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Trostbuch für einen angstfreien Glauben

Pfälzischer Pfarrertag befasst sich mit dem Heidelberger Katechismus

Kaiserslautern (lk). Als Trostbuch gegen den Gottes-Zweifel hat der Münsteraner Theologieprofessor Michael Beintker den Heidelberger Katechismus (Heidelberger) bezeichnet. Auch wenn es keinen Glauben ohne Anfechtung gebe, gehe es dem Heidelberger um einen angstfreien Glauben, sagte Beintker beim Pfälzischen Pfarrertag in Kaiserslautern. Wo geglaubt werde, brauche am Heil nicht gezweifelt zu werden, so Beintker im Blick auf die Aussagen des Katechismus. Sein Ziel sei die Befreiung aus Zwang und Banalität, „die Befreiung zur Wiederentdeckung des Evangeliums, dessen sich niemand zu schämen braucht“.

Nach Auffassung von Beintker bündeln sich alle Fragen des Heidelbergers in der ersten Frage nach dem „einzigen Trost im Leben und im Sterben“.  Demnach gründe sich das evangelische Glaubenswissen im Trost. Die Trostbedürftigkeit des Menschen sei dabei nicht nur den seelsorgerlichen Grenzzonen vorbehalten. Im Gefühl allgemeiner und persönlicher Bedrohungen im Alltag könnten selbstgewählte Gegengewichte durchaus für zeitliche Beglückung und Entrückung sorgen. Echter Trost sei jedoch nur der österliche Trost, denn „nur das, was den Menschen im Sterben tröstet, ist eigentlich fähig, auch im Leben zu trösten“, sagte Beinker.

Nach dem Heidelberger sei die eigentliche Alternative des Menschen, entweder den Mächten der Welt oder Christus zu gehören. Wer zu Christus gehöre, in dem erfülle sich das Menschsein. Gegen die Kapitulation vor den Mächten des Bösen, der Sünde und des Todes stelle der Heidelberger die geistliche Auferstehung des Menschen in eine neue Existenz und damit seine Befreiung durch Gott zum Guten, erläuterte Beintker.

In seiner Andacht zu Beginn des Pfarrertages erinnerte Kirchenpräsident Christian Schad daran, dass der Heidelberger Katechismus ursprünglich das Trost- und Erbauungsbuch der in die Kurpfalz gekommenen Glaubensflüchtlinge gewesen war. „Am eigenen Leib haben sie erfahren, was es heißt, keine ‚bleibende Stadt‘ zu haben“, sagte Schad. Im täglichen Memorieren der Katechismusfragen und -antworten hätten die Flüchtlinge jedoch „sehnsuchtsvoll Ausschau nach der zukünftigen Stadt“ gehalten. 

Wer im Vertrauen auf Gott, die Möglichkeit des Besseren für die Welt und jeden ganz persönlich festhalte, der sei im Sinne des Heidelbergers „ganz bei Trost, ganz bei Gott, ganz beim Nächsten“. Diesem Nächsten gelte es „Geduld, Frieden, Sanftmut, Barmherzigkeit und Freundlichkeit“ zu erweisen und „soviel uns möglich ist, Schaden von ihm abzuwenden“, zitierte Schad die Antwort auf die 107. Frage des Katechismus. Der Kirchenpräsident betonte, dass mit dem Nächsten nicht nur die christlichen Nachbarn gemeint seien. Gottes bedingungslose Zuwendung und Treue befähige die Menschen, auch dem Fremden und Anderen tolerant zu begegnen.

Zum Pfälzischen Pfarrertag hatten aus Anlass des 450. Jubiläums des Heidelberger Katechismus' der Verein Pfälzischer Pfarrerinnen und Pfarrer und der Landeskirchenrat der Evangelischen Kirche der Pfalz eingeladen. Der Heidelberger gilt als einer der wichtigsten Lehr- und Bekenntnistexte der Reformation. In 129 Fragen und Antworten entfaltet der Text die Inhalte des christlichen Glaubens nach reformiertem Verständnis. Sein Hauptautor Zacharias Ursinus lehrte u.a. am Casimirianum, der reformierten Universität der Kurpfalz, in Neustadt.

05.03.2013, Kaiserslautern
Pressemeldung 49/2013

Professor Michael Beintker. Foto: lk

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