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Aufruf: Die Gesellschaft im Wahlkampf nicht spalten

Gemeinsames Wort der Kirchen in Baden, in Elsass-Lothringen und in der Pfalz zum Wahljahr 2017

Kehl/Strasbourg (ekiba/lk). Anlässlich der in diesem Jahr bevorstehenden Wahlen in Frankreich und in Deutschland haben die evangelischen Kirchen in Baden, der Pfalz und in Elsass-Lothringen ein gemeinsames Wort veröffentlicht, in dem sie dazu aufrufen, die Gesellschaft im Wahlkampf nicht zu spalten und keine Vorurteile gegen einzelne Menschen oder Gruppen zu säen. Die Leitenden Geistlichen Jochen Cornelius-Bundschuh (Baden), Christian Albecker (Elsass-Lothringen) und Christian Schad (Pfalz) verlasen die Erklärung am heutigen Montag (9. Januar 2017) auf der deutsch-französischen Fußgängerbrücke zwischen Kehl und Strasbourg.

Im vorangehenden Pressegespräch rief der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh dazu auf, wählen zu gehen und bezog sich dabei auf das Jubiläumsjahr der Reformation 2017. „Die reformatorische Botschaft betont die Verantwortung für die Welt“, sagte der Landesbischof. „Anstelle von Angst, Bevormundung und Engstirnigkeit setzt sie das Vertrauen, das eigenständige Denken und den weiten Horizont der Gläubigen“. Neun Monate vor der Bundestagswahl rief der Landesbischof dazu auf, die politische Debatte nicht von einem einzigen Thema bestimmen zu lassen, sondern die großen Themen soziale Gerechtigkeit, Rente und Klimawandel mit zu berücksichtigen.

Der Kirchenpräsident der Union des Églises protestantes d’Alsace et de Lorraine, Christian Albecker, warnte vor einer Instrumentalisierung der Religion für eine Politik der Abgrenzung. „Wir sind zuallererst Franzosen und unterscheiden uns dann erst als Christen oder Muslime“, sagte Albecker. Er distanzierte sich auch von einem Verständnis von Religion als Privatsache. „Gerade in der französischen Öffentlichkeit wird derzeit sehr viel über religiöse Fragen debattiert“, erklärte der Kirchenpräsident vor den zahlreichen deutschen und französischen Medienvertretern in der Kehler Friedenskirche.

Christian Schad, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche), nannte die reformatorische Botschaft „eine Gegenstimme gegen die Angst und einen Einspruch gegen alle, die mit der Angst der Menschen spielen, um daraus Kapital zu schlagen“. Die protestantischen Kirchen wollten ihren Beitrag dazu leisten, dass Deutschland und Frankreich Motor der europäischen Integration bleiben. Schad rief zu einem „gastfreundlichen Europa“ auf: "Wir werden der Angst nicht dadurch Recht geben, dass wir in unseren Ländern ein Bollwerk gegen alles Fremde errichten und uns entzweien lassen, nur weil wir aus unterschiedlichen Kulturen stammen oder auf verschiedene Weise unseren Glauben leben." Zugleich kündigte der Kirchenpräsident an, dass die Kirchen mithelfen würden, das Thema „soziale Gerechtigkeit ins Zentrum der gesellschaftlichen Debatte“ zu rücken. "So wollen wir die Sorgen der Menschen tatsächlich ernst nehmen, ohne Scheinlösungen aufzusitzen, die in der Gefahr stehen, nur Sündenböcke zu benennen", sagte Schad.

Am 23. April 2017 ist die Präsidentschaftswahl in Frankreich, im September wird der Deutsche Bundestag gewählt. Am 26. März 2017 wird auch der Landtag des Saarlandes gewählt.

Die Erklärung in Deutsch und Französisch:

Ein neues Jahr beginnt und es ist für uns der Anlass, all unseren Gemeindegliedern, sowie den Bürgerinnen und Bürger der Grenzregion ein friedvolles und behütetes Neues Jahr zu wünschen.

In diesem Jahr finden in unseren Ländern Wahlen statt, im Frühjahr ist die Präsidentschaftswahl in Frankreich, im September die Bundestagswahl in Deutschland.

Wir bitten Sie: Nutzen Sie die demokratische Freiheit in unseren Ländern! Machen Sie von Ihrem Wahlrecht Gebrauch und gehen Sie wählen!

Als evangelische Christinnen und Christen gedenken wir in diesem Jahr der Reformationsgeschichte, die vor 500 Jahren auch in unserer Region am Oberrhein ihren Anfang nahm. Drei Grundelemente unseres Glaubens sind uns in der politischen Auseinandersetzung besonders wichtig:

1.            Jeder Mensch besitzt als Ebenbild Gottes eine unverlierbare Würde; sie hat in den Menschenrechten eine rechtlich fassbare Form gefunden. Wir widersprechen deshalb allen Versuchen, Menschen in ihrer Freiheit einzuschränken oder sie auszugrenzen.

2.            Jesus Christus stellt sich an die Seite der Schwachen, der Armen und der Fremden. Wir wollen ihm auf diesem Weg folgen und setzen uns deshalb in unseren Ländern und gemeinsam in Europa für Humanität, Solidarität und Nächstenliebe ein. Wir sehen uns als Christinnen und Christen in einer besonderen Verantwortung, auch weltweit für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzutreten.

3.            Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes. Wir betrachten die Vielfalt der regionalen, nationalen, kulturellen und religiösen Traditionen als Herausforderung und als Reichtum unserer Länder und Europas. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben Christinnen und Christen einen wesentlichen Beitrag zur Versöhnung unserer beiden Länder geleistet. Das verstehen wir heute angesichts neuer Herausforderungen zu Versöhnung und Integration als Gabe und Aufgabe zugleich: Wir suchen den Dialog, gerade auch mit anderen Religionen und Weltanschauungen, wir tragen bei zu einer Kultur der Aufmerksamkeit und warnen vor Konzepten der Abgrenzung und vor nationalen Alleingängen.

Wir bitten alle Bürgerinnen und Bürger, alle Parteien und Gruppen, die Gesellschaft im Wahlkampf nicht zu spalten, sondern sachlich und fair miteinander umzugehen. Wir wehren uns gegen alle Versuche, um politischer Macht willen, Vorurteile und Hass gegen einzelne Menschen oder Gruppen zu säen.

Wir wachsen nur gemeinsam im Dialog und im gegenseitigen Respekt.

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Une nouvelle année commence, et c’est pour nous l’occasion d’adresser nos vœux les plus sincères à tous les membres de nos communautés et à tous les citoyens de nos régions frontalières pour une année de paix et de fraternité.

Mais cette année sera aussi une année d’élections dans nos deux pays : élections présidentielles en France et élections au Bundestag en Allemagne. Bénéficiant dans nos deux pays du privilège de la liberté démocratique, notre premier devoir est d’user de notre droit d’électrice et d’électeur et d’aller voter.

Les chrétiens protestants se souviennent en cette année 2017 de l’histoire de la Réforme qui a également pris son essor, voilà 500 ans, dans notre région du Rhin supérieur. Trois convictions résultant de notre foi protestante nous semblent particulièrement importantes pour le débat politique à venir :

1.            Créé à l’image de Dieu, chaque être humain possède une dignité inaliénable, dont les Droits de l’homme constituent l’expression juridique. Nous nous élevons donc contre toutes les tentatives visant à limiter ou à mettre entre parenthèses ces droits.

2.            Jésus le Christ s’est résolument placé du côté des faibles, des pauvres et des étrangers. A sa suite, nous nous engageons dans nos pays respectifs et ensemble en Europe, en faveur de l’humanité, de la solidarité et de l’amour du prochain. En tant que chrétiens, nous sommes appelés à nous engager, partout dans le monde, au service de la paix, de la justice et de la sauvegarde de la création.

3.            Chaque être humain est une créature de Dieu. Nous considérons la diversité des cultures et traditions régionales et nationales à la fois comme un défi et une richesse pour nos pays et pour l’Europe. Au lendemain de la deuxième guerre mondiale, les chrétiens ont apporté une contribution majeure à la réconciliation de nos deux pays. Aujourd’hui, nous sommes confrontés à de nouveaux défis concernant nos responsabilités et nos devoirs dans le domaine de la réconciliation et de l’intégration : Nous recherchons le dialogue, en particulier avec d’autres religions et philosophies, nous cherchons à encourager une culture de la bienveillance et rendons attentif au danger que représentent actuellement les dérives nationalistes et identitaires.

Nous invitons les citoyennes et les citoyens, les partis et les mouvements de nos pays à veiller à ne pas diviser la société durant les campagnes électorales et à se traiter mutuellement avec respect et objectivité. Nous nous élevons contre toutes les tentatives visant à répandre, en vue d’accéder au pouvoir, un climat de suspicion et d’exclusion à l’encontre d’individus ou de groupes d’individus.

Nous ne grandirons qu’ensemble, dans le dialogue et le respect mutuel.

09.01.2017, Kehl, Strasbourg
Pressemeldung 04/2017

Von links: Die Leitenden Geistlichen Christian Schad (Pfalz), Christian Albecker (Elsass-Lothringen) und Jochen Cornelius-Bundschuh (Baden). Foto: ekiba

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