Genossenschaften sind Akzeptanzmotor
Mehr Bürgerbeteiligung beim Ausbau der Windkraft gefordert
Landau (lk/abg). Mehr Bürgerbeteiligung beim Ausbau der Windkraft haben Vertreter von Energiegenossenschaften bei einer Fachtagung „Energiewende jetzt“ in Mannheim gefordert. „Die Bürger vor Ort wollen an der Energiewende beteiligt sein und selbst davon profitieren“, sagte Dietmar von Blittersdorff von der Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft der Evangelischen Kirche der Pfalz. Windkraftprojekte seien künftig ohne Rückhalt der Bürger nur schwer zu realisieren. Veranstalter der Tagung waren das Netzwerk „Energiewende jetzt – Energiegenossenschaften gründen“.
Energiegenossenschaften bieten nach Auffassung von Burghard Flieger von der innova eG – Entwicklungspartnerschaft für Selbsthilfegenossenschaften – im Unterschied zu Investoren und großen Projektentwicklern die Chance echter Bürgerbeteiligung bei Windkraftprojekten. „Bürger sind über die Genossenschaft Betreiber und Miteigentümer. Sie haben Mitsprache, übernehmen die Geschäftsführung und die Kontrollrechte“, sagte Flieger. Derzeit boome der Ausbau der Windenergie vor allem im Süden. In Rheinland-Pfalz wolle das Land die Stromerzeugung aus Windenergie bis 2020 auf etwa 7500 Megawatt verfünffachen, das Land Baden-Württemberg im gleichen Zeitraum den Anteil der Windenergie von derzeit 0,8 auf 10 Prozent steigern.
Dabei erlebten die Bundesländer einen Kampf um die Windkraft-Standorte, sagte Sylvia Pilarsky-Grosch, Vizepräsidentin des Bundesverbandes WindEnergie e.V. Dabei würde vielerorts Flächensicherung mit teilweise unrealistisch hohen Pachtversprechen betrieben. Dies geschehe jedoch zum Nachteil von Bürgerenergiegenossenschaften, die nicht die gleichen personellen und finanziellen Ressourcen wie die Wettbewerber hätten. Die Chance für Genossenschaften liegen für Pilarsky-Grosch in der regionalen Verwurzelung, „sie können ein Akzeptanzmotor beim Ausbau der Windkraft sein“. Investoren und große Projektentwickler kämen mit fertigen Konzepten, Genossenschaften hingegen könnten frühzeitig Bürger einbinden, um dann den besten Standort umzusetzen.
Die Vorteile von Bürgerwindrädern liege darüberhinaus in der regionalen Wertschöpfung, erläuterte Pilarsky-Grosch. „Die Gesellschaft ist vor Ort, die Kommune erzielt Gewerbesteuereinnahmen, Bürger sind am Windrad beteiligt und lokale Unternehmen am Bau.“ Allerdings sei die Projektierung von Windkraftanlagen ein risikoreiches Unterfangen. Für die Realisierung sei ein gutes Projektmanagement erforderlich, um die Sicherung des Grundstückes, die Standortanalyse, die Finanzierung, das Genehmigungsverfahren, den Bau usw. gut zu bewältigen. Dabei sei es sinnvoll und notwendig, Profis von außen hinzuzuziehen. Die Verantwortlichen in der Genossenschaft bräuchten einen langen Atem. „Es ist ein schwieriges Verfahren, das Personen mit Beharrungsvermögen braucht.“
Hinweis: Ansprechpartner ist Dietmar Freiherr von Blittersdorff, Evangelische Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft, Kronstraße 40, 76829 Landau, Telefon: 06341-9858-16, Fax: 06341-9858-25, E-Mail: blittersdorff@energiegenossenschaften-gruenden.de.
05.07.2012, Landau


















