Kirchenunion 

Bundesgenosse der Demokratiebewegung

Referierte über die Kirchenunion von 1818: Kirchenpräsident Christian Schad (hinten am Pult) in Rudolphskirchen.

Kirchenpräsident Schad im Gespräch mit Besuchern des Vortrages. Fotos: lk

Rudolphskirchen (lk). Die kirchengeschichtlichen Ereignisse vor 200 Jahren in der Pfalz waren nach den Worten von Kirchenpräsident Christian Schad prägend für die protestantische Landeskirche als „Beteiligungskirche“ mit presbyterial-synodaler Verfassung. Dass die Kirchenunion von 1818 – der Zusammenschluss reformierter und lutherischer Kirchengemeinden – erst durch eine Abstimmung an der Basis ermöglicht wurde, sei einzigartig in der damaligen deutschen Kirchenlandschaft gewesen, führte Schad in einem Vortrag zum Thema „Vom Reformationsjubiläum 1817 zur Union 1818“ in der protestantischen Kirche von Rudolphskirchen aus. Die Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) feiert das 200. Jubiläum der Kirchenunion mit einem Festwochenende vom 7. bis 9. September in Kaiserslautern, der Stadt der Unionssynode.

Die Reformations- und Unionsfeiern in der pfälzischen Landeskirche seien heute wie damals geprägt von „ökumenischer Weite“, sagte Schad, der auf Einladung des Arbeitskreises „5. Sonntag“ in Rudolphskirchen referierte. In der Pfalz habe es bereits seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert in mehreren Orten Annäherungsprozesse zwischen Lutheranern und Reformierten gegeben, die oft auch zu Freundschaften zwischen den Pfarrern der beiden protestantischen Konfessionen geführt hätten. So seien von der 300-Jahr-Feier der Reformation im Jahr 1817 bereits wichtige ökumenische Impulse für die Kirchenunion 1818 ausgegangen. „Für mich ist das eines der spannendsten Kapitel der pfälzischen Kirchengeschichte“, sagte Schad.

Die kritische Sichtung des überkommenen Lehrsystems im Zuge der Union habe zu einer folgenreichen, die neuzeitliche Theologiegeschichte bestimmenden Umformung des christlichen Denkens geführt, sagte der Kirchenpräsident. Nicht durch autoritäre Zwangsmaßnahmen, sondern nur durch „selbsttätige, innere Einstimmung“, so auch die Position der Unionsväter, könne die Lehre Jesu den Menschen verbindlich gemacht werden. Prägend für die protestantische Kirche seien entsprechend die von der Aufklärung und dem Rationalismus der damaligen Zeit ausgehenden Bildungsimpulse gewesen. Die frühe Demokratiebewegung in Deutschland habe „in der unierten Kirche einen Bundesgenossen gefunden“.

Das Jubiläum „200 Jahre Pfälzer Kirchenunion“ biete vielfältige Gelegenheiten, „über die ökumenischen und demokratischen Impulse, die von der Union ausgegangen sind, nachzudenken“. Der Kirchenpräsident lud zum Festwochenende im September in Kaiserslautern ein. Zum Auftakt der Feiern erinnere bereits am Sonntag, 2. September, um 15 Uhr ein Gottesdienst in der Stiftskirche mit Bischof Karl-Heinz Wiesemann und Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen – Region Südwest daran, dass die innerprotestantische Ökumene „auch ein deutlicher Ruf ist, sich heute für die christliche Ökumene einzusetzen“, sagte Schad. Höhepunkt und ein „Fest für alle Sinne und alle Generationen“ sei die Jubiläumsfeier vom 7. bis 9. September in der Kaiserslauterer Innenstadt mit einem abwechslungsreichen Bühnen- und Straßenprogramm. Ein Festgottesdienst am Sonntag um 10 Uhr in der Stiftskirche und ein anschließender Festakt mit Bundespräsident a.D. Joachim Gauck im Großen Haus des Pfalztheaters sind zugleich Höhepunkt und Abschluss des Festwochenendes.

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