Glaube und Leben

Andacht zum 18. Sonntag nach Trinitatis

Das Geschenk Gottes

von Pfarrerin Ulla Steinmann

Und als er hinausging auf den Weg, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als der eine Gott. Du kennst die Gebote: „Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden berauben; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.“ Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach! Er aber wurde betrübt über das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter. Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen! Die Jünger aber entsetzten sich über seine Worte. Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist's, ins Reich Gottes zu kommen! Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme. Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann dann selig werden? Jesus sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist's unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.

Markus 10, 17–27

Die Jünger sind entsetzt, als sie Jesus so reden hören. Und wir? Ein Vers aus dem Bibeltext ist sehr bekannt und wird auch gerne zitiert: „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme!“ Viele denken, das sei doch nur gerecht. Wer hier auf der Erde schon alles hat, der braucht nicht auch noch den Himmel. Wer hier auf der Erde gut leben kann und sich viel leisten kann, der hat doch schon seinen Lohn empfangen.

Wer hier auf der Erde ein sicheres Leben führen kann und sich keine Angst und keine Sorgen um den Lebensunterhalt machen muss, der lebt schon heute wie im Paradies, der hat den Himmel gar nicht mehr verdient.

Dabei übersehen wir aber, dass wir alle in unserem Land zu den Reichen zählen auf dieser Erde. Auch wenn es ungerecht zugeht, so muss hier niemand verhungern. Es muss niemand sich in Fetzen kleiden oder ohne Schuhe durchs Leben gehen. Von Krieg blieb das Land 72 Jahre verschont, auch Naturkatastrophen halten sich in der Pfalz und Saarpfalz noch in Grenzen. So sind wir reich beschenkt und merken es nicht. Auch wir kommen – nach Jesu Worten – nicht in den Himmel! So müssten wir genauso entsetzt sein wie die Jünger damals! Dass Jesus den Menschen Angst machen wollte, denke ich nun nicht. Aber er macht zwei Dinge ganz deutlich. Das eine ist: Jeder sollte sich überlegen, woran sein Herz hängt, was er auf keinen Fall missen möchte, was für ihn im Leben ganz wichtig ist. Das Zweite ist: Keiner kann sich den Himmel verdienen. Wer in den Himmel kommt, entscheidet Gott allein; der Gott, der als Einziger gut ist, wie Jesus sagt, und bei dem nichts unmöglich ist!

Woran hängt also unser Herz? Wovon wollen wir uns nicht trennen? Jesus fragt auch uns heute, welchen Stellenwert Gott in unserem Leben hat. Steht er ganz oben auf unserer Liste oder rangiert er unter „ferner liefen“?

Die Jünger haben erkannt, wie schwer es ist, Gott an die erste Stelle zu setzen. Sie haben viel aufgegeben, als sie Jesus nachfolgten. Sie haben ihre Familien zurückgelassen. Sie haben ihren Arbeitsplatz verlassen. Sie haben jegliche Sicherheit aufgegeben, weil sie Jesus ganz und gar vertraut haben. Dennoch spüren sie, dass sie deshalb nicht automatisch in den Himmel kommen werden. Ihnen wird klar: Niemand kann bei Gott selig werden, wenn es stimmt, was Jesus gesagt hat. Deshalb sind sie so entsetzt.

Wir haben für Jesus nicht alles verlassen, nicht alles aufgegeben. Kaum einer wird auch sagen, dass Gott an allererster Stelle in seinem Leben stehen würde. Familie ist vielen wichtig; für ihren Beruf leben viele; ein schönes Hobby steht ganz oben, auf eine gute finanzielle Absicherung bauen auch viele. Wenn ich gut verdiene, fühle ich mich wohl und sicher. Wenn ich als Frau mein eigenes Geld habe, bin ich unabhängig. Aber ist Geld als Sicherheit nicht ein großer Irrtum? Denn Geld macht weder frei noch lässt es mich sicher leben. Wir meinen das zwar, aber können wir mit Geld uns Leben erkaufen oder Erlösung?

Jesus legt den Finger in eine Wunde. Geld wird uns nicht zur Seligkeit verhelfen, Geld nutzt in allen entscheidenden Lebenslagen gar nichts. Es gaukelt uns eine Sicherheit vor, die wir nicht haben. Es lenkt uns nur ab von Gott. In gut zwei Wochen feiern wir den 500. Reformationstag. Wir erinnern uns an Martin Luther; an die Zeit, in der er gelebt hat; an das, was er für uns getan hat. Damals dachten auch viele, sie könnten sich mit Geld den Himmel erkaufen. So wurde der Ablass gepredigt – wer Geld hatte, konnte sich von seiner Schuld freikaufen oder sie zumindest mildern. Die Zeit im Fegefeuer würde verkürzt, wenn nur genug Geld gezahlt wurde.

Martin Luther räumte mit diesem Unglauben auf, er wandte sich gegen den Ablass: Mit keinem Geld der Welt kann sich jemand freikaufen, durch Geld lässt sich die Seligkeit nicht erkaufen! Selig werde ich nur durch den Glauben an Gott, durch das Geschenk, das Gott uns Menschen in Jesus Christus gemacht hat. Niemand kann sich den Himmel verdienen; ich kann ihn mir nur schenken lassen. Auch wenn ich es gar nicht wert bin, dass Gott mich beschenkt, so tut er es doch aus Liebe zu uns Menschen.

Ulla Steinmann ist zurzeit Pfarrerin zur dienstlichen Aus­hilfe im Kirchen­bezirk Kusel.

Gebet

Guter Gott,auf dich wollen wir bauen und hoffen,denn du schenkst uns Reichtum im Herzen,du machst uns frei von unnötigen Dingen,du machst das Unmögliche möglich undschenkst uns Erlösung. Dank sei dir dafür. Amen.

Veröffentlichung der Andacht mit freundlicher Genehmigung des "Evangelischen Kirchenboten"