!“ David, unschuldig: „Ich habe doch nur gefragt!“

Samstag, 23. März, 1. Samuel 17, 31–58

David besiegt Goliath

Was für eine Geschichte! David, der Hirtenjunge, gewinnt den Kampf gegen den hochgerüsteten Goliath. Köpfchen gegen Rüstung, Klein gegen Groß, David gegen Goliath! Dieser legendäre Kampf ist zu einer Redewendung geworden und eine grandiose Mutmachgeschichte wider allen Augenschein. Immer wieder gibt es solche Kämpfe, und immer wieder gehen sie so aus, dass David gewinnt gegen Goliath: Erinnerungen werden wach an den 9. Oktober 1989 in Leipzig; in diesem Jahr jähren sich das Datum und die Ereignisse zum 30. Mal. Da ist die Auseinandersetzung zu nennen um den Hambacher Forst im letzten Jahr. Was kann denn so ein Hirtenjunge? David beschreibt seinem König, wie er sich als Hirte behaupten musste gegen Löwen und Bären. Darum traut er sich auch diesen Kampf zu. Irgendwie kommt auch Goliath der Hirtenjunge mit seiner Steinschleuder seltsam vor. Er spürt, dass dieser zwar alleine kommt, doch Unterstützung hat, die ihn stark macht. Der Knabe nennt seinen Unterstützer und sagt ihm auch voraus, was geschehen wird mit Goliath, dazu allen Philistern. Gudrun Herzer

Veröffentlichung der Bibellese mit freundlicher Genehmigung des "Evangelischen Kirchenboten"