Gesegnet und erwählt

Andacht zum Sonntag Trinitatis

Gesegnet und erwählt

von Pfarrer Sascha Müller

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten in der Liebe; er hat uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten. In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit. Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, um die Fülle der Zeiten heraufzuführen, auf dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist, durch ihn. In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden, die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt, nach dem Ratschluss seines Willens, damit wir zum Lob seiner Herrlichkeit leben, die wir zuvor auf Christus gehofft haben. In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Rettung – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheißen ist, welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.

Epheser 1, 3–14

Wozu loben wir? Folgt man Erkenntnissen der Lernpsychologie, dann ist Lob eines der stärksten Mittel zur Motivation: Doch wozu loben wir Gott? Wozu lobt der Schreiber des Epheserbriefs Gott in solch vielfältiger, geradezu überbordender Weise? Muss Gott etwa motiviert werden, sich noch besser, noch nachhaltiger um seine Schöpfung und um seine Geschöpfe zu kümmern?

Wohl nicht. Adressat des Epheserbriefs ist nicht Gott, das sind die Menschen der Gemeinde, an die diese Zeilen gerichtet sind – und damit letztlich all diejenigen, die ihr Leben an Gott ausrichten wollen. Ihnen will der Schreiber des Epheserbriefs Mut machen, sie will er ermutigen und motivieren, sich ihres Glaubens zu vergewissern und diesen zu vertiefen. Gerade am Trinitatisfest steht dabei das Lob des Gottes im Zentrum, der sich als Vater, Sohn und Heiliger Geist zeigt. Indem der Schreiber Gott in seiner dreieinigen Gestalt lobt und preist, ruft er die Leser dazu auf, sich ihrer eigenen Glaubenshaltung zu vergewissern und Konsequenzen für ihr Leben daraus zu ziehen.

Der Briefschreiber beginnt dabei sein Lob mit einer Feststellung: Wir sind gesegnet und erwählt, und das schon vor Erschaffung der Welt. Gottes Liebe steht somit am Anfang, bevor wir überhaupt reagieren, geschweige denn agieren können. Gleichzeitig soll uns diese Feststellung motivieren: Indem Gott uns unser Heil, unsere Gnade in Jesus Christus geschenkt hat, liegt es nun an uns, unser Leben vor Gott und mit den Mitmenschen so zu gestalten, dass es diesem Gottesgeschenk entspricht.

Denn wir sind vorherbestimmt, Gottes Kinder in Jesus Christus zu sein und im Wohlgefallen seines Willens zu leben. Gerade an Trinitatis ist das eine zentrale Aussage: Wer an Gott, den Vater, glaubt, der lebt in der Nachfolge und im Wohlgefallen Jesu – beides ist nicht voneinander zu trennen. Und er tut dies in der Kraft des Geistes, der uns hält und umschließt.

Und während wir mit Gott, dem Vater, die Schöpferkraft alles Lebens verbinden, zeigt uns sein Sohn Jesus Christus, wie konkrete Lebensgestaltung als Folge dieses Schöpfungshandelns aussehen kann. Es dürfte wenige Kontexte geben, in denen wir kein klares Bild davon haben, was unser Glaube an konkretem Handeln, an Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Verantwortungsübernahme von uns erwartet. Da soll das Lob Gottes Motivation und Erinnerung gleichermaßen sein, dem Handeln Gottes in Jesus Christus gerecht zu werden.

Im Bereich der Lernpsychologie hat das Lob in weiten Teilen eine andere Strategie abgelöst: die Strategie des Drucks, der Strafandrohung. Darum kann es nicht gehen, wenn wir unser Leben angstfrei im Glauben an Gott gestalten wollen: dass wir vor Gott Angst vor Fehlern, Angst vorm Scheitern haben. Denn bei aller Motivation, unser Leben gemäß unseres Glaubens gestalten zu wollen: Wir werden scheitern, wir werden Fehler machen – immer wieder. Jeglicher anderer Glaube wäre reiner Hochmut. Am Ende wird es Gottes Gnade und nicht unser eigenes Handeln sein, aufgrund dessen wir bei ihm angenommen und aufgehoben sind.

Fehler gehören zum Leben dazu, und oft genug verhindert die Angst vor dem Scheitern, dass wir uns überhaupt auf neue Wege machen. In der Nachfolge Jesu müssen wir davor aber keine Angst haben: Wir leben im Reichtum der Gnade Gottes, der in Jesus Christus unsere Schuld auf sich genommen hat. Daher können wir befreit und angstfrei unseren Glauben leben – in dem Wissen, dass wir immer wieder dabei scheitern werden und dennoch aufgehoben sind in der vergebenden Liebe Gottes.

Denn es ist das Wort der Wahrheit, so der Epheserbriefschreiber, dass wir gerettet sind. Der Geist Gottes ist in die Welt gekommen, und dieser Geist lebt in uns, wir sind in ihm geborgen.

Indem der Briefschreiber sein Gotteslob so formuliert, will er die Gemeinde motivieren, Gottes Handeln zu entsprechen: Gott hat das Heil in die Welt gebracht, dafür ist er zu loben und zu preisen, dafür ist ihm zu danken. Dieser Dank an Gott soll uns Motivation sein, unser eigenes Leben und unser Handeln zu bedenken: Denn nun liegt es an uns, dieses Heil anzunehmen, dieses Heil erfahrbar zu machen und in diesem Heil unser Leben zu gestalten.

Sascha Müller ist Referent in der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft in Kaiserslautern.

Gebet

Gnädiger und barmherziger Gott,wir danken dir für deine wunderbare Schöpfung und dafür, dass du uns alles gegeben hast, was wir für ein erfülltes Leben brauchen. In deinem Sohn Jesus Christus hast du uns gezeigt, was Leben in deinem Geist heißen kann. Amen.

Veröffentlichung der Andacht mit freundlicher Genehmigung des "Evangelischen Kirchenboten"